Mehr zu AutorInnen mit P Testbericht
ab 11,89 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
Erfahrungsbericht von Frosch4711
11. September 2001 - 9.59 Uhr
Pro:
spannend, Tatsachenbericht, beeindruckend
Kontra:
das Thema ist wahrlich nicht positiv
Empfehlung:
Nein
Noch immer bekomme ich eine Gänsehaut und Tränen in den Augen, wenn ich an den Morgen des 11.September denke. Natürlich gab es in der Weltgeschichte weitaus schlimmere Katastrophen - und Niemand denkt noch an die Zehntausende von Opfern von Erdbeben oder Katastrophen - oder an die Opfer von Landminen, deren Zahlen deutlich über denen des 11.September liegen. Aber was wir am 11.9. erlebt haben, war ein Angriff von Menschenhand. Ein Angriff gegen uns persönlich, auch wenn wir Tausende von Kilometern weit weg waren. Ich persönlich war im Oktober 2000 am Fuße des World Trade Center - und da wir am gleichen Tag schon auf dem Empire State Building waren, sagte ich mir:\"Auf\'s WTC fährst Du nächstes Mal...\"
Warum liest man ein solches Buch ? Sensationsgier ? Interesse ? Mitgefühl ? Ich weiß es selber nicht - auf jeden Fall beschreibt kein Buch der Welt das Leben so wie das Leben selbst - so wie hier.
Inhalt
------
Das Buch ist ein Tatsachenbericht, den es in dieser Form wohl noch nie gegeben hat. Viele werden den Film kennen von den zwei Kameraleuten, die zufällig am 11.9. eine Reportage drehten. Die Bilder sind beeindruckend, aber dieses Buch erzählt mehr. Es erzählt von dieser unfaßbaren Katastrophe mitten im Herzen New Yorks - von den Sekunden, die Tausenden Menschen das Leben kosteten - und von den Feuerwehrleuten, die wirklich Helden dieses Tages wurden.
Richard Picciotto ist Chief einer Feuerwache in Manhattan. Er hat gerade seinen Dienst begonnen, als der strahlend schöne Tag zum schrecklichsten Tag der amerikanischen Geschichte wird. Ohne groß nachzudenken fährt er ins World Trade Center, nimmt sich einen Trupp von Leuten und macht sich im Nordturm auf den Weg nach oben um die Eingeschlossenen zu befreien. Sie schaffen es in den 35. Stock, als das Unfaßbare geschieht...
Picciotto schreibt in solch einem Stil, als wenn er einem direkt gegenüber sitzt. Als wenn man bei ihm in dieser Katastrophe ist und das miterlebt, was Niemand von uns je miterleben möchte. Er beschreibt seine Gedanken um die Katastrophe, an seine Familie, an seine Freunde, über das Leben bei der New Yorker Feuerwehr und deren Einsatz, und seine Gedanken, die er selbst nicht glauben kann.
Er beschreibt von Situationen, wo Börsenmakler noch eben schnell eine Email versenden wollen, von der enormen Hilfsbereitschaft wildfremder Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen, die Behinderte nach unten tragen - und von abstrusen Szenen, die es wohl nur in Amerika geben kann. Dazu noch ein Beispiel:
\"Auf dem Weg nach unten treffen die Feuerwehrleute auf Behinderte im Rollstuhl oder Gehbehinderte. Die Leute werden im Rollstuhl (!) nach unten getragen, die gehbehinderte Frau läuft gestützt von zwei Feuerwehrleuten die Treppen nach unten - denn: Tragen käme überhaupt nicht in Frage, denn dies wäre unter der Würde dieser Frau....\" - als ich das las, blieb mir die Sprache weg. Dieses \"Sexualdenken\" bei den Amerikanern ist wohl schon so eingebrannt, dass sie selbst in solch einer Situation den Moralgedanken im Kopf haben...
Diese Geschichte hat das Leben nicht geschrieben, sondern gezeichnet. Man erlebt die schlimmsten Stunden mit, als wäre man dirket am Ort des Geschehens - und beim Lesen kommt einem ein ums andere Mal der kalte Schauer über den Rücken.
Leseprobe
---------
Es kam wie aus dem Nichts.
Wir waren ungefähr zwei Dutzend Mann an den Fahrstühlen im 35. Stockwerk des Nordturmes im World Trade Center. Wir waren Feuerwehrmänner, jedenfalls die meisten von uns, und wir waren alle mehr oder weniger erschöpft. Manche schwitzten wie verrückt. Einige hatten ihre Einsatzjacken ausgezogen und sie um die Hüften geschlungen. Ziemlich viele rangen keuchend nach Luft. Andere wollten unbedingt weiter. Wir alle machten einen Moment Pause, um Atem zu schöpfen, um uns zu orientieren, um rauszufinden, was zum Teufel eigentlich los war. Wir waren seit fast einer Stunde hektisch an der Arbeit, manche nicht ganz so lang, und es war absolut kein Ende in Sicht. Natürlich hatten wir keine Ahnung, was noch alles vor uns lag, aber erreicht hatten wir bislang so gut wie nichts.
