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Erfahrungsbericht von SVoigt3000
Günther Grass - Mein Jahrhundert
Pro:
sehr anspruchsvoll geschrieben, spannend und fesselnd, man kann beim Lesen etwas lernen
Kontra:
Art der Promotion für das Buch
Empfehlung:
Nein
Heute will ich meine Meinung zu einem meiner Lieblingsbücher aktualisieren. Es ist vom deutschen Nobelpreisträger Günter Grass. Dieses Buch hat mich zu einer Art Fan des Autors gemacht und daher nun dieses Update:
-------GÜNTER GRASS:-------
Günter Grass wurde 1927 in Danzig geboren. Im Krieg war er von \'44 Luftwaffenhelfer und geriet dann bis 1946 in amerikanische Gefangenschaft. Von 1947 bis 1948 macht er eine Steinmetzlehre in Düsseldorf, studierte danach Grafik und Bildhauerei und ging an die Hochschule für Bildene Künste. 1958 wurde sein Manuskript für \"Die Blechtrommel\" von der bekannten Schriftsteller-Vereinigung \"Gruppe 47\" ausgezeichnet. Grass war auch selbst Mitglied bei der \"Gruppe 47\".
Grass schrieb nicht nur bekannte Werke, wie \"Die Blechtrommel\", \"Der Butt\", \"Ein weites Feld\" etc., sondern setzte sich auch für die SPD in der Politik ein. So beteiligte er sich für die SPD in den Jahren 1962, 1965 und 1972 am Wahlkampf und rief im \"Heilbronner Manifest\" öffentlich zur Wehrdienstverweigerung auf.
Der Höhepunkt seiner Karriere war aber die Nobelpreisverleihung in Stockholm, wo Grass 1999, am 10. Dezember, für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde.
-------COVER:-------
Das Cover des Buches sieht sehr schön und schlicht aus. Die obere Hälfte ist hell. Darauf stehen Autor und Titel in einem Weinrot. Ab der Hälfte stehen Jahreszahlen quer durcheinander, scheinbar in dicken Tintenstrichen, auf dem Cover. Anfangs sind die Zahlen noch lesbar, gehen aber nach unten hin immer mehr ineinander über, bis sie ganz unten nicht mehr zu entziffern sind.
Auf der Rückseite ist außer dieser Illustration und der ISBN-Nummer nichts zu sehen.
-------INHALT:-------
Günter Grass hat in \"Mein Jahrhundert\" zu jedem Jahr des nun letzten Jahrhunderts (von 1900 bis 1999) eine kleine Geschichte erzählt. Diese Geschichten und Anekdoten sind 2 bis 5 Seiten lang und meistens abgeschlossen. Dabei handelt es sich nicht um immer die selben Charaktere, sondern meist um unterschiedliche.
Die verschiedenen Charaktere erzählen eine Geschichte, oder ein Erlebnis aus dem betreffenden Jahr, wobei es sich dabei nicht immer um herausragend wichtige und bekannte Ereignisse handelt. So wird 1901 von der Jungfernfahrt der Wuppertaler Schwebebahn berichtet, aber es gibt auch Erzählungen von einem Fußballspiel und im letzten Kapritel sogar ein kleines Dankeschön an Grass\' Mutter. Im Kapitel 1999 lässt er sie nämlich wieder zum Leben erwecken und nun berichtet sie u.a. über Günter Grass, was ich sehr beeindruckend finde:
\"Gezwungen hat er mich nicht, aber überredet, der Bengel. Das konnt er schon immer, bis ich endlich ja gesagt hab. Und nun leb ich angeblich noch, bin über hundert und bei Gesundheit, weil er das so will.\"...
Wichtig ist auch noch zu sagen, dass Grass seine Charaktere sehr gekonnt durch ihre Art zu Reden charakteresiert. So sprechen z.B. die Bergarbeiter aus dem Ruhrpott platt. Überhaupt lässt er die Charaktere seines Buches immer in ihrem Dialekt sprechen, wodurch man sofort weiss, woher sie kommen, vielleicht auch welchen sozialen Status sie haben.
