Erfahrungsbericht von Gering
Thriller, der gekonnt hinters Licht führt
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Zeit der Rache / Lee Child
Lee Child ist ein neuer Name in der Thrillergattung, doch wenn seine zwei anderen Bücher, die derzeit in Deutschland zu haben sind, ähnlich gut sind, wird es sich bald mit der Unbekanntheit gehabt haben.
INHALT
Jack Reacher ist ein ehemaliger Major der US-Army Militärpolizei, also von dem Haufen, der gewohnt ist, auch mal weniger feinfühlig mit Mitmenschen, bevorzugt in der Uniform der US-Streitkräfte, umzugehen. Er lebt in nahe New York in einem Haus, dass ihm sein ehemaliger Vorgesetzter vererbt hat und ist mit dessen Tochter, einer aufstrebenden Anwältin, liiert. Die Army hat er verlassen in der zeit, als Sparzwänge zu einer Verkleinerung führen sollten und ihm dann nur ein Schreibtisch, zwar als Colonel, geblieben wäre. Gewohnt, in der Weltgeschichte herumzuziehen und nur einige Monate immer an einem Ort zu bleiben, nahm er deshalb seinen Abschied. Nun ist er berufs – und ziellos, denn der Besitz des Hauses und auch seine Freundin binden ihn in New York
In einem Lokal wird Reacher Zeuge einer versuchten Schutzgelderpressung und – typisch für den handfesten amerikanischen Gerechtigkeitssinn – schreitet er gleich zu Tat. Er stellt den beiden Erpressern eine Falle, welche diese mit eineigen ernsteren Plessuren wieder verlassen können.
Zeuge dieses Vorganges waren ein Paar, das sich später als FBI – Agneten entpuppt: Diese warten nämlich schon mit einem Einsatzkommando vor seinem Haus und nehmen ihm auf nicht ganz legale Art und Weise seine Freiheit.
Ziel der FBI – Aktion ist es, Reacher gefügig zu machen, denn das FBI ermittelt gegen einen Serienmörder, der vermutlich mit der Army in Kontakt steht oder aber noch in der Army ist.
Getötet werden Frauen, die ehemals in der Army waren und die Army wegen sexueller Belästigung verklagt hatten.
Zwei dieser Frauen wurden in ihren Badezimmern jeweils in einer Wanne, angefüllt mit dem Tarnanstrich der US-Army, tot aufgefunden. Die Todesursache ist nicht zu ermitteln.
Die Profilier des FBI, allen voran die FBI Agentin Julia Lamarr, sind der Meinung, dass der Täter ein Persönlichkeitsprofil ähnlich wie Reacher haben muss. Lamarr ist nebenbei auch eine Expertin auf dem gebiet der Hypnose.
Nun ist sich das FBI zwar sicher, dass Reacher als Täter ausscheidet, dennoch ist sie auf ihn und sein Wissen angewiesen. Denn Army und FBI harmonisieren nicht unbedingt miteinander und deshalb benötigt man Reacher als Mittelsmann mit Beziehungen.
Deshalb setzt man ihn unter Druck. Einerseits droht man ihm an, dem Chef des Schutzgeldringes, dem er ein Geschäft vermiest hat, seinen Namen und den seiner Freundin mitzuteilen. Dazu zeigt man ihn aussagekräftige Fotos weiblicher Opfer, an denen sich der Schutzgeldring gerächt hatte. Auf einer anderen Schiene droht man ihm an, ihn wegen Schutzgelderpressung zu belangen.
Reacher bleibt zunächst nichts anders übrig, als das bittere Spiel mitzuspielen, doch so recht von Erfolg ist sein Wirken nicht unbedingt gekrönt. Eine dritte Frau, die Schwester der FBI Agentin Lamarr, wird ebenfalls ermordet und noch immer fehlt jeder Hinweis auf die Tötungsart.
Man tritt im Leeren.
Zwar sammelt man eine Menge Details und Indizien, doch im Endeffekt bringt das die Ermittlungen nicht weiter, denn der Täter hinterlässt keinerlei Spuren an den Tatorten.
Ein erster wichtiger Fortschritt freilich ist, dass Reacher die Zahl der vermutlichen Opfer auf insgesamt elf Frauen eingrenzen kann, von denen nun 3 schon tot sind.
Reacher ist bald der Meinung, dass hinter den Morden ein Schmugglergeschäft steckt, bei dem es um gestohlene Waffen der US Army geht und bei dem unliebsame Zeuginnen aus dem Werg geräumt werden sollen.
