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Erfahrungsbericht von kleineswoelkchen

Gifford Thomas -- Assassini

Pro:

lesenswert und Fragen aufwerfend

Kontra:

Schleifen wiederholen manche Phase, die man beim Lesen schon durchlebte

Empfehlung:

Nein

Ein Geschenk von Freunden

1999, andy zieht nach Berlin. Damals noch viel Freizeit, der Job noch nicht so ernst im Blick. Das waren noch Zeiten. Da saß man mit Freunden irgendwo am Rande von Berlin an einem Ufer vom See, lauschte den Gesprächen oder hörte dem Vorleser zu, der aus seinem derzeitigem Lieblingsbuch ein paar Szenen uns vorlas.

Doch einen Nachmittag werden wir alle nie vergessen. Mittags hatten wir gegrillt, uns alle auf den Decken hingelegt und wieder einmal lauschten wir einem Freund, der uns ein paar Seiten aus einem Buch vorlas. Doch als er nach einer halben Stunde das Buch schließen wollte, waren wir alle uns einig, heute lesen wir. Jeder trug ein paar Seiten vor, wir saßen in einer Runde und keiner wollte sich um spätere Speisen kümmern. Vergessen waren Volleyballspiel und Baden gehen. Wir lauschten den Worten aus diesem Buch.

Ein roter weicher Einband umschloß den Text von Thomas Clifford. Mönche, dezent im Schwarzton gehalten, mit blassen Gesichtern angesetzt, so ziert das Titelbild den Roman. 813 Seiten sind gefüllt mit Worten, die eine literarische Enthüllung über den Vatikan verbergen. Ob es nun Wahr ist, oder nur ein Roman, lest es selbst heraus und nehmt euch ein Gedankenspiel.

Ben, der Bruder von Valerie, hier als Val im Buch beschrieben, möchte den Tod seiner Schwester aufklären. Als Anwalt und vorwiegend als Bruder nimmt er sich dies zur Aufgabe und läßt alles andere im Leben hinter sich.

Valerie war eine Ordensschwester, eine Nonne, die sich gegen manche Aussage der Kirche auflehnte. Durch das Schreiben von zwei Bestseller hatte sich Val durch ihre Publicity eine Art Schutz vor der Kirche aufgebaut. Nun hatte sie 12 lange Monate wieder recherchiert, sank daher ein wenig in der Bekanntheit und wurde durch all ihre Fragen und Aussagen der Kirche immer mehr ein Dorn im Auge.
Wer kennt sie noch? Keiner? Jetzt hatte die Kirche freie Hand. Die Kirche? War es wirklich die Kirche, die den Mord an der Nonne Val befahl?

Waren es die Gründe der neuen Suche nach einem Nachfolger für den sterbenden Papst Calixtus der IV. ?
Waren es andere Abgründe der Kirche, die sich seit Jahren oder Jahrhunderten aufbauten? Was hat Schwester Valerie in ihren Recherchen herausgefunden, das sie sterben mußte? Das sie in der kleinen Kapelle auf dem Familiengrundstück die letzten Atemzüge tat und die letzten Augenblicke ihres Lebens verbringen konnte.

Ben weiß nur, das seine Schwester seine Hilfe und seinen Schutz wollte. Sie sandte ihm vor ihrem Tod ein Foto aus dem Jahre 1943. Da waren 4 Männer abgebildet. Was taten die 4 Männer? Hat die 5. Person, die das Foto aufgenommen hat, auch eine Rolle gespielt?

Mit jeder neuen Seite weckt sich das Interresse am Lesen neu, werden neue Fragen in den Raum gestellt und man möchte das Buch nicht aus der Hand legen.

Es werden Fragen in den Raum gestellt, die wir als Otto-Normal-Sterbliche nie in Betracht ziehen würden.
Wer hätte gedacht, das zwei Menschen, Andy Heffernan und Curtis Lockhardt über einen neuen Papst entscheiden würden, mitten in einem Raum in New York. Geld regiert die Welt, und Geld regiert auch die Kirche.

Doch beide Männer sterben durch die Hand eines Priesters, der erst ein paar Minuten vorher noch Schlittschuhlaufend ein paar Nebenstraßen weiter weg den Tag verbrachte. Der mit behender Bewegung ein gefallenes Kind aufhebt und es wieder auf seine Kufen stellt. Widersprüche, die die Doppelseite eines Menschen hervorheben können.

Curtis war der Mann, der Valerie von ihrer Nonnenhaftigkeit entführte, ihr den Gedanken zum Verlassen der Kirche erleichterte. Ihr den Sinn eines anderen Lebens aufbaute. Das sie dennoch an die Kirche durch ihre Tätigkeiten gebunden wäre, wäre nicht so tragisch gewesen.

Doch jetzt ist auch Val tod, sinnlos gestorben, weil sie in den Kellern der Archive der Kirche etwas gefunden haben muss, was Aufruhr brachte. Angst und Sorgen hervorrief und manchen Kirchenmann das Zittern brachte. Was haben den Krieg und Kirche und all die Kirchenmänner denn zusammen gemeinsam?
Diese Frage beantwortet euch das Buch.

