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Erfahrungsbericht von mackz

Der Duden - oder das gewisse Quäntchen oder doch Quentchen

Pro:

Eines der wichtigsten Nachschlagewerke überhaupt

Kontra:

leider viel zu selten genutzt

Empfehlung:

Nein

Auch wenn es den Duden mit der neuen Rechtschreibung schon eine ganze Weile gibt, sich die Gemüter wieder beruhigt nur noch hin und wieder ein Bericht zu diesem Thema geschrieben wird (anfänglich waren es mehrere pro Tag) – möchte ich dieses Thema noch einmal aufgreifen. Unter dieser Rubrik steht er nicht nur, weil es noch keine Rubrik für Den Duden gibt, sondern vor allem weil Herr Duden selbst Urheber dieses Nachshlagewerks ist.

Für die Formalisten jedoch vorweg einige Informationen zum Werk selbst bevor ich mich in die Diskussion stürze. Dabei beziehe ich mich auf die 21. Auflage des Dudens mit dem 1. August 1998 als Stichtag für dessen amtliche Gültigkeit:

>>> Der alte Aufbau mit neuen Details: <<<
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Im Grund sind die drei Teile des Dudens erhalten geblieben:
1. der Regelteil mit Erläuterungen
2. das Wörterverzeichnis
3. der amtliche Regelteil
Diese Dreiteilung ist im Inhaltsverzeichnis nicht gleich zu erkennen, ergibt sich jedoch aus den Inhalten. Zu den wichtigste im einzelnen:

S. 11-14 und S. 16 Das Kapitel „Zeichen von besonderer Bedeutung“ und „Im Wörterverzeichnis verwendete Abkürzungen“ sind neben dem Wörterverzeichnis die wichtigsten zwei Seiten im Duden. Die wenigsten sind sich dessen bewusst, und geben sich einfach damit zufrieden ein Wort im Wörterverzeichnis zu finden. Was dann noch daneben steht ist zweitrangig oder gar unwichtig. Dabei geben die vielen kleinen Zeichen, Abkürzungen und Angaben neben dem Worteintrag im Wörterverzeichnis doch wichtigen Aufschluss über die Gründe, warum das Wort so geschrieben wird und nicht anders. Wichtige grammatische Flexionsformen werden angegeben und nicht zuletzt der Hinweis auf die neuen Regeln der Rechtschreibung. Ohne die Kenntnis dieser Zeichen und Spezifika der Stichwörter wird ein wichtiger Teil des Dudens dem Leser immer verschlossen bleiben.

S. 15 Die Angaben zur „Aussprache“ der Wörter werden uns Muttersprachler kaum interessieren mag man meinen. Aber auch dem ist nicht so. In der neuen Dudenauflage sind mehr denn in jeder anderen Auflage ehemalige Fremdwörter in den deutschen Sprachschatz mitaufgenommen worden. Viele von diesen Wörtern werden dennoch nicht so gesprochen, wie sie geschrieben werden. Also wie dann? Aufschluss darüber geben die Zeichen des Internationalen Phonetischen Alphabets (IPA) die eben auf der Seite 15 erklärt werden. Nun kann man von einem durchschnittlichen Benutzer des Dudens kaum erwarten, dass er diese Zeichen auswendig lernt – dennoch ist es gut zu wissen, wo diese Zeichen stehen und erklärt werden, um im Zweifelsfalle Auskunft über die korrekte Aussprache zu erhalten. „Wissen heißt: Wissen wo was steht.“

S.19-65 Da haben wir sie, die „Richtlinien zur Rechtschreibung, Zeichensetzung und Formenlehre in alphabetischer Reihenfolge“. Es ist für mich das beste Nachschlagewerk zur neuen deutschen Rechtschreibung – nicht zu den einzelnen Wörtern. Will man z.B. wissen was bei der Kommasetzung neu bzw. anders geworden ist, schlägt man hier einfach unter „Komma“ nach. Die neuen Regeln sind wie im gesamten Duden rot gekennzeichnet. Über diesen Teil erregen sich die Gemüter unter den Germanisten weitaus mehr als über das Wörterverzeichnis. Denn die Regeln sind Grundlage für die Schreibung der Wörter im Wörterverzeichnis geworden (früher gab es Regeln und jede Menge Ausnahmen – heute gibt es Regeln und jede Menge Regeln für die Ausnahmen).