Und dann setzte das Geräusch ein, und das Gebäude begann zu beben, und wir erstarrten. Wie in Totenstarre. Was auch immer vielleicht noch zu tun war, jetzt würde es warten müssen. Worauf, wußten wir nicht, aber es würde warten. Oder auch nicht, aber darum ging es nicht mehr. Es ging darum, daß keiner sich bewegte. Bis auf den letzten Mann keiner rührte sich, außer, um die Augen zur Decke zu heben, um zu sehen, woher das Getöse kam. Als könnten wir da die Antwort finden. Keiner sagte ein Wort. Es war keine Zeit, Gedanken in Worte zu fassen, obwohl noch Zeit war zu denken. Für mich jedenfalls, für mich war noch Zeit zu denken, zuviel Zeit zu denken, und meine Gedanken überschlugen sich. Sie entwarfen alle möglichen Horrorszenarien und noch ein paar mehr dazu. Das Gebäude zitterte wie bei einem Erdbeben, wie eine außer Kontrolle geratene Achterbahn, aber was mir wirklich das Blut in den Adern gefrieren ließ, das war dieses Getöse. Seine Wucht, mit der es direkt durch mich hindurchging. Ich konnte mir absolut nicht vorstellen, was ein derartiges Geräusch machen könnte. Als ob tausend führerlose Züge auf mich zurasen würden. Eine durchgegangene Herde wilder Tiere. Ein donnernder Erdrutsch. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden, aber was auch immer es war, es wurde schneller und noch kraftvoller, und es kam näher, und ich saß mittendrin, konnte ihm nicht ausweichen.
Fazit
-----
Dieses Buch beschreibt Geschichte in ihrer unfaßbarsten Form. Und ich war beim Lesen in einem solchen Bann, dass ich das Buch an einem Tag begann und auch zu Ende las - das ist mir noch nie passiert. Man hat die Bilder der Hunderten von Kameras vor Augen - und fragt sich, wie ging es den Menschen IN den Türmen ? Dieses Buch erzählt die Geschichte eines Mannes, der es erlebt hat - stellvertretend für die Menschen, die es nicht mehr erzählen können. Es ist eine Erinnerung und ein Nachruf an die Tausende von Menschen, die bei dieser Katastrophe umgekommen sind - aber es beschreibt die Szenen ohne Effekthascherei, weder heroisch noch zu sentimental - einfach erzählt von Du zu mir.
Das Buch
--------
Unter Einsatz meines Lebens. Ein New Yorker Feuerwehrmann im World Trade Center.
von Richard Picciotto, Daniel Paisner
Preis: EUR 18,90
Gebundene Ausgabe - 251 Seiten - MALIK VERLAG
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3890292321
Warum liest man ein solches Buch ? Sensationsgier ? Interesse ? Mitgefühl ? Ich weiß es selber nicht - auf jeden Fall beschreibt kein Buch der Welt das Leben so wie das Leben selbst - so wie hier.
Inhalt
------
Das Buch ist ein Tatsachenbericht, den es in dieser Form wohl noch nie gegeben hat. Viele werden den Film kennen von den zwei Kameraleuten, die zufällig am 11.9. eine Reportage drehten. Die Bilder sind beeindruckend, aber dieses Buch erzählt mehr. Es erzählt von dieser unfaßbaren Katastrophe mitten im Herzen New Yorks - von den Sekunden, die Tausenden Menschen das Leben kosteten - und von den Feuerwehrleuten, die wirklich Helden dieses Tages wurden.
Richard Picciotto ist Chief einer Feuerwache in Manhattan. Er hat gerade seinen Dienst begonnen, als der strahlend schöne Tag zum schrecklichsten Tag der amerikanischen Geschichte wird. Ohne groß nachzudenken fährt er ins World Trade Center, nimmt sich einen Trupp von Leuten und macht sich im Nordturm auf den Weg nach oben um die Eingeschlossenen zu befreien. Sie schaffen es in den 35. Stock, als das Unfaßbare geschieht...
Picciotto schreibt in solch einem Stil, als wenn er einem direkt gegenüber sitzt. Als wenn man bei ihm in dieser Katastrophe ist und das miterlebt, was Niemand von uns je miterleben möchte. Er beschreibt seine Gedanken um die Katastrophe, an seine Familie, an seine Freunde, über das Leben bei der New Yorker Feuerwehr und deren Einsatz, und seine Gedanken, die er selbst nicht glauben kann.
