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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von audicla
Palliser, Charles: Die schwarze Kathedrale - Thriller vom Lehrstuhl
Pro:
athomsphärisch gut
Kontra:
steif, akademisch, oft langweilig
Empfehlung:
Nein
Thriller direkt vom Lehrstuhl herunter
1993 kam der historische Kriminal-Thriller „Quincunx“ erstmals als Taschenbuch in Deutschland auf den Büchermarkt. Das 1000-Seitenwerk bekam ich damals durch Zufall geschenkt, nahm es mit in den Urlaub und versank darin. Es war ein wirklich überaus gutes fantastisch und gut nachvollziehbar aufgemachtes Buch, welches das London des 19. Jahrhunderts spannend in einer gekonnten Story beleuchtete.
Geschrieben wurde das Buch von dem 1947 geborenen Engländer Charles Palliser, Literaturdozent u.a. in USA und London.
So war ich kürzlich außerordentlich erfreut bei meinem Quartals-Besuch im Bücher-Club ein weiteres Buch des Autors „Charles Palliser“ zu entdecken, denn im Laufe der Jahre hatte ich immer mal wieder danach Ausschau gehalten, aber bislang nichts davon mitbekommen. Der neue Roman von Palliser „Die schwarze Kathedrale“, die ich als schöne gebundene Ausgabe im Buch-Club zu einem herabgesetzten Preis fand, ist mit ca. 450 Seiten nicht ganz so wortgewaltig wie das „Quincunx“, es handelt sich aber ebenfalls um einen historischen Roman, der in altenglischer Tradition geschrieben ist. Auf dem Klappentext findet man z. B. Vergleiche mit Charles Dickens. In Deutschland erschien das Buch bereits im Jahr 2000.
Voller Neugier und Vorfreude machte ich mich dann vor ein paar Tagen an das Buch. Wer ein so gewaltiges Buch wie Quincunx – immerhin ein internationaler Bestseller, der es dem Literaturprofessor Palliser nach Erscheinen ermöglichte seinen Lehrstuhl an den Nagel zu hängen und ausschließlich zu schreiben – so genial schreiben kann, dachte ich, der wird auch jetzt wieder ein spannendes und lesbares Buch geschrieben haben.
Leider: weit gefehlt. Wenngleich ich auch nicht sagen kann, dass „die schwarze Kathedrale“ ein überhaupt nicht lesenswertes oder todlangweiliges Buch ist, bleibt es doch weit hinter seinem Erstlingswerk zurück – leider.
Zum Inhalt:
Ende des 19. Jahrhunderts macht sich der Historiker Courtine in den Weihnachtsferien auf den Weg in die englische Kleinstadt Thurchester, um einen alten Jugend- und Studienfreund zu besuchen. Diesen hat er seit 20 Jahren nicht mehr gesehen und gleich zu Beginn wird angedeutet, dass der Freund Austin ihn ehemals in irgendeiner Art betrogen hat. Später wird deutlich, dass er mit dafür verantwortlich war, dass Courtine von seiner geliebten Ehefrau verlassen und betrogen wurde. Über diesen Verlust ist er noch lange nicht hinweg – aber dieser Konflikt ist nur ein Nebenschauplatz dieser Story.
Courtine, ein ausgemachter Akademiker mit hohem Moral- und Ehrenkodex und mindestens genauso verkopft und steif, will den Besuch bei dem alten Freund auch dazu nutzen, in der alten Dom-Bibliothek nach einem Beweis für eine seiner historischen Theorien zu suchen, die ihm zum Durchbruch auf diesem Gebiet verhelfen könnte.
Schnell merkt er, dass der alte Freund nicht mehr der ist, den er einmal gekannt und gemocht hat. Dieser benimmt sich außerordentlich wechselhaft und irritierend. Es kommt häufiger im Verlaufe des Besuchs zu Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten.
Während Courtine gerade versucht ein historisches Verbrechen aufzuklären, kommt es gleichzeitig aktuell zum Auffinden eines eingemauerten Toten in der Kathedrale des Ortes sowie zu einem spektakulären Mord. Courtine selbst wird darin verwickelt und kann – leider nicht ausreichend – etwas zur Aufklärung beitragen.
Soviel zum Inhalt, um nicht allzu viel vorwegzunehmen.