MEINUNG
Wenn der Fall wirklich so einfach wäre, wie er oben in der knappen Inhaltsangabe dargestellt ist, wäre das Buch allerhöchstes durchschnitt. Aber CHILD führt den Leser ein ums andere Mal auf eine – glaubhafte aber falsche – Spur, und das Ende des Buches, das hat es wirklich in sich.
Reacher als Titelheld einer ganzen Serie ist ein sympathischer Typ, gut aussehend, beachtet von den Frauen, selbstbewusst und auf seine Art erfolgreich. Als ehemaliger Ermittler der Militärpolizei ist ihm die Polizeiarbeit bei weitem nicht fremd.
Zudem ist er ein Schlitzohr, der um mehr Ecken zu denken vermag, als das FBI – Hauptquartier ebensolche hat. Insofern ein Garant dafür, dass die Serie wirklich ein Erfolg werden kann.
Vor allem das FBI kommt in dem Buch nicht allzu günstig davon: Grob gesagt kann man die FBI Agenten als eine Gruppe von Rechtsbeugern beschreiben, die gegen jegliches Recht die Rechte einzelner Personen bescheiden, um in ihren Ermittlungen voranzukommen. Zudem erscheinen viele von ihnen als arrogant und eingebildet, wobei Reacher das Gegenstück dazu bildet.
Machtvoll aber fantasielos, so beschreibt CHILD das zentrale Ermittlungsorgan der amerikanischen Kriminalbehörden, die auch nicht davor zurückschrecken, zu vertuschen und Fakten zu „verdrehen“.
Das mag ungewöhnlicher klingen, als es tatsächlich ist, denn vielen Nichtamerikanern ist die Machtfülle diverser amerikanischer Behörden suspekt: Man denke an das FBI, CIA usw. usf., die schon häufiger in nicht ganz sauberen Aktionen aufgefallen sind. Nun ist CHILD, wenn ich das richtig verstanden habe, ein Britte und somit kann diese Negativbeschreibung allgemein als Sicht eines Nichtamerikaners gelten. Ein amerikanischer Schriftsteller freilich hätte diese „Verteilungsbastionen des amerikanischen Rechts“ sicherlich deutlich positiver herausgestellt.
Insofern ist das Buch auch eine versteckte Gesellschaftskritik, denn die Erfinderin der neuen Demokratie, die USA, gilt auch heute noch als Staat, in denen Ungleichheit gelebt wird, in der bestimmte Minderheiten rechtlich deutlich besser behandelt werden, als andere Mehrheiten. Und das die oben genannten Behörden beispielsweise in das deutsche Demokratieverständnis so gar nicht hineinpassen würden, braucht sicherlich nicht erwähnt zu werden.
Insgesamt gesehen ein ungemein lesenswertes und abwechslungsreiches Buch, dass zeigt, dass Child das Handwerk des Thrillers meisterhaft beherrscht.
Michael
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-09 12:35:02 mit dem Titel Scharfer Titel, stumpfer Inhalt !?!?
Das Skalpell - Carson, Paul
Als „Hochspannung pur“, als ein „Glanzstück erster Gattung“ schätzt die Frankfurter Rundschau das Buch von Paul Carson: DAS SKALPELL ein, und damit zeigt sich deutlich, dass auch Literaturredaktionen angesehner Tageszeitungen mal so richtig daneben greifen können.
Denn: Hätte dieses buch die ersten 60 Seiten nicht, durch die man sich als Leser durchquälen muss, dann, ja dann, dann wäre das Buch sicherlich als sehr gelungen einzuschätzen. Aber die ersten 60 Seiten, die lassen einen recht häufig, eigentlich bei jeder Seite immer wieder von neuem, ans Weglegen denken.
UM WAS GEHT’S
Geschildert wird eigentlich die Geschichte zweier ganz unterschiedlicher Verbrechen, nämlich einer Kindesentführung und der einer Mordserie in eben dem Krankenhaus, in dem das später entführte Kind unter dramatischen Umständen das licht der Welt erblickt hat.
Der kleine Gordon O`Brien ist der langersehnte Filius seines schwerreichen Vaters und seiner im Vergleich zu ersterem doch recht jungen Mutter. Die Geburt des Kleinen lässt auch die Aufmerksamkeit einiger Dubliner Ganoven auf ihn fallen, die sich in der Entführung des Babys ein recht simples Verbrechen mit hoher Erfolgsaussicht ausmalen: Ein Opfer, das niemanden identifizieren kann, ein Vater, der genug Geld auf der hohen Kante hat, und dem das Fehlen einiger Millionen gar nicht auffallen wird.... Nur: Der eigene Horizont wird beim Planen dann doch ein wenig nachlässig kalkuliert....
