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Erfahrungsbericht von nici023

Daeninckx, Didier "Bei Erinnerung Mord"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Aus der Reihe \"Inspecteur Cadin\"

Le détective comme historien, l´historien comme détective


Ort: Frankreich
Zeit: 1982
Serie: Inspecteur Cadin
Autor: Daeninckx, Didier
Verlag: Distel Literatur, Heilbronn
Erschienen: 01.01.2003
ISBN: 3923208561
Typ: Taschenbuch


17. Oktober 1961, Paris: Die Demonstration gegen den Algerienkrieg endet gewaltsam. Über hundert Demonstranten werden getötet. Ohne erkennbaren Grund wird auch Roger Thiraud, Studienrat für Geschichte, von einem Polizisten aus nächster Nähe erschossen. Einundzwanzig Jahre später reist Bernard Thiraud, Rogers posthum geborener Sohn, ebenfalls Historiker, nach Toulouse, um dort Nachforschungen anzustellen. Beim Verlassen der Präfektur wird er von einem Unbekannten erschossen.
Warum wurden Vater und Sohn umgebracht ? War es nur ein Zufall, dass beide Opfer unbekannter Mörder wurden ? Inspecteur Cadin vom Toulouser Kommissariat übernimmt den Fall und deckt schließlich den Zusammenhang zwischen beiden Morden und die Hintergründe auf.

„Ich möchte, dass Sie mir Ihre Erinnerungen an den Oktober 61 erzählen. Vor allem, ob Sie in der Gegend der Rue du Faubourg-Poissonière rumspaziert sind. Ich werde Sie aus dem Bericht heraushalten, darauf gebe ich Ihnen mein Wort. Ich will einfach nur verstehen, was in jener Nacht tatsächlich geschehen ist. Niemand will darüber reden, es gibt praktisch keine Anhaltspunkte … Ohne Bernard Thirauds Tod in Toulouse hätte ich sehr wahrscheinlich immer noch nicht die leiseste Ahnung davon.“

Der Anstoß für Didier Daeninckx Roman „Meurtres pour mémoire“ war die damalige Affäre Maurice Papon. Papon war Polizeipräfekt von Paris und für die brutale Niederschlagung einer friedlichen Demonstration von Franzosen algerischer Herkunft gegen die diskriminierende nächtliche Ausgangssperre im Jahre 1961 verantwortlich. Dabei wurden vermutlich zweihundert Demonstranten getötet, obwohl offiziell nur die Zahl von drei Opfern zugegeben wird, darunter ein Franzose, der „damals der Durchsetzung des französischen Rechts zum Opfer gefallen“ war (aus der Autobiographie Papons, 1988). Daran knüpft Daeninckx an und erzählt die Geschichte eines Massenmörders, der das Durcheinander während dieser brutalen Niederschlagung nutzt, um einen Historiker ermorden zu lassen, der seiner Vergangenheit im Vichy-Regime auf die Spur gekommen ist. Die Spur führt von 1961 in die Zeit des besetzten Frankreichs und ins Konzentrationslager Drancy.

„Sie Haben das besondere Talent, Ihre Nase in den sumpfigsten Angelegenheiten zu stecken, Inspecteur, aber man kommt aus dem Sumpf nicht heraus, wenn man ihn aufwühlt …“
„Wie dann ?“
„Ganz einfach, indem man die anderen reintaucht.“

Daeninckx erzählt seine Geschichte spannend, mitreißend und trotz des sperrigen Themas mit Humor und Ironie, mit einem genauen Blick für die Absurditäten des Alltäglichen. Sein Protagonist Inspecteur Cadin ist Detektiv und Historiker zugleich. Das er keine Kunstfigur ist, verdankt er Didier Daeninckx Fähigkeit mit wenigen, starken Pinselstrichen, einen plastischen, glaubwürdigen Charakter zu zeichnen und ihm eine menschliche Tiefe zu geben. Cadins Neigung, sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden zu geben und den Dingen - ungeachtet aller persönlichen Konsequenzen – auf den Grund zu gehen, führt dazu, dass er von Ort zu Ort versetzt wird. Seine Ermittlungen bleiben letztlich folgenlos, weil die gesellschaftlichen Umstände bleiben, wie sie schon zu Beginn seiner Spurensuche gewesen sind.