-------ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:-------
Autor: Günter Grass
Titel: Mein Jahrhundert
Erschienen: 1999
Verlag: Steidl
Seiten: 379
Preis: ca. 20 € - 25 € (gebundene Ausgabe)
-------KOMMENTAR:-------
Mir gefällt das Buch wirklich sehr sehr gut. Vom Schreibstil her ist es sehr schön. Die vielen Geschichten, die Dialekte der Charaktere und die Erzählperspektive lassen das Buch und die Gecshichten darin wirklich sehr lebendig wirken. Durch die vielen, kurzen Kapitel ist das Buch auch sehr kurzweilig und langatmige Strecken haben keine Chance.
Manchmal hätte ich mir zwar etwas mehr von einer Geschichte gewünscht, oder in einem bestimmten Jahr eine komplett andere Geschichte (z.B. wegen eines wichtigen Ereignisses in diesem Jahr), aber im Großen und Ganzen ist dieses Buch vom inhaltlichen und literarischen her eine Meisterleistung!
Wer nicht gewillt ist, den hohen Preis zu zahlen, kann sich auch die Taschenbuchausgabe für 10 € kaufen. Wer aber von \"Mein Jahrhundert\" nicht genug bekommen kann, kann sich auch die Ausgabe mit zusätzlichen Illustrationen für 49 € kaufen...
Mir hat das Lesen des Buches sehr viel Spaß gemacht und daher kann ich es jedem nur empfehlen. Man kann dieses Buch schon nach wenigen Seiten nicht mehr aus der Hand legen, so wird einen dieser ganz andere Schreibstil fesseln.
-------FAZIT:-------
Das Buch war zwar sehr lange in den Bestsellerlisten, wer es aber trotzdem noch nicht zu Hause stehen haben sollte, sollte schnell in die Buchhandlung gehen und es sich zulegen. Das Buch ist, wie schon gesagt, vom inhaltlichen und literarischen meisterhaft!!!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-22 10:53:23 mit dem Titel "Im Krebsgang" - Günter Grass
Ich war vom 13.7. bis 20.7. im Urlaub. Was soll man bei diesem miesen Wetter schon großartiges auf Rügen machen? Genau, viel gibt\'s da nicht. Also habe ich gelesen, gelesen und gelesen. So liebe ich meine Urlaube wirklich, besonders wenn die Bücher gut sind; mit \"Im Krebsgang\" habe ich einen echten Glücksgriff getan...
--------GÜNTER GRASS:--------
Günter Grass wurde 1927 in Danzig geboren. Im Krieg war er von \'44 Luftwaffenhelfer und geriet dann bis 1946 in amerikanische Gefangenschaft. Von 1947 bis 1948 macht er eine Steinmetzlehre in Düsseldorf, studierte danach Grafik und Bildhauerei und ging an die Hochschule für Bildene Künste. 1958 wurde sein Manuskript für \"Die Blechtrommel\" von der bekannten Schriftsteller-Vereinigung \"Gruppe 47\" ausgezeichnet. Grass war auch selbst Mitglied bei der \"Gruppe 47\".
Grass schrieb nicht nur bekannte Werke, wie \"Die Blechtrommel\", \"Der Butt\", \"Ein weites Feld\" etc., sondern setzte sich auch für die SPD in der Politik ein. So beteiligte er sich für die SPD in den Jahren 1962, 1965 und 1972 am Wahlkampf und rief im \"Heilbronner Manifest\" öffentlich zur Wehrdienstverweigerung auf.
Der Höhepunkt seiner Karriere war aber die Nobelpreisverleihung in Stockholm, wo Grass 1999, am 10. Dezember, für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde.