Ben, der selbst in der Kirche sehr aktiv tätig war, weil sein Vater diesen Wunsch gehegt hatte, kann sich immer besser in die kleinen Angaben von Val hereinfinden. Mit Hilfe der Nonne Elizabeth, der besten Freundin von Valerie, kommt er den Geheimnissen immer mehr auf die Spur. Morde, verbunden mit Kirche und dem Glauben, wie kann man sie mit Val in Verbindung bringen? Was hat Valerie herausgefunden, das der Kirche schaden könnte?

Für Ben selbst verstärkt sich immer mehr der Hass gegen die Kirche. Schon damals, bevor er Anwalt wurde und der Kirche den Rücken kehrte, nagte eine Abneigung in ihm. Jetzt baut sich Hass und Wut immer intensiver auf. Und die Kirche, die sich hinter Sätzen wie:
*Das sind kircheninterne Angelegenheiten, das geht sie nichts an* versteckt, weckt daher immer mehr Bens Interresse. So kann er mehr und immer mehr dem Mörder seiner Schwester auf die Spur kommen.

Oft hat man beim Lesen das Gefühl, in eine Schleife zu geraten. Nur aus anderer Sicht bekommt man wieder ein Stück vom Puzzel zusammen. Und immer öfter tritt der Name Assasini in das Gespräch. Doch was ist Assasini? Was hat das Mittelalter und dieser Teil der Kirche mit der heutigen Zeit gemeinsam? Hat jemand diesen Bund der Kirche am Leben erhalten und setzt eine schaurige Tradition fort?

Lassen sich Menschen noch immer durch kirchlichen Einfluß so sehr blenden, das sie wie Roboter Befehle umsetzen und sich nur entschuldigen können, das sie geblendet waren?
Immer wieder stellt man sich als Leser neue Fragen, liest zwischen den Zeilen und bemerkt nicht, wie die Zeit verfliegt. Man staunt, das man so viel gelesen hat und man sucht nach Antworten zu den gefundenen Fragen.

Ben Driskill geht nicht als Hauptfigur durch diesen Roman, eher als Ich-Erzähler. Man kann nicht alle Antworten zu den aufkommenden Fragen finden, doch man findet die Antwort, warum Schwester Val ermordet wurde.
Wieviele Menschen sterben in diesem Buch, sterben, weil ein Bezug zur Kirche entstanden war? Zuviele, doch hat alles einen Sinn und führt Ben zu seinen Antworten.

Thomas Gifford hat geschlagene 9 Jahre an diesem Roman geschrieben. Neun Jahre, wo er voller Verzweiflung aufgeben wollte, weil auch er in seinen Recherchen stecken blieb und man ihn blockierte. Weil die Zuarbeit der Kirche oft verwehrt wurde, um interne Daten zu schützen.
Ein kleiner Spiegel der neun Jahre zieht sich auch in diesem Buch nieder. Manche geschriebene Schleife, voller Emotionen gefüllt, läßt den Eindruck erwecken, hier kam neuer Schwung vom Autor. Es ist nicht negativ, nein, man bemerkt im Schreibstil keine große Veränderung, nur man hat selbst das Gefühl, jetzt findet man eine neue Antwort.

Vielleicht klingt dieser Abspann jetzt sehr trocken:
Das Buch ist unter der ISB N 3-404-13509-1 käuflich erwerbbar. Damals hatte es 18,90 Dm gekostet und steht heute zum Beispiel für 9,98 Euro bei Hugendubel.

Der Bastei-Lübbe-Verlag hat es schon über 22mal bis 1999 in Auflage gegeben. Ein Buch, das seit 1994 ein Hit und sehr empfehlenswert ist. Ein Buch, das anspricht und das Dir eine neue Sicht für die Kirche geben könnte. Was wahr ist, was nur dem Roman dienlich ist, das finde selbst für Dich heraus.

Der Autor wirbt nicht für die Kirche, macht aber auch keine Kampagne gegen die Kirche. Selbstbewust schrieb er einen Roman, der wirklich sehr lesenswert ist.

Ich danke Stefan noch einmal ganz herzlich, der mir im Juni 1999 dieses Buch als Willkommensgeschenk für Berlin überreichte.

eure andy

21 Bewertungen, 4 Kommentare

  • Wurzelchen2

    08.06.2002, 15:42 Uhr von Wurzelchen2
    Bewertung: sehr hilfreich

    nicht ganz meine Richtung, aber gut beschrieben

  • mima007

    07.06.2002, 13:49 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Du auch hier?! Schöner Bericht! CU; michael

  • Donellie

    07.06.2002, 13:42 Uhr von Donellie
    Bewertung: sehr hilfreich

    kann Dir Gomorha auch empfehlen

  • dreamweb

    07.06.2002, 13:25 Uhr von dreamweb
    Bewertung: sehr hilfreich

    oh, du bist auch hier - freu. Ich bin auch wieder zurück. Wenn auch gefrustet, weil alles futsch ist. Liebe Grüße - Miara