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Erfahrungsbericht von mima007

Pierre Pelot: *Der Pakt der Wölfe*: Spannende Filmvorlage

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Was sich zunächst spannend als Monster-Thriller liest, entpuppt sich zunehmend als Agenten- und Verschwörungsroman.

Die vorliegende Textfassung stammt nicht von Pelot selbst, sondern von Drehbuchautor Stéphane Cabel. Er und Regisseur Christophe Gans haben Pelots Roman adaptiert. \"Der der Wölfe\" kommt in der Verfilmung von Chr. Gans am 7. Februar in unsere Kinos.

Der Autor Pelot

Pierre Pelot ist einer bekanntesten französischen Unterhaltungsautoren. Von ihm stammt u.a. die literarische Vorlage für den satirischen SF-Sportthriller \"Rollerball\", dessen Remake dieses Jahr ins Kino kommt.

Handlung

In einer der ärmsten und unwirtlichsten gegenden des französischen Zentralmassivs, im Gévaudan, trieb zwischen 1764 und 1767 eine wilde Bestie ihr Unwesen (im Film schließt das Geschehen im Jahr 1788 ab, rund 20 Jahre nach den Hauptereignissen). Schon über zwei Dutzend Kinder sind ihr zum Opfer gefallen. Sie wurden meist grausam verstümmelt.

Doch Chevalier Grégoire de Fronsac, ein bekannter Naturforscher am Hofe König Ludwigs XV. und ausgebildeter Zeichner, findet vor Ort heraus, dass die Fährten der Bestie keineswegs von einem Wolf stammen, wie alle behaupten, sondern von einem unbekannten Tier - das sogar Zähne aus Eisen besitzt!

Dennoch wird eine Treibjagd auf Wölfe veranstaltet, an der er gezwungenermaßen teilnimmt, begleitet von seinem indianischen Blutsbruder man, dessen Name \"Wolf\" bedeutet. Mani ist einer der letzten überlebenden Mohikaner und hat Gregoire mehrmals das Leben gerettet, daher kam er mit ihm nach Europa. Doch beide müssen sich vor den Menschen des Gévaudan in acht nehmen, vor den Adeligen ebenso wie vor den Gemeinen. Mani muss sich gegen die Anfeindungen des Pöbels verteidigen, die den \"Wilden\" demütigen wollen.

Gregoire hingegen ist von den Reizen der schönen Marianne de Morangias betört, doch deren einarmiger Bruder Jean-Francois wacht eifersüchtig über ihre Tugend (und dass sie sich weiterhin um ihn selbst kümmert). Jean-Francois täuscht gegenüber Gregoire Freundlichkeit und Kooperation vor, ist aber insgeheim sein größter Feind.

Von dieser Art Liebe frustriert, lässt sich Gregoire nach der halbwegs erfolgreichen Treibjagd - die bestie wurden nicht erlegt, dafür ein Dutzend Wölfe - im örtlichen Bordell von Mende von der schönen Italienerin Sylvia verwöhnen. Merkwürdig nur, dass sie ihren Liebesdienst mit einem gefährlich aussehenden Stilett versieht...

Sobald einer der größten Wölfe der Region erlegt ist, befiehlt ein weiterer königlicher Abgesandter, dass Gregoire die \"Bestie\" ausstopfe und im Triumphzug nach Versailles transportiere. Der König muss einen innenpolitischen Erfolg vorweisen, denn sein Thron wackelt. Im vorrevolutionären Frankreich des Jahres 1766/67 findet ein rotes Büchlein reißenden Absatz, das die Bestie des Gévaudan als Gottestrafe darstellt, gegen die dem König kein Erfolg beschieden sei. Solche Feindpropaganda kann Köpfe kosten...

Der Triumph verpufft leider schon wenig später, als weitere Kinder gerissen werden. Doch die Presse und die Polizei vertuschen die neuen Opfer. Wieder im wilden Gévaudan eingetroffen (wohl auch in Hoffnung auf Mariannes Eroberung), will es Gregoire diesmal aber wissen. Es kommt zu einem langen Showdown, in dem sich vieles Seltsame endlich klärt, der aber Gregoire auch größte Opfer abverlangt. Und die schöne Sylvia aus dem Bordell rettet ihm unerwartet das Leben.

Mein Eindruck

Bereits in der ersten Szene hatte mich dieser Roman gefesselt, den ich in zwei tagen verschlang. In ungewöhnlich poetischer und bilderreicher Sprache schildert hier der Autor das Eingreifen Manis und Gregoires, der zwei Fremden, in einen bizarren kampf unter Einheimischen. Von diesen trägt die eine Hälfte Frauenkleider, ihre Identität als Soldaten zu tarnen, und die andere Hälfte, bestehend aus Landstreichern, Vater und Tochter, werden von den Soldaten verprügelt. Klar, dass sie die beiden Fremden auf die Seite der Schwächeren schlagen, aber sind es auch die richtigen? Das fragt man sich viel später, als die ganze Wahrheit sichtbar geworden ist. Exemplarisch kann man hier schon die Frontverläufe des gesamten Buches erkennen: die zwei Fremden aus Paris und der Neuen Welt (aus dem umkämpften Kanada, das 1763 an die Engländer abgetreten wurde) treten gegen die zerstrittenen Einheimischen an.

Schon am Anfang wird deutlich, dass Pelot ein Auge für Action hat (oder zumindest der Skriptautor). Aber auch für Stimmung Beobachtungen findet er stets die richtigen Worte. Allerdings habe ich den Verdacht, dass das Skript stark gestrafft wurde, um Längen zu vermeiden und die Handlung auf Action zu trimmen. Daher kommt die Beziehung zu Marianne zu kurz.

Pelots Figuren sind faszinierend. Mani etwa scheint den Wölfen der Region ein Bruder zu sein und macht häufig nächtliche Ausflüge, vielleicht versteht er sie sogar. Das führt dazu, dass er Gregoires Verhalten beeinflusst, so dass dieser, wenn marianne auf einen Wolf anlegt, den Schuss ablenkt. Mag gregoire sie auch lieben, so liebt er mani doch weitaus mehr.

In allen dargestellten Umgebungen und Gesellschaftsschichten scheint sich Pelot gleichermaßen gut auszukennen. Sei es im Schloss derer von Morangias oder de Apcher, im Bordell, in elenden bauernkaten oder der wilden Natur der Berge. Deren jeweiligen Bewohnern lässt er in gleichem maße respektvolle Beschreibungen zu kommen. Lediglich im Schloss, wo die Adeligen schlemmen, gestattet er Gregoire, sich angewidert von der Ignoranz der sogenannten \"guten Gesellschaft\" abzuwenden.

Man fragt sich bald, wer in dieser Geschichte eigentlich \"die Wölfe\" des Titels sind: die Tiere oder doch die moralisch korrupten Adligen? Es verwundert denn auch wenig, dass gregoire von solchen \"Gesellschaftsspitzen\" verhaftet wird, um sodann unauffällig im Moor entsorgt zu werden. Zum Glück hat er unerwartete Helfer.

Unterm Strich

Teils Monsterthriller, teils gesellschaftsstudie und Agentenroman, beeindruckt und fesselt \"Pakt der Wölfe\": Actionfans und Freunde sinnlicher Bilder kommen gleichermaßen auf ihre Kosten

Die Übersetzung

In der deutschen Übersetzung stören zahlreiche Einschübe zwischen Gedankenstrichen den lesefluss. Das macht den Eindruck, als sei es den beiden Übersetzerinnen nicht gelungen, die spezielle französische Satzkonstruktion adäquat ins Deutsche zu übertragen. Viele Sätze zwingen dazu, sie mehrmals zu lesen, und nicht nur, weil sie so lang wären.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Le pacte des loups, 2000; Goldmann 2001, Nr. 45168, München; 285 Seiten, aus dem Französischen übertragen von Hagedorn/Runge; ISBN 3-442-45168-X


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-09 11:13:09 mit dem Titel James Patterson: *Rosenrot, mausetot*: Packender Alex-Cross-Thriller

Eine Reihe von Banküberfällen hält Dr. Alex Cross und das FBI in Atem. Doch jeder, den sie als Verantwortlichen fangen und festnehmen, sagt ihnen: \"Sie haben den Falschen erwischt!\" Denn der Drahtzieher befindet sich unsichtbar in nächster Nähe der Ermittler.

Handlung
°°°°°°°°

Eine Reihe von Banküberfällen hält Dr. Alex Cross und das FBI in Atem. Bei den Überfällen finden regelmäßig unschuldige Menschen den Tod, offenbar mit voller Absicht. Die Skrupellosigkeit, Präzision und Brutalität der Ausführung schreiben sie einem \"Mastermind\" genannten Planer und Leiter zu. Die eigentlichen Ausführenden, die Handlanger, leben meist nicht allzu lange nach ihrer Tat. Mastermind ist darauf bedacht, keine Risiken einzugehen. Will sich Mastermind nur an den Banken für ungerechte Behandlung rächen? Die Ermittler tappen im Dunkeln.

Bis eines Tages \"Mastermind\" seinen größten Coup landet. Mitten in Washington, D.C., lässt er mit seinen handlangern einen Touristenbus entführen. Im Bus befinden sich die Kinder und Gattinnen der Manager einer Versicherung aus Hartford, Connecticut. Mastermind fordert 30 Millionen Dollar Lösegeld, zum Teil in Diamanten.

