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Erfahrungsbericht von emmtie

Patterson,J.-..denn zum Küssen sind sie da: Thriller um die Zusammenarbeit zweier Massenmö

Pro:

sehr gute und glaubhafte Schilderung der Figuren und ihres Innenlebens, sehr interessanter Stil

Kontra:

Einstieg war aufgrund des Stils für mich erst etwas schwierig, nichts von Frankfurt

Empfehlung:

Ja

Nach jeder Menge historischen Romanen war es mal wieder Zeit einen richtig spannenden Thriller zu lesen und meine Wahl fiel auf James Pattersons „ .. denn zum Küssen sind sie da“.

Das Buch steht schon relativ lange bei mir im Regal, aber da vor einiger Zeit der Film zu diesem Buch im Fernsehen lief und wir ihn aufgezeichnet haben, wurde es Zeit das Buch zu lesen, BEVOR ich mir den Film anschaue. Denn trotz all den Kinobesuchen und Fernsehabenden bin ich doch immer noch ein „Buchmensch“ und ich finde viel von der Faszination und dem Besonderen, beim Lesen eines Romans die Personen und das Umfeld des Buches quasi in seinem eigenen Kopf entstehen zu lassen, gehen verloren, wenn man eine filmische Umsetzung des Stoffes kennt. Alleine die Tatsache, dass ich bei diesem Buch schon wusste, wer die Hauptdarsteller des Filmes sind, hat mir den Einstieg ins Buch etwas erschwert, weil ich insbesondere bei der männlichen Hauptperson des Buches nicht unbedingt Morgan Freeman sehen würde. Aber zum Glück kann ich so etwas recht schnell verdrängen.

Zum Einsteig wieder ein Handlungseinführung; wieder nur kurz angerissen und hoffentlich nicht zu viel verraten. Wenn ich etwas hasse, ist es das Ende oder große Teile der Handlung vor dem Lesen zu kennen und daher will ich euch das auch nicht antun:

Alex Cross, schwarzer Polizeidetektiv und Psychologe aus Washington, macht sich zusammen mit seinem Partner auf den Weg nach North Carolina, nachdem er erfährt, dass seine Nichte, die dort studiert, seit 4 Tagen vermisst wird. Als er dort ankommt, muß er erfahren, dass nicht nur seine Nichte verschwunden ist, sondern noch mehr Frauen. Ein skrupelloser Verbrecher, der sich selbst Cassanova nennt, hat diese Frauen scheinbar entführt und hält sie in einen Versteck als eine Art Harem. Und einige der Frauen wurden später tot aufgefunden.
Was auffällt, ist die Tatsache, dass höchste FBI-Ebenen mit dem Fall betraut sind und so gut wie keine Infos fließen. Und der Grund dafür scheint eine Verbindung zu einem Massenmörder in Los Angeles zu sein, der scheinbar Infos zu den Fällen in North Carolina hat. In irgendeiner Form haben die beiden Killer scheinbar Kontakt. Ist dies eventuell sogar eine Art perverser Wettstreit?
Als eine der Frauen, die gefangen gehalten werden, fliehen kann, aber aufgrund der Tatsache, dass sie unter Drogen stand, keinen Hinweis auf den Täter oder den Aufenthaltsort der anderen Frauen machen kann, versucht Cross mit ihrer Hilfe Licht ins Dunkel zu bringen.


Meine Meinung:

„.. denn zu Küssen sind sie da“ ist ein unheimlich spannender Thriller mit vielen unerwartete Wendungen, bei dem wirklich erst auf den letzten Seiten alle offenen Fragen geklärt werden.

Zwei stilistische Punkt haben mir an diesem Buch gut gefallen: Zum einen hat Patterson sein Buch in sehr viele kleine, in sich fast abgeschlossen Kapitel unterteilt. Bei 450 Seiten gibt es 123 dieser Kapitel. Somit hat der Autor sich selbst fast gezwungen, sehr schnell auf den jeweiligen Punkt im Handlungsfaden zu kommen, Denn wenn man rechnet, erkennt man, dass im Durchschnitt kein Kapitel länger als 4 Seiten ist. Somit erklärt sich das zweite stilistischen Mittel fast automatisch: Ein sehr schöner, sachliche, aber dabei keineswegs kalt wirkender Sprachstil (zumindest im englischen Original, das ich gelesen habe) Bei so kurzen Kapiteln bleibt keine Zeit für langatmige Einführungen oder lange, blumige Umschreibungen. Aber trotzdem wirkt das Buch weder hektisch noch „zusammengestochert“. Mit einer klaren, aber dennoch ausdrucksstarken Sprache gelingt es Patterson einen sehr flüssigen Text zu schreiben und eine dauerhaft anhaltende Spannung zu erzeugen.