Parallel zu der Kindesentführung ereignen sich Morde in bzw. im Dunstkreis der Klinik: Mitten in der nacht wird eine Laborassistentin ermordet, und zwar so, dass der Täter dem schon toten Opfer ein Skalpell in den Hals rammte, diesmal und für alle anderen Morde immer Klingengröße 23.
Detectiv Jack McGrath mit seinem Team, darunter auch Detectiv Kate Hamilton, nehmen die Ermittlungen auf, stoßen aber auf eine Mauer des Schweigens vor allem bei der Ärzteschaft. Nicht, dass diese nicht auch entsetzt sind, von der Tat: Aber der Verdacht der Polizei wird immer mehr erhärtet, dass der Täter aus der Klinik selbst stammen muss, und das geht der weißen Herrschaft gegen den Strich.
Und schnell lassen diese Herrschaften ihre Beziehungen spielen: Der sicher nicht gerade diplomatische McGrath muss die Leitung der Ermittlungen an die junge, doch ehrgeizige Kate Hamilton abgeben, womit die sich Ärzteschaft aber einen nicht weniger dicken Brocken eingeheimst hat, während McGrath die Ermittlungen in der Entführung des O Brien Sprösslings übernehmen kann / muss / darf.
Beiderlei Ermittlungen kommen aber nicht so recht voran, bis sich die Ereignisse – auch gelenkt durch Kommissar Zufall – überschlagen.......
___________________
Wäre das ganze Buch so geschrieben wie die letzten hundert Seiten, dann hätte die Frankfurter Rundschau sicherlich recht mit ihrer Einschätzung. So aber beginnt das Buch lähmend langweilig und wie eine alte Dampflok nimmt die Handlung und die Spannung zunehmend Fahrt auf, um im einem imposanten Endspurt wirklich ein sehr gutes Thrillerniveau zu erreichen.
Freilich, so ganz überzeugend kommt beispielsweise der Mörder (zu viel kann hier nicht zu ihm gesagt werden, sonst wird sich die Langeweile der ersten 60 Seiten endlos ausdehnen) und sein Motiv so nicht ganz glaubwürdig herüber. Und auch die Aufklärung des Falles ist eigentlich mehr Zufall (ok, so wie im richtigen Polizistenleben halt, aber ein bisschen mehr Tatendrang der Protagonisten wäre doch für ein Buch nicht ganz so schlimm......) als dass geniale Kriminalistikkunst zur Anwendungen käme.
Und auch der Aufbau der Spannung folgt nun nicht gerade nachvollziehbaren Regeln. Und da ist das Happy End für Kate Hamilton, die ihren Kinderarzt lieben und schätzen lernt, dann eher schon Nebensache.
Für ein GLANZSTÜCK reicht es deshalb allemal nicht, wohl aber für leidlich gute Thrillerunterhaltung, aber ohne großen Glanz der Thriller – Genre – Spitze.
DAS SKALPELL
8.45 Euro
Bastei Lübbe
3-404-14595-x
Michael
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-07 17:50:41 mit dem Titel Waren die 70er wirklich so ...(schlecht?)
Dass man beim Kauf sich darauf verlassen kann, dass man ja ein mündiger Konsument ist, der seine Entscheidung aus diesen oder jenen, auf jeden Fall gut überlegten Gründen getätigt hat, gerade darauf kann ich mich bei mir nun nach dem Kauf von EISBERG von Clive Cussler nicht wirklich mehr sicher sein.
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INHALT
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Major Dirk Pitt, Abteilungsleiter in der us- amerikanischen Meeresbehörde NUMA, ist seines Zeichens auch ein gewitzter Agent wie er im Buche steht, wie ihn die literarische Welt vielleicht seit den Büchern zu den James Bond Filmen nicht mehr erlebt hat – aus guten Gründen.
Nun, in EISBERG geht es eben zu Beginn um einen solchen.
Major Pitt, mit allen feinmotorischen Raffinessen, landet in einem Wahnsinnssturm zusammen mit Hunnewell in seinem kleinen Helikopter auf dem modernsten Küstenwachboot, mit dem geheimen Geheimauftrag, einen Eisberg zu untersuchen, in den ein seit einem Jahr verschollene Luxusyacht eines isländischen Samariters eingeschlossen ist, die wiederum ein ganz großes geheimes Geheimnis enthalten soll, nämlich eine noch mehr geheime Geheimsonde, die in der Lage sein soll, den Meeresboden nach Rohstoffvorräten zu sondieren. Davon weiß natürlich nur Major Pitt und Hunnewell, wobei das Geheimnis ein solch großes ist, dass beide zwar jeweils gleich viel wissen, aber eben nicht dasselbe (verstanden???).