Die Übergabe des Geldes artet zu einem demütigenden Katz-und-Maus-Spiel für die FBI-Agenten und Alex Cross. Doch sie haben Glück: Wenig später wird der Touristenbus in Virginia gesichtet, die Geiseln können - oh Wunder - unverletzt befreit werden, und wenig später sind sogar die Täter in New York City ausgemacht.

Mastermind ist leider nicht darunter, doch die geschnappten Cops geben Hinweise auf sein Aussehen und sogar auf seinen Aufenthaltsort. Und so kommt es, dass Alex Cross und seine Polizisten schließlich in einer psychiatrischen Anstalt Dienst tun. Nach mehreren Verfolgungsjagden haben sie zwei Verdächtige ausgemacht: Der eine hat die Banken auf dem Kieker, und der andere hat möglicherweise das Ding in Washington, D.C., abgezogen. Doch sind sie Mastermind? Denn beide behaupten: \"Sie haben den Falschen erwischt.\"

Alex Cross gerät heftig ins Schwitzen, als jemand beginnt, seine Kollegen vom FBI umzubringen, einen nach dem anderen: Sie alle waren an der Jagd auf Mastermind beteiligt. Und dies berührt ihn ganz persönlich.

Beim FBI lernte Cross nämlich Betsey Buccieri kennen, die die Jagd auf Mastermind leitet, eine taffe und doch humorvolle Frau. Die beiden verlieben sich ineinander, und es ist bewegend mitzuerleben, wie die beiden ihre Beziehung vertiefen. Doch die Serie der Morde an Betseys Kollegen reißt nicht ab, und so kommt, was kommen muss: Alex Cross\' schwerste Stunde...

Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°

Dieser von der ersten Seite an mit Schockeffekten gespickte Roman endet mit einer Szene, die man sich nur aus Thomas Harris\' Hannibal-Romanen vorstellen könnte. Die Sätze kommen daher wie Hammerschläge. Und so bleibt der Leser voll Begierde zu erfahren, wie es weitergeht (in \"Violets are blue\") - ein echter Cliffhanger-Schluss.

Patterson hat seine patentierte Methode, pro Minikapitel nur eine Aussage oder eine Handlung zu schildern, vervollkommnet. Auf drei bis fünf Seiten erzählt er das, worauf es ankommt. Sicher entsteht dadurch zuweilen der Eindruck, dem Leser würde etwas Wichtiges vorenthalten. Doch dieser Eindruck beruht lediglich auf der Weigerung, die eigene Vorstellungs- und Einfühlungskraft zu aktivieren. Es wäre schon sehr auffällig, wenn Patterson bzw. der von sich selbst berichtende Dr. Cross auf einmal anfangen würde, seine Gefühlswelt zu sezieren und vor unserem gelangweilten Auge auszubreiten.

Dennoch bewirkt diese Erzählmethode eine Art blinden Fleck im Informationsstand des Lesers bzw. der Protagonisten. Ich habe mich mehrmals gefragt: Wenn Cross oder Betsey nur einmal für fünf Minuten nachdenken würden, dann kämen sie bestimmt endlich auf die zündende Idee. Denn an Hinweisen besteht ja kein Mangel.

Man kann Cross & Co. lediglich zugutehalten, dass Masterminds Aktionen sie ständig auf Trab und derart unter Stress halten, dass sie nicht zum Nachdenken innehalten können. Auch Cross\' Privatleben ist ja nicht ganz stressfrei. Signifikanterweise hat er seinen rettenden Geistesblitz, als er und Betsey eine Art Auszeit nehmen und es sich gut gehen lassen.

Unterm Strich
°°°°°°°°°°°°°

Ich kann nur sagen, dass mich kaum einer der anderen Cross-Romane derartig bewegt und erschüttert hat wie \"Rosenrot, mausetot\". Die Szenen aus dem Familien- und Liebesleben des Dr. Alex Cross sind emotional, peitätvoll, einfühlsam und humorvoll; das Finale hingegen ist packend und hammerhart - genau deshalb wohl, weil man es nicht erwartet (und vielleicht auch nicht wahrhaben will).

Was mich allerdings stört: Der Band ist nur 300 Seiten lang, kostet aber an die 40 Mark - das ist wirklich heftig. Es muss wohl an dem Namen des Autors liegen.

Hinweis

\"Rosenrot, mausetot\" wurde inzwischen fortgesetzt in dem Roman \"Violets are blue\". Wie so oft bei Patterson gehören diese Titel zu einem einfachen Song oder Kinderlied: \"Roses are red, violets are blue, I\'m so happy I\'m home, I love all of you\". Es wird in \"Rosenrot, mausetot\" von Cross\' Tochter in - vermutlich abgewandelter Form - gesungen, nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen worden ist.

Michael Matzer © 2002ff

Info: Roses are red, 2000; Ehrenwirth 9/02, Bergisch Gladbach, 304 Seiten, aus dem US-Englischen übertragen von Edda Petri, Preis: 19,90; ISBN 3-431-03313-X

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-13 22:57:43 mit dem Titel James Patterson: *Wenn die Mäuse Katzen jagen*: Einfallsreicher Thriller

Mit Dr. Alex Cross schuf der Erfolgautor James Patterson eine der wenigen Figuren eines schwarzen und sympathischen Polizisten. Der Thriller \"Denn zum Küssen sind sie da...\" wurde 1997/98 mit Morgan Freeman in der Hauptrolle verfilmt. Das vorliegende Buch wurde meines Wissens noch nicht verfilmt.

Handlung
°°°°°°°°

Gleich zwei psychopathische Serienkiller halten die Vereinigten Staaten und Europa in Atem. Das ist zum einen Gary Soneji, der seit frühester Kindheit von \"Jahrhundertverbrechen\" ist, die er selbst durch Intelligenz und Raffinesse zu übertreffen sucht, um dadurch unsterblichen Ruhm zu ernten. Er liebt Keller und bevorzugt große Bahnhöfe als Tatorte..

Gleichzeitig jagt das FBI den geheimnisvollen \"Mr. Smith\", einen skrupellosen Mörder, dessen blutige Spur sich ohne erkennbares Muster durch Europa und die Staaten zieht. Beide sehen in Alex Cross, dem Polizeipsychologen mit Sinn für Familie, Freunde und Musik, den einzigen ebenbürtigen Gegner in ihrem tödlichen Katz-und-Maus-Spiel.

Bald findet Cross heraus, daß Soneji AIDS hat und seine Taten immer verzweifelter werden. Schließlich stellt er ihn im Labyrinth eines Hauptbahnhofs in New York. Doch es scheint, als mache Soneji seine Drohung, Cross noch aus dem Grab heraus zu verfolgen: Cross, seine Großmutter und seine beiden Kinder werden Opfer eines Anschlags. Die Maus jagt die Katze, wie es scheint.

An dessen Aufklärung beteiligt sich der FBI-Psychologe Thomas Pierce, ein merkwürdig arroganter Sonderling, der die Morde von \"Mr. Smith\" aufklären soll. Cross entdeckt, daß Pierce über eine gespaltene Persönlichkeit verfügt und daß es ein Muster in den Morden von Mr. Smith gibt: Die Anfangsbuchstaben des Namens der Opfer bilden den Satz, mit dem Mr. Smith sein erstes Verbrechen gesteht. Und das hat sehr viel mit Thomas Pierce zu tun. Nun jagt die Katze wieder die Maus.

Mein Eindruck

Dieses Buch ist ein absoluter Thriller. Rasantes Tempo, faszinierende Figuren, etliche zu knackende Kopfnüsse und überraschende Wendungen machen das Buch zu einem Knaller. Das Gegengewicht und die Verschnaufpausen bilden das sehr harmonisch geschilderte Privatleben von Alex Cross. Die Krönung ist die hoffnungsvolle Romanze mit der Lehrerin Christine Johnson - sehr schöne Liebesszenen, aber ohne Kitsch und Schmalz.

Ein rundum gelungenes Buch, dessen positiver Eindruck nur an wenigen Stellen von Zweifeln an der plausiblen Psychologie der Täter und Opfer getrübt wird.

Michael Matzer © 2002ff

Info: Cat & Mouse, 1997; 336 Seiten, aus dem US-Englischen übertragen von Dietlind Kaiser; München, Ehrenwirth, 1999, ISBN 3-431-03561-2


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-18 11:11:17 mit dem Titel James Patterson: *Violets are blue*: Auf der Spur der Vampire

Dr. Alex Cross und seine Partner von FBI und Polizei bekommen es diesmal mit einer schier endlosen Serie von Morden zu tun, die offenbar ein Kult von \"Vampiren\" verübt hat. Diese Vampire verstehen sich als echte Bluttrinker: eine pervertierte Gegenkultur, die sich ihre Opfer unter der ahnungslosen Bevölkerung sucht.

\"Violets are blue\" ist die direkte Fortsetzung von \"Rosenrot, mausetot\". Daher findet hier endlich der Showdown zwischen Cross und seinem Gegenspieler, dem Mastermind, statt. Dessen Identät verblüfft und schockiert zugleich.

Handlung

Die Mordserie beginnt in San Francisco, unweit vom Golden Gate Park. Zwei Jogger sind die Opfer. Dem Mann wurden tiefe Bisswunden zugefügt, die, wie man ungläubig feststellt, nur von einem echten Tiger stammen können. Die Frau hängt ausgeblutet kopfüber von einem Baum. Auch sie wurde gebissen - und ausgesaugt. Vampire in Frisco?