--------COVER:--------
Das Cover ist sehr schlicht gestaltet. Auf weißem Grund steht in großen, blauen Lettern im oberen Teil des Covers Name des Autors und darunter, leicht horizontal verschoben, der Name des Werkes. Darunter sieht man nun eine dunkelrote oder braune Kohlezeichnung eines Krebses.
Der Leineneinbund der Hardcover-Ausgabe ist natürlich mit einer Papierschutzhülle umgeben, die dieses Cover zeigt.
--------STORY:--------
Erzählt wird die folgende Geschichte von Paul Pokriefke. Er ist Autor und soll für jemanden die Geschichte des Flüchtlingsschiffes \"Wilhelm Gustloff\" niederschreiben, da seine Mutter, Tulla Pokriefke, in der Nacht (30.01.1945), als die Gustloff mit tausenden Flüchtlingen an Bord versenkt wird, hochschwanger auch an Bord war, überlebt hat und in der gleichen Nacht ihn, Paul Pokriefke, geboren hat. Seitdem erzählt Tulla Pokriefke immer wieder von jener Nacht und von den Zeiten, als die \"Wilhelm Gustloff\" noch ein \"Kraft durch Freude\"-Schiff war, auf dem Tulla einen wunderbaren Urlaub in norwegischen Fjorden erlebt hat.
Auf seiner Suche nach Fakten über das Unglück der \"Wilhelm Gustloff\" bedient sich Paul des Internets. Er surft auf vielen Webpages und gelangt schließlich auf eine Nazi-Page. Dort wird alles über das Unglück sehr genau beschrieben und bebildert dargestellt. Im Chatroom der Page sieht Paul einem Wortgefecht zwischen dem Webmaster der Page (er nennt sich Wilhelm) und einem anderen User (er benennt sich nach dem Juden David Frankfurter). Beide sind sehr gut informiert, was das Unglück angeht und mit der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden eine Hassfreundschaft, weil sie beide zwar das selbe Interesse haben (das Unglück der Gustloff), nur eben aus verschiedenen Perspektiven - der eine aus der Sicht des Nazis, der andere aus der Sicht eines Juden.
Paul besucht immer öfter diese Nazi-Homepage, da sie sich sehr eingehend mit dem Thema befasst, und bekommt immer mehr und mehr das Gefühl, dass sein eigener Sohn der Webmaster dieser Homepage ist. Denn er lebt in seinen Ferien immer bei Tulla Pokriefke, die auch ihm die Geschichten aus der Nazi-Zeit und von dem \"KdF\"-Schiff erzählt.
Und bald hat das Unglück der \"Wilhelm Gustloff\" am 30.01.1945 auch Auswirkungen auf Pauls heutiges Leben, denn seine Geschichte verleitet Pauls Sohn zu einer schrecklichen Tat...
--------HISTORISCHER HINTERGRUND:--------
Die meisten Menschen glauben ja, das Unglück der \"Titanic\" wäre das schlimmste Schiffsunglück überhaupt, was nicht stimmt. Am 30.7.1945 starben weitaus mehr Menschen an Bord der \"Wilhelm Gustloff\", einem Flüchtlingsschiff der Nationalsozialisten, bei dem allerdings auch einige Soldaten und Waffen an Bord waren. Es wurde von einem U-Boot der sowjetischen Streitkräfte versenkt.
Seinen Namen erhielt das Schiff, weil am 04.02.1936 der eigentlich unbedeutende Wilhelm Gustloff durch vier Schüsse des Juden David Frankfurter ermordet wurde. Wilhelm Gustloff warb in der Schweiz für die NSDAP.
Ein Jahr später läuft die \"Wilhelm Gustloff\" in Hamburg vom Stapel und befördert anfangs Menschen im Rahmen des \"Kraft durch Freude\"-Programms der Nationalsozialisten. Dies ist ein Propaganda-Programm, bei dem die Bevölkerung für sehr wenig Geld an tollen Fernreisen, oft in die norwegischen Fjorde, teilnehmen kann. Dadurch sollen die Reisenden natürlich auf die Seite der NSDAP gezogen werden, was wohl auch oft gelang, da die Reisen bleibende Eindrücke hinterließen.
