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Erfahrungsbericht von denali

Albanow, Valerian/"Im Reich des weißen Todes" : Überlebenstraining

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

So zwischen Kriminalgeschichten benötige ich zur Abwechslung auch mal Lesestoff anderer Coleur. Und weil neben den Abenteuern der frühen Flugpioniere auch die Geschichten der Entdecker unserer Welt sehr interessant sein können, kamen eben diese Tagebuchaufzeichnungen des Valerian Albanow, mit denen er seine Irrwegen im Nordpolarmeer dokumentierte, mit in den Koffer und auf die Reise.

Wie? Ihr kennt Albanow nicht? Ehrlich gestanden, mir ging es bis vor Kurzem genauso. Viele kennen das Wettrennen zum Südpol mit dem tragischen Ende für den unterlegenen Scott. Manch einem ist auch noch Fritjof Nansen mit seinem Schiff „Fram“ ein Begriff. Hinter all diesen Namen steht das Streben nach Entdeckung des Unbekannten, Albanow war aber mehr Opfer eines Unglückes. Er schrieb die Erlebnisse über seine unfreiwillige Polar-Expedition (wie bereits erwähnt) in Tagebuchform nieder und heraus kam ein Spannungswerk.

Inhalt:

1912, die Welt vor dem Ersten Weltkrieg. Ebenso die Welt im Streben nach neuen technischen Höchstleistungen. So rauschte die „Titanic“ in diesem Jahr in ihr Verderben.....
In Russland wollte man zu dieser zeit andere Ziele erreichen, nämlich Wladiwostock (weit im asiatischen Teil des riesigen Landes) auf dem Seeweg oberhalb des Festlandes. Diese Route hoffte man, in drei Monaten bewältigen zu können (ohne den Berücksichtigung des Weges bis in das Polarmeer). Ebenso verlockte die Aussicht, dass mögliche Jagderfolge (Walross, Polarbär) während der Überfahrt, die Kosten in Grenzen halten würden. So verließ die „St. Anna“ mit ihrer 24-köpfigen Besatzung am 28.07.1912 St. Petersburg.
Dass durchaus realistisch mit Problemen gerechnet wurde, erkennt man an der Zuladung von Proviant für 18 Monate, jedoch rechnete niemand mit extrem ungünstigen Witterungsverhältnissen. Einer dänischen Wetteraufzeichnung zufolge, herrschte im Jahr 1912 in diesen Breiten der schwerste Eisgang der letzten 20 Jahre. Deswegen scheiterten auch westeuropäische Polarexpeditionen recht früh.

Vor der Jamal-Insel, auf dem 71. Breitengrad (folgt man mit dem Finger auf einem Globus, so ist da nicht mehr viel, Europa - außer Spitzbergen – sowieso nicht und Alaska ist auch schon am Ende), saß das Schiff dann im Eis fest. Die Drift des Eises und die Strömungen des Meeres trieben die St. Anna immer weiter Richtung Nordpol. Im Januar 1914 (nachdem das Schiff also schon 15 Monate im Eis gefangen war) entschloss sich Albanow zu einem Fußmarsch über das Packeis, um der weißen Hölle zu entkommen. So wurden mit den auf dem Schiff vorhandenen Materialien Schlitten und Kajaks gezimmert und der noch vorhandene Proviant aufgeteilt. Schließlich brach Albanow am 10.04.1914, in Begleitung von 13 weiteren Seeleuten, zu seiner Wanderung auf. Inzwischen hat das Schiff den 83. Breitengrad überquert (zurück zum Globus: hmm, da ist nix - Grönland „hat auch schon fertig“). Ziel der Tour war zunächst Kap Flora, ein Ort, an dem vorherige Polarexpeditionen stabile Unterkünfte gebaut und Vorräte zurückgelassen hatten. Dort, in der Gegend um den 80. Breitengrad (etwa die nördliche Höhe Spitzbergens), wollte man dann überwintern und anschließend weiter nach Nowaja Semlja oder eben Spitzbergen – je nach Wetterlage – weiterziehen. Soweit der Plan....

Von nun an beschreibt Albanow in seinen Aufzeichnungen die Gefahren und Tücken des Marsches. Täglich brachen die Kufen der Schlitten; Frustration über das anhaltend schlechte Wetter; Gefahren mit der Tierwelt (vor allem: Walrösser); die Freude über abwechslungsreiches Essen, wenn Jagderfolg zu vermelden war; die Tücken des Eises und vor allem der Schneeblindheit.
Alles in allem eine Tortur und Schinderei bis zum 09. Juli. Ein viertel Jahr dauerte dieser Höllentrip, bis Albanow endlich Kap Flora erreichte. Außerplanmäßig ging die Weiterreise recht zügig vonstatten und er kam wieder in seiner Heimat an.

Wer wissen will, wie viele Wegbegleiter neben Albanow das Ziel erreichten und das Glück der Heimkehr genießen konnten, muss selbst zum Buch greifen. Soviel sei verraten, von der St. Anna hat man nie wieder etwas gehört....

Meinung:

Der Tagebuchstil, mit dem Albanow hier seine Erlebnisse aufschrieb, ist für den Leser fesselnd. Ungewohnt steht man am Anfang den für uns fremden Maßeinheiten gegenüber, aber wenn man erst einmal im Anhang nachgesehen hat liest man anschließend flüssig über diese Stolperfallen hinweg. Gut finde ich auch, dass neben Albanow in diesem Buch auch N.W. Pinegin, Mitglied der Besatzung der „St. Foka“ – dem Rettungsschiff, zu Wort kommt und seine Sichtweise der unheimlichen Begegnung am Kap Flora schildert.
Wird im Text auf andere, frühere Expeditionen eingegangen (Peary, Amundsen usw.) so werden gewonnene Erkenntnisse daraus in Fußnoten kurz erläutert. Dieses System hält anfangs auch auf, jedoch trägt es sehr viel zum Verständnis des Buches bei. Toll finde ich auch, dass eine Karte des „bereisten“ Gebietes mit den entsprechenden Routen dabei ist, allerdings fehlt der Bezug zum Rest der Welt („Wo sind wir eigentlich?“) und Hinweise von Routen der früheren Expeditionen hätte man ruhig auch darin ergänzen können.

Das Buch:

Zur Zeit wird die 2. Auflage des im Berliner Taschenbuch Verlages gedruckte Version zum Verkauf angeboten (ISBN 3-442-76020-8). Gerade mal 310 Seiten stark wird das spannende Werk für 9,90 Euro dem Interessenten überlassen. Nicht gerade ein Preisbrecher, aber allemal sein Geld wert.

Der Autor (in Kurzform)

Geboren 1881, besuchte im Alter von 17 Jahren die Seefahrtsschule St. Petersburg; bis 1912 verschiedene Einsätze auf den Handelsrouten; nach Rückkehr von dem arktischem Abenteuer fuhr er bis zu seinem Tode im Jahre 1919 weiter zur See.

Fazit:

Eine spannende und kurzweilige Ablenkung zu Kriminalromanen. Ich kenne Werke von einigen sogenannten Spitzen-Autoren, die erstens nicht solche Spannung erzeugen können und zweitens viel länger brauchen, bis sie auf den ominösen Punkt kommen, Bleibt drittens = absolute Empfehlung

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