Dr. Alex Cross wird hinzugezogen, um mit psychologischen Einsichten einen Beitrag zu leisten. Alex wird per Telefon, kaum in der Stadt angekommen, schon auf dem Handy belästigt: Mastermind, sein Widersacher aus \"Rosenrot mausetot\", überwacht ihn. Wann wird Cross endlich die Identität des Mastermind lüften? Dessen Nähe lässt ihn jeden Moment eine Kugel erwarten.

In Frisco lernt Alex seine Partnerin beim FBI kennen, die hübsche Jamilla. Der inzwischen wieder unbeweibte Doktor ist auch sehr angetan von ihr, doch da er bislang jede seiner Partnerinnen an Verbrecher verloren hat, lässt er sich auf nichts ein.

Cross\' Nachforschungen führen ihn die Westküste hoch zu einem wahren Vampirgelehrten und zu einem Laden, wo man sich verlängerte Eckzähne einsetzen lassen kann. Was so bizarr und lachhaft klingt, schlägt um in (ähem) blutigen Ernst, als plötzliche ausgesaugte Opfer an der Ostküste und in New Orleans gefunden werden. Das FBI tappt noch im Dunkeln, als Cross über eine zeitliche Übereinstimmung stolpert: Stets befand sich ein Zaubererpaar am Ort des Geschehens, das à la Siegfried & Roy mit einem Tiger sein Publikum ergötzte.

Nahe New Orleans haben die beiden Zauberer ihr Hauptquartier aufgeschlagen und feiern Vampirparties. Die Dinge spitzen sich zu, als das FBI die Falle zuschnappen lässt. Cross & Jamilla sowie Kyle Craig von der FBI-Zentrale geraten nun jedoch in der antiken Villa der Zauberer selbst in eine Falle - eine böse Überraschung erwartet sie...

Mein Eindruck

Natürlich ist dies keineswegs das Ende. Vielmehr folgen noch fast 200 Seiten. Das Buch hat genau 116 Kapitel. Jedes liefert nur genau so viel Informationen, dass es den Leser bei der Stange hält. Einerseits treibt dies zwar die Handlung Schritt für Schritt voran und bietet zahlreiche Aha-Effekte. Andererseits entstand bei mir der Eindruck, dass der Autor die relativ dünne Handlung unnötig mit leerer Luft aufpumpt, um den Eindruck von Bedeutung zu erwecken.

Die ersten 350 Seiten kann man daher einfach so weglesen, bis die echten Täter und ihre unsichtbarer Strippenzieher gefasst sind. Dann erst wird das Buch richtig gut: Nun folgt die Konfrontation mit Cross\' Nemesis, jenem Superverbrecher, der sich \'Mastermind\' (Superhirn) nennt. Als Cross endlich ein Licht aufgeht, ist es für Jamillas Rettung schon fast zu spät...

Unterm Strich

Wer \"Rosenrot mausetot\" mochte, wird mit \"Violets are blue\" ein wenig enttäuscht werden, jedenfalls über weite Strecken des Buches, bis endlich die Konfrontation mit Mastermind folgt. Wer Pattersons vielfach erprobte (und bereits kopierte) Masche mit den kurzen Kapiteln mag, wird sich hier zufrieden zurücklehnen können. Und wem sie auf den Wecker geht, sollte einen großen Bogen um jedes Patterson-Buch machen.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Violets are blue, 2001; Headline Books 2002, London; 445 Seiten, EU 10,80; ISBN 0-7472-6691-3


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-11-02 14:55:32 mit dem Titel J. A. Phillips: *Überholspur*: Eine geborene Erzählerin

Die Short Stories von Jayne Anne Phillips beschreiben junge Leute um die Dreißig, Leute in einer Übergangsphase. Die preisgekrönte Autorin zeichnet Stimmungen, Bildern, Situationen mit einer Leichtigkeit, als habe sie das schon immer gemacht. Sehr beeindruckend: Die Frau kann wirklich erzählen.

Die Autorin

Mit einem relativ schmalen Werk eroberte sich Jayne Anne Phillips, Jahrgang 1952, Mitte der 80er Jahre einen der vordersten Ränge in der US-Literatur. Mit der beeindruckenden Storysammlung \"Das himmlische Tier\" und dem Roman \"Maschinenträume\" über die Vietnamkrieg-Generation erreichte sie auch in Deutschland begeisterte Leser (wie mich).

Sie wuchs in einer Kleinstadt im gebirgigen Bundesstaat West Virginia auf. Nach einem Studium lebte sie in einem Schwarzen-Ghetto in Kalifornien und in Colorado. Anschließend unterrichtete sie am Radcliffe College in Cambridge/Massachusetts. \"Maschinenträume\" wurde in 14 Sprachen übersetzt. Mit ihrer Familie lebt sie in Boston/Mass.

Stories

Der Band enthält folgende Stories:
Wie Mickey es schaffte
Rayme
Überholspur
Sonnenbarsch
Etwas, das geschehen ist
Blue Moon*
Bess

Jayne Anne Phillips erzählt von jungen Ausbrechern, Wahrsagern, verrückter Liebe, vom Leben einer todkranken Frau. Mein persönlicher Favorit: der innere Monolog einer Schwangeren mit ihrem Ungeborenen in der Geschichte \"Sonnenbarsch\" - sehr poetische Bilder, die im Kopf bleiben, da sie zu einer bestimmten, definitiven Stimmung gehören.

Mein Eindruck

In ihrer Storysammlung \"Überholspur\" bleibt J.A. Phillips ihrer größten Stärke treu: der naturalistischen Unmittelbarkeit und robusten Sinnlichkeit ihrer Menschendarstellung (Reich-Ranicki, s.u.). Ob sie Männer oder Frauen, junge oder alte Menschen sprechen lässt, sie trifft immer genau den richtigen Ton. Diese jungen Männer und Frauen um die Dreißig befinden sich in einem seltsamen Schwebezustand, der sie auf träumerische Weise entrückt erscheinen lässt.

Die Krimiautorin Patricia Highsmith meinte dazu: \"Wie in den Büchern von Carson McCullers - mit der Miss Phillips verglichen werden kann - spürt man in den beschreibungen der Häuser, Familien und alten Fotos immer wieder das seltsame Gefühl des sechsten Sinns (...) Die Autorin kennt das landleben, den geruch des Sommers, die verschlungenen Wege sexueller Anziehung, ihre Dauer und ihr Vergehen; sie weiß, dass dabei nicht so sehr die Intensität eine Rolle spielt, sondern eher der Zufall.\"

Marcel Reich-Ranicki schrieb: \"Die besten dieser Geschichten und Episoden, dieser finsteren Idyllen und poetischen Situationsbilder verdanken ihren Reiz einem glücklichen gegensatz. Die amerikanische Erzählerin reagiert auf das Leben mit bewundernswerter Unmittelbarkeit mit robuster und zugleich melancholischer Sinnlichkeit. Man kann ihr nachrühmen, was heute Seltenheitswert hat und was man die Unschuld der Wahrnehmung nennen darf.

Doch so jugendlich hier die Welterfahrung, so sicher und reif das schriftstellerische handwerk: J.A. Phillips vertraut der nüchtern registrierenden Beobachtung, ihr gelingt es immer wieder, die realen Umstände, die Details und Nuancen sprechen zu lassen. Die höchst anschauliche Milieuschilderung entsteht wie von selbst. Virtuosität? Nein, denn das Bedürfnis aufzutrumpfen und dem Leser zu imponieren, scheint ihr fremd. Sie kann sich das leisten.\" Also sprach MRR.

Unterm Strich

Ein Sammlung schöner Stories aus dem Amerika der achtziger Jahre.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Fast Lane, 1987; S. Fischer Taschenbuch Verlag 1990, Frankfurt/M.; 192 Seiten, DM 12,80, aus dem US-Englischen von Karin Graf, ISBN 3-506-10172-7

* Die amerikanische Redewendung \"under a blue moon\" bezeichnet etwas Verrücktes, das geschieht, gedacht oder getan wird, hat also vordergründig nichts mit dem Blues zu tun.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-08 18:35:35 mit dem Titel J. Patterson: *Rosenrot mausetot*: Spannender Kampf gegen das Superhirn

Eine Reihe von Banküberfällen und Geiselnahmen hält den Washingtoner Polizei-Psychologen Dr. Alex Cross und das FBI in Atem. Doch jeder, den sie als Verantwortlichen fangen und festnehmen, sagt ihnen: \"Sie haben den Falschen erwischt!\" Denn der Drahtzieher befindet sich unsichtbar in nächster Nähe der Ermittler.

Der Autor

James Patterson, Jahrgang 1949, ist einer der am effektvollsten erzählenden Krimiautoren der Welt. Seine Romane wurden mittlerweile in 30 Millionen Exemplaren gelesen (besser: verschlungen). Am besten gefallen mir seine Romane um den Washingtoner Polizei-Psychologen Dr. Alex Cross.

Der Sprecher

Ulrich Pleitgen, geboren 1946 in Hannover, erhielt seine Schauspielerausbildung an der Staatl. Hochschule für Musik und Theater in seiner Heimatstadt. Pleitgen wurde nach seinen Bühnenjahren auch mit Film- und Fernsehrollen bekannt. Er hat schon mehrere Hörbücher vorgelesen und versteht es, mit seinem Sprechstil Hochspannung zu erzeugen und wichtige Informationen genau herauszuarbeiten, ohne jedoch übertrieben zu wirken.