Als der Krieg dann zu Ende ging und die Flüchtlingsströme einsetzten, wurde die \"Wilhelm Gustloff\" zum Flüchtlingsschiff umfunktioniert. Das Schiff ist mit Flüchtlingen, Marinehelferinnen und Verwundeten überladen, als es am 30.7.1945 den Hafen von Gotenhafen verlässt und in der gleichen Nacht von einem sowjetischen U-Boot versenkt wird. Dabei sterben viele tausend Menschen und nur wenige überleben.
--------ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:--------
Titel: Im Krebsgang
Autor: Günter Grass
Verlag: Steidl-Verlag, Göttingen
Erschienen: 2002
Seiten: 216
Preis: 18 €
ISBN: 3-88243-800-2
--------KOMMENTAR:--------
Ich muss zugeben, dass ich vor meiner Lektüre des Buches nichts von Wilhelm Gustloff und dem gleichnamigen Schiff wusste. Daher danke ich Günter Grass auf diesem Wege, weil er diese Bildungslücke bei mir geschlossen hat - und wie. Ich bin begeistert von diesem Buch! Es ist nicht nur sehr interessant und spannend zu lesen, sondern auch literarisch sehr anspruchsvoll.
Grass erzählt in \"Im Krebsgang\" die Geschichte wahrhaftig wie im Krebsgang. Mal erzählt er hier etwas, dann wieder da, um wieder zurück zum ersten Handlungsstrang zu kommen... Da wären zum Beispiel die Recherchen von Paul Pokriefke, die beschrieben werden. Dann springt Grass mit der Erzählung zur jungen Tulla Pokriefke, die gerade auf der Gustloff schwanger im Bett liegt und sich auf der Flucht zu befinden. Danach erzählt er, was der Befehlshaber des russischen U-Boots zur selben Zeit gemacht haben könnte u.s.w. Grass überschneidet hier also gekonnt Handlungsstränge.
Sehr gut finde ich auch, dass Grass in \"Im Krebsgang\" die Nazis nicht als prügelnde Dummköpfe darstellt und weiterhin dieses Klischee vom dummen Nazi bedient. Grass zeigt hier neben den historischen Ereignissen auch auf, dass Nazis auch intelligent sein können. Pauls Sohn, der Webmaster der Nazi-Page, ist sehr intelligent (macht sein Abi mit dem Durchschnitt von 1,7), hat lockige Haare und trägt sehr gern einen Norwegerpullover. Also nicht gerade das Bild, das man sich von einem Nazi macht.
Günter Grass hatte auch eine gute Idee, indem er Tulla Pokriefke und deren Sohn, die beide in den Romanen \"Hundejahre\" und \"Katz und Maus\" vorkommen, auch in \"Im Krebsgang\" in die Handlung integriert. So entsteht ein gewisser Wiedererkennungseffekt für alle, die diese Bücher auch kennen.
Nun noch etwas zur Person Günter Grass: Man kann ihn mögen oder nicht! Zur Promotion dieses Werkes hat er sich zum Beispiel in so ziemlich jede politische Diskusion eingemischt - ob er Ahnung von der Materie hatte, oder nicht. Teilweise war es recht schlau, was er sagte, dann waren aber auch Dinge dabei, bei denen ich nur den Kopf schütteln konnte. Diese ihm eigene Art ist sicher nicht jedem sympatisch, aber dieser Fakt sollte niemanden davon abhalten, dieses Buch zu lesen, denn es ist wirklich lesenswert; ob man Grass mag oder nicht. Seine schriftstellerischen Fähigkeiten sind wohl unbestritten (nicht erst seit dem Nobelpreis) und werden auch in \"Im Krebsgang\" wieder deutlich.
