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Erfahrungsbericht von princesse

Brigitte Aubert - Tod im Schnee

Pro:

sehr unterhaltsam, spannend, kurzweilig, frappierendes Finale

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Nein

\'
Als wir in der Buchhandlung standen sagtest du, da, Brigitte Aubert, sie schreibt gut, lies mal etwas von ihr, es wird dir gefallen. Es war ein guter Rat, das Buch hat mir sehr gefallen.

Elise Andrioli ist die Heldin dieses Romans (oder eher Krimi/Thriller) welche blind und stumm im Rollstuhl sitzt, unfähig zu gehen. Diese Behinderungen zog sie sich im übrigen im Buch der gleichen Autorin \"Im Dunkel der Wälder\" zu, weshalb ich empfehle, zuerst jenen Roman zu lesen und dann diesen. Obwohl ich diesen zuerst las, den andern noch nicht, das geht auch (ich wusste nichts vom ersten Buch) denn es ist eine in sich abgeschlossene Geschichte.

Elise, also im Rollstuhl sitzend, begleitet von Yvette, ihrer Betreuerin, freut sich darauf in einigen Tagen in die Berge zu fahren und den Geruch von Schnee einatmen zu können.

Doch dann bekommt sie ein merkwürdiges Fax, welches an ihre Autorin gesandt wurde, die im Buch B.A. heisst (Brigitte Aubert) und der sie ihre Geschichte verkauft hatte ( \"Im Dunkel der Wälder\" ). Das Fax ist unterschrieben von C.A. Nidal ( der Name ist sowohl Elise als auch Yvette unbekannt) und enthält einen merkwürdigen und beunruhigenden Text. Bald darauf wird eine junge Frau ermordet und jemand schickt Elise ein frisches Steak und noch eins. Und dann wird noch eine Frau ermordet und Elise wird von einem Zentrum für gehandicapte Menschen eingeladen, weil sie im Fernsehen war und ihre Behinderung so toll meistert, sie soll dort motivierend auf andere Behinderte (ein)wirken. Aber gerade in diesem Zentrum passieren ebenfalls beunruhigende Dinge und bald ist klar, dass das Leben Elises bedroht wird und sie nur durch Einsatzes ihres scharfen Verstandes eine Chance hat ihr Leben zu retten. Das Buch endet dann in einem furiosen Showdown und bleibt spannend bis zur letzten Seite.

Der Roman ist sehr lebendig geschrieben, sehr viel direkte Rede, die Charaktere sind gut herausgearbeitet und Brigitte Aubert hatte es geschafft, dass ich mich neben Elise in den Rollstruhl setzte und mit ihr mich freute, mich ängstigte und mich wehrte wenn uns jemand angriff. Ich grübelte mit ihr zusammen über dem Rätsel wer der/die Mörder sein könnten und als wir es wussten waren wir gleichermassen entsetzt und erstaunt. Ein unheimlich spannendes Buch, und ich werde unbedingt \"Im Dunkel der Wälder\" auch noch lesen und nicht nur das, Brigitte Aubert hat noch mehr geschrieben: (1)

... nun ja, aber eines nach dem andern. Erst einmal zurück zu \"Tod im Schnee\", ein kleiner Auszug:

\"[...]
\"Elise...\"
Ich zucke zusammen. Habe ich geträumt, oder hat eben jemand unter dem Fenster meinen Namen geflüstert?
\"Elise...\"
Nein, ich träumte nicht. Jemand ruft mich. Yann? Mit der gesunden Hand ziehe ich das Fenster ein Stück weiter auf und berühre etwas. Ein Gesicht? Ja, ich glaube, es ist ein Gesicht. Ich strecke den Arm aus, aber ins Leere. Dann schliesst sich meine Hand um ein weiches Päckchen.
\"Für dich, mon amour\" flüstert die Stimme.
Also wieder!
Schnell, schnell, mein Block: Wer sind Sie? Ich halte den Zettel ans Fenster.
Ein kleines unangenehmes Lachen. Eine warme Hand streift die meine. Ich ziehe sie zurück. Dann Schritte, die sich entfernen. Mein mysteriöser Besucher ist fort! Ich steuere mit meinem Rollstuhl auf Yvette zu, die von allem nichts bemerkt hat. Ich befühle das kleine weiche Päckchen und schnuppere daran. Wie erwartet, riecht es nach Fleisch. Der Steakspender hat erneut zugeschlagen.