Handlung

Eine Reihe von Banküberfällen hält Dr. Alex Cross und das FBI in Atem. Bei den Überfällen finden regelmäßig unschuldige Menschen den Tod, offenbar mit voller Absicht. Die Skrupellosigkeit, Präzision und Brutalität der Ausführung schreiben sie einem \"Superhirn\" genannten Planer und Leiter zu. Die eigentlichen Ausführenden, die Handlanger, leben meist nicht allzu lange nach ihrer Tat. Das Superhirn ist darauf bedacht, keine Risiken einzugehen. Will sich das Superhirn nur an den Banken für ungerechte Behandlung rächen? Die Ermittler tappen im Dunkeln.

Bis das Superhirn eines Tages seinen größten Coup landet. Mitten in Washington, D.C., lässt er von seinen Handlangern einen Touristenbus entführen. Im Bus befinden sich die Kinder und Gattinnen der Manager einer Versicherung aus Hartford, Connecticut. Das Superhirn fordert 30 Millionen Dollar Lösegeld, zum Teil in Diamanten. Die Übergabe des Geldes artet zu einem demütigenden Katz-und-Maus-Spiel für die FBI-Agenten und Alex Cross. Doch sie haben Glück: Wenig später wird der Touristenbus in Virginia gesichtet, die Geiseln können - oh Wunder! - unverletzt - werden und wenig später sind sogar die Täter in New York City ausgemacht. Was sollte das alles?

Das Superhirn ist leider nicht darunter, doch die geschnappten Cops geben Hinweise auf sein Aussehen und sogar auf seinen Aufenthaltsort. Und so kommt es, dass Alex Cross und seine Polizisten in einer psychiatrischen Anstalt Dienst tun. Nach mehreren Verfolgungsjagden haben sie zwei Verdächtige ausgemacht: Der eine hat die Banken auf dem Kieker, und der andere hat möglicherweise das Ding in Washington, D.C., durchgezogen. Doch sind sie auch das Superhirn? Denn beide behaupten: \"Sie haben den Falschen erwischt.\"

Alex Cross gerät heftig ins Schwitzen, als jemand beginnt, seine Kollegen vom FBI umzubringen, einen nach dem anderen, und alle waren an der Jagd auf das Superhirn beteiligt. Und dies berührt ihn ganz persönlich.

Denn wie stets in Pattersons Romanen um den Polizeipsychologen Dr. Alex Cross spielt auch dessen Privatleben eine bedeutende Rolle. Seine Familie bewahrt Cross praktisch davor durchzudrehen. In dem Vorgänger-Roman hat Cross\' Freundin Christine Johnson schwere seelische Schäden davongetragen. Dies führt dazu, dass sie nach ihrer Befreiung und Wiedereingliederung in Job und Familie ihre Beziehung zu Cross nicht aufrechterhalten kann. Die Belastung, die Furcht durch seine Arbeit ist ihr zuviel. Lediglich ihr Sohn Alex junior darf bei ihm bleiben, doch sie selbst verschwindet.

Beim FBI lernt Cross die fähige Agentin Betsey Buccieri kennen, die die Jagd auf das Superhirn leitet, eine ebenso taffe wie humorvolle Frau. Die beiden verlieben sich ineinander, und es ist bewegend mitzuerleben, wie die beiden ihre Beziehung vertiefen. Doch die Serie der Morde an Betseys Kollegen reißt nicht ab, und so kommt, was kommen muss: Alex Cross\' schwerste Stunde.

Mein Eindruck

Dieser von der ersten Szene an mit Schockeffekten gespickte Roman endet mit einer Szene, die man sich nur aus Thomas Harris\' Hannibal-Romanen vorstellen könnte. Die Sätze kommen daher wie Hammerschläge. Und so bleibt der Leser voll Begierde zu erfahren, wie es weitergeht (in \"Violets are blue\") - ein echter cliffhanger-Schluss.

Patterson hat seine patentierte Methode, pro Minikapitel nur eine Aussage oder eine Handlung zu schildern, vervollkommnet. In wenigen Minuten erzählt er das, worauf es ankommt. Sicher entsteht dadurch zuweilen der Eindruck, dem Leser würde etwas Wichtiges vorenthalten. Doch dieser Eindruck beruht lediglich auf der Weigerung, die eigene Vorstellungs- und Einfühlungskraft zu aktivieren. Es wäre schon sehr auffällig, wenn Patterson bzw. der von sich selbst berichtende Dr. Cross auf einmal anfangen würde, seine Gefühlswelt zu sezieren und vor unserem gelangweilten Auge auszubreiten.

Dennoch bewirkt diese Erzählmethode eine Art blinden Fleck im Informationsstand des Lesers bzw. der Protagonisten. Ich habe mich mehrmals gefragt: Wenn Cross oder Betsey nur einmal für fünf Minuten nachdenken würden, dann kämen sie bestimmt endlich auf die zündende Idee. Denn an Hinweisen besteht ja kein Mangel. Man kann Cross & Co. lediglich zugutehalten, dass Superhirns Aktionen sie ständig auf Trab und derart unter Stress halten, dass sie nicht zum Nachdenken innehalten können. Auch Cross\' Privatleben ist ja nicht ganz stressfrei. Signifikanterweise hat er seinen rettenden Geistesblitz, als er und Betsey eine Art Auszeit nehmen und es sich gut gehen lassen.

Der Sprecher

Ulrich Pleitgen spricht nuancenreich, mit feiner Betonung der wichtigen Satzelemente (etwa Namen) und mit einem Gespür für das richtige Tempo und den nötigen Rhythmus einer Szene. Familien- und Liebesszenen, die Alex Cross selbst erzählt, sind in einem meist heiteren oder gar zärtlichen Ton vorgetragen. Seine Ermittlungen tragen die Handschrift des unbarmherzigen Alltags. Die Verfolgungsjagd nach der Washingtoner Entführung ist atemlos, hastend. Dem steht wieder der überhebliche Monolog des Superhirns gegenüber, das Cross\' Aktionen spöttisch verfolgt und so für ahnungsvolle Schauder sorgt. Pleitgens flexibler Vortrag zwingt zum Zuhören. Ich habe die 5 CDs an einem Stück angehört, weil ich einfach nicht warten konnte. Klasse.

Unterm Strich

Ich kann nur sagen, dass mich kaum einer der anderen Cross-Romane derartig bewegt und erschüttert hat wie \"Rosenrot mausetot\". Die Szenen aus dem Familien- und Liebesleben sind emotional und humorvoll, der Oberschurke unglaublich zynisch, das Finale hingegen packend und hammerhart - genau deshalb wohl, weil man es nicht erwartet.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Roses are red, 2000; LübbeAudio 11/2002, Bergisch Gladbach; 356 Minuten auf 5 CDs, EU 29,90, ISBN 3-7857-1225-1

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-13 16:19:14 mit dem Titel J. Patterson: *Four blind mice*: Alex Cross\' letzter Fall: ein heißes Eisen

Dies ist Pattersons neuester Alex-Cross-Thriller: Vietnam-Veteranen begehen in den USA kaltblütige Auftragsmorde, die dann völlig unschuldigen Armeeangehörigen angehängt werden. Doch wer ist der unbekannte Auftraggeber dieser Morde? Alex Cross findet es erst ganz am Schluss heraus. Es soll sein letzter Fall sein. Aber was für einer!

Der Autor

James Patterson besaß eine Werbeagentur, bevor er sich der Schriftstellerei zuwandte. Er lebt und schreibt heute in Florida. Unter seinen zahlreichen Thrillern finde ich besonders seine Alex-Cross-Romane gelungen: \"Denn zum Küssen sind sie da\", \"Sonne Mord und Sterne\", \"Rosenrot mausetot\", \"Violets are blue\" und \"Wenn Mäuse Katzen jagen\". Natürlich ist Alex Cross immer nur so gut wie die Schurken, die er zur Strecke bringt: Gary Soneji, Kyle Craig, Jack & Jill und der Killer, der sich \"Casanova\" nennt.

Handlung

Wie er schon in \"Violets are blue\" angekündigt hatte, will Alex Cross nun endgültig den Dienst bei der Polizei von Washington.D.C., quittieren. Er hat ein attraktives Angebot vom Direktor des FBI, Burns, bei der Bundespolizei einzusteigen. Alex freut sich auf mehr Freizeit, die er mit seinen drei Kindern verbringen möchte.

Außerdem scheint er endlich in der Polizistin Jamilla Hughes aus San Francisco die Frau fürs Leben gefunden zu haben. Jedenfalls gibt ihre gemeinsame Liebesnacht in einem opulent ausgestatteten Hotel allen Anlass zu den größten Hoffnungen.

Nur der Gesundheitszustand seiner Großmutter trübt Alex\' Zuversicht: Nana neigt neuerdings so Schwäche- und Ohnmachtsanfällen. Sieht ihr gar nicht ähnlich, obwohl sie bereits 82 ist.

Der letzte Fall

Doch da taucht sein alter Freund und Kollege John Sampson auf und bittet Alex um Hilfe. Auf dem Militärstützpunkt Fort Bragg in North Carolina wurden drei Soldatenfrauen brutal mit Messerschnitten und -stichen getötet. Sie wurden mit blauer Farbe angemalt. Wenige Stunden später hatte die Militärpolizei Sampsons Freund, den Oberfeldwebel Ellis Cooper, festgenommen, obwohl er seine Unschuld beteuerte. Man fand die Tatwaffe und Blutspuren der Ermordeten in seinem Haus. Der Staatsanwalt hat leichtes Spiel.