--------FAZIT:--------
Das Buch ist in allen Belangen top: Ich konnte einiges lernen außerdem ist die Handlung fesselnd, spannend und hochinteressant. Nebenbei ist das Buch dann auch vom literarischen Niveau ganz weit oben anzusiedeln, was den Spaß beim Lesen für mich nur noch vergrößert hat.
-------GÜNTER GRASS:-------
Günter Grass wurde 1927 in Danzig geboren. Im Krieg war er von \'44 Luftwaffenhelfer und geriet dann bis 1946 in amerikanische Gefangenschaft. Von 1947 bis 1948 macht er eine Steinmetzlehre in Düsseldorf, studierte danach Grafik und Bildhauerei und ging an die Hochschule für Bildene Künste. 1958 wurde sein Manuskript für \"Die Blechtrommel\" von der bekannten Schriftsteller-Vereinigung \"Gruppe 47\" ausgezeichnet. Grass war auch selbst Mitglied bei der \"Gruppe 47\".
Grass schrieb nicht nur bekannte Werke, wie \"Die Blechtrommel\", \"Der Butt\", \"Ein weites Feld\" etc., sondern setzte sich auch für die SPD in der Politik ein. So beteiligte er sich für die SPD in den Jahren 1962, 1965 und 1972 am Wahlkampf und rief im \"Heilbronner Manifest\" öffentlich zur Wehrdienstverweigerung auf.
Der Höhepunkt seiner Karriere war aber die Nobelpreisverleihung in Stockholm, wo Grass 1999, am 10. Dezember, für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde.
-------COVER:-------
Das Cover des Buches sieht sehr schön und schlicht aus. Die obere Hälfte ist hell. Darauf stehen Autor und Titel in einem Weinrot. Ab der Hälfte stehen Jahreszahlen quer durcheinander, scheinbar in dicken Tintenstrichen, auf dem Cover. Anfangs sind die Zahlen noch lesbar, gehen aber nach unten hin immer mehr ineinander über, bis sie ganz unten nicht mehr zu entziffern sind.
Auf der Rückseite ist außer dieser Illustration und der ISBN-Nummer nichts zu sehen.
-------INHALT:-------
Günter Grass hat in \"Mein Jahrhundert\" zu jedem Jahr des nun letzten Jahrhunderts (von 1900 bis 1999) eine kleine Geschichte erzählt. Diese Geschichten und Anekdoten sind 2 bis 5 Seiten lang und meistens abgeschlossen. Dabei handelt es sich nicht um immer die selben Charaktere, sondern meist um unterschiedliche.
Die verschiedenen Charaktere erzählen eine Geschichte, oder ein Erlebnis aus dem betreffenden Jahr, wobei es sich dabei nicht immer um herausragend wichtige und bekannte Ereignisse handelt. So wird 1901 von der Jungfernfahrt der Wuppertaler Schwebebahn berichtet, aber es gibt auch Erzählungen von einem Fußballspiel und im letzten Kapritel sogar ein kleines Dankeschön an Grass\' Mutter. Im Kapitel 1999 lässt er sie nämlich wieder zum Leben erwecken und nun berichtet sie u.a. über Günter Grass, was ich sehr beeindruckend finde:
\"Gezwungen hat er mich nicht, aber überredet, der Bengel. Das konnt er schon immer, bis ich endlich ja gesagt hab. Und nun leb ich angeblich noch, bin über hundert und bei Gesundheit, weil er das so will.\"...
Wichtig ist auch noch zu sagen, dass Grass seine Charaktere sehr gekonnt durch ihre Art zu Reden charakteresiert. So sprechen z.B. die Bergarbeiter aus dem Ruhrpott platt. Überhaupt lässt er die Charaktere seines Buches immer in ihrem Dialekt sprechen, wodurch man sofort weiss, woher sie kommen, vielleicht auch welchen sozialen Status sie haben.