Steak. Oh, mein Gott! Steak. Mir ist es, als hätte man mir einen Schlag in die Magengrube versetzt. [...]\"

Kurz zuvor erfuhr man aus der Zeitung, dass einer der ermordeten Frauen grosse Fleischstücke nach deren Tod aus dem Körper geschnitten wurden....

Nein, der Roman lebt nicht von schrecklichen Szenen, sondern eher von dem unausgesprochenen, den Ahnungen, dem was wir hinter all dem vermuten. Wenngleich der Horror stets um die Ecke zu schielen scheint, wachsam und bereit, uns jederzeit ins Gesicht zu springen. Aber eben, nur immer fast.

Was mir besonders gefiel waren die Sturheit und Unerbittlichkeit der Hauptfigur, dieses \"sich nicht unterkriegen lassen\" obwohl die Umstände dagegen sprechen dass sie irgendetwas gewinnen, irgendjemanden besiegen könnte, immerhin war sie blind, gelähmt und stumm. Beim lesen dachte ich unwillkürlich an eine Freundin, die ebenfalls gehandicapt ist, auch sie lässt sich nie unterkriegen, sie kämpft auch mit allen Mitteln.

Und als charmante Einlage taucht Brigitte Aubert, gleich Alfred Hitchcock in seinen Filmen, in dem Buch auf in einer Nebenrolle, allerdings in ihrer echten, sie ist die Autorin der Geschichten, die Elise passieren, sie wird nur al A* B* bezeichnet aber es ist klar, wenn Elise von A* B* spricht als ihrer Autorin ist Brigitte Aubert gemeint.

Brigitte Aubert wurde 1956 in Cannes geboren.
Sie schreibt neben Romanen auch Drehbücher und ist Produzentin der erfolgreichen \"Serie noire\", einer Koproduktion von Gallimard und dem französischen Fernsehen TF1.
Brigitte Aubert gilt als die französische Antwort auf die angelsächsische Krimi-Königinnen und kann sich durchaus mit denselben messen.

Für \" Im Dunkel der Wälder \" wurde sie 1996 mit dem französischen Krimipreis ausgezeichnet.

Biografie: http://site.voila.fr/brigitte_aubert
(allerdings auf französisch).

Paperback, ISBN 3-442-72780-4, € 9.00, btb-Verlag



(1)
Die vier Söhne des Doktor March - Les 4 fils du Docteur March - 1992 / 1997 btb

Marthas Geheimnis - La rose de fer - 1993 / 1998 btb

Tenebres sur Jacksonville

Im Dunkel der Wälder - La Mort des bois - 1996 / 1999 btb

Karibisches Requiem - Requiem Caraïbe - 1997 / 1999 btb

Sein anderes Gesicht - Tansfixions - 1998 / 2000 btb

La Morsure des tenebres 2000

Eloge de la Phobie 2000

Der Puppendoktor - Le Couturier de la mort - 2000 / 2002 btb

Tod im Schnee - La Mort des neiges - 2000 / 2001 btb

La Morte delle nevi - 2001

Nachtlokal - Descentes d`órganes - ´2001 / 2002 btb



\'


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-07 23:41:02 mit dem Titel Brigitte Aubert - Im Dunkel der Wälder

\'


Der Tod folgt dem Menschen wie ein Schatten, begleitet ihn auf Schritt und Tritt. (1)