Sampson und Cross gelingt es trotz ihrer Mühe nicht, Cooper aus dem Todestrakt zu holen, in den er nach seiner Verurteilung verlegt worden ist. Cooper wird mittels Giftspritze hingerichtet. Doch die beiden Polizisten stoßen auf mehrere Ungereimtheiten. Warum irgendjemand seine Tatwaffe im eigenen Haus aufbewahren? Kann jemand wirklich so bescheuert sein? Die einzige vernünftige Erklärung: Cooper wurde die Waffe untergeschoben - er ist das Opfer einer Intrige.

Doch wer hätte ein Interesse daran, Cooper hinzuhängen? Sampson und Cooper waren zusammen in Vietnam, um dort zwei \"Touren\" lang zu dienen. Dabei wurden sie dicke Freunde. Als sich bei ähnlich unschuldig Verurteilten ebenfalls eine Verbindung nach Vorgängen in Vietnam herausstellt, wird Alex Cross gewarnt. Sein Kampf gegen die \"graue Wand\", mit der sich das Militär umgibt, wird als unerlaubte Schnüffelei empfunden. Zum Glück hat er Rückendeckung vom FBI-Direktor.

Der Horror Vietnams - die geheime Geschichte

Als er auch an der Militärakademie in West Point recherchiert, stößt er auf den Dozenten owen Handler, der in Vietnam mit einer Ranger-Spezialeinheit zu tun hatte. Deren Aufgabe bestand darin, mitten im Krieg hinter den feindlichen Linien unter den Zivilisten terroristische Akte zu begehen, um den Gegner, den Vietcong, einzuschüchtern. Das gelang den Rangern hervorragend. Nur dumm, dass einige dabei ausrasteten und gefallen daran fanden, zu brandschatzen und zu vergewaltigen. Handler und der Chef von Fort Bragg, General Hamilton, mussten weitere Ranger reinschicken, um die \"Ausgerasteten\" zu eliminieren.

Es sieht für Alex Cross allmählich so aus, als würde solch eine Breinigungseinheit nun auch in den USA operieren. Kaum ist Owen Handler zu ihm ins Auto gestiegen, um zu reden, werden sie unter Beschuss genommen. Cross überlebt die Attacke, Handler nicht. Das war bestimmt kein Zufall.

Cross sagt sich: Nun erst recht. Er spricht mit einem alten Vietnamveteranen, der im Hochsicherheitsgefängnis in Colorado einsitzt - im gleichen Trakt wie Kyle Craig, der FBI-Verräter (vgl. \"Violets are blue\" und \"Roses are red\"). Die Informationen von diesem alten Vietnamesen, der für die Amis gekämpft hatte, führen Cross in die vietnamesische Botschaft. Dort findet er in unsortierten Unterlagen zum Vietnamkrieg drei Namen: Colonel Tom Starkey, Captain Brownley Harris und Sergeant Warren \'The Kid\' Griffin. Ihr Codename: Three Blind Mice (nach einem alten englischen Kinderreim).

Die drei blinden Mäuse

Im zivilen Leben arbeiten die inzwischen über Fünfzigjährigen als Vertreter für einen deutschen Waffenhersteller (H&K) und führen vorbildliche Ehen, aber in ihrem \"Privatleben\" führen sie Mordaufträge aus. Dabei gehen sie genauso militärisch-vorsichtig vor wie bei ihren Einsätzen in Vietnam. Im Grunde ist es ihnen völlig egal, wen sie für Geld \"ausknipsen\", denn die Morde werden stets bestimmten Leuten angehängt. Leuten wie Ellis Cooper. Ihr Verbindungsmann trägt den Codenamen \"Foot Soldier\". Seltsam nur, dass auch ein geheimer Tippgeber von Alex Cross diesen Decknamen benutzt - die vierte \"blinde Maus\"?

Es ist ein gelinder Schock für den Leser, mit diesen drei Killern bereits in Kapitel zwei Bekanntschaft machen zu müssen. Noch ist ihr Motiv unklar, aber sie stellen sich als höchst unangenehme und gefährliche Zeitgenossen heraus. Auf einer ihrer Killertouren - nach der Pflicht kommt die Kür - ermorden sie ein komplettes Bordell mit Vietnamesinnen. Die \"drei blinden Mäuse\" sprechen fließend vietnamesisch. Solche Szenen machen das Buch wenig geeignet für Leser mit schwachem Magen.

Showdowns

Nach einem ersten Showdown, bei dem Alex Cross mit knapper Not überlebt, kommt es zu einem zweiten. Denn wer ist der Auftraggeber der Mordserie, wer ist die vierte \"blinde Maus\"?

Mein Eindruck

Wie man schon der knappen Inhaltsangabe entnehmen kann, ist Patterson wieder ein hammerharter Thriller gelungen, der es mit seinen besten Werken aufnehmen kann. Manche Szenen gehen wirklich an die Nieren. Und das sind bestimmt nicht Sampsons und Cross\' erotische Liebesszenen. Die drei Killer auf der Menschenjagd zu begleiten, ist nicht jedermanns Sache.

Fein dosierte Spannung

Wieder gelingt es dem Autor, das Wissen des Lesers so fein zu dosieren, dass genau die größte Spannung erzeugt wird, aber auch die größten Befürchtungen. So meint man jederzeit einen Feuerüberfall auf Sampsons und Cross\' Geliebte erwarten zu müssen. Und tatsächlich: Am hellichten Tag eröffnen unbekannte Killer das Feuer auf das Haus von Alex Cross\' Familie. Mitten in Washington, D.C. Man kommt sich vor wie in einem Kriegsgebiet.

Der Vietnamkrieg ist nach Hause gekommen - das ist die Botschaft, die uns Patterson überbringt. Und die Amerikaner haben durch den Todesschützen von Washington und Umgebung spüren müssen, dass auch heimgekehrte Golfkriegs- und Afghanistan-Veteranen lebende Zeitbomben darstellen.

An nichts hat mich dieses Buch so erinnert wie an die Vietnamthriller von Peter Straub (Koko\" und \"Der Schlund\") und von Eric Van Lustbader (\"Schwarzes Herz\" und fast jeder andere Roman bis 1990). Denn Patterson wirft natürlich ein Schlaglicht auf die geheime Geschichte dieses besonders schmutzigen Krieges (nun ja: alle Kriege sind schmutzig). Auf die Massaker an Zivilisten, begangen von regulären US-Soldaten. Finstere Symbole fehlen nicht.

Apokalypse bitte jetzt

Und dass es diese Aufträge ebenso wenig gegeben hat wie diese Soldaten, dürfte wohl klar sein. Denn genau dies sagt ja bereits Martin Sheens Auftraggeber in \"Apocalypse Now\". Diesen Film kennt auch einer der \"drei blinden Mäuse\". Der Geruch von frischem Blut und Kordit ist \"besser als der Geruch von Napalm am Morgen\" (ein berühmt-berüchtigter Spruch aus dem Film, gesagt von Robert Duvall; Seite 112).

Pattersons streut noch weit mehr Filmhinweise ein: auf Hitchcocks \"Rear Window\", \"A Beautiful Mind\", \"Dead Man Walking\" und auf den unvermeidlichen Dr. Hannibal Lecter. Dieser habe es inzwischen zu angemessenem Ruhm als elegantes Ungeheuer mit Geschmack gebracht. Hier hält der Autor dem Leser den Spiegel vor. Auch Tom Clancy bekommt sein Fett weg. Und an manchen Stellen in Fort Bragg erinnert der Roman an einen Militärthriller von Joseph Finder (\"High Crimes\").

Wer ist Jack Ryan?

Clancys Begeisterung für Geheimdienst- und Militärikonen à la Jack Ryan scheint Patterson mit Argwohn zu betrachten. Denn es ist schließlich auch General Hamilton aus Ft. Bragg, der Dreck am Stecken hat: Er sollte eigentlich in den Generalstab der vereinten Streitkräfte aufrücken. Aus dieser quasi-politischen Karriere wird nichts mehr. Die \"vierte blinde Maus\" kommt ihm in die Quere. An manchen Stellen wird Pattersons Roman sehr ironisch.

Unterm Strich

Der deutsche Leser kann diesen Roman wohl unbefangener lesen als der US-Leser. Uns interessiert in erster Linie die spannende Handlung, die einen an den Fingernägeln kauen lässt. Sie aufgelockert nur durch Cross\' und Sampsons Liebeserlebnisse und Cross\' Sorge um seine Oma.

Allerdings könnte man sich auch hierzulande sorgen, wenn man bedenkt, dass unser mächtigster NATO-Partner durchaus auf äußerst fragwürdige Militärmitteln zurückzugreifen bereit ist (nicht nur unter Nixon). Erst vor wenigen Tagen wurden die NATO-Partner von den USA um Beistand gegen den Irak gebeten, obwohl Saddam Hussein niemanden angegriffen hat.

Vom amerikanischen Leser - zumal von Militärangehörigen - könnte der Roman hingegen als Affront aufgefasst werden. Veteranen als bezahlte Killer und Psychopathen? Ehrenhafte Generäle als Auftraggeber geheimer Terrorismusaktionen in Vietnam? Vertuschungsaktionen in der Militärgerichtsbarkeit? Herrje, was denn noch alles?!

Wie man sieht, hat der ehemalige Werbefachmann Patterson wieder ein heißes Eisen angepackt. Und seine Erzählkunst ist so gut (oder so schlecht, je nach Standpunkt) wie eh und je. Jedenfalls im Original...