-------ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:-------
Autor: Günter Grass
Titel: Mein Jahrhundert
Erschienen: 1999
Verlag: Steidl
Seiten: 379
Preis: ca. 20 € - 25 € (gebundene Ausgabe)
-------KOMMENTAR:-------
Mir gefällt das Buch wirklich sehr sehr gut. Vom Schreibstil her ist es sehr schön. Die vielen Geschichten, die Dialekte der Charaktere und die Erzählperspektive lassen das Buch und die Gecshichten darin wirklich sehr lebendig wirken. Durch die vielen, kurzen Kapitel ist das Buch auch sehr kurzweilig und langatmige Strecken haben keine Chance.
Manchmal hätte ich mir zwar etwas mehr von einer Geschichte gewünscht, oder in einem bestimmten Jahr eine komplett andere Geschichte (z.B. wegen eines wichtigen Ereignisses in diesem Jahr), aber im Großen und Ganzen ist dieses Buch vom inhaltlichen und literarischen her eine Meisterleistung!
Wer nicht gewillt ist, den hohen Preis zu zahlen, kann sich auch die Taschenbuchausgabe für 10 € kaufen. Wer aber von \"Mein Jahrhundert\" nicht genug bekommen kann, kann sich auch die Ausgabe mit zusätzlichen Illustrationen für 49 € kaufen...
Mir hat das Lesen des Buches sehr viel Spaß gemacht und daher kann ich es jedem nur empfehlen. Man kann dieses Buch schon nach wenigen Seiten nicht mehr aus der Hand legen, so wird einen dieser ganz andere Schreibstil fesseln.
-------FAZIT:-------
Das Buch war zwar sehr lange in den Bestsellerlisten, wer es aber trotzdem noch nicht zu Hause stehen haben sollte, sollte schnell in die Buchhandlung gehen und es sich zulegen. Das Buch ist, wie schon gesagt, vom inhaltlichen und literarischen meisterhaft!!!
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-22 10:53:23 mit dem Titel "Im Krebsgang" - Günter Grass
Ich war vom 13.7. bis 20.7. im Urlaub. Was soll man bei diesem miesen Wetter schon großartiges auf Rügen machen? Genau, viel gibt\'s da nicht. Also habe ich gelesen, gelesen und gelesen. So liebe ich meine Urlaube wirklich, besonders wenn die Bücher gut sind; mit \"Im Krebsgang\" habe ich einen echten Glücksgriff getan...
--------GÜNTER GRASS:--------
Günter Grass wurde 1927 in Danzig geboren. Im Krieg war er von \'44 Luftwaffenhelfer und geriet dann bis 1946 in amerikanische Gefangenschaft. Von 1947 bis 1948 macht er eine Steinmetzlehre in Düsseldorf, studierte danach Grafik und Bildhauerei und ging an die Hochschule für Bildene Künste. 1958 wurde sein Manuskript für \"Die Blechtrommel\" von der bekannten Schriftsteller-Vereinigung \"Gruppe 47\" ausgezeichnet. Grass war auch selbst Mitglied bei der \"Gruppe 47\".
Grass schrieb nicht nur bekannte Werke, wie \"Die Blechtrommel\", \"Der Butt\", \"Ein weites Feld\" etc., sondern setzte sich auch für die SPD in der Politik ein. So beteiligte er sich für die SPD in den Jahren 1962, 1965 und 1972 am Wahlkampf und rief im \"Heilbronner Manifest\" öffentlich zur Wehrdienstverweigerung auf.
Der Höhepunkt seiner Karriere war aber die Nobelpreisverleihung in Stockholm, wo Grass 1999, am 10. Dezember, für sein Lebenswerk ausgezeichnet wurde.
--------COVER:--------
Das Cover ist sehr schlicht gestaltet. Auf weißem Grund steht in großen, blauen Lettern im oberen Teil des Covers Name des Autors und darunter, leicht horizontal verschoben, der Name des Werkes. Darunter sieht man nun eine dunkelrote oder braune Kohlezeichnung eines Krebses.