Nun, beide untersuchen den Eisberg, nach dem scheinbar auch die damals noch supermächtige Supermacht UdSSR seinen imperialistischen Machtgriffel auszustrecken versucht. Natürlich haben die Russen die Rechung ohne Major Pitt gemacht, der ihnen ein Schnippchen schlägt, und im Nordmeer den richtigen Eisberg findet. Anstatt aber das Geheimnis lüften zu können, was zu Beginn eines Buches sicherlich dem Spannungsbogen abträglich wäre, ist das gesuchte Geheimnis gar nicht mehr da, dafür ein anderes. Alle Mann an Bord der Jacht sind tot. An Ort und Stelle, dort wo sie standen, bei lebendigen Leibe verbrannt. Und scheinbar mit ihm der Samariter aus Island, ein Unternehmer, der damit für tot erklärt wird.
Überraschender weise werden Major Pitt und Dr. Hunnewell auf ihrem Weiterflug mit dem Helikopter quer über den atlantischen Ozean 150 Meter vor der isländischen Küste von einem Düsenjet abgeschossen, natürlich nicht ohne dass Major Pitt mit seinem Rotor den Düsenjet seinerseits den Fluten übereignet hat.
Die Angreifer sind tot, Hunnewell ebenfalls etwas nach ihnen, nur Pitt überlebt. Auf Island werden dann noch mehrer Mordanschläge auf ihn verübt, die alle mit dem Tod bzw. der Verhaftung der Profikiller enden. Wie auch sonst.
Auf jeden Fall kommen Major Pitt und seine Mitstreiter auf Island einer gigantischen Verschwörung der reichsten Männer der Welt auf die Spur, die ganz Südamerika aufkaufen wollen und so der Welt ihr Zeichen aufdrücken will.
Aber, ihr werdet es nicht glauben: Die reichsten Männer der Welt und die teuersten Profikiller der Welt ebenso, sie alle haben die Rechung ohne Major Pitt gemacht.
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MEINUNG
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1973 erstmals auf dem literarischen Parket scheinbar sogar recht erfolgreich aufgetreten, sah man sich beim Blanvalet – Verlag scheinbar ja fast gezwungen, gut 30 Jahre danach dem deutschen Buchmarkt eine Neuauflage zu bescheren.
Wer dafür im Verlag verantwortlich ist ? Egal, immerhin, es gibt im Verlagsprogramm auch weniger anstrengende Langweiler, sogar gute Bücher.
EISBERG steht in der Tradition der Agententhriller der späten 60er und 70er Jahre, scheint auch Grundzüge von James Bond zu haben, wenn im Vergleich zu Major Pitt James Bond freilich deutlich realistischer zu sein scheint.
Der Autor schreibt seinen Roman in der technischen Zukunft, die ebenso illusionär technikoptimistisch ist/war, wie ich sie in dieser Form nur bei Hans Dominik, dem Erfinder der serialisierten Sci-Fi-Literatur in den 20 Jahren beobachten konnte.
Irre schnelle Düsenjäger, Boote, von denen jeder Kapitän heute noch träumen würde: Schlicht: Das Buch, 30 Jahre alt, spiegelt auch heute noch Technikträume, die Jahrzehnte vor uns liegen mögen.
Und insofern ist das Buch unglaubwürdig, und schon hier langweilig.
Überzogen wird dieser negative Eindruck von der absolut überzeichneten und somit unglaubwürdigen Person des Major Pitt, der es innerhalb von zwei Zeilen schafft von bester Laune in düsterste Stimmung zu gelangen. Schizophren könnte man fast meinen.
Ein Wechsel des Handlungsortes lässt sich locker in wie Sätzen beschreiben, auch wenn dazwischen 8000 Kilometer liegen mögen. In jeder Situation behält Pitt die Übersicht, sogar dann, wenn er sich bewusst halb tot prügeln lässt, um mehr über sein Gegenüber herauszufinden !!!???!!!
Die literarische Schnitttechnik (nennen wir es mal so), ist abrupt: Schnelle Szenenwechsel, ein Superheld wie Supermann, unglaubwürdige Handelnde, eine oberflächlich gestaltete Fabel (hier = Inhaltsstrang), ……….
Und wenn zumindest die Geheimnisse nun prickelnd sein würden. Aber auch hier ist man bei der Auflösung derselben froh, die letzte Seite geschafft zu haben und das Buch weglegen zu können.
Also ehrlich: Ich habe lange kein so miserables Buch gelesen, dass so viele logische Lücken in der Handlung aufweist und so wenig überzeugen kann, wie EISBERG von Clive Cussler.
Aber, die Geschmäcker mögen vor 30 Jahren andere gewesen sein. Dem Blanvalet – Verlag sei aber empfohlen, solche Bücher deutlich kenntlich zu machen, um sich nicht den Zorn der Leser zuzuziehen.
