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Erfahrungsbericht von nici023

Pineiro, Rogelo J. "Chaos"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ort: USA
Autor: Pineiro, Rogelo J.
Verlag: Bastei Lübbe, Bergisch-Gladbach
Erschienen: 01.03.2002
ISBN: 3404146824
Typ: Taschenbuch


das für den buchstaben \"a\" im titel CHAOS verwendete klammeraffenzeichen \"@\" verrät, worum es geht: um computerchaos, high-tech, industriespionage, nasdaq und silicon valley, um \"the big blue\" (=IBM) und andere technologiekonzerne amerikas. dieser thriller, ein erstlingswerk, ist packend geschrieben, bezieht aber seine wälzerdicke überwiegend aus der tatsache, daß aber auch jede denkbare technische einzelheit breitgetreten wird, daß aber auch jedes gerät aus der weiten welt der computerei mit markennamen, modellbezeichnung und den dazugehörigen eckwerten wie rechnergeschwindigkeit, bildschirmgröße, speicherkapazität, etc..., etc....aufgezählt wird. dem autor dient dabei das konstrukt fachfrau gegen laie, in diesem fall die brilliante ex-hackerin und jetzige computerfahndungsspezialistin des FBI, erika conklin, gegen den desillusionierten geheimdienstveteranen (von etwas mehr als vierzig jahren) brent macclaine. ihm muß erika alles haargenau erklären.
die story als solche ist beinahe glaubhaft und schildert die bösen, schmutzigen machenschaften eines völlig im geheimen geführten krieges um die technologische vorherrschaft auf dieser erde zwischen den industriegiganten japan und amerika, wobei amerika zunächst das opfer japanischer aggression wird. bosse von technologieunternehmen, vertreter der tokioter regierung und des japanischen geheimdienstes (dessen chef tanaka heißt, ein name, der an ian flemings romane anknüpft [vgl. du lebst nur zweimal!!!]) schmieden einen perfiden plan, um wieder die oberhand im high-tech-sektor zu gewinnen. durch sabotage an den neuesten und leistungsstärksten rechnerchips von weltmarken wie INTEL, AMD und anderen führen die japanischen bösewichte katastrophen herbei: flugzeuge stürzen ab, züge entgleisen, blackouts legen ganze großstädte lahm, eine raumfähre kann gerade noch zur erde zurückkehren, weil der absturz (= shutdown = originaltitel) der bordcomputer rechtzeitig bemerkt wird. conklin und macclaine setzen sich daran, die machenschaften des in los angeles ansäßigen konzerns akita aufzudecken, denn durch die zauberkünste der hackerin erika conklin finden die beiden FBI-agenten heraus, daß akita mit dem zeitpunkt der produktion fehlerhafter chips den kauf beim entsprechenden amerikanischen hersteller eingestellt hat. ganz allmählich sind daher auch die aktien japanischer chiphersteller wieder gestiegen, während die amerikanischen firmen im silicon valley an wert verlieren. conklin und macclaine entkommen den schweren jungs des akita-konzerns nur knapp, erkennen, daß die spur direkt zum chef des japanischen geheimdienstes, tanaka führt, und überzeugen 1. den chef des FBI, 2. den chef des nationalen sicherheitsrates, 3. den verteidigunsminister und den außenminister und 4. den präsidenten der vereinigten staaten von amerika selbst davon, daß nur eine kriegerische gegenmaßnahme weitere katastrophen verhindern kann. CIA, FBI und eine spezialeinheit der streitkräfte, die SEALS, planen die entführung von tanaka von seinem wochenendhaus auf einer kleinen insel vor dem japanischen festland. der chef der SEALS heißt derek ray, genannt sting ray, und ist der stiefsohn des präsidenten. er übernimmt die rolle des helden bei der aktion gegen tanaka, an der sich alle teilstreitkräfte beteiligen und an der auch, um die spannung auf die spitze zu treiben, die beiden FBI-leute erika und brent, eigentlich zivilisten, anteil haben dürfen. auch hier wird die geschichte gedehnt, weil jede munition, jedes gewehr, jedes nylonseil und jedes nachtsichtgerät einzeln beschrieben wird, bevor es zum einsatz kommt, vergessen oder vom feind zerstört wird. die weibliche heldin, erika conklin, ist eine interessantere figur als brent, denn macclaine ist geschieden, pleite, streckenweise dem suff ergeben und dem selbstmord nahe, erika gegenüber jedoch benimmt er sich - nach anfänglichem kompetenzgerangel - wie ein gentleman, und in bedrohlichen situationen wie der ritter in der weißen rüstung, der einer dame in not zu hilfe eilt - ein konventioneller romantyp. erika hingegen ist selbständig, unabhängig, der männer müde, insbesondere jener, die im dienste des FBI stehen - und dennoch anlehnungsbedürftig und anhänglich, familienverbunden. wegen einer launigen wette hat sie im letzten semester ihres informatikstudiums einen virus programmiert, der sich überall einschleichen und paßwörter \"klauen\" konnte. das FBI hat diesen virus zu ihr zurückverfolgt und sie vor die wahl gestellt, zehn jahre ins gefängnis zu gehen oder sechs jahre für das büro zu arbeiten - gegen einen hungerlohn, zieht man dreamworks, microsoft oder ähnliche softwareentwickler zum vergleich. man kauft aber letztlich erika ihren patriotismus ebenso ab wie brent, und pineiro schmuggelt in die high-tech-story geschickt eine liebesgeschichte mit offenem ende ein. ein thriller wie er im buche steht - man möge mir diesen kalauer verzeihen. jmd

noch eine anmerkung zur übersetzung von karin meddekis oder zum lektorat von bastei lübbe: eine \"diät-cola\" heißt hierzulande schon seit jahren \"cola light\". man sollte sich auch zwischen der direkten übernahme eines begriffs und der eindeutschung entscheiden: entweder sind es \"root-privileges\" oder \"root-privilegien\", aber nicht \"root-privilegs\". möglicherweise ist meine übersetzerkritik gerade bei einem roman, der ohnehin von fachvokabular gespickt ist, nicht angebracht, aber eine klare linie hilft oft weiter.

4 Bewertungen, 1 Kommentar

  • fynndus

    31.01.2007, 11:46 Uhr von fynndus
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH! fynndus