„Der Richter erhob noch am selben Abend Anklage gegen Pierre Cazes, kurz vor sieben Uhr. Man bezweifelte jedoch, dass er (wegen seines Krebsleidens) noch bis zum Prozeßbeginn leben würde. Eine guten Gelegenheit, die ganze Affäre zu vertuschen.“

Didier Daeninckx Roman „Meurtres pour mémoire” war in Frankreich ein Riesenerfolg und wurde mit dem „Grand Prix de Littérature policière“ und dem „Prix Paul Vaillant Couturier“ ausgezeichnet. Daeninckx dokumentarisch-fiktionale Anklage hatte einen späten Erfolg: 1998 wurde Maurice Papon der Prozess gemacht.




----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-03-19 16:57:03 mit dem Titel Deaver, Jeffery "Der Insektensammler"

Ort: USA, Südstaaten, North Corolina
Autor: Deaver, Jeffery
Verlag: Goldmann, München
Erschienen: 01.01.2001
ISBN: 3764501286
Typ: Hardcover


Lincoln Rhyme sitzt seit einem Dienstunfall fast vollständig gelähmt im Rollstuhl. Eine Operation in einer Spezialklinik in North Carolina soll dem nahezu genialen Polizeiermittler zu mehr Bewegungsfreiraum verhelfen. Obwohl seine Assistentin und Lebensgefährtin nichts von der Operation hält ist er fest entschlossen den schwierigen Eingriff vornehmen zu lassen. Als ein hiesiger Sheriff die beiden am Tag seiner Ankunft in der Klinik, um Hilfe bei einem Entführungsfall bittet, sieht Amelia darin eine Möglichkeit die Operation zu verschieben. Für Rhyme stellt die Hilfeleistung eine Herausforderung dar, die ihm die Zeit bis zu dem Eingriff vertreibt. Ein junges Mädchen aus Tanner’s Corner wurde in den Paquenoke-Sumpf entführt. Der mutmaßliche Täter ist ein eigenwilliger Junge den alle nur den ‚Insektensammler’ nennen. Er kennt sich in den Sümpfen bestens aus und wurde schon mehrer andere Straftaten, darunter auch Mord, verdächtigt. Was die ortsansässige Polizei vor eine unlösbare Aufgabe stellt, ist für Rhyme und Amelia Routinearbeit. Sie kommen Garrett relativ bald auf die Spur und sorgen für dessen Verhaftung. Über das Versteck in dem er die Entführte untergebracht hat schweigt sich der Insektensammler jedoch aus. Dann passiert das Unfassbare. Rhyme sieht sich mit dem intelligentesten Gegner konfrontiert mit dem er es je zu tun hatte...

Der Roman überrascht immer wieder mit unerwarteten Wendungen. Die Spannung bleibt dadurch auch über weite Strecken eintöniger und langweiliger Moorlandschaft erhalten. Die Personen sind allesamt mit interessanten psychologischen Profilen versehen, die den Analysen von Lyncoln Rhyme entsprungen zu sein scheinen – präzise und hart. So werden die Charaktere nicht unbedingt sympathisch, bleiben aber noch erträglich im Gegensatz zu Garretts Insektenweisheiten, der drückenden Hitze von North Carolina und der Trostlosigkeit von Tanner’s Corner.

Fazit: Trotz der Fülle an psychologischen Glanzleistungen, Sumpfgras und Krabbelgetier hinterlässt der Roman ein Gefühl der Leere beim Leser der den Kampf durch den Morast der Südstaatenmentalitäten auf sich genommen hat. Wer auf psychologische Thriller steht ist hier sicher nicht falsch, wer einfach nur gute, sympathische Unterhaltung zur Entspannung sucht sollte sich lieber ein anderes Buch suchen.

Verlagsinfo
Lincoln Rhyme, der geniale gelähmte Ermittler, will sich in North Carolina einer riskanten Operation unterziehen. Doch kaum angekommen, werden er und seine Assistentin Amelia Sachs in einen spektakulären Entführungsfall involviert. Verdächtigt wird ein sonderbarer junger Mann, der man nur \"den Insektensammler\" nennt.
Als das Ermittlungsteam endlich das Versteck des Jungen in den undurchdringlichen Sümpfen ausfindig macht, geschieht das Unfassbare: Amelia wechselt die Fronten - und stellt sich auf die Seite des Entführers.

11 Bewertungen, 1 Kommentar

  • fynndus

    31.01.2007, 11:45 Uhr von fynndus
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH! fynndus