Michael
Lee Child ist ein neuer Name in der Thrillergattung, doch wenn seine zwei anderen Bücher, die derzeit in Deutschland zu haben sind, ähnlich gut sind, wird es sich bald mit der Unbekanntheit gehabt haben.
INHALT
Jack Reacher ist ein ehemaliger Major der US-Army Militärpolizei, also von dem Haufen, der gewohnt ist, auch mal weniger feinfühlig mit Mitmenschen, bevorzugt in der Uniform der US-Streitkräfte, umzugehen. Er lebt in nahe New York in einem Haus, dass ihm sein ehemaliger Vorgesetzter vererbt hat und ist mit dessen Tochter, einer aufstrebenden Anwältin, liiert. Die Army hat er verlassen in der zeit, als Sparzwänge zu einer Verkleinerung führen sollten und ihm dann nur ein Schreibtisch, zwar als Colonel, geblieben wäre. Gewohnt, in der Weltgeschichte herumzuziehen und nur einige Monate immer an einem Ort zu bleiben, nahm er deshalb seinen Abschied. Nun ist er berufs – und ziellos, denn der Besitz des Hauses und auch seine Freundin binden ihn in New York
In einem Lokal wird Reacher Zeuge einer versuchten Schutzgelderpressung und – typisch für den handfesten amerikanischen Gerechtigkeitssinn – schreitet er gleich zu Tat. Er stellt den beiden Erpressern eine Falle, welche diese mit eineigen ernsteren Plessuren wieder verlassen können.
Zeuge dieses Vorganges waren ein Paar, das sich später als FBI – Agneten entpuppt: Diese warten nämlich schon mit einem Einsatzkommando vor seinem Haus und nehmen ihm auf nicht ganz legale Art und Weise seine Freiheit.
Ziel der FBI – Aktion ist es, Reacher gefügig zu machen, denn das FBI ermittelt gegen einen Serienmörder, der vermutlich mit der Army in Kontakt steht oder aber noch in der Army ist.
Getötet werden Frauen, die ehemals in der Army waren und die Army wegen sexueller Belästigung verklagt hatten.
Zwei dieser Frauen wurden in ihren Badezimmern jeweils in einer Wanne, angefüllt mit dem Tarnanstrich der US-Army, tot aufgefunden. Die Todesursache ist nicht zu ermitteln.
Die Profilier des FBI, allen voran die FBI Agentin Julia Lamarr, sind der Meinung, dass der Täter ein Persönlichkeitsprofil ähnlich wie Reacher haben muss. Lamarr ist nebenbei auch eine Expertin auf dem gebiet der Hypnose.
Nun ist sich das FBI zwar sicher, dass Reacher als Täter ausscheidet, dennoch ist sie auf ihn und sein Wissen angewiesen. Denn Army und FBI harmonisieren nicht unbedingt miteinander und deshalb benötigt man Reacher als Mittelsmann mit Beziehungen.
Deshalb setzt man ihn unter Druck. Einerseits droht man ihm an, dem Chef des Schutzgeldringes, dem er ein Geschäft vermiest hat, seinen Namen und den seiner Freundin mitzuteilen. Dazu zeigt man ihn aussagekräftige Fotos weiblicher Opfer, an denen sich der Schutzgeldring gerächt hatte. Auf einer anderen Schiene droht man ihm an, ihn wegen Schutzgelderpressung zu belangen.
Reacher bleibt zunächst nichts anders übrig, als das bittere Spiel mitzuspielen, doch so recht von Erfolg ist sein Wirken nicht unbedingt gekrönt. Eine dritte Frau, die Schwester der FBI Agentin Lamarr, wird ebenfalls ermordet und noch immer fehlt jeder Hinweis auf die Tötungsart.
Man tritt im Leeren.
Zwar sammelt man eine Menge Details und Indizien, doch im Endeffekt bringt das die Ermittlungen nicht weiter, denn der Täter hinterlässt keinerlei Spuren an den Tatorten.
Ein erster wichtiger Fortschritt freilich ist, dass Reacher die Zahl der vermutlichen Opfer auf insgesamt elf Frauen eingrenzen kann, von denen nun 3 schon tot sind.
Reacher ist bald der Meinung, dass hinter den Morden ein Schmugglergeschäft steckt, bei dem es um gestohlene Waffen der US Army geht und bei dem unliebsame Zeuginnen aus dem Werg geräumt werden sollen.
MEINUNG
Wenn der Fall wirklich so einfach wäre, wie er oben in der knappen Inhaltsangabe dargestellt ist, wäre das Buch allerhöchstes durchschnitt. Aber CHILD führt den Leser ein ums andere Mal auf eine – glaubhafte aber falsche – Spur, und das Ende des Buches, das hat es wirklich in sich.