Die folgenden fünf Kapitel sind für meine Begriffe nicht von außerordentlicher Bedeutung: „Das griechische Alphabet“, „Richtlinien für den Schriftsatz“, „Hinweise für das Maschineschreiben“ usw. sind Themen, die sich an spezielle Benutzer des Dudens wenden, und nicht zuletzt aus der Tradition des Aufbaus im Duden noch enthalten sind. Ich erlaube mir, diese zu überspringen – bin auf Anfrage auch hier gerne für einen Nachtrag zu erreichen.

S. 18-78 Hier findet sich noch einmal ein Pralinchen. Eine „Vergleichende Gegenüberstellung alter und neuer Schreibungen“ ist die beste Grundlage für eine Diskussion zum Thema Neue Deutsche Rechtschreibung. Hier werden die Veränderungen sichtbar wie an keiner anderen Stelle im Duden. In der Kürze wurden hier leider keine Hinweise gegeben, auf welche Regeln sich die neue Schreibung des jeweiligen aufgeführten Wortes beruft. Das würde diesem Kapitel eine wirkliche Krone aufsetzen. Denn es lohnt nicht, sich über die neue Schreibung aufzuregen, wenn man die Regel, die hinter dieser Schreibung steht, nicht kennt. Dennoch, hier kann man stöbern und lernen, dass „in betreff“ künftig „in Betreff“ geschrieben wird usw. Im Grunde sind hier alle rot geschriebenen Wörter des Wörterverzeichnisses auf 60 Seiten zusammengefasst. (Mehr Wörter sind es übrigens wirklich nicht, die wir neu schreiben müssen :-))

Ab der Seite 78 findet sich denn das, was die meisten als Duden bezeichnen: das „Wörterverzeichnis“. Ich hoffe, dass meine Ausführungen gezeigt haben, dass eine ganze Menge mehr zum Duden gehört außer diesen knapp 800 Seiten Wörterverzeichnis. Zu diesem Verzeichnis selbst möchte ich wenig sagen, denn die Erklärungen dazu finden sich in den vorangestellten Kapiteln. Nennenswert erscheint mir, dass die neue Schreibung rot gekennzeichnet ist, Verweise auf die Regeln generell durch Pfeile und R + Regelnummer gekennzeichnet sind und das optionale bzw. alternative Schreibungen angegeben werden.


>>> Kann man noch Diskutieren? <<<
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Damit wären wir auch mitten in der Diskussion, der ich einige wichtige Informationen voranstellen möchte.

1. Die neue Rechtschreibung zeichnet sich durch mehr Freiräume bei der Schreibung der Wörter aus. Statt „darf nicht mehr so geschrieben werden“, heißt es fast immer „Kann jetzt auch so geschrieben werden“
2. Viele neue Schreibungen berufen sich auf bereits vorhandene Regeln, die jetzt nur konsequent durchgesetzt werden. Somit ist die Regel nichts neues nur die Abschaffung einer unbegründeten Ausnahme (z.B. schreiben wir jetzt „Rad fahren“ statt „radfahren“ weil wir schon immer „Auto fahren“ geschrieben haben.
3. Der Duden hat sich das programmatische Ziel gestellt eine Einheitsschreibung zu schaffen. Das ist ein Ziel, das man unterstützen und befürworten kann, aber immer ein Abstraktum bleibt, da es sich aus einer Einheitssprache nicht ableiten läßt.

Zu einigen Dudenkritikern bei Yopi schrieb ich diesbezüglich:

“Das Hauptproblem ist, dass man von dem Duden erwartet er sei ein Präskriptives Kompendium - also etwas, das mir vorschreibt wie die Deutsche Sprache auszusehen hat . Dabei ist die Deutsche Rechtschreibung zu einem hohem Grade deskriptiv - also nur beschreibend. Sie beschreibt also zu einem großen Teil nur das, was sie vorfindet und ist somit immer der aktuellen Schreib- ,Sprech- und Lesesituation hinterher.“

Was meine ich damit:

Erst einmal vielen Dank für die vielen Nachfragen zu diesem Kommentar: Alles was er sagen sollte ist....