\"Es regnet. Ein heftiger, dichter Regen prasselt gegen die Fensterscheiben. Ich höre, wie der Wind an Fenstern und Türen rüttelt. Yvette eilt geschäftig umher, schliesst die Fensterläden, legt die Riegel vor. Gleich wird sie mir das Abendessen bringen. Ich werde nichts anrühren, ich habe keinen Hunger. Sie wird darauf bestehen, dass ich etwas esse, wird böse werden. Sie wird mir sagen: >> Kommen Sie schon, Elise, bitte, Sie müssen etwas essen, Sie müssen schliesslich wieder zu Kräften kommen. > Leider müssen wir die Sendung wegen einer Bild- und Tonstörung unterbrechen. Ich bin stumm, blind und kann mich nicht rühren. Um es auf den Punkt zu bringen, eine lebende Leiche. Yvette kommt, ich höre ihre raschen Schritte. [....]“ (S. 7)

So beginnt der Krimi und wir wissen auch gleich, es wird anders sein mit der vorliegenden Geschichte. Die Hauptfigur ist kein alternder Kommissar mit zerrütteten Eheverhältnissen (H. Mankell) und auch keine rüstige, ältere und charmante Hobby-Dedektivin (A. Christie) sondern eine Frau, unfähig sich zu bewegen oder sich anfänglich auch nur in irgendeiner Weise mitzuteilen. Ein wacher widerspenstiger Geist, der in einem nutzlosen Fleischklumpen, einem attraktiven zwar aber dennoch nutzlosen, eingeschlossen ist.

Elise Andrioli hatte zwei Monate zuvor einen Unfall, das erfahren wir rückblickend, bei dem sie ihren Lebensgefährten verlor und gleichzeitig zum Krüppel wurde.
Anfangs weiss ihre Umgebung nicht, ob sie überhaupt etwas mitbekommt, man weiss nicht, ob ihr Verstand nicht auch mitexplodiert ist beim damaligen Bombenattentat.
Und so finden wir Elise, im Bett liegend oder im Rollstuhl sitzend, ihren Gedanken nachhängend und auf die Umgebungsgeräusche achtend. Und dann lernt Elise Virginie kennen, ein kleines Mädchen, welches ihm von der „Bestie im Walde“ erzählt, die sich kleine Jungs holt und diese dann tötet. Die Bestie tötet nur jene Jungs, die ihr besonders gut gefallen. Virginie erzählt, dass sie die Bestie kennt und auch weiss, wo der nächste tote Junge liegt und dass sie, Virginie, keine Angst zu haben braucht vor diesem Monster, denn es tötet ja nur 8jährige Jungs.
Man versetze sich in Elises Lage, sie sitzt im Rollstuhl vor dem Supermarkt, wartend auf Yvette, die gerade ihre Einkäufe erledigt, und ein kleines Mädchen erzählt von einem Serientäter, der in der Umgebung sein Unwesen treibt. Und sie kann nichts unternehmen, kann das Mädchen nicht fragen, kann es keinem weitererzählen und das in dem Wissen, dass die Bestie weitermorden wird.

Dann, beim nächsten Treffen mit Virginie, Elise ist mittlerweile in der Lage, einen Zeigefinger zu bewegen, bemerkt die Kleine dies und Elise ist zumindestens Virginie gegenüber in der Lage, Aufmerksamkeit zu signalisieren. Virginie erzählt wieder von Bestie, nennt aber keinen Namen.
Mittlerweile wurden die Leichen von zwei Jungs gefunden, übel zugerichtet. Man erinnert sich an frühere Fälle und die Polizei geht nun davon aus, es mit einem Serientäter zu tun zu haben. Inzwischen haben auch die Erwachsenen in Elises Umgebung, dank dem Kind, bemerkt, dass sie alles versteht um sich herum und via Zeigefinger kommunizieren kann, wenn Elise denn Zeigefinger hebt, heisst das JA. Das ist wenig, aber viel im Vergleich zu vorher, als sie überhaupt keinen Kontakt zur Umwelt aufnehmen konnte. Und bald wird auch Elise angegriffen, jemand trachtet ihr nach dem Leben, und nur mit viel Glück überlebt sie mehr als einmal. - Während Elise in ihrer erzwungenen Dunkelheit stundenlang über dem Fall grübelt und versucht das Rätsel zu lösen.