Reacher als Titelheld einer ganzen Serie ist ein sympathischer Typ, gut aussehend, beachtet von den Frauen, selbstbewusst und auf seine Art erfolgreich. Als ehemaliger Ermittler der Militärpolizei ist ihm die Polizeiarbeit bei weitem nicht fremd.
Zudem ist er ein Schlitzohr, der um mehr Ecken zu denken vermag, als das FBI – Hauptquartier ebensolche hat. Insofern ein Garant dafür, dass die Serie wirklich ein Erfolg werden kann.
Vor allem das FBI kommt in dem Buch nicht allzu günstig davon: Grob gesagt kann man die FBI Agenten als eine Gruppe von Rechtsbeugern beschreiben, die gegen jegliches Recht die Rechte einzelner Personen bescheiden, um in ihren Ermittlungen voranzukommen. Zudem erscheinen viele von ihnen als arrogant und eingebildet, wobei Reacher das Gegenstück dazu bildet.
Machtvoll aber fantasielos, so beschreibt CHILD das zentrale Ermittlungsorgan der amerikanischen Kriminalbehörden, die auch nicht davor zurückschrecken, zu vertuschen und Fakten zu „verdrehen“.
Das mag ungewöhnlicher klingen, als es tatsächlich ist, denn vielen Nichtamerikanern ist die Machtfülle diverser amerikanischer Behörden suspekt: Man denke an das FBI, CIA usw. usf., die schon häufiger in nicht ganz sauberen Aktionen aufgefallen sind. Nun ist CHILD, wenn ich das richtig verstanden habe, ein Britte und somit kann diese Negativbeschreibung allgemein als Sicht eines Nichtamerikaners gelten. Ein amerikanischer Schriftsteller freilich hätte diese „Verteilungsbastionen des amerikanischen Rechts“ sicherlich deutlich positiver herausgestellt.
Insofern ist das Buch auch eine versteckte Gesellschaftskritik, denn die Erfinderin der neuen Demokratie, die USA, gilt auch heute noch als Staat, in denen Ungleichheit gelebt wird, in der bestimmte Minderheiten rechtlich deutlich besser behandelt werden, als andere Mehrheiten. Und das die oben genannten Behörden beispielsweise in das deutsche Demokratieverständnis so gar nicht hineinpassen würden, braucht sicherlich nicht erwähnt zu werden.
Insgesamt gesehen ein ungemein lesenswertes und abwechslungsreiches Buch, dass zeigt, dass Child das Handwerk des Thrillers meisterhaft beherrscht.
Michael
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-09 12:35:02 mit dem Titel Scharfer Titel, stumpfer Inhalt !?!?
Das Skalpell - Carson, Paul
Als „Hochspannung pur“, als ein „Glanzstück erster Gattung“ schätzt die Frankfurter Rundschau das Buch von Paul Carson: DAS SKALPELL ein, und damit zeigt sich deutlich, dass auch Literaturredaktionen angesehner Tageszeitungen mal so richtig daneben greifen können.
Denn: Hätte dieses buch die ersten 60 Seiten nicht, durch die man sich als Leser durchquälen muss, dann, ja dann, dann wäre das Buch sicherlich als sehr gelungen einzuschätzen. Aber die ersten 60 Seiten, die lassen einen recht häufig, eigentlich bei jeder Seite immer wieder von neuem, ans Weglegen denken.
UM WAS GEHT’S
Geschildert wird eigentlich die Geschichte zweier ganz unterschiedlicher Verbrechen, nämlich einer Kindesentführung und der einer Mordserie in eben dem Krankenhaus, in dem das später entführte Kind unter dramatischen Umständen das licht der Welt erblickt hat.
Der kleine Gordon O`Brien ist der langersehnte Filius seines schwerreichen Vaters und seiner im Vergleich zu ersterem doch recht jungen Mutter. Die Geburt des Kleinen lässt auch die Aufmerksamkeit einiger Dubliner Ganoven auf ihn fallen, die sich in der Entführung des Babys ein recht simples Verbrechen mit hoher Erfolgsaussicht ausmalen: Ein Opfer, das niemanden identifizieren kann, ein Vater, der genug Geld auf der hohen Kante hat, und dem das Fehlen einiger Millionen gar nicht auffallen wird.... Nur: Der eigene Horizont wird beim Planen dann doch ein wenig nachlässig kalkuliert....