Der Leineneinbund der Hardcover-Ausgabe ist natürlich mit einer Papierschutzhülle umgeben, die dieses Cover zeigt.
--------STORY:--------
Erzählt wird die folgende Geschichte von Paul Pokriefke. Er ist Autor und soll für jemanden die Geschichte des Flüchtlingsschiffes \"Wilhelm Gustloff\" niederschreiben, da seine Mutter, Tulla Pokriefke, in der Nacht (30.01.1945), als die Gustloff mit tausenden Flüchtlingen an Bord versenkt wird, hochschwanger auch an Bord war, überlebt hat und in der gleichen Nacht ihn, Paul Pokriefke, geboren hat. Seitdem erzählt Tulla Pokriefke immer wieder von jener Nacht und von den Zeiten, als die \"Wilhelm Gustloff\" noch ein \"Kraft durch Freude\"-Schiff war, auf dem Tulla einen wunderbaren Urlaub in norwegischen Fjorden erlebt hat.
Auf seiner Suche nach Fakten über das Unglück der \"Wilhelm Gustloff\" bedient sich Paul des Internets. Er surft auf vielen Webpages und gelangt schließlich auf eine Nazi-Page. Dort wird alles über das Unglück sehr genau beschrieben und bebildert dargestellt. Im Chatroom der Page sieht Paul einem Wortgefecht zwischen dem Webmaster der Page (er nennt sich Wilhelm) und einem anderen User (er benennt sich nach dem Juden David Frankfurter). Beide sind sehr gut informiert, was das Unglück angeht und mit der Zeit entwickelt sich zwischen den beiden eine Hassfreundschaft, weil sie beide zwar das selbe Interesse haben (das Unglück der Gustloff), nur eben aus verschiedenen Perspektiven - der eine aus der Sicht des Nazis, der andere aus der Sicht eines Juden.
Paul besucht immer öfter diese Nazi-Homepage, da sie sich sehr eingehend mit dem Thema befasst, und bekommt immer mehr und mehr das Gefühl, dass sein eigener Sohn der Webmaster dieser Homepage ist. Denn er lebt in seinen Ferien immer bei Tulla Pokriefke, die auch ihm die Geschichten aus der Nazi-Zeit und von dem \"KdF\"-Schiff erzählt.
Und bald hat das Unglück der \"Wilhelm Gustloff\" am 30.01.1945 auch Auswirkungen auf Pauls heutiges Leben, denn seine Geschichte verleitet Pauls Sohn zu einer schrecklichen Tat...
--------HISTORISCHER HINTERGRUND:--------
Die meisten Menschen glauben ja, das Unglück der \"Titanic\" wäre das schlimmste Schiffsunglück überhaupt, was nicht stimmt. Am 30.7.1945 starben weitaus mehr Menschen an Bord der \"Wilhelm Gustloff\", einem Flüchtlingsschiff der Nationalsozialisten, bei dem allerdings auch einige Soldaten und Waffen an Bord waren. Es wurde von einem U-Boot der sowjetischen Streitkräfte versenkt.
Seinen Namen erhielt das Schiff, weil am 04.02.1936 der eigentlich unbedeutende Wilhelm Gustloff durch vier Schüsse des Juden David Frankfurter ermordet wurde. Wilhelm Gustloff warb in der Schweiz für die NSDAP.
Ein Jahr später läuft die \"Wilhelm Gustloff\" in Hamburg vom Stapel und befördert anfangs Menschen im Rahmen des \"Kraft durch Freude\"-Programms der Nationalsozialisten. Dies ist ein Propaganda-Programm, bei dem die Bevölkerung für sehr wenig Geld an tollen Fernreisen, oft in die norwegischen Fjorde, teilnehmen kann. Dadurch sollen die Reisenden natürlich auf die Seite der NSDAP gezogen werden, was wohl auch oft gelang, da die Reisen bleibende Eindrücke hinterließen.