Meine Meinung:
Sicherlich macht es Sinn einen historischen Roman auch in historischer Sprache und Tradition zu schreiben. Doch fand ich dies bei diesem Buch durchaus übertrieben und der Spannung sehr abträglich. Leider ist der Tonfall durchweg außerordentlich steif und geschwollen. Vor allem zu Beginn des Buches gibt es seitenlange Einführungen in einen historischen Konflikt um einen König Alfred und andere Gestalten. Mir persönlich fiel es schwer mir alle Namen und Geschehnisse zu merken und auch das Personenregister im Anhang half mir oft nicht sehr viel weiter.
Schwierig vor allem deshalb, weil hier weit zurückliegende Geschichte, nähere Geschichte und aktuelles Geschehen immer wieder wechselnd erzählt werden.
Daneben fand ich die historisch-akademisch gehaltenen Einschübe schlicht ziemlich langweilig. Schnell fing ich an, diese zu überlesen bzw. zu überblättern, was sonst eigentlich nicht meine Art ist.
Unglaubwürdig fand ich, dass zwei alte Freunde, die sich so lange nicht gesehen haben, sogleich in akademische Gespräche verfallen, anstatt erst einmal ein persönliches Gespräch zu führen.
Leider hatte ich den Eindruck, dass hier ein Professor direkt vom Lehrstuhl aus ein Buch geschrieben hat, der wenig Bezüge zum tatsächlichen Leben hat.
Ich fand den Roman mäßig spannend, eigentlich erst zum Ende hin (die letzten 150 Seiten) beginnt er ein wenig fesselnd zu werden. Trotzdem ist letztlich auch die Aufklärung so schlicht und berichtsmäßig abgehandelt, dass auch hier der wirkliche Spannungs-Kick fehlt.
Atmosphärisch ist der Roman relativ gut, aber auch nicht überwältigend.
Fazit:
Ein Buch, dass wohl mehr für studierte Historiker oder sonst wie besonders daran interessierte geeignet ist. Nichts einfach mal so zum Schmökern, denn dazu muss man sich zu sehr konzentrieren, um nicht den Durchblick zu verlieren. Nicht gerade mitreißend und durch den steifen und geschwollenen Stil mitunter langweilig.
Bewertung:
Liegt im mittleren Bereich. Ich kann das Buch nicht so recht empfehlen, denn ich würde es jetzt nicht wieder kaufen, nachdem ich es kenne. Trotzdem mag es für o. g. interessant und lesenswert sein.
Gibt es mittlerweile als Taschenbuch von Knaur für 9,90 Euro, ISDN-Nr. 3426619954.
Tipp: Wer Pallisers ersten Roman „Qunicunx“ noch nicht kennt, sollte sich viel lieber diesen besorgen!
1993 kam der historische Kriminal-Thriller „Quincunx“ erstmals als Taschenbuch in Deutschland auf den Büchermarkt. Das 1000-Seitenwerk bekam ich damals durch Zufall geschenkt, nahm es mit in den Urlaub und versank darin. Es war ein wirklich überaus gutes fantastisch und gut nachvollziehbar aufgemachtes Buch, welches das London des 19. Jahrhunderts spannend in einer gekonnten Story beleuchtete.
Geschrieben wurde das Buch von dem 1947 geborenen Engländer Charles Palliser, Literaturdozent u.a. in USA und London.
So war ich kürzlich außerordentlich erfreut bei meinem Quartals-Besuch im Bücher-Club ein weiteres Buch des Autors „Charles Palliser“ zu entdecken, denn im Laufe der Jahre hatte ich immer mal wieder danach Ausschau gehalten, aber bislang nichts davon mitbekommen. Der neue Roman von Palliser „Die schwarze Kathedrale“, die ich als schöne gebundene Ausgabe im Buch-Club zu einem herabgesetzten Preis fand, ist mit ca. 450 Seiten nicht ganz so wortgewaltig wie das „Quincunx“, es handelt sich aber ebenfalls um einen historischen Roman, der in altenglischer Tradition geschrieben ist. Auf dem Klappentext findet man z. B. Vergleiche mit Charles Dickens. In Deutschland erschien das Buch bereits im Jahr 2000.
Voller Neugier und Vorfreude machte ich mich dann vor ein paar Tagen an das Buch. Wer ein so gewaltiges Buch wie Quincunx – immerhin ein internationaler Bestseller, der es dem Literaturprofessor Palliser nach Erscheinen ermöglichte seinen Lehrstuhl an den Nagel zu hängen und ausschließlich zu schreiben – so genial schreiben kann, dachte ich, der wird auch jetzt wieder ein spannendes und lesbares Buch geschrieben haben.