Dies ist das 2.Buch einer ganzen Reihe von Romanen um Alex Cross. Eigentlich versuche ich Serien auch in ihrer Erscheinungsreihefolge zu lesen, doch was will man machen, wenn das Schnäppchen aus dem Wühltisch nun mal Band 2 ist? Doch leider muss ich sagen, dass man an manchen Stellen des Buches dann doch deutlich gemacht bekommt, dass es schon einen Fall vor diesem Buch gab. Und da darauf auch manchmal Bezug genommen wird, ist es ein wenig störend. Und am Ende des Buches (nein jetzt kommt kein Spoiler = Verrat des Endes) gibt es auch gleich eine Andeutung auf die Handlung des nächsten Buches. Man kann zwar auch ohne Kenntnis des Vorgängers der Handlung problemlos folgen, aber ich persönlich finde die Verknüpfungen etwas zu stark. Also wenn möglich vorher „Im Netz der Spinne“ vom gleichen Autor lesen.


Abgesehen von der oben genannten Einschränkung der Verknüpfung zum Vorgängerroman, die aber wahrscheinlich nur solchen Pedanten wie mir, wirklich etwas Lesefreude verdirbt :-), ist das Buch jedem Krimi- und Thrillerliebhaber wirklich zu empfehlen. Es list sich sehr flott und der Spannungsbogen wird von Seite zu Seite angezogen. Manchmal musste ich mich zwingen mit dem Lesen aufzuhören, da man ja auch noch andere Verpflichtungen hat.

Nachdem ich ja jetzt mit dem Buch fertig bin, können wir uns endlich auch das Video ansehen und dann werde ich vielleicht etwas dazu schreiben, wie die „Bilder in meinem Kopf“ beim Lesen mit dem zusammen passen, was ein Regisseur aus dem Buch gemacht hat.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-05-05 20:44:05 mit dem Titel Wieviel Wahrheit steckt in vielen Ernährungstipps?

Als vor einigen Wochen im dritten Fernsehprogramm des SüdWest-Rundfunks im Rahmen der dort mittlerweile sehr häufig ausgestrahlten und von mir gerne gesehenen Themen-Nächte eine Dokumentation zu Ernährungsirrtümern gezeigt wurde, in der u.a. der Lebensmittel-Chemiker Udo Pollmer als Experte auftrat, erinnerte ich mich daran, dass 2000 ein Buch von ihm zu diesem Thema auf den Markt kam, dass für sehr viel Aufsehen gesorgt hat:

Pollmer, Udo - Lexikon der populären Ernährungsirrtümer

Da ich es irgendwie verpasst hatte, mir damals dieses Buch zu Gemüte zu führen, war die Fernsehsendung ein gelungener Anstoß, dies jetzt nachzuholen.

Inhalt des Buches:
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Wie man aus dem Wort Lexikon im Titel erkennen kann, handelt es sich hier nicht um ein durchgängiges Werk, sondern in ca. 120 alphabetische geordneten, etwa eine bis drei Seiten langen Kapitel beschäftigt sich das Buch mit allen möglichen Aussagen und Thesen rund um die Ernährung und hinterfragt diese kritisch.

Aber trotz dieser Unterteilung gibt es einige Schwerpunktthemen, die immer wieder Auftauchen: Vollwertkost, Diäten und der große Bereich der Körperchemie mit so Begriffen wie z.B. Cholesterin, Vitamine, Fette, freie Radikalen , die ja immer wieder durch die einschlägigen Ernährungstipps schwirren.

Und in diesen Bereichen vertritt der Autor zusammen mit seiner Co-Autorin Susanne Warmuth eine etwas andere Position als ein Großteil seiner Kollegen: Er versucht in diesem Buch aufzuzeigen, auf welchen teilweise recht fraglichen statistischen Grundlagen viele der Ernährungsempfehlungen entstanden sind und das sehr häufig „schön gerechnet“ wird oder sich eben die Ergebnisse herausgepickt werden, die der jeweilige Auftraggeber der Studie benötigt. Als Beispiel sein hier nur angeführt, dass Margarine, die ja nach landläufiger Meinung besser als Butter ist, weil sie nicht für einen erhöhten Cholesterinspiegel verantwortlich ist, in keiner Studie dies wirklich nachweisen konnte.