Als der Krieg dann zu Ende ging und die Flüchtlingsströme einsetzten, wurde die \"Wilhelm Gustloff\" zum Flüchtlingsschiff umfunktioniert. Das Schiff ist mit Flüchtlingen, Marinehelferinnen und Verwundeten überladen, als es am 30.7.1945 den Hafen von Gotenhafen verlässt und in der gleichen Nacht von einem sowjetischen U-Boot versenkt wird. Dabei sterben viele tausend Menschen und nur wenige überleben.
--------ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:--------
Titel: Im Krebsgang
Autor: Günter Grass
Verlag: Steidl-Verlag, Göttingen
Erschienen: 2002
Seiten: 216
Preis: 18 €
ISBN: 3-88243-800-2
--------KOMMENTAR:--------
Ich muss zugeben, dass ich vor meiner Lektüre des Buches nichts von Wilhelm Gustloff und dem gleichnamigen Schiff wusste. Daher danke ich Günter Grass auf diesem Wege, weil er diese Bildungslücke bei mir geschlossen hat - und wie. Ich bin begeistert von diesem Buch! Es ist nicht nur sehr interessant und spannend zu lesen, sondern auch literarisch sehr anspruchsvoll.
Grass erzählt in \"Im Krebsgang\" die Geschichte wahrhaftig wie im Krebsgang. Mal erzählt er hier etwas, dann wieder da, um wieder zurück zum ersten Handlungsstrang zu kommen... Da wären zum Beispiel die Recherchen von Paul Pokriefke, die beschrieben werden. Dann springt Grass mit der Erzählung zur jungen Tulla Pokriefke, die gerade auf der Gustloff schwanger im Bett liegt und sich auf der Flucht zu befinden. Danach erzählt er, was der Befehlshaber des russischen U-Boots zur selben Zeit gemacht haben könnte u.s.w. Grass überschneidet hier also gekonnt Handlungsstränge.
Sehr gut finde ich auch, dass Grass in \"Im Krebsgang\" die Nazis nicht als prügelnde Dummköpfe darstellt und weiterhin dieses Klischee vom dummen Nazi bedient. Grass zeigt hier neben den historischen Ereignissen auch auf, dass Nazis auch intelligent sein können. Pauls Sohn, der Webmaster der Nazi-Page, ist sehr intelligent (macht sein Abi mit dem Durchschnitt von 1,7), hat lockige Haare und trägt sehr gern einen Norwegerpullover. Also nicht gerade das Bild, das man sich von einem Nazi macht.
Günter Grass hatte auch eine gute Idee, indem er Tulla Pokriefke und deren Sohn, die beide in den Romanen \"Hundejahre\" und \"Katz und Maus\" vorkommen, auch in \"Im Krebsgang\" in die Handlung integriert. So entsteht ein gewisser Wiedererkennungseffekt für alle, die diese Bücher auch kennen.
Nun noch etwas zur Person Günter Grass: Man kann ihn mögen oder nicht! Zur Promotion dieses Werkes hat er sich zum Beispiel in so ziemlich jede politische Diskusion eingemischt - ob er Ahnung von der Materie hatte, oder nicht. Teilweise war es recht schlau, was er sagte, dann waren aber auch Dinge dabei, bei denen ich nur den Kopf schütteln konnte. Diese ihm eigene Art ist sicher nicht jedem sympatisch, aber dieser Fakt sollte niemanden davon abhalten, dieses Buch zu lesen, denn es ist wirklich lesenswert; ob man Grass mag oder nicht. Seine schriftstellerischen Fähigkeiten sind wohl unbestritten (nicht erst seit dem Nobelpreis) und werden auch in \"Im Krebsgang\" wieder deutlich.
--------FAZIT:--------
Das Buch ist in allen Belangen top: Ich konnte einiges lernen außerdem ist die Handlung fesselnd, spannend und hochinteressant. Nebenbei ist das Buch dann auch vom literarischen Niveau ganz weit oben anzusiedeln, was den Spaß beim Lesen für mich nur noch vergrößert hat.
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