Leider: weit gefehlt. Wenngleich ich auch nicht sagen kann, dass „die schwarze Kathedrale“ ein überhaupt nicht lesenswertes oder todlangweiliges Buch ist, bleibt es doch weit hinter seinem Erstlingswerk zurück – leider.
Zum Inhalt:
Ende des 19. Jahrhunderts macht sich der Historiker Courtine in den Weihnachtsferien auf den Weg in die englische Kleinstadt Thurchester, um einen alten Jugend- und Studienfreund zu besuchen. Diesen hat er seit 20 Jahren nicht mehr gesehen und gleich zu Beginn wird angedeutet, dass der Freund Austin ihn ehemals in irgendeiner Art betrogen hat. Später wird deutlich, dass er mit dafür verantwortlich war, dass Courtine von seiner geliebten Ehefrau verlassen und betrogen wurde. Über diesen Verlust ist er noch lange nicht hinweg – aber dieser Konflikt ist nur ein Nebenschauplatz dieser Story.
Courtine, ein ausgemachter Akademiker mit hohem Moral- und Ehrenkodex und mindestens genauso verkopft und steif, will den Besuch bei dem alten Freund auch dazu nutzen, in der alten Dom-Bibliothek nach einem Beweis für eine seiner historischen Theorien zu suchen, die ihm zum Durchbruch auf diesem Gebiet verhelfen könnte.
Schnell merkt er, dass der alte Freund nicht mehr der ist, den er einmal gekannt und gemocht hat. Dieser benimmt sich außerordentlich wechselhaft und irritierend. Es kommt häufiger im Verlaufe des Besuchs zu Streitigkeiten und Meinungsverschiedenheiten.
Während Courtine gerade versucht ein historisches Verbrechen aufzuklären, kommt es gleichzeitig aktuell zum Auffinden eines eingemauerten Toten in der Kathedrale des Ortes sowie zu einem spektakulären Mord. Courtine selbst wird darin verwickelt und kann – leider nicht ausreichend – etwas zur Aufklärung beitragen.
Soviel zum Inhalt, um nicht allzu viel vorwegzunehmen.
Meine Meinung:
Sicherlich macht es Sinn einen historischen Roman auch in historischer Sprache und Tradition zu schreiben. Doch fand ich dies bei diesem Buch durchaus übertrieben und der Spannung sehr abträglich. Leider ist der Tonfall durchweg außerordentlich steif und geschwollen. Vor allem zu Beginn des Buches gibt es seitenlange Einführungen in einen historischen Konflikt um einen König Alfred und andere Gestalten. Mir persönlich fiel es schwer mir alle Namen und Geschehnisse zu merken und auch das Personenregister im Anhang half mir oft nicht sehr viel weiter.
Schwierig vor allem deshalb, weil hier weit zurückliegende Geschichte, nähere Geschichte und aktuelles Geschehen immer wieder wechselnd erzählt werden.
Daneben fand ich die historisch-akademisch gehaltenen Einschübe schlicht ziemlich langweilig. Schnell fing ich an, diese zu überlesen bzw. zu überblättern, was sonst eigentlich nicht meine Art ist.
Unglaubwürdig fand ich, dass zwei alte Freunde, die sich so lange nicht gesehen haben, sogleich in akademische Gespräche verfallen, anstatt erst einmal ein persönliches Gespräch zu führen.
Leider hatte ich den Eindruck, dass hier ein Professor direkt vom Lehrstuhl aus ein Buch geschrieben hat, der wenig Bezüge zum tatsächlichen Leben hat.
Ich fand den Roman mäßig spannend, eigentlich erst zum Ende hin (die letzten 150 Seiten) beginnt er ein wenig fesselnd zu werden. Trotzdem ist letztlich auch die Aufklärung so schlicht und berichtsmäßig abgehandelt, dass auch hier der wirkliche Spannungs-Kick fehlt.
Atmosphärisch ist der Roman relativ gut, aber auch nicht überwältigend.
Fazit:
Ein Buch, dass wohl mehr für studierte Historiker oder sonst wie besonders daran interessierte geeignet ist. Nichts einfach mal so zum Schmökern, denn dazu muss man sich zu sehr konzentrieren, um nicht den Durchblick zu verlieren. Nicht gerade mitreißend und durch den steifen und geschwollenen Stil mitunter langweilig.
Bewertung:
Liegt im mittleren Bereich. Ich kann das Buch nicht so recht empfehlen, denn ich würde es jetzt nicht wieder kaufen, nachdem ich es kenne. Trotzdem mag es für o. g. interessant und lesenswert sein.
