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Erfahrungsbericht von arthus2000

Perry, Phyllis Alesia; "Stigmata"

Pro:

---

Kontra:

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Empfehlung:

Nein

Seelenwanderung oder nur einfach verrückt?

Hallo liebe Leserinnen und Leser.

Ich freue mich schon mal im Voraus für Euer Interesse für meinen Bericht.

Wiedereinmal werde ich mich über ein Buch auslassen, welches ich bis vor kurzem richtiggehend verschlungen habe.

Als ich vor einiger Zeit mal wieder in unsere Bibliothek gegangen bin, fiel mir ein Buch in die Augen. Nach dem, was die Büchereimitarbeiter auf den Buchrücken geschrieben habe, sollte es sich zwar um einen Frauenroman/Gesellschaftsroman gehören, aber da mich der Inhalt, so wie er beschrieben wurde, interessiert, entschied ich mich als Mann, dieses Buch musst du lesen. Um nicht noch weiter abzuschweifen, es handelt sich um das Buch „Stigmata“ von der Autorin Phyllis Alesia Perry.

Zum Buch:

Das schwarze Mädchen Elisabeth (Lizzie) hat gerade ihren 13ten Geburtstag, als sie von ihrer bereits verstorbenen Grossmutter Grace eine Truhe, durch ihre Tante Eva, übergeben bekommt. In der Truhe befinden sich ein Tagebücher aus der Vergangenheit und ein Quilt (eine kunstvoll Steppdecke aus bunten Stofflappen) der die bebilderte Geschichte von Grace wiedergibt.
Als sie sich näher mit dem Quilt und den Tagebüchern beschäftigt, überkommen sie plötzlich Bilder, die sie nicht unterbringen kann. Allerdings sind diese Bilder auch mit Körperlichen Schmerzen und Gefühlen begleitet. Sie hat Schwierigkeiten, mit diesen Bildern umzugehen. Diese Bilder überkommen sie zu jeder Tageszeit. Sie kann es nicht kontrollieren und nicht beeinflussen.
In den Versionen die sie sieht, steckt sie immer in den Körpern zweier ihrer Ahninnen. Entweder steckt sie im Körper vom Ayo, welche als Kind auf Afrika entführt wurde und im Amerika als Sklavin verkauft wurde, oder sie steckt im Körper ihrer Grossmutter Grace, der Enkelin von Ayo.
Wenn sie aus Erinnerungen von Ayo erwacht, leidet sie sehr oft an schmerzen an Handgelenken, Fussgelenken und Rücken, die wie sich herausstellt von den Hand- Fussketten sowie von Peitschenschlägen herrühren. Diese Schmerzen werden mit der Zeit immer schlimmer und gehen soweit, das sich Wunden da Bilden, wo Ayo ihre Hand- und Fussketten trug und die Peitschenschläge bekam.
Als die Eltern das erste mal von Lizzie`s Wunden sehen, glauben sie, das Lizzie sich die Wunden selbst zugefügt hat und sich umbringen wollte Da ihr Vater Doktor ist, sorgt er dafür, das er in eine bestimmte Klinik kommt, in der man ihr, so wie er meint, helfen kann.
Erst ist Lizzie erschrocken über ihre Einweisung, doch schnell merkt sie, das sie so die Zeit findet sich mehr mit ihren Versionen zu beschäftigen.
Um sich besser auf die erlebte Geschichte ihrer Ahninnen zu konzentrieren, entschliesst sie sich, nicht mehr zu sprechen.
Über die Jahre hinweg versuchen verschiedene Ärzte ihre zu helfen. Doch erst ein Pfarrer, den sie kennenlernt, nachdem sie nach zwei Jahren ihre Sprache wiedergefunden hat, bringt sie auf die richtige Spur. Er bezeichnet diese Wundmale, welche sich bei ihr ohne ihr eigenes zutun gezeigt haben, als Stigmata. Er gibt ihr Informationen zu dem Thema und sie versteht immer besser, was mit ihr wirklich los ist.
Nach vielen Jahren, nachdem sie die gesamte Geschichte von Ayo und Grace erlebt und vermittelt bekommen hat, beschliesst sie, das sie wieder zurück ins richtige Leben muss und beginnt, den Ärzten etwas vorzuspielen. So gelingt es ihr recht schnell, das sie wieder nach Hause kann.
Während ihres Jahre seit ihrem 13ten Geburtstag ist Lizzie Klar geworden, das ausser ihr noch zwei weitere Personen, nämlich Ayo und Grace in ihr leben. Sie merkt, das sie für Grace etwas unerledigtes beenden muss, da sie ihre Tochter Sarah, welche ja auch die Mutter von Lizzie ist, im Stich gelassen hat.
Lizzie muss nun einen Weg finden, wie sie ihrer Mutter Sarah klarmachen kann, das sie, Lizzie, nicht nur ihre Tochter, sondern auch ihre Mutter Grace ist und auch gleichzeitig Sarahs Urgrossmutter Ayo ist. Sie muss dabei sehr vorsichtig vorgehen, um nicht Gefahr zu laufen wieder in die Klinik eingewiesen zu werden.
Nebenbei lernt Lizzie in dieser Zeit auch Anthony Paul, einen Drucker, kennen. Er ist einige Jahre jünger als sie. Wie sie jedoch schnell feststellt, hat auch er Verbindungen in die Vergangenheit von Lizzie`s Ahnen.
Um Sarah schonend auf die Wahrheit vorzubereiten entschliesst sich Lizzie, einen Quilt zu nähen, der die Vergangenheit von Sarahs Mutter Grace darzustellen. Mit der Zeit und sehr viel Mühe kommt sie ihrem Ziel immer näher.

