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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von fäääl
Batya Gur-Denn am Sabat sollst Du ruhen
Pro:
Batya Gut hat interessante Ansätze und ist gut informiert über das, was sie beschreibt
Kontra:
Hier mißlungene psychologische Überfrachtung des Stoffes
Empfehlung:
Nein
Batya Gur ist eine Israelin - in ihrem Heimatland eine sehr bekannte und gefeierte Krimiautorin, außerhalb Israels erst allmählich zu dieser Position aufrückend. Ich selbst mag ihre Bücher zum größten Teil sehr gerne und würde als Einschätzung ihrer Art zu schreiben sagen: Wer Elizabeth George (immerhin eine der bekannten Namen im Geschäft) mag, der mag auch Batya Gur.
Wie E. George hat sie eine \"Hauptfigur\", nämlich den Kriminalkommissar Michael Ochajon (O.). Dieser hat - wie die Figuren von George - eine Vorgeschichte (er ist geschieden, hat einen Teenager-Sohn, einige gescheiterte Beziehungen und auch einige sonstige persönliche Probleme), die sich im Laufe der Bücher auch weiterentwickelt. Dadurch ist die Person nicht in Beton gegossen, sondern belebt die Krimis (in sich natürlich abgeschlossen) um eine weitere Komponente.
Aber nun zu diesem Buch:
Worum es geht:
Um Neid, um wissenschaftliche Reputation, um geheime und nicht so geheime Riten eines Berufszweigs, ...
Die Story:
An einem Sabbat (deshalb der Titel!) wird eine berühmte Psychoanalytikerin, Fr. Neidorf, von ihrem Berufs-Kollegen tot aufgefunden. Sie sollte an diesem Tag einen Vortrag in dessen Institut halten. Mit ihr verschwunden sind - das stellt sich allmählich heraus - auch ihre Patientenliste sowie verschiedene Dokumente.
Ochajon wird herangezogen, um den Mordfall aufzuklären. Dabei gilt es zunächst einmal, die Umstände rund um die Tote \"in den Griff\" zu bekommen - eine schwierige Aufgabe, ist doch sowohl die psychoanalytische Szene eine Szene voller Riten, Geheimnisse, Mythen und Theorienstreits, in die ein Außenstehender nur widerwillig und nur bruchstückhaft einbezogen wird.
Dabei sind die Verdächtigen - es ist relativ schnell klar, daß der Täter entweder aus dem Institut selbst oder aber aus dem Patientenkreis stammen muß - gebildete Leute, die es Ochajon umso schwerer machen, je raffinierter sie ihre eigenen Gefühle zurückhalten oder verdecken.
Überraschend ist dann das Ende und die Aufklärung - hier gelingt Gur ein echter Coup, den man einfach nicht vorwegnehmen darf.
Was das Buch lesenswert macht:
In diesem Buch entfaltet sich Gurs Meisterschaft im Erzählen: Sie baut eine spannende Story in einem interessanten Milieu auf, das sie offensichtlich sehr genau recherchiert hat. Die Personen treten tatsächlich als solche hervor und entwickeln ein eigenständiges Dasein. Dazu kommt, daß sie zwar überraschende Wendungen einbaut, diese aber vorbereitet sind und dadurch alles andere als gekünstelt erscheinen.
Was das Buch nicht so lesenswert macht:
Da gibt es wenig. Natürlich ist die Psychoanalyse nicht jedermanns Sache, so daß die vielen erklärenden Ausflüge in dieses Metier bestimmt manch\' einem nicht schmecken. Das war\'s dann aber auch schon!
Wer sich noch dafür interssiert?
Noch niemand, aber nach den Erfolgen der Italo-Amerikanerin Donna Leon könnte es ja sein, daß der kauzige Ochajon auch beim deutschen Fernsehen noch eine Einrichtung wird...
Preis: Bei Goldmann als Taschenbuch erschienen, früher 17.90 DM, heute 8.80 €.
Fazit: Ein durch und durch gelungener Krimi mit Psycho-Hintergrund.
Ich bedanke mich für\'s Lesen!
Eure
Fäääl
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-19 09:45:14 mit dem Titel So spielt die Musik-tätärä: Lied der Könige von Batya Gur
Musik ist der Dreh- und Angelpunkt dieses Krimis von Batya Gur. Die Israelin hat ihren Inspektor dieses Mal in eine intrigante, verzwickte Familiengeschichte iengebettet - sowohl diejenige des Opfers als auch seine eigene.