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Headline 11/2002, London; 309 Seiten, UK 10,95, ISBN 0-7472-7433-9


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-17 18:04:16 mit dem Titel Diana L. Paxson: *Die Herrin vom See (Artor #1)*: Eigenwillige Artus-Variante

Artus-Trilogien gibt es inzwischen wie Sand am Meer. Die ehemalige Mitarbeiterin von Marion Zimmer Bradley liefert eine der besseren ab, erinnert dabei aber schwer an *Die Nebel von Avalon*. Der Verlag hat die Bücher gediegen ausgestattet. Es gibt sie ab Februar 2003 auch als preisgünstiges Taschenbuch.

Handlung
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*Die Herrin vom See* erzählt die Vorgeschichte der Artus-Legende, also die rund 50 Jahre vor seiner Bestätigung als der prophezeite König und Retter Britanniens. Die Fortsetzung mit dem Titel \"Die Herrin der Raben\" schildert Artus\' Jahre bis zum entscheidenden Sieg gegen die Sachsen am Mount Badon. Die Zeit ist das stürmische 5. Jahrhundert nach Christus.

Nach dem Abzug der römischen Truppen findet sich in der Ex-Provinz Britannia eine bunt gemischtes Volk den Angriffen und Plünderungen der irischen Piraten und der piktischen Stäme aus dem schottischen Hochland jenseits der zwei Wälle von Hadrian und Antoninus ausgesetzt. Hinzukommt, dass es nach dem Tod des letzten legitimen Kaisers zwei Parteien gibt, die Anspruch auf die Herrschaft anmelden. Da ist Ambrosius Aurelianus mit seinem später wichtigen Bruder Uther Pendragon (Artus\' Vater), sie weilen aber im benachbarten Gallien. Und da ist Vitalinus Vor-Tigern, der sich Oberkönig nennen lässt.

Vitalinus macht notgedrungen – oder aus der römischen Gewohnheit heraus, kämpfen zu lassen statt selbst zu kämpfen – einen schweren Fehler: Er holt sächsische, also germanische Krieger ins Land. Ihr Anführer ist Hengest. Da die Pikten und Skoten keine Ruhe geben, muss Vitalinus immer weitere Sachsen, ja sogar Angeln, Jüten und Friesen ins Land lassen. Nachdem sein Gold alle ist, wollen sie sich mit britannischem Land für ihre Soldatendienste bezahlen lassen.

Als auch diese Zugeständnisse nicht mehr ausreichen, nehmen sich die Germanen, was sie wollen. Bei einer feierlichen Versammlung zwecks Friedensschluss ermorden sie alle Fürsten der Briten und stürmen das Land bis weit in den Westen. Was kann das einst glorreiche, blühende Britannien jetzt noch retten?

Ambrosius Aurelianus erweist sich als zu schwach, um die Sachsen zu jagen, und so kommt es zu einer grotesken Lage, die an die Berliner Mauer erinnert: Eine befestigte Grenze zieht sich quer durchs Land, von Norden bis Süden; im Osten setzen sich die Germanen fest, im Westen leisten die Briten Widerstand. Das kann natürlich nicht ewig so weitergehen, und so spielen bald wenige Männer – und Frauen! – eine entscheidende Rolle.

Die weibliche Linie der Magie

Aus ihrer Urheimat am Schwarzen Meer, aus der römischen Provinz Dacia, haben die alten Priesterinnen ein mächtiges Schwert mitgebracht, das uns gemeinhin als Excalibur bekannt ist, im Buch aber keinen Namen trägt. Jedenfalls wohnt ihm ein Gott des Krieges inne. Vor Missbrauch behütet und gepflegt wird das Schwert von den Priesterinnen auf der abgelegenen Insel der Maiden (= Avalon), die im Lake District liegt.

Die lange Linie der zaubermächtigen Priesterinnen des Schwertes reicht bis hinab zu Igraine, der Mutter des Knaben Artus, und zu ihrer Tochter Morgause, die in allen Artus-Romanen vor \"Nebel von Avalon\" als Hexe Morgaine so schlecht wegkam.

Merlin, der Seher Britanniens

Von einer Angehörigen dieses Geschlechts stammt auch der junge Ambros ab, der später unter dem Spitznamen \"Merlin\" bekannt wurde. Sein Vater war einer der Ureinwohner aus den Wäldern, ein sogenannter Wilder Mann.

Da sich aber seine Mutter Madrun nicht an diese sicher nicht besonders ruhmreiche Episode erinnern kann/mag, kriegt sie später erhebliche Probleme: Merlin sieht wegen seines dichten Haarwuchses aus wie ein Kind des Teufels – man will ihn sogar töten lassen. Dies verhindert er durch seine besondere Sehergabe. Auch dem König, Vor-Tigern Vitalinus, hilft er durch Weissagung. In der Merlin-Verfilmung kämpfen zwei Drachen in den Lüften über Vortigerns immer wieder einstürzender Burg (= Königreich Britannien): ein weißer (= Germanen) und ein roter(= Briten). Der weiße Drache gewinnt.

Artus, der Verteidiger Britanniens

Merlin sagt ebenso wie der Gott im Schwert die Geburt eines mächtigen Kriegers voraus, das Kind von Uther Pendragon und der Zauberin Igraine: Artus. Dumm nur, dass Igraine noch verheiratet ist und zwar mit dem Fürsten von Cornwall, der Pendragon nicht als Oberherrn anerkennt. Genau: Das wird noch eine ganz üble Geschichte. Sie soll hier aber nicht verraten werden. Das Buch endet wie gesagt mit der Szene, als Artus das Schwert aus dem Stein zieht.

Fazit
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Diese Erzählung ist durchaus spannend, lebhaft und bewegend erzählt, ja stellenweise sogar komisch (besonders wenn der junge Merlin auftritt). Dennoch sollte man sie möglichst zügig durchlesen, denn sonst kann man sich nicht mehr an die vielen römischen und germanischen Namen von Leuten, Orten und Titeln erinnern. Ein Glossar, Ortsverzeichnis, Stammbäume und eine historische Karte Britanniens im 5. Jahrhundert runden den Band hilfreich ab. Das Glossar hilft, aber das Nachschlagen ist mühsam.

Das Nachwort von Redakteur und Herausgeber \"Dr. Fantasy\" Helmut W. Pesch befasst sich mit dem Thema \"König Artus – Legende und Wirklichkeit\". Er macht deutlich, wie ungesichert die Nachrichtenlage von den Chronisten jener längst vergangenen Zeit ist und wie viele selbst ernannte \"Fachleute\" sich die abstrusesten Theorien erlauben. Allerdings bewertet er nicht Paxsons Versuch der Artus-Darstellung.

Diana Paxson ist eine versierte Kennerin der Historie jener Zeit. Ihre neuheidnische Einstellung lässt sie eine kritische Haltung zum aufkommenden Christentum einnehmen: die Mönche kommen meist schlecht weg. Sie versteht die Mentalität der Leute, die sich im Umbruch zwischen verschwindenden heidnischen Bräuchen und aufkommendem christlichem Glauben oder vielmehr Aberglauben befinden. Paxson macht sehr deutlich, dass die alte Religion, für die Avalon steht, in Händen der Frauen lag, das Christentum aber in Händen von Männern, die fast nur Schlechtes über Frauen zu sagen wussten. Der Leser muss selbst seinen Standpunkt suchen. Atheisten haben es leichter, sich auf die Seite der Autorin zu schlagen.

Michael Matzer © 2003ff

Info: The hallowed isle: Book one: The Book of the sword, 1999; Bastei-Lübbe 2/2003, Bergisch Gladbach; 303 Seiten, EU 6,90, aus dem US-Englischen übertragen von Michael Krug; ISBN 3-404-20456-5

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-17 18:18:34 mit dem Titel Diana L. Paxson: *Die Herrin der Raben*: Im Krieg und in der Liebe...

Dies ist die direkte Fortsetzung von \"Die Herrin vom See\", dem ausgezeichneten Startband von Diana Paxsons Artor-Zyklus. Paxson erzählt historisch annähernd zutreffend, mit Tempo und dennoch einem mystischen
Hintergrund, der auch Fantasyfreunde anspricht. Trat in Band 1 Merlin als Zauberer auf (und auch in Band 2 ab und zu), so steht zunächst im zweiten Band die dänische Hexe Haedwig im Mittelpunkt.

Haedwig dient dem nordischen Obergott Woden (Wotan). Ihm ist der heilige Speer Gungnir geweiht, den sie geerbt hat. Der Speer ist der Widerpart zu Artors magischem Schwert (Excalibur), das ihm von der \"Herrin vom See\" übergeben worden war und mit dem er die in Britannien eindringenden Sachsen wiederholt besiegt.

Der Originaltitel des Buches lautet daher folgerichtig \"The book of the spear\". Der erste Band hieß \"The book of the sword\". Beide gehören zum vierbändigen Zyklus \"The hallowed isle\" (die geheiligte Insel). Mit der \"Herrin der Raben\" des Titels ist übrigens die Göttin der Schlacht gemeint.

Handlung
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Die Bewohner von Jütland sehen ihr Land Ende des fünften Jahrhunderts buchstäblich untergehen: Das Meer steigt, Stürme toben, Flüsse überschwemmen die sonst so fruchtbaren Felder. Als Hengests Sohn Octha sie auffordert, mit ihm nach Britannien zu segeln, um Land zu erobern. Dort sind bereits die Sachsen und die Angeln sesshaft geworden, und der Jüte Hengest, Octhas Vater, hat sich in Kent als König fein eingerichtet.