Was weiterhin immer wieder kritisiert wird ist eine Form der Gleichmacherei: Es werden gewisse Werte für z.B. Vitaminzufuhr, maximale Fettaufnahme veröffentlicht. Doch wie soll man sich daran halten; gelten für die Frau mit 45 Kg die gleichen Werte wie für den Mann mit 100 kg? Zitat aus dem Buch: „ Im Durchschnitt haben die Menschen Schuhgröße 36, also sollten alle jetzt Schuhe dieser Größe tragen?“

Und auch die Fraktion der Vollwert-Köstler bekommt in vielen Artikeln ihr Fett weg. Mit Hinweisen auf die chemischen Prozesse, die im Magen nötig sind, um z.B. die Hüllen von Getreidekörnern aufzuspalten und welche Folgen dies für den Körper bei einseitiger Fixierung auf solche Ernährung haben kann, wird hier sehr fachlich und meiner Ansicht nach nachvollziehbar dargestellt, das der „Allheilsanspruch“ dieser Ernährungsform auch nicht unbedingt auf wissenschaftlichem Fundament steht.

Einige Kapitel beschäftigen sich dann auch noch mit Warenkunde im weitesten Sinne, z.B. ob Rohmilch im Rohmilchkäse ist, wie viel Kalb ist wirklich in der Kalbsleberwurst, das naturidentisches Aroma nicht unbedingt etwas mit Natur zutun hat, woher die Pizza Magaritha ihren Namen hat oder warum Schweine Trüffel finden.

Dies soll als kurzer Überblick zu den Themenbereichen aber auch schon genügen.



Meine Meinung:
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Bevor ich meine Meinung zu diesem Buch äußere, sollte ich vielleicht voranstellen, aus welcher persönlichen Position ich diese Buch gelesen habe, den gerade bei dieser Thematik sind die Meinungen sehr polarisiert und man kann dieses Buch meiner Meinung nach immer nur im Zusammenhang damit beurteilen, wie die jeweilige Person allgemein zu diesem Themenbereich steht:
Ich esse leidenschaftlich gerne und habe durchaus nicht nur einige Kilos zu viel (fast 100 kg bei 1,80 Körpergröße :-)), fühle mich aber relativ wohl in meiner Haut, treibe regelmäßig Sport und habe noch nie im Leben eine Diät gemacht.

Daher fand ich dieses Buch und seine Kritik an den bestehenden Ernährungspostulaten sehr erfrischend. Denn all die Tipps und Ratschläge die man aus Zeitschriften, Büchern und anderen Medien förmlich aufgedrängt bekommt und die sich im Laufe der Jahre durchaus wandeln und teilweise sogar ins Gegenteil umkehren können, werden hier auf den Prüfstand gestellt und zumindest teilweise entkräftet. Die Argumentation ist immer nachvollziehbar und man hat nicht das Gefühl, das es hier darum geht, den Vertretern der jeweiligen Richtungen „eins auszuwischen“, sondern es wird versucht wissenschaftliche darzustellen, wie es zu gewissen Empfehlungen kam und warum machen Argumentationsketten aus heutiger Sicht nicht immer vollständig sind.

Natürlich sollte man auch die Argumentationen von Pollmer und Warmuth nicht kritik- und vorbehaltlos akzeptieren. Denn auch sie arbeiten natürlich mit Statistiken, Tabellen und vertreten auch bestimmte Standpunkte, die durchaus genauso falsch sein können, wie die von ihnen hinterfragten Thesen.

Doch alleine die Tatsache, das jemand aufzeigt, dass hinter all diesen Tipps und Ratschlägen nicht nur wohlwollen gemeint sein können, sondern auch wissenschaftliches Standing oder schlichtweg wirtschaftliche Interessen stecken kann, ist meiner Meinung nach aller Ehren wert. Eine etwas kritischere Sicht bei diesen Ernährungsempfehlungen ist durchaus angebracht.