Worum es geht:
Um Haß, Neid, Geschwisterliebe und -verbindungen, um Zukunftspläne, um Ängste vor dem Alleinsein, um das Vertrauen in Menschen. Daneben spielt die Dienstauffassung und die Loyalität eine große Rolle
Die Story:
Inspektor O. befindet sich in einer Art von Midlife-Crisis. Ein zufällig aufgefundenes Baby verhilft ihm zu neuen Perspektiven - koste es, was es wolle. Seine Nachbarin ist ganz ähnlich gelagert: Sie ist Cellistin und verzweifelt an der Übermacht ihrer beiden älteren Brüder: Der eine ist international renommierter Violinen-Solist, der andere international bekannter Star-Dirigent. Auch ihr verhilft - das eigene statt ein aufgefundenes - Baby zu einer neuen Aufgabe.
Durch die beiden Babies kommen O. und die Nachbarin in Kontakt - und dummerweise auch noch in ziemlich verdreht-engen. Eine etwas merkwürdige Affäre bahnt sich an.
Diese wird aber jäh gestört, als erst der musikbegeisterte Vater und dann auch noch der Geiger-Bruder ermordet werden. Und dummerweise wird O. zum ermittelnden Kommissar. Dieses Funktion will er auch nicht aufgeben - weder wegen des BAbies noch wegen der Verbindung zur Nachbarin. Mit eisernem Willen und großer Starrköpfigkeit hält O an der Möglichkeit gezielter Schizophrenie fest: Er kann privates und berufliches problemlos trennen, meint er.
Die Verwicklungen nehmen immer mehr zu, auch rund um O. Es zeigt sich, dass die Lösung des Falles wohl bei der Familie der Ermordeten liegen muß - und da bleibt neben dem Star-Dirigenten und einem merkwürdig verschrobenen und seit Monaten verschwundenen Faktotum vor allem einer übrig: Die Nachbarin.
Was das Buch lesenswert macht:
Batya Gur läßt ihre Personen zu Menschen werden, und zwar nicht nur zu angenehmen. Die Midlife-Crisis des O hat schon auch etwas Abschreckendes und wenig Gewinnendes. Und seine starrköpfige Haltung gegenüber dem - offensichtlichen - Zwiespalt zwischen seiner Zuneigung zur NAchbarin und den Ermittlungen ist alles andere als gewinnend. Gur gelingt es aber, sie asl nachvollziehbar hinzustellen - und das will viel heißen.
Die Musik-Kenntnis ist berückend und läßt die Schilderungen der bestimmenden Passagen durchaus über den normalen Krimi im Musiker-Milieu hinaus anwachsen.
Was das Buch weniger lesesnwert macht:
Leider ist die gesamte HAndlung unglaublich zäh und sehr verworren. Gur vermischt einfach zu viele Dinge und Handlungsstränge miteinander: Da sind die verzwickten Beziehungen des O innerhalb der Polizei, dann seine merkwürdige Beziehung zur Nachbarin, deren merkwürdiges Verhältnis zu ihrer Familie, die Beziehungen in der Familie überhaupt. Aber damit nicht genug, werden auch noch die israelische Haltung zu Wagner, ein Vivaldi-Skript und dessen Wert auf dem Kunstmarkt, die Rolle des O zu einer Frau, Bindung und Familie und die Schwierigkeiten einer Adoptionsentscheidung thematisiert. Das ist schlechterdings viel zu viel und tut weder dem Buch noch dem Krimi darin noch der Handlung gut.
Man kann zwar problemlos folgen (denn die eigentliche Mordgeschichte ist alles andere als kompliziert und nach einer Weile beginnt man zu ahnen, worauf es hinausläuft). Aber die ständigen Einschübe (Gespräch des O. mit seinem Chef im Krankenhaus, wo dieser auf das Ergebnis einer Not-OP seiner Tochter wartet - das ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie unwichtige Seitenstränge aufgezogen werden), Unterbrechungen, Überlegungen und Seitenhandlungen lassen einen Sog in das Buch hinein gar nicht erst entstehen. Und das, obwohl diese ganze Chose immer aus der Sicht des O. beschrieben wird!
Wer sich noch dafür interessiert:
Vermutlich wird das israelische Fernsehen irgendwann eine Verfilmung starten, die es aber nie ins deustche Fernsehen schaffen wird. Bei dieser Handlung, die für die Transkription in einen Spielfilm/TV-Film merklich gekürzt werden müßte, ist es nicht sonderlich schade um das Verschwinden in der Versenkung.