Octhas Sohn Oesc folgt seinem Vater und nimmt schon bald an einer Schlacht in St. Albans teil, in der sein Vater stirbt. Mit dessen Kopf kann Oesc zu Hengest entkommen, wo ihn die Heilerin Haedwig wieder gesundpflegt. Unter Führung des Halb-Sachsen Cederic stellen sich im nächsten Frühjahr die vereinten Sachsen und Jüten den britischen verteidigern Englands zur Schlacht. Nun wird Oesc gefangengenommen und in Artors Tross als Geisel festgehalten, um das Wohlverhalten Hengests zu garantieren.

Nach einer Weile freundet sich Oesc zusammen mit anderen Geiseln mit Artor an, ganz einfach, weil dies der interessanteste junge Mann in England ist. (Und einen Zauberer hat er auch: Merlin.) Als sie in Londinium in eine Straßenschlägerei geraten, steht Oesc Artor treu zur Seite. Er erkennt, dass ihn mit dem König mehr verbindet, als er geglaubt hat. Sie beide müssen sich mit einem schweren Erbe auseinandersetzen: Artor mit seiner etwas zweifelhaften Herkunft und den politischen Querelen unter den britischen Fürsten; Oesc mit der Nachfolge Hengests und den Streitigkeiten mit den angel-sächsisch-jütischen Häuptlingen.

So erwächst zwischen beiden Respekt und Freundschaft. Doch es kommt, wie es kommen muss: Eines Tages stehen sich die beiden jungen Führer auf unterschiedlichen Seiten einer Schlachtordnung gegenüber. In der Schlacht von Mount Badon treffen Artors Schwert und Wodens Speer aufeinander.

Mein Eindruck
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Schon von der ersten Seite an hat mich dieses Buch in seinen Bann geschlagen. Es beginnt im Prolog mit dem größten Zusammenhang überhaupt, dem Anfang des Universums und führt dann langsam über die Schaffung des heiligen Speers bis zur Rolle Wodens, des Obergottes, in der ganzen Handlung.

Der Blickpunkt des Lesers bleibt stets nah dran an den Figuren: an Oesc, Haedwig, Artor und den anderen, und verliert sie nicht aus den Augen. Der Überblick bleibt gewahrt und somit auch das Verständnis des Geschehens. Durchgehend begleiten wir Oesc auf seinem schicksalhaften Weg hin zum Mount Badon, nachdem ihm Briten seine geliebte Frau Rigana und seinen Sohn Eormenric entführt hatten. Das gemahnt ein wenig an den Krieg um Troja, nur dass die Auseinandersetzung diesmal nicht zehn Jahre, sondern \"nur\" ein paar Monate dauerte und in einer für beide Seiten verlustreichen Schlacht endete.

Die Autorin delektiert sich nicht an den blutigen Einzelheiten einer Schlacht, sondern schildert lediglich das Grauen danach – das genügt auch vollkommen, um einem den Magen umzudrehen. Artors Schlachten werden ihm stets aufgezwungen, etwa durch Überfälle der schottischen Pikten. Daher sind sie nicht eine besondere Action-Zutat, um den Roman aufzupeppen, sondern einfach Tagesgeschäft beim Regieren. In ihnen erweist sich Artor neben seinem Mentor Merlin als ein ganz besonderer Herrscher, als ein Nachfolger der römischen Tradition nämlich.

Am faszinierendsten fand ich jedoch nicht Schlachtengemälde, die es in der Fantasy im Dutzend billiger gibt, sondern die begegnung mit fremdartigen Sitten und Gebräuchen der höchst unterschiedlichen Völkerschaften, die im 5. Jahrhundert in Britannien anzutreffen sind.

Während die Briten auf das uralte keltische und dann das römische Erbe zurückblicken, bringen die Angeln, Jüten und Sachsen ihre nordisch-germanische Götter- und Sagenwelt mit. Demzufolge feiern sie ihre Festtage wie etwa Beltene oder Jul auf andere, althergebrachte Weise, meist mit Tieropfern.

Der bretonische Ritter Bediver hingegen ist vollkommen christianisiert. Ihn sollten eigentlich diese heidnischen Bräuche, wie Königin Morgause sie verkörpert, abstoßen. Dennoch versagt er es sich nicht, den festlichen Abend in den Armen einer schottischen Maid zu beschließen – und sein Kind ein Jahr später anzuerkennen. Schließlich bekommt man nicht jeden Tag einen Sohn geschenkt.

Hilfreiches Beiwerk

Ein Glossar, Ortsverzeichnis, Stammbäume und eine historische Karte Britanniens im 5. Jahrhundert runden den Band hilfreich ab. Eine Einführung gab Herausgeber Pesch schon im 1. Band. Die Übersetzung ist übrigens ganz hervorragend und ahmt das altertümliche Raunen des Originals ausgezeichnet nach – auch wenn dies nicht jedermanns Sache ist.

Kurios am Rande: Auch die Nibelungensage um König Gunther und Etzel, den Hunnenkönig, wird erwähnt. Das wundert nicht, denn Paxson hat selbst eine Version der Nibelungensage geschrieben: \"Die Töchter der Nibelungen\" (1997). Hier macht die Autorin also Werbung in eigener Sache.

Die Autorin
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Diana L. Paxson war zu Lebzeiten Marion Zimmer Bradleys deren engste Mitarbeiterin sowie die Co-Autorin der \"Avalon\"-Romane. In ihren eigenen Büchern verbindet Paxson genaue historische Recherche mit Elementen aus Mythos und Sage. Als eine der führenden Vertreterinnen der neo-heidnischen Bewegung in den USA zeigt sie dabei ein besonderes Interesse für die paganen Religionen der Spätantike (so etwa das 5. Jahrhundert) und des Mittelalters: Sie kennt die alten Göttinnen und Götter nicht nur aus Büchern, sondern möglicherweise auch aus eigenem Erleben, etwa von Besuchen an deren Tempeln und Altären. Mehrere genaue Beschreíbungen solcher Orte in ihrem Artor-Zyklus sprechen dafür.

Michael Matzer © 2003ff

Info: The hallowed isle: Book two: The Book of the spear, 1999; Lübbe 2000, Bergisch Gladbach; 287 Seiten, DM 29,80, aus dem US-Englischen übertragen von Michael Krug; ISBN 3-7857-2041-6


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-20 12:46:33 mit dem Titel Diana L. Paxson: *Die Herrin von Camelot*: Ein Land zwischen Gral, Gedeih und Verderb

Dies ist die direkte Fortsetzung von \"Die Herrin der Raben\", dem spannenden 2. Band von Diana Paxsons Artor-Zyklus. Paxson erzählt historisch annähernd zutreffend, mit Tempo und dennoch einem mystischen Hintergrund, der auch Fantasyfreunde anspricht.

In den Romanen um die geheiligte Insel geht es einerseits um die Insel Britannien nach dem Abzug der Römer, andererseits um die \"Insel der Maiden\", eine Schule von Priesterinnen der alten Religion, also ein zweites Avalon.

Hintergrund: Vier heilige Objekte
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Die vier Bücher des Artor-Zyklus von Diana Paxson orientieren sich an den vier heiligen Gegenständen der irisch-keltischen Sagenwelt. Nach dem Speer und dem Schwert ist nun der Kessel dran, der Stein* wird den Zyklus abschließen. Der Kessel ist der Göttin Ceridwen gewidmet, die für Fruchtbarkeit und alles was damit zusammenhängt, zuständig ist. (Daher beginnt das Buch mit der Geburt Mordreds, Artus\' Schwestersohn. Er wird im Buch Medrod genannt.)

Mit Ceridwens Kessel hat es eine besondere Bewandtnis: Während er natürlich alle im Überfluss ernährt, so unterscheidet er doch laut Sage zwischen tapferen und treuen Männern und Feiglingen. Über diese Erkenntnis hinaus kann er weitere Fähigkeiten verleihen, wie etwa das Zweite Gesicht. Wie alle Geschenke, die die Götter den Menschen machen, ist auch dieses zweischneidig und sollte klug verwendet werden.

Natürlich verbirgt sich hinter den Legenden um den Kessel die Sage um den Heiligen Gral, die fast 700 Jahre später von christlichen Hofdichtern zu einer Art ritterlichem Kreuzzug umgedichtet wurden. Diesen Hintergrund erhellt Herausgeber Helmut Peschs gelehrtes Nachwort optimal.

Handlung
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Die Fürsten Britanniens haben die eingedrungenen Sachsen unter Artors Führung zurückgeschlagen (Buch 2: \"Die Herrin der Raben\") und träumen von einer Wiederkehr vergangener glorreicher Zeiten im Zeichen des Friedens. Doch auch das Gedeihen will erst verdient sein.

Aber in den Herzen und Erinnerungen der klugen und stolzen Frauen der alten britischen Stämme, etwa in Igraine und ihrer Tochter Morgause, lebt die Macht der einen Göttin weiter, die einst Britannien beherrschte. Igraine lebt nun auf der Insel der Maiden im nordenglischen Lake District, eine Art Avalon. Morgause ist Königin in Edinburgh und bekommt an Beltene (1. Mai) ihr fünftes Kind: Medrod ist von ihrem Bruder Artor, empfangen während des letzten Samhain-Festes (1. November).