Parallel zu der Kindesentführung ereignen sich Morde in bzw. im Dunstkreis der Klinik: Mitten in der nacht wird eine Laborassistentin ermordet, und zwar so, dass der Täter dem schon toten Opfer ein Skalpell in den Hals rammte, diesmal und für alle anderen Morde immer Klingengröße 23.
Detectiv Jack McGrath mit seinem Team, darunter auch Detectiv Kate Hamilton, nehmen die Ermittlungen auf, stoßen aber auf eine Mauer des Schweigens vor allem bei der Ärzteschaft. Nicht, dass diese nicht auch entsetzt sind, von der Tat: Aber der Verdacht der Polizei wird immer mehr erhärtet, dass der Täter aus der Klinik selbst stammen muss, und das geht der weißen Herrschaft gegen den Strich.
Und schnell lassen diese Herrschaften ihre Beziehungen spielen: Der sicher nicht gerade diplomatische McGrath muss die Leitung der Ermittlungen an die junge, doch ehrgeizige Kate Hamilton abgeben, womit die sich Ärzteschaft aber einen nicht weniger dicken Brocken eingeheimst hat, während McGrath die Ermittlungen in der Entführung des O Brien Sprösslings übernehmen kann / muss / darf.
Beiderlei Ermittlungen kommen aber nicht so recht voran, bis sich die Ereignisse – auch gelenkt durch Kommissar Zufall – überschlagen.......
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Wäre das ganze Buch so geschrieben wie die letzten hundert Seiten, dann hätte die Frankfurter Rundschau sicherlich recht mit ihrer Einschätzung. So aber beginnt das Buch lähmend langweilig und wie eine alte Dampflok nimmt die Handlung und die Spannung zunehmend Fahrt auf, um im einem imposanten Endspurt wirklich ein sehr gutes Thrillerniveau zu erreichen.
Freilich, so ganz überzeugend kommt beispielsweise der Mörder (zu viel kann hier nicht zu ihm gesagt werden, sonst wird sich die Langeweile der ersten 60 Seiten endlos ausdehnen) und sein Motiv so nicht ganz glaubwürdig herüber. Und auch die Aufklärung des Falles ist eigentlich mehr Zufall (ok, so wie im richtigen Polizistenleben halt, aber ein bisschen mehr Tatendrang der Protagonisten wäre doch für ein Buch nicht ganz so schlimm......) als dass geniale Kriminalistikkunst zur Anwendungen käme.
Und auch der Aufbau der Spannung folgt nun nicht gerade nachvollziehbaren Regeln. Und da ist das Happy End für Kate Hamilton, die ihren Kinderarzt lieben und schätzen lernt, dann eher schon Nebensache.
Für ein GLANZSTÜCK reicht es deshalb allemal nicht, wohl aber für leidlich gute Thrillerunterhaltung, aber ohne großen Glanz der Thriller – Genre – Spitze.
DAS SKALPELL
8.45 Euro
Bastei Lübbe
3-404-14595-x
Michael
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-07 17:50:41 mit dem Titel Waren die 70er wirklich so ...(schlecht?)
Dass man beim Kauf sich darauf verlassen kann, dass man ja ein mündiger Konsument ist, der seine Entscheidung aus diesen oder jenen, auf jeden Fall gut überlegten Gründen getätigt hat, gerade darauf kann ich mich bei mir nun nach dem Kauf von EISBERG von Clive Cussler nicht wirklich mehr sicher sein.
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Major Dirk Pitt, Abteilungsleiter in der us- amerikanischen Meeresbehörde NUMA, ist seines Zeichens auch ein gewitzter Agent wie er im Buche steht, wie ihn die literarische Welt vielleicht seit den Büchern zu den James Bond Filmen nicht mehr erlebt hat – aus guten Gründen.
Nun, in EISBERG geht es eben zu Beginn um einen solchen.
Major Pitt, mit allen feinmotorischen Raffinessen, landet in einem Wahnsinnssturm zusammen mit Hunnewell in seinem kleinen Helikopter auf dem modernsten Küstenwachboot, mit dem geheimen Geheimauftrag, einen Eisberg zu untersuchen, in den ein seit einem Jahr verschollene Luxusyacht eines isländischen Samariters eingeschlossen ist, die wiederum ein ganz großes geheimes Geheimnis enthalten soll, nämlich eine noch mehr geheime Geheimsonde, die in der Lage sein soll, den Meeresboden nach Rohstoffvorräten zu sondieren. Davon weiß natürlich nur Major Pitt und Hunnewell, wobei das Geheimnis ein solch großes ist, dass beide zwar jeweils gleich viel wissen, aber eben nicht dasselbe (verstanden???).