Er beschreibt von Situationen, wo Börsenmakler noch eben schnell eine Email versenden wollen, von der enormen Hilfsbereitschaft wildfremder Menschen, die ihr Leben aufs Spiel setzen, um anderen zu helfen, die Behinderte nach unten tragen - und von abstrusen Szenen, die es wohl nur in Amerika geben kann. Dazu noch ein Beispiel:
\"Auf dem Weg nach unten treffen die Feuerwehrleute auf Behinderte im Rollstuhl oder Gehbehinderte. Die Leute werden im Rollstuhl (!) nach unten getragen, die gehbehinderte Frau läuft gestützt von zwei Feuerwehrleuten die Treppen nach unten - denn: Tragen käme überhaupt nicht in Frage, denn dies wäre unter der Würde dieser Frau....\" - als ich das las, blieb mir die Sprache weg. Dieses \"Sexualdenken\" bei den Amerikanern ist wohl schon so eingebrannt, dass sie selbst in solch einer Situation den Moralgedanken im Kopf haben...
Diese Geschichte hat das Leben nicht geschrieben, sondern gezeichnet. Man erlebt die schlimmsten Stunden mit, als wäre man dirket am Ort des Geschehens - und beim Lesen kommt einem ein ums andere Mal der kalte Schauer über den Rücken.
Leseprobe
---------
Es kam wie aus dem Nichts.
Wir waren ungefähr zwei Dutzend Mann an den Fahrstühlen im 35. Stockwerk des Nordturmes im World Trade Center. Wir waren Feuerwehrmänner, jedenfalls die meisten von uns, und wir waren alle mehr oder weniger erschöpft. Manche schwitzten wie verrückt. Einige hatten ihre Einsatzjacken ausgezogen und sie um die Hüften geschlungen. Ziemlich viele rangen keuchend nach Luft. Andere wollten unbedingt weiter. Wir alle machten einen Moment Pause, um Atem zu schöpfen, um uns zu orientieren, um rauszufinden, was zum Teufel eigentlich los war. Wir waren seit fast einer Stunde hektisch an der Arbeit, manche nicht ganz so lang, und es war absolut kein Ende in Sicht. Natürlich hatten wir keine Ahnung, was noch alles vor uns lag, aber erreicht hatten wir bislang so gut wie nichts.
Und dann setzte das Geräusch ein, und das Gebäude begann zu beben, und wir erstarrten. Wie in Totenstarre. Was auch immer vielleicht noch zu tun war, jetzt würde es warten müssen. Worauf, wußten wir nicht, aber es würde warten. Oder auch nicht, aber darum ging es nicht mehr. Es ging darum, daß keiner sich bewegte. Bis auf den letzten Mann keiner rührte sich, außer, um die Augen zur Decke zu heben, um zu sehen, woher das Getöse kam. Als könnten wir da die Antwort finden. Keiner sagte ein Wort. Es war keine Zeit, Gedanken in Worte zu fassen, obwohl noch Zeit war zu denken. Für mich jedenfalls, für mich war noch Zeit zu denken, zuviel Zeit zu denken, und meine Gedanken überschlugen sich. Sie entwarfen alle möglichen Horrorszenarien und noch ein paar mehr dazu. Das Gebäude zitterte wie bei einem Erdbeben, wie eine außer Kontrolle geratene Achterbahn, aber was mir wirklich das Blut in den Adern gefrieren ließ, das war dieses Getöse. Seine Wucht, mit der es direkt durch mich hindurchging. Ich konnte mir absolut nicht vorstellen, was ein derartiges Geräusch machen könnte. Als ob tausend führerlose Züge auf mich zurasen würden. Eine durchgegangene Herde wilder Tiere. Ein donnernder Erdrutsch. Es ist schwer, die richtigen Worte zu finden, aber was auch immer es war, es wurde schneller und noch kraftvoller, und es kam näher, und ich saß mittendrin, konnte ihm nicht ausweichen.
Fazit
-----
Dieses Buch beschreibt Geschichte in ihrer unfaßbarsten Form. Und ich war beim Lesen in einem solchen Bann, dass ich das Buch an einem Tag begann und auch zu Ende las - das ist mir noch nie passiert. Man hat die Bilder der Hunderten von Kameras vor Augen - und fragt sich, wie ging es den Menschen IN den Türmen ? Dieses Buch erzählt die Geschichte eines Mannes, der es erlebt hat - stellvertretend für die Menschen, die es nicht mehr erzählen können. Es ist eine Erinnerung und ein Nachruf an die Tausende von Menschen, die bei dieser Katastrophe umgekommen sind - aber es beschreibt die Szenen ohne Effekthascherei, weder heroisch noch zu sentimental - einfach erzählt von Du zu mir.
Das Buch
--------
Unter Einsatz meines Lebens. Ein New Yorker Feuerwehrmann im World Trade Center.
von Richard Picciotto, Daniel Paisner
Preis: EUR 18,90
Gebundene Ausgabe - 251 Seiten - MALIK VERLAG
Erscheinungsdatum: 2002
ISBN: 3890292321
Bewerten / Kommentar schreiben