Nun verkündet König Artor, dass die Waffen des Krieges schweigen sollen, und ruft seine Mutter Igraine, die Herrin vom See, auf, den Kessel der Göttin zu beschwören, um dem Land Frieden und Fruchtbarkeit zu bringen, d.h. in erster Linie natürlich auch einen Erben für den Thron.

Igraine hat mittlerweile für ihn eine Braut auserkoren: Gwendivar, die Tochter König Leodegranus\' von Südwales. (In anderen Legenden stammt sie aus Irland und ist Christin.) Die Elfen haben ihr das Zweite Gesicht verliehen. Fortan hat Gwendivar eine Vorliebe für Quellen und Teiche, wo die Elfen zu finden sind (auch auch die Göttin).

Die Hohepriesterin Igraine hat erkannt, dass ihre Tochter Morgause, Artors Schwester, ein tödliches Geheimnis verbirgt: Die Königin wird von Machthunger verzehrt. Als Igraine ihr aufgrund ihrer sittlichen Unreife die Nachfolge als Priesterin der Göttin verweigert, auf das Morgause von Geburts wegen Anspruch erhebt, wendet diese sich der verbotenen Magie der Pikten in den schottischen Highlands zu.
Diese soll ihr dazu dienen, eine Waffe zu schmieden, die Artor und sein Reich vernichten wird: Ihr Werkzeug ist Medrod, ihr jüngster Sohn.

Die einzige Hoffnung für das Land Britannien liegt in der jungen Prinzessin Gwendivar (= Guinevere, der \"weiße Geist\"). Aufgewachsen auf einem heiligen Hügel in Somerset, der \"Insel aus Glas\", wird sie zur entfernten Schülerin Igraines, der Herrin vom See, obwohl sie selbst nie auf der \'Insel der Maiden\' wohnt. Sie wurde von ihr dazu bestimmt, Artors Frau zu werden. Doch kann sie auch rechtzeitig lernen, ihre eigenen Kräfte nutzbringend einzusetzen? Denn die Männer betrachten die Hochkönigin als Verkörperung der Göttin.

Als Gwendivars Nachwuchs aufgrund Artus\' Impotenz aubleibt, wendet sich das Blatt: Seuchen, Stürme und Hunger bringen Unheil übers Land. Nur der Kessel der Fruchtbarkeit und des Heils kann helfen, der \"Gral\". Doch schon nach seinem ersten Einsatz wird er von Morgause geraubt: Was wird die boshafte Zauberin mit dem heiligen Gefäß machen?

Mein Eindruck
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Wen diese Handlung nun schwer an \"Die Nebel von Avalon\" erinnert, liegt keineswegs falsch. Der einzige Unterschied liegt im Fehlen von dessen Hauptfigur Morgaine. Diese geht zum Teil in Morgause auf, etwa als Artors Mutter und Schwester. Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass Guineveres Kinderlosigkeit nicht auf auf einem Fluch beruht, sondern auf Artus\' Impotenz – diese wiederum wurde von Morgause psychologisch \'geschickt\' herbeigeführt. Doch seltsamerweise kann Guinevere auch durch andere Männer nicht geschwängert werden, und das wird eben nicht erklärt. Das gleiche gilt für Morgauses unerklärliche Unfruchtbarkeit, nachdem sie immerhin fünf Söhne geboren hat.

Der Action-Fan hat es schon gemerkt: Dieser Band der Tetralogie dreht sich fast nur um Frauen, um die Fortpflanzung, um Sex. Entsprechend erotische Szenen schildert Paxson, ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Wer also nicht an Bett-Action interessiert ist, der kommt diesmal nicht auf seine Kosten. Es gibt nur ganz kurz eine gute Szene, als Artor seine entführte Gwendivar wieder zurückerobert und die Iren Mores lehrt.

Schwächen
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Mich beschlich bei der oder anderen Szene ein ungutes gefühl. Das häufte sich, je mehr sich die Handlung dem Schluss des Bandes näherte. Zunehmend fehlen, wie erwähnt, Erklärungen, zumindest rationale, die auf Ursache-Wirkung-Ketten basieren. Vielmehr treten an deren Stelle mystische, um nicht zu sagen metaphysische Kräfte, die auf das Geschehen Einfluss nehmen, auch wenn sie nicht einmal erwähnt werden.

Auch die Versöhnung zwischen Morgause und ihrer Mutter Igraine kommt etwas unerklärt. Hier setzt die Autorin ein wenig viel Gutgläubigkeit im Leser voraus.

Auch Medrod taucht am Schluss überhaupt nicht mehr auf. Okay, er ist erst 13 Jahre alt und hat gerade seinen ersten Sex hinter sich, da wird er nicht gleich als Raubritter durch die Lande ziehen. Unter der Fuchtel seiner Mutter sowieso nicht. Offenbar hat die Autorin die Medrod-Szenen für den letzten Band aufgespart. Dann hätte sie aber wenigstens einen Cliffhanger-Schluss anfügen können. Davon findet sich in diesem Buch jedoch keine Spur. Es herrscht Friede, Freude, Eierkuchen.

Die Autorin
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Diana L. Paxson war zu Lebzeiten Marion Zimmer Bradleys deren engste Mitarbeiterin sowie die Co-Autorin der \"Avalon\"-Romane. In ihren eigenen Büchern verbindet Paxson genaue historische Recherche mit Elementen aus Mythos und Sage. Als eine der führenden Vertreterinnen der neo-heidnischen Bewegung in den USA zeigt sie dabei ein besonderes Interesse für die paganen Religionen der Spätantike (so etwa das 5. Jahrhundert) und des Mittelalters: Sie kennt die alten Göttinnen und Götter nicht nur aus Büchern, sondern möglicherweise auch aus eigenem Erleben, etwa von Besuchen an deren Tempeln und Altären. Mehrere genaue Beschreíbungen solcher Orte in ihrem Artor-Zyklus sprechen dafür.

* Der historisch Interessierte sollte in seiner Enzyklopädie (oder bei wissen.de) mal unter dem Stichwort \"Stone of Scone\" oder \"Jakobssitz/-stein\" nachschlagen. Es handelt sich hierbei um den uralten heiligen Steinthron, auf dem Schottlands Könige und Königinnen gesalbt wurden. Die Engländer raubten den Stein nach Schottlands Unterwerfung und verbargen ihn in der Westminster-Kathedrale. Heute befindet sich der Stein, so Helmut Pesch im Nachwort, wird in Schottland. Theoretisch könnte Schottland wieder ein Königreich werden...

Michael Matzer © 2003ff

Info: The Hallowed Isle: Book Three: The Book of the Cauldron, 1999; Lübbe 2002, Bergisch Gladbach; 278 Seiten, EU 17,00, aus dem US-Englischen übertragen von Michael Krug, Nachwort von Helmut Pesch; ISBN 3-7857-2062-9


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-03 10:03:08 mit dem Titel Tim Powers: *Die Tore zu Anubis\' Reich *: Zickzacklauf in der Zeit

Diese seltsame Mischung aus Zeitreise, mystischer Fantasy, Alternativwelt und viktorianischer Räuberpistole läutete die allzu kurze Ära des sogenannten \"Steampunk\" Mitte der 80er Jahre ein.

Ihre Hauptvertreter sind Powers und seine Busenfreunde K.W. Jeter (es gibt eine \"Jeter Lane\" in diesem Roman) und James Blaylock. Steampunk war eine Art Cyberpunk, dessen Handlung in der Zeit der Dampfeisenbahn stattfand, meist in Merry Old England. Diese Art Cyberpunk hatte aber herzlich wenig mit Computern am Hut (außer in \"Die Differenzmaschine\" von W. Gibson/B. Sterling) – die Absonderlichkeiten fanden eher auf der Ebene mittelalterlicher Alchimie statt: Homunculi, Experimente mit Körper und Psyche, Telefon per magischer Lichtübertragung, Werwölfe, versteinerte Frauen usw. – ein Panoptikum, das dieses Literaturgenre mit Leben ausstattete und zur Kulisse erhob.

Handlung

So auch in \"The Anubis Gates\". Schauplatz ist meistens das London der Romantik um 1810 – hier wirken Coleridge und, wenn er nicht gerade für die griechische Freiheit kämpft, Lord Byron. Professor Brendan Doyle aus unserer Zeit sind sie alle geläufig. Doch seine Spezialität ist ein fast unbekannter Dichter namens William Ashless. Er hätte nicht gedacht, daß er selbst Ashbless werden könnte, als er zusagte, bei einer Zeitexpedition eines reichen Unternehmers und Spekulanten mitzumachen. Er lernt zwar Coleridge kennen, wird aber von Zigeunern entführt, bevor er planmäßig wieder in unsere Zeit zurückkehren kann. Der Anführer der Zigeuner ist ein Magier namens Romany, der im Auftrag seines geheimnisvollen ägyptischen Meisters daran arbeitet, die britische Regierung zu stürzen und einen Golem auf den Thron zu setzen, der – von wem wohl? – ferngesteuert wird.

Nachdem Doyle den Klauen Romanys entkommen ist, macht er intensive Bekanntschaft mit der Londoner Bettlerschaft. Die ist in zwei Banden gespalten, wobei die schlimmere mit Romany zusammenarbeitet. Zum Glück landet Doyle bei der anderen, wo ihm ein junger Mann dabei hilft, wieder auf die Beine zu kommen und einen ehrlichen Job als Bettler zu erhalten. De

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