...dass die Sorgen und Probleme der Deutschen mit ihrem Duden und der (neuen) deutschen Rechtschreibung kein unbedingt gewolltes Problem der Dudenmacher und der "Germanistiker" ist, sondern jede Beschäftigung und jeder Umgang mit Sprache mit sich bringt.
Zum einen sprechen und schreiben wir nun schon einige Hunderte Jahre länger als wir uns mit Regeln der Schreibung beschäftigen. Da gibt es eine Menge aufzuholen

Zum anderen liegt es in der Natur der Sache, das wir immer eine Diskrepanz zwischen Sprechen und Schreiben finden werden. Wenn wir sprechen verstehen wir uns zumeist ausgezeichnet, können Mehrdeutigkeiten und Ungenauigkeiten korrigieren, weil der Gesprächspartner uns entsprechendes Unverständnis signalisieren kann. Sobald ich Sprache jedoch verschriftliche, lege ich sie fest. Ich habe keine Garantie dafür, dass der Empfänger bzw. Leser meines Textes das Lesen kann, was ich schreibe, wenn ich mich nicht an eine Schreibnorm halte. Doch woher nehme ich diese Norm? Gibt es diese überhaupt oder ist es ein künstliches Produkt, das erst bei der Frage nach einer Norm entsteht?

>>> Die Drei Prinzipien der Rechtschreibung: <<<
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Ein großer Teil der Normierung ergibt sich aus der Lautung – ich schreibe wie ich es höre. Aber auch da fangen die Probleme schon an. Für „Hexe“ könnte ich auch „Hekse“ oder „Heckse“ schreiben (Sowie ich Makz und nicht Max heiße :-)). Wer sagt mir hier wie ich zu schreiben habe – die Aussprache jedenfalls nicht.
Hier bedient man sich eines zweiten Prinzips, der Beziehung von Wörtern untereinander. Stark vereinfacht heißt das: Wenn ich mir bei der Schreibung eines Wortes nicht sicher bin schaue ich nach einem ähnlichen Wort, oder nach seiner Herkunft. Jahrelang haben wir darum „Fhede“ und nicht „Fede“ geschrieben weil wir auch „Thron“ schreiben und nicht „Tron“. Diesen Wörtern wurde z.B. ursprünglich ein „h“ eingeschoben, um ihre Zugehörigkeit zu einer höheren gesellschaftlichen Schicht zuzuschreiben, nämlich dem Adel und dem Königshaus. Interessanterweise schreiben wir auch noch nach der neuen Rechtschreibung „Fhede“ doch ich wage zu behaupten, dass diese Schreibung nach dem Wortbeziehungsprinzip (Morphologisches Prinzip) bald von der Schreibung nach Lautung verdrängt wird, weil wir diese gesellschaftliche Schicht Adel usw. nicht mehr haben und somit diese Bedeutung in den Hintergrund gedrängt wird.
Ein drittes Prinzip, nach der sich z.B. der gesamte Doppelkonsonantismus erklären lässt (also warum ich „hatte“ mit zwei „t“ und „hat“ nur mit einem „t“ schreibe) erklärt sich aus der Wortstruktur. Es nennt sich das Silbische Prinzip und zielt auf die Zerlegung von Wörtern in einzelne Silben, aus denen sich unsere deutschen Wörter nun einmal strukturieren. Vereinfacht erklärt bewirkt dieses Prinzip, dass Konsonanten, die (auch beim Sprechen) über Silbengrenzen hinaus gehen, beim schreiben gedoppelt werden. Also „sam-meln“ statt „sam-eln“. Bei diesem Beispiel wird deutlich das zwei Prinzipien ineinander greifen können, denn nach dem Silbischen Prinzip müsste es dann „Sam-lung“ statt „Sam-mlung“ heißen. Wir schreiben aber richtig „Sammlung“. Warum? Das Wortbeziehungsprinzip – das morphologische Prinzip legt hier nahe, die Verwandtschaft von Sammlung zu sammeln zu markieren. Nicht zuletzt ist „Sammlung“ auch eine Substantivierung von „sammeln“ – und keiner weiß was eher da war.

Zusammenfassend möchte ich sagen. Die Rechtschreibung versucht auf unsere Sprache zu hören, und daraus Regeln zu formulieren. Bei Fällen wo das Hören aber mehrere Schreibungen zulässt, muss sich die Rechtschreibung mit anderen Prinzipien abhelfen um eine Eindeutigkeit zu schaffen. Diese Prinzipien sind eine Entdeckung der letzten Jahrzehnte und werden dem deutschen Sprecher, der nun schon einige Jahrhunderte spricht immer etwas neu und ungewohnt anmuten – eben weil sie sich nicht allein aus dem Sprechen begründen.

So weit so gut. Ich ergänze gerne und geh auf Nachfragen ein – falls jemand durch den Artikel bis hier her gekommen ist :-).

Euer Mackz ! und nicht Max.

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