Was die Autoren aber nicht machen, ist selbst „Ernährungsweisheiten“ von sich zu geben. Man kann zwar zwischen den Zeilen lesen, was aus ihrer Sicht empfehlenswert ist, aber es wird niemals als die „Wahrheit“ dargestellt. Und immer wieder findet man (z.B. im Zusammenhang mit Vollwert-Kost) die Empfehlung, auf seinen eigenen Körper zu hören. Das was er verträgt, das akzeptiert er auch und für diese Menschen ist diese Ernährungsform dann auch passend. Wenn es aber Anzeichen von längeranhaltendem Widerstand des Körpers (z.B. bei der Vollwertkost Durchfall, Blähungen etc.) gibt, sollte man auf seinen Körper und nicht das entsprechende Ernährungspostulat hören.

Fazit:
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Insgesamt ein empfehlenswertes Buch, das mich in meiner Meinung bestärkt hat, nicht jedem Ernährungstrend hinterher zu jagen. Es zeigt kritisch, aber nicht polemisch auf, was hinter vielen Ernährungsratschlägen an Fakten steckt und ist somit für Kritiker wie mich, als auch für Anhänger dieser Trends als kleiner Denkanstoß geeignet.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-04-28 21:31:10 mit dem Titel Paprotta, A. - Mimikry / Mehr Psychogramm als Krimi

Nachdem ich in letzter Zeit mehrmals von deutschen Krimis positiv überrascht worden bin, greife ich verstärkt auch zu heimischem Spannungslesestoff. Wenn dann auch noch ein hochgelobter Krimi in meiner Heimatstadt Frankfurt am Main spielt, ist das förmlich in Muss.


Inhalt:
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Eine junge Frau wird erschlagen in ihrer Wohnung aufgefunden. Im Laufe der Ermittlung finden die junge Kommissarin Ina Henkel und ihr Kollege Stocker heraus, dass die junge Frau sehr zurückgezogen gelebt hat und keine Freunde hatte. Das sie relativ schnell nach ihrem Tod gefunden wurde, ist eher Zufall, da sie eine entfernte Bekannte gebeten hatte, während ihres Urlaubs die Blumen zu gießen. Einziges Highlight in ihrem Leben war scheinbar der Auftritt in einer nachmittäglichen Fernsehtalkshow namens „Menschen bei Mosebach“. In ihre Tagebucheintragungen erwecken den Eindruck, als ob sie eine Beziehung mit dem Moderator der Sendung hatte. Daher konzentrieren sich die Ermittlungen erst einmal auf ihn. Die Person, die die Leiche gefunden hat, arbeitet außerdem auch noch für die Talkshow.
Kurze Zeit später wird aufgrund eines Hinweises eine weitere Leiche gefunden, die schon mehrere Monate unbemerkt in ihrer Wohnung gelegen hat. Auch dieser Mann lebte sehr zurückgezogen, hatte keine Freunde und scheinbar sehr viele Komplexe. Und auch er war einmal Gast in der besagten Talkshow. Was die Kommissarin nicht bemerkt ist die Tatsache, das auch sie scheinbar ins Visier des Täters gerät .....


Autorin:
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Als ich den Namen Astrid Paprotta las, kam er mir sofort sehr bekannt vor. Doch ich konnte ihm auf Anhieb kein Buch zuordnen. Und das ist auch kein Wunder, weil ich an die ganz falsche Richtung gedacht habe. Denn bekannt wurde die studierte Psychologin, die dann als Journalistin gearbeitet hat mit einem Buch namens „Aldidente“; einem Kochbuch für Aldi-Artikel.



Meine Meinung:
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Ziehen wir doch mal eine Buchkritik komplett anders auf und zählen erst einmal auf, was das Buch nicht ist:

Zuerst einmal ist es kein Frankfurt-Krimi. Es gibt keinerlei Lokalkolorit, keine bekannten Handlungsorte. Der Roman könnte in jeder beliebigen deutschen Großstadt spielen. Somit für mich eine kleine Enttäuschung, da dies ja einer der Gründe war, warum ich das Buch gekauft habe.

Zum Zweiten ist das Buch auch kein Krimi im herkömmlichen Sinne. Zumindest in der Form, in der ich Krimis erwarte. Um dies zu erklären muss ich ein wenig weiter ausholen und zwangsläufig auch etwas mehr auf die Handlung eingehen, etwas, was ich persönlich eigentlich nicht erfahren will, wenn ich ein Buch eventuell noch selbst lesen will.

Also hier stoppen, wer nicht mehr wissen will !!!!!!!!!!!!!!!!!!