Preis: Erschienen bei Goldmann Krimi, ca. 350 Seiten, ca. 10 Euro.
Fazit:
Das Buch ist wirklich nur eingefleischten Batya Gur Fans zu empfehlen, die einfach alles von ihr gelesen haben müssen. Ansonsten sollte man lieber die Finger davon lassen.
Wie E. George hat sie eine \"Hauptfigur\", nämlich den Kriminalkommissar Michael Ochajon (O.). Dieser hat - wie die Figuren von George - eine Vorgeschichte (er ist geschieden, hat einen Teenager-Sohn, einige gescheiterte Beziehungen und auch einige sonstige persönliche Probleme), die sich im Laufe der Bücher auch weiterentwickelt. Dadurch ist die Person nicht in Beton gegossen, sondern belebt die Krimis (in sich natürlich abgeschlossen) um eine weitere Komponente.
Aber nun zu diesem Buch:
Worum es geht:
Um Neid, um wissenschaftliche Reputation, um geheime und nicht so geheime Riten eines Berufszweigs, ...
Die Story:
An einem Sabbat (deshalb der Titel!) wird eine berühmte Psychoanalytikerin, Fr. Neidorf, von ihrem Berufs-Kollegen tot aufgefunden. Sie sollte an diesem Tag einen Vortrag in dessen Institut halten. Mit ihr verschwunden sind - das stellt sich allmählich heraus - auch ihre Patientenliste sowie verschiedene Dokumente.
Ochajon wird herangezogen, um den Mordfall aufzuklären. Dabei gilt es zunächst einmal, die Umstände rund um die Tote \"in den Griff\" zu bekommen - eine schwierige Aufgabe, ist doch sowohl die psychoanalytische Szene eine Szene voller Riten, Geheimnisse, Mythen und Theorienstreits, in die ein Außenstehender nur widerwillig und nur bruchstückhaft einbezogen wird.
Dabei sind die Verdächtigen - es ist relativ schnell klar, daß der Täter entweder aus dem Institut selbst oder aber aus dem Patientenkreis stammen muß - gebildete Leute, die es Ochajon umso schwerer machen, je raffinierter sie ihre eigenen Gefühle zurückhalten oder verdecken.
Überraschend ist dann das Ende und die Aufklärung - hier gelingt Gur ein echter Coup, den man einfach nicht vorwegnehmen darf.
Was das Buch lesenswert macht:
In diesem Buch entfaltet sich Gurs Meisterschaft im Erzählen: Sie baut eine spannende Story in einem interessanten Milieu auf, das sie offensichtlich sehr genau recherchiert hat. Die Personen treten tatsächlich als solche hervor und entwickeln ein eigenständiges Dasein. Dazu kommt, daß sie zwar überraschende Wendungen einbaut, diese aber vorbereitet sind und dadurch alles andere als gekünstelt erscheinen.
Was das Buch nicht so lesenswert macht:
Da gibt es wenig. Natürlich ist die Psychoanalyse nicht jedermanns Sache, so daß die vielen erklärenden Ausflüge in dieses Metier bestimmt manch\' einem nicht schmecken. Das war\'s dann aber auch schon!
Wer sich noch dafür interssiert?
Noch niemand, aber nach den Erfolgen der Italo-Amerikanerin Donna Leon könnte es ja sein, daß der kauzige Ochajon auch beim deutschen Fernsehen noch eine Einrichtung wird...
Preis: Bei Goldmann als Taschenbuch erschienen, früher 17.90 DM, heute 8.80 €.
Fazit: Ein durch und durch gelungener Krimi mit Psycho-Hintergrund.
Ich bedanke mich für\'s Lesen!
Eure
Fäääl
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-07-19 09:45:14 mit dem Titel So spielt die Musik-tätärä: Lied der Könige von Batya Gur
Musik ist der Dreh- und Angelpunkt dieses Krimis von Batya Gur. Die Israelin hat ihren Inspektor dieses Mal in eine intrigante, verzwickte Familiengeschichte iengebettet - sowohl diejenige des Opfers als auch seine eigene.