In dem Erstlingswerk von Phyllis Alesia Perry nicht als dritte Person nur mit der Zuschauerrolle betraut, sondern sie lässt und Lizzie`s Geschichte aus ihren Augen erleben. Man ist also mitten drin in ihrer Geschichte. Man erlabt somit auch ihrer Versionen mit, wenn sie entweder gerade bei Grace oder Ayo ist. Man springt in ihrer Geschichte und in ihren Versionen. Befindet man sich in einem Moment noch im Jahre 1980 in der Klinik in Montgomery, so findet man sich im nächsten Moment im Jahr 1995 in Johnson Creek oder Tuskegee und wieder einen Moment später sieht man die Geschichte von Ayo im Jahre 1899 oder aber man erlebt gerade einen Ausschnitt aus dem Leben ihrer Grossmutter Grace. Dabei kann man bei diesen Zeitwechsel aber nicht von Chaos sprechen. Diese Sprünge sind sehr wohl geordnet und geben mit der Zeit durchaus einen Sinn.
Um die Zeitwechsel auch zu verdeutlichen, verändert die Autorin für die verschiedenen Personen auch ihre Art zu schreiben. Ist ihre Schreibweise bei Lizzi normal, so verändert sie Schlagartig, wenn sie die Geschichte von Ayo wiedergibt, welche die amerikanische Sprache mit einem starken Akzent spricht. Auch bei Grace kommt ein starker Akzent in der Schreibweise durch. So weiss man zu jedem Zeitpunkt, in welcher Zeit man sich gerade befindet.

Hauptpersonen:

Ayo (Bessie Ward als Sklavin):
Ayo wurde als 15 jähriges aus Afrika entführt und mit einem Sklavenschiff nach Amerika gebracht. Mit ihr beginnt die ganze Geschichte, da die Erinnerungen von Grace und Lizzie bis zu ihr zurückreichen. Ihr einziges Mitbringsel aus Afrika ist ein blauer Stoff, der von Generation zu Generation weitergegeben wird. Sie bekommt später ihre Freiheit und kann sich mit ihrem Mann Samuel Ward ein Stück Land kaufen.