Doch bei diesem Buch ist es vielleicht nicht ganz so tragisch, die Handlung teilweise offenzulegen. Denn die eigentliche Aufklärung der Morde ist relativ einfach gestrickt und auch nicht Mittelpunkt des Buches. Nach etwa einem Drittel des Buches wusste ich schon, wer die Täterin ist.

Worauf hier viel mehr Wert gelegt wird ist das Warum der Tat und wie der Weg dort hin geführt hat. Daher empfand ich die fehlende Spannung nach der Auflösung gar nicht als Verlust, weil zum einen genügend andere Spannungsmomente vorhanden waren und weil das Buch eigentlich viel mehr eine spannende Beschreibung der Psyche mehrerer Beteiligter ist.

Dies beginnt schon mit der Person der Ermittlerin. Die Kommissarin Ina Henkel ist vordergründig ein junge, dynamische und modebewusste Frau und unterscheidet sich damit von den Opfern. Doch man bekommt sehr bald ihre Probleme mit ihrem Job mit. Sie kann sich schwer von dem Anblick der Leichen lösen, hat Alpträume, im Beruf klappt auch nicht alles wie sie will, sie hat Problem mit vergangenen Partnerschaften. Und momentan eine „nicht ganz standeshafte“ Beziehung zu einem Vorbestraften, den sie schon selbst vernommen hat. Auch die nach außen getragene Selbstsicherheit ist nicht so stark, wie sie scheint. All dies Zwiespälte werden wunderbar einfühlsam und glaubhaft geschildert.

Dem wird immer wieder als Gegenbild die Situation aus Sicht der Täterin geschildert. Diese ist eigentlich äußerlich das genaue Gegenteil, doch will so sein wie das Bild, das die Kommissarin vermittelt. Die Annäherung dieser beiden Charaktere und der unvermeidliche Showdown sind das eigentliche Thema des Buches.

Aber nicht nur diese beiden Figuren sind sehr gut herausgearbeitet, insgesamt vermitteln fast alle Personen, sympathisch oder unsympathisch, einen sehr realistischen Eindruck. Gerade die Polizei wird zum einen nicht als strahlende Helden, aber auch nicht in Schimanski-Manier dargestellt.


Was das Buch besonders macht, aber mir mit meiner Erwartungshandlung „Frankfurt-Krimi“ den Einstieg etwas schwer gemacht hat, ist der besondere Stil. Das Buch besteht sehr stark aus Dialogen oder Monologen, die auch nicht schön brav mit „.. sagt XY“, „..warf Z ein..“ oder Ähnlichem drapiert werden, damit man den jeweiligen Sprecher erkennt. Man muss manchmal sehr aufmerksam lesen. Dazu kommt ein knapper Sprachstil, im Film würde man dies als harte Schnitte bezeichnen. Manchmal wird auch eine Situation mehrmals aus verschiedenen sichten geschildert; z.B. erst die Kommissarin und dann die gleiche Situation noch einmal aus Sicht des Streifenbeamten, der die Leiche gefunden hat.

Der Schreibstil trägt auch sehr zum Aufbau der Spannung trotz mehr oder weniger leicht zu erratendem Ausgang bei. Nicht gerade einfach zu lesen, aber etwas ganz anderes als bei anderen Krimis.


Natürlich muss ich auch noch einige Worte zum Thema Talkshows, das ja hier der Aufhänger für die Handlung ist verlieren. Auch hier beweist die Autorin sehr genaue Beobachtungsgabe und zeichnet mit den verschiedenen Ansichten von aalglatten, ehemaligen Theologiestudenten als Talkmaster über den durch die Shows mit allerlei unterschiedlichen Geschichten tingelnden Zeugen, der damit Geld verdient, bis hin zu den Opfern, die ihrer ganze Hoffnung in den Auftritt in der Talkshow gesetzt haben ein sehr treffendes und sarkastisches Bild der Talkshow-Szene ohne es ins Lächerliche oder Witzige zu ziehen.



Allgemeine Daten:
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Das Buch ist 1999 als gebundenes Buch im eichborn-Verlag erschienen. Ich besitze die Taschenbuchausgabe aus dem Fischer-Verlag für 8,90 €.
Mit der gleichen Hauptperson gibt es mittlerweile auch eine zweiten Roman mit dem Titel „Sternentaucher“ (momentan nur gebunden).



Fazit:
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Mal eine ganz andere Art von Krimi, der mehr Wert auf die Profile der Menschen als auf die Klärung der Tat legt. Vom Stil etwas gewöhnungsbedürftig, aber dann um so faszinierender.

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