Worum es geht:
Um Haß, Neid, Geschwisterliebe und -verbindungen, um Zukunftspläne, um Ängste vor dem Alleinsein, um das Vertrauen in Menschen. Daneben spielt die Dienstauffassung und die Loyalität eine große Rolle
Die Story:
Inspektor O. befindet sich in einer Art von Midlife-Crisis. Ein zufällig aufgefundenes Baby verhilft ihm zu neuen Perspektiven - koste es, was es wolle. Seine Nachbarin ist ganz ähnlich gelagert: Sie ist Cellistin und verzweifelt an der Übermacht ihrer beiden älteren Brüder: Der eine ist international renommierter Violinen-Solist, der andere international bekannter Star-Dirigent. Auch ihr verhilft - das eigene statt ein aufgefundenes - Baby zu einer neuen Aufgabe.
Durch die beiden Babies kommen O. und die Nachbarin in Kontakt - und dummerweise auch noch in ziemlich verdreht-engen. Eine etwas merkwürdige Affäre bahnt sich an.
Diese wird aber jäh gestört, als erst der musikbegeisterte Vater und dann auch noch der Geiger-Bruder ermordet werden. Und dummerweise wird O. zum ermittelnden Kommissar. Dieses Funktion will er auch nicht aufgeben - weder wegen des BAbies noch wegen der Verbindung zur Nachbarin. Mit eisernem Willen und großer Starrköpfigkeit hält O an der Möglichkeit gezielter Schizophrenie fest: Er kann privates und berufliches problemlos trennen, meint er.
Die Verwicklungen nehmen immer mehr zu, auch rund um O. Es zeigt sich, dass die Lösung des Falles wohl bei der Familie der Ermordeten liegen muß - und da bleibt neben dem Star-Dirigenten und einem merkwürdig verschrobenen und seit Monaten verschwundenen Faktotum vor allem einer übrig: Die Nachbarin.
Was das Buch lesenswert macht:
Batya Gur läßt ihre Personen zu Menschen werden, und zwar nicht nur zu angenehmen. Die Midlife-Crisis des O hat schon auch etwas Abschreckendes und wenig Gewinnendes. Und seine starrköpfige Haltung gegenüber dem - offensichtlichen - Zwiespalt zwischen seiner Zuneigung zur NAchbarin und den Ermittlungen ist alles andere als gewinnend. Gur gelingt es aber, sie asl nachvollziehbar hinzustellen - und das will viel heißen.
Die Musik-Kenntnis ist berückend und läßt die Schilderungen der bestimmenden Passagen durchaus über den normalen Krimi im Musiker-Milieu hinaus anwachsen.
Was das Buch weniger lesesnwert macht:
Leider ist die gesamte HAndlung unglaublich zäh und sehr verworren. Gur vermischt einfach zu viele Dinge und Handlungsstränge miteinander: Da sind die verzwickten Beziehungen des O innerhalb der Polizei, dann seine merkwürdige Beziehung zur Nachbarin, deren merkwürdiges Verhältnis zu ihrer Familie, die Beziehungen in der Familie überhaupt. Aber damit nicht genug, werden auch noch die israelische Haltung zu Wagner, ein Vivaldi-Skript und dessen Wert auf dem Kunstmarkt, die Rolle des O zu einer Frau, Bindung und Familie und die Schwierigkeiten einer Adoptionsentscheidung thematisiert. Das ist schlechterdings viel zu viel und tut weder dem Buch noch dem Krimi darin noch der Handlung gut.
Man kann zwar problemlos folgen (denn die eigentliche Mordgeschichte ist alles andere als kompliziert und nach einer Weile beginnt man zu ahnen, worauf es hinausläuft). Aber die ständigen Einschübe (Gespräch des O. mit seinem Chef im Krankenhaus, wo dieser auf das Ergebnis einer Not-OP seiner Tochter wartet - das ist ein wunderbares Beispiel dafür, wie unwichtige Seitenstränge aufgezogen werden), Unterbrechungen, Überlegungen und Seitenhandlungen lassen einen Sog in das Buch hinein gar nicht erst entstehen. Und das, obwohl diese ganze Chose immer aus der Sicht des O. beschrieben wird!
Wer sich noch dafür interessiert:
Vermutlich wird das israelische Fernsehen irgendwann eine Verfilmung starten, die es aber nie ins deustche Fernsehen schaffen wird. Bei dieser Handlung, die für die Transkription in einen Spielfilm/TV-Film merklich gekürzt werden müßte, ist es nicht sonderlich schade um das Verschwinden in der Versenkung.
Preis: Erschienen bei Goldmann Krimi, ca. 350 Seiten, ca. 10 Euro.
Fazit:
Das Buch ist wirklich nur eingefleischten Batya Gur Fans zu empfehlen, die einfach alles von ihr gelesen haben müssen. Ansonsten sollte man lieber die Finger davon lassen.
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