Als Leser nehmen wir an Elises Gedanken teil, sitzen neben ihr im Rollstuhl und lauschen auf die Geräusche und Stimmen, und versuchen uns vorzustellen, wie die Menschen aussehen mögen, zu denen die Stimmen gehören. Haben Angst mit ihr, wenn wir merken, dass sich der Mörder anschleicht oder irgendwo eine Tür klappert und sind verärgert, weil wir Fruchtsaft trinken sollen, wo uns ein kräftiger Kaffee oder ein ordentliches Bier hundertmal lieber gewesen wäre. Nur, solange wir unsere Wünsche keinem mitteilen können und darauf angewiesen sind, dass andere diese erraten oder wenigstens Fragen ob wir das eine oder andere wollen, müssen wir uns mit den Gegebenheiten abfinden. Und wenn uns Yvette, die es nur gut meint, das Radio oder den Kassettenrecorder einschaltet, viel zu laut übrigens, obwohl uns das dargebotene nicht interessiert oder gar nervt, können wir auch dies nicht ändern.

Alleine der Gedanke, all diesem ausgesetzt zu sein, ist schon fürchterlich, wenn dann aber auch noch das eigene Leben bedroht wird.... Ist das nicht schier unvorstellbar?
Und so düsen wir durch den Krimi, etwas atemmlos, etwas ängstlich manchmal, aufgeregt, neugierig, was hinter der nächsten Ecke abscheuliches auf uns wartet und in dem Augenblick zupackt, wo wir es wagen, unsere vorwitzige Nase zu weit vorzustrecken. Denn – wir könnten das Buch ja auch einfach weglegen und alles wird gut, nichts weiter wird mehr passieren. Aber dann werden wir auch nie erfahren, wie es weitergeht, wie Elise mit alldem fertig wird und wer letztendlich der Mörder ist.

Kaum ein Autor hat es derart wie Brigitte Aubert geschafft, mich als passionierte Krimileserin auf die falsche Fährte zu locken, selten war ich von der Wahrheit so sehr entfernt wie bei den beiden Krimis Auberts, welche ich mittlerweile gelesen habe. Der andere \"Tot im Schnee“ der eigentlich nach diesem kommt und auch wieder Elise im Mittelpunkt hat, birgt genauso wie dieser hier jenen Hauch von Horror in sich, der, wohldosiert, gerade noch erträglich ist für den Durchschnitts-Krimi-Leser.
Und gleichermassen ist auch hier das Ende, in dem einen Buch wie in dem anderen, im Grunde völlig absurd, eine Situation, die unser Vorstellungsvermögen im Normalfall an den Rand desselben bringt, aber eben nur an den Rande. Und das ist fast schon wieder genial.

Das Buch ist wie bereits erwähnt in der Ichform geschrieben, wir teilen die Gedanken Elises, wir sitzen sozusagen neben ihr im Rollstuhl (so zumindestens fühlte ich mich beim lesen). Die Geschichte ist schnell, lässt kaum Zeit zum luftholen dazwischen, es ist sehr spannend und ich habe das Buch in einem Zug durchgelesen.

Im „Dunkel der Wälder“ wurde mit dem französischen Krimipreis ausgezeichnet.

Verlag: dtb, erschienen 1996
Taschenbuch, 284 Seiten, ISBN 3-442-72163-6, 8,50 Euro.
Originaltitel \"La Mort de Bois\", übersetzt aus dem Französischen von Elian Hagedorn und Barbara Reitz










(1) Sprichwort des Baule-Stammes (Elfenbeinküste)


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