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Erfahrungsbericht von marathoni

Werdegang einer Geisha

Pro:

fesselnd, interessant,

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Nein

Chiyo lebt mit ihren Eltern und ihrer Schwester Satsu in ärmlichen Verhältnissen in dem Dorf Yoroido, in Japan. Der Vater ist Fischer und ernährt seine Familie von dem kläglichen Fang seiner Beute. Chiyos Mutter liegt schon längere Zeit kränkelnd im Bett und wird von der fünfjährigen Chiyo und deren sechs Jahre älteren Schwester Satsu versorgt.

Während die Schwester dem Vater ähnlich sieht, ähnelt Chiyo ihrer Mutter und hat auch deren seltsamen grauen Augen geerbt, die für einen Japaner(in) recht ungewöhnlich sind.
Das Dorf Yoroido wird von Fremden kaum besucht und die Menschen dort haben keinen Grund das Dorf zu verlassen.

Als Chiyo neun Jahre ist, macht sie die Bekanntschaft des Herrn Tanaka Ichiro, dem Fischfabrikbesitzer und Arbeitgeber ihres Vaters. Er ist in einen kostbaren Kimono gekleidet , wie Chiyo noch nie einen gesehen hat. Dieser Mann geht Chiyo nicht mehr aus dem Kopf. Sie stellt sich in ihrer Phantasie vor, von diesem Tanaka Ichiro adoptiert zu werden und glaubt sich der Erfüllung ihrer Träume nah zu sein, als sie und ihre Schwester aus dem bisherigen Leben herausgerissen und im Auftrag Ichiros abgeholt werden. Doch beide werden in einer alten Hütte nahe dem Bahnhof einer alten, runzeligen Frau übergeben und von ihr gezwungen sich bis auf die Haut auszuziehen, um von ihr befummelt, betatscht und wie ein Stück Vieh begutachtet ,untersucht und als "geeignet" bewertet zu werden. Beide mussten diese Prozedur über sich ergehen lassen. Fragen ihrerseits wurden nicht beantwortet. Sie wurden mit der Alten und einem langen, dürren Mann der noch dazu kam in einen Zug verfrachtet ohne auch nur ein freundliches Wort zu hören. Was sollte mit ihnen geschehen? Keiner gab Antwort. Der Zug entfernte sich von Yoroido.

Man schrieb das Jahr 1930, in dem Chiyo und Satsumo (neun und fünfzehnjährig)von diesen Leuten in die Stadt Kyoto gebracht wurden, um nichtsahnend zu einer Geisha ausgebildet zu werden. Das heißt also, dass Chiyo und Satsumo in Tanz, Musik und gesellschaftlichen Formen ausgebildet werden sollten, um zur Unterhaltung von Gästen in japanischen Teehäusern beizutragen. Doch davon ahnten beide nichts.

Chiyo wurde ihrer Schwester entrissen und in einer ärmlichen Gegend einer Okiya (ein Haus in dem Geishas wohnen)Frauen zugeteilt, von denen ihr Manieren beigebracht werden sollte und um untertänig zu sein, Hausarbeit und sonstige Arbeiten zu verrichten um später vielleicht auf eine Schule geschickt zu werden, wo man sie lehren würde eine Geisha zu werden.

Ihre erste Begnung mit einer Geisha war sehr beeindruckend. Es war Hatsumomo, die in diesem Haus wohnte und Chiyos Rivalin werden würde. Sie war gekleidet in einem Kimono aus reiner Seide und mit Gelb- und Grüntönen bestickt. Ihr Gesicht war weiß geschminkt und die Haare waren zu Schlaufen geformt und glänzten schwarz wie Lack und waren mit Seidenblumen und Spange geschmückt, an der winzige Silberstreifen hingen, die bei Bewegung tanzten und schimmerten. So was hatte Chiyo noch nie gesehen. Sie beneidete Hatsumomo, doch wurde sie von ihr wie Abfall behandelt.

Chiyo musste lernen sich höflich auszudrücken und auch so zu benehmen, ansonsten würde sie Prügel beziehen. Man gab ihr den Rat, fleißig zu sein, zu tun was man ihr sagte und es war ihr nicht erlaubt, das Haus ohne Erlaubnis zu verlassen.

Chiyo war außerdem zuständig für Hatsumomo, die einzige Geisha, die zur Zeit in dieser Okiya lebte. Sie musste für sie das Zimmer aufräumen (das größte Zimmer in diesem Haus) und sich von ihr schikanieren lassen. Die älteren Frauen in diesem Haus, sorgten alle für das Wohlergehen Hatsumomos, weil sie in ihr investiert hatten um eine gefragte Geisha zu werden und an derer Beliebtheit verdienten.

Chiyo lernte sich zu Schminken und sich den Kimono zu binden und wurde nach einigen Wochen zur Schule geschickt. Alles was Chiyo an Kleidungsmittel, Nahrung und sonstigem bekam, wurde ihr in Rechnung gestellt. Ihr junges Leben wurde mit Schulden beladen, die sie später als Geisha zurückzahlen musste. Vielleicht musste eine Geisha ihr lebenlang dafür bezahlen.

Chiyo wurde von Hatsumomo unterdrückt, gepeinigt, verachtet, aber sie wurde auch von ihr gelehrt, wie eine Geisha sich schminkt und kleidet.
Chiyo versuchte auszureißen, wurde dabei verletzt, entdeckt und mit Stockschlägen bestraft.
Sie steckte fest in diesem Milieu und konnte dieses nur verbessern, wenn sie eine gefragte Geisha werden würde.

Eine Geisha aus einer anderen Okiya (Haus für Geishas) wurde ihre Gönnerin und das Leben wurde für Chiyo etwas erträglicher. Aber der Weg zu einer Geisha war noch lang und

Ich möchte euch nicht das ganze Buch "erzählen", sonst wisst ihr ja schon alles. Ich habe euch noch vieles vorenthalten.

Ich war schockiert darüber, wie Chiyo und ihre Schwester in jungen Jahren an Herrn Tanaka Ichiro von ihrem Vater verkauft wurden. Es steht zwar nicht so im Buch, aber man kann es zwischen den Zeilen lesen. Verkauft, verschleppt und ihrer Kindheit beraubt, ohne auch nur ein freundliches Wort zur Beruhigung zu erhalten, was mit ihnen geschehen sollte. Sie hatten beide nur noch sich, wurden in eine fremde Stadt gebracht und dann auch noch gewaltsam von einander getrennt.

Dieser Roman "Die Geisha", von Arthur Golden, habe ich sehr gerne gelesen. Ich war so gefesselt von diesem Buch, das ich es in jeder freien Minute in die Hand nahm um zu lesen.

Die Figur "Chiyo" und ihre Geschichte sind frei erfunden, aber die historischen Tatsachen des Alltags einer Geisha in den dreißiger und vierziger Jahren sind wahr.

Wer also den Leidens- und Werdegang dieser Geisha lesen möchte kann dieses Buch mit 573 Seiten bei: C. Bertelsmann Verlag GmbH, München bestellen. An den Preis kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Ich glaube es waren damals 29 DM.

Ich kann dieses Buch wärmstens empfehlen.


Ich wünsche euch, viele fesselnde Stunden

Viele Grüße marathoni

10 Bewertungen, 1 Kommentar

  • silke-silke

    18.04.2002, 21:45 Uhr von silke-silke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klingt interessant und erschreckend zugleich!