Nun, beide untersuchen den Eisberg, nach dem scheinbar auch die damals noch supermächtige Supermacht UdSSR seinen imperialistischen Machtgriffel auszustrecken versucht. Natürlich haben die Russen die Rechung ohne Major Pitt gemacht, der ihnen ein Schnippchen schlägt, und im Nordmeer den richtigen Eisberg findet. Anstatt aber das Geheimnis lüften zu können, was zu Beginn eines Buches sicherlich dem Spannungsbogen abträglich wäre, ist das gesuchte Geheimnis gar nicht mehr da, dafür ein anderes. Alle Mann an Bord der Jacht sind tot. An Ort und Stelle, dort wo sie standen, bei lebendigen Leibe verbrannt. Und scheinbar mit ihm der Samariter aus Island, ein Unternehmer, der damit für tot erklärt wird.
Überraschender weise werden Major Pitt und Dr. Hunnewell auf ihrem Weiterflug mit dem Helikopter quer über den atlantischen Ozean 150 Meter vor der isländischen Küste von einem Düsenjet abgeschossen, natürlich nicht ohne dass Major Pitt mit seinem Rotor den Düsenjet seinerseits den Fluten übereignet hat.
Die Angreifer sind tot, Hunnewell ebenfalls etwas nach ihnen, nur Pitt überlebt. Auf Island werden dann noch mehrer Mordanschläge auf ihn verübt, die alle mit dem Tod bzw. der Verhaftung der Profikiller enden. Wie auch sonst.
Auf jeden Fall kommen Major Pitt und seine Mitstreiter auf Island einer gigantischen Verschwörung der reichsten Männer der Welt auf die Spur, die ganz Südamerika aufkaufen wollen und so der Welt ihr Zeichen aufdrücken will.
Aber, ihr werdet es nicht glauben: Die reichsten Männer der Welt und die teuersten Profikiller der Welt ebenso, sie alle haben die Rechung ohne Major Pitt gemacht.
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1973 erstmals auf dem literarischen Parket scheinbar sogar recht erfolgreich aufgetreten, sah man sich beim Blanvalet – Verlag scheinbar ja fast gezwungen, gut 30 Jahre danach dem deutschen Buchmarkt eine Neuauflage zu bescheren.
Wer dafür im Verlag verantwortlich ist ? Egal, immerhin, es gibt im Verlagsprogramm auch weniger anstrengende Langweiler, sogar gute Bücher.
EISBERG steht in der Tradition der Agententhriller der späten 60er und 70er Jahre, scheint auch Grundzüge von James Bond zu haben, wenn im Vergleich zu Major Pitt James Bond freilich deutlich realistischer zu sein scheint.
Der Autor schreibt seinen Roman in der technischen Zukunft, die ebenso illusionär technikoptimistisch ist/war, wie ich sie in dieser Form nur bei Hans Dominik, dem Erfinder der serialisierten Sci-Fi-Literatur in den 20 Jahren beobachten konnte.
Irre schnelle Düsenjäger, Boote, von denen jeder Kapitän heute noch träumen würde: Schlicht: Das Buch, 30 Jahre alt, spiegelt auch heute noch Technikträume, die Jahrzehnte vor uns liegen mögen.
Und insofern ist das Buch unglaubwürdig, und schon hier langweilig.
Überzogen wird dieser negative Eindruck von der absolut überzeichneten und somit unglaubwürdigen Person des Major Pitt, der es innerhalb von zwei Zeilen schafft von bester Laune in düsterste Stimmung zu gelangen. Schizophren könnte man fast meinen.
Ein Wechsel des Handlungsortes lässt sich locker in wie Sätzen beschreiben, auch wenn dazwischen 8000 Kilometer liegen mögen. In jeder Situation behält Pitt die Übersicht, sogar dann, wenn er sich bewusst halb tot prügeln lässt, um mehr über sein Gegenüber herauszufinden !!!???!!!
Die literarische Schnitttechnik (nennen wir es mal so), ist abrupt: Schnelle Szenenwechsel, ein Superheld wie Supermann, unglaubwürdige Handelnde, eine oberflächlich gestaltete Fabel (hier = Inhaltsstrang), ……….
Und wenn zumindest die Geheimnisse nun prickelnd sein würden. Aber auch hier ist man bei der Auflösung derselben froh, die letzte Seite geschafft zu haben und das Buch weglegen zu können.
Also ehrlich: Ich habe lange kein so miserables Buch gelesen, dass so viele logische Lücken in der Handlung aufweist und so wenig überzeugen kann, wie EISBERG von Clive Cussler.
Aber, die Geschmäcker mögen vor 30 Jahren andere gewesen sein. Dem Blanvalet – Verlag sei aber empfohlen, solche Bücher deutlich kenntlich zu machen, um sich nicht den Zorn der Leser zuzuziehen.
Michael
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