Grace:
Die Enkelin von Ayo. Sie wird erst geboren, als Ayo gestorben ist. Sie ist die erste in der Familie, die in die Vergangenheit von Ayo reisen kann. Sie hat allerdings Schwierigkeiten, mit den Versionen und den Schmerzen klar zu kommen. Sie entschliesst sich also zur Flucht vor ihrer Familie und Verlässt so ihre Tochter Sarah. Sie näht mit den ersten Quilt, der die Geschichte von Ayo seit ihrer Überfahrt mit dem Sklavenschiff wiedergibt. Diesen Quilt und das Tagebuch von Ayo vererbt sich nach ihrem Tod an Lizzie weiter.

Sarah:
Die Tochter von Grace. Sie hat nicht diese Gabe, welche Grace und Lizzie haben. Ihr erscheint es deshalb so, als wenn Lizzie verrückt ist, als sie zuerst mit den Blutungen und den Träumen, wie sie und der Doktor DuBose es nennen. Erst als Lizzie wieder aus der Klinik zurückkommt und mit ihr an dem Quilt arbeitet, fängt sie an die Hintergründe zu verstehen.

Lizzie:
Lizzie lebt drei leben. Ihres, das ihrer Grossmutter Grace und das ihrer Ur-Urgrossmutter Ayo. Ihr ist aber auch klar, das es keine drei Personen sind, sondern immer nur eine einzige Person. In den 16 Jahren, die sie in verschiedenen Kliniken verbringt, lernt sie die Geschichte von Grace und Ayo kennen. Als sie wieder nach Hause kommt, weiss sie, das sie etwas für Grace erledigen muss, da sie ihre Tochter Sarah verlies und diese sehr stark darunter litt.

Ruth:
Lizzie`s Kusine. Auch sie hat eine Verbindung in die Vergangenheit, welche aber nur sehr schwach ist. Sie erleidet nicht die Schmerzen, welche Grace und Lizzie erleiden. Allerdings braucht sie die Hilfe von Lizzie um mit ihren Erfahrungen zu Rande zu kommen.

Doktor John DuBose:
Lizzie`s Vater. Ihm sind die Versionen völlig fremd. Er sieht darin nur eine Krankheit, von der seine Tochter Lizzie geheilt werden muss. Dabei lehnt er alles ab, was sie versucht ihm in diesen Zusammenhang näher zu bringen.

Anthony Paul:
Er lernt Lizzie nach ihrem Klinikaufenthalt kennen. Irgendwie hat auch er eine Verbindung zu der Vergangenheit von Lizzie. Allerdings sieht Anthony das noch nicht und versucht das anfangs von sich zu schieben. Allerdings weiss Lizzie zwar, das Anthony etwas mit ihrer Vergangenheit zu tun hat, sie weiss allerdings nicht, was das sein könnte.

Fazit:

Mit dem Buch ist Phyllis Alesia Perry wirklich ein spannendes Erstlingswerk gelungen. Von der ersten Seite hat sie mich mit ihrer Geschichte in ihren Bann gezogen. Auch wenn es, wie in der Bibliothek angegeben, ein Frauenbuch sein soll, finde ich es durchaus auch für uns Männer mehr als empfehlenswert.
Sie verdeutlicht mit ihrem Buch nicht nur eine Familiengeschichte, sondern vielmehr gibt sie mit der Geschichte durchaus auch Leidensgeschichte der nach Amerika verschifften Sklaven und deren „freien“ Nachkommen in Amerika.
Das Buch ist sehr verständlich geschrieben, so das auch ungeübte Leser sehr schnell in die Geschichte eintauchen kann. Sie verzichtet allerdings darauf, das sie die Geschehnisse blumig ausmalt. Sie greift vielmehr auf eine recht sachliche Erzählweise zurück. Ich finde allerdings, dass dies der Geschichte aber sehr entgegen kommt.
Ich für meinen Teil kann diese Geschichte auf jeden Fall nur weiterempfehlen.

Vielen Dank für Euer Interesse
Arthus2000@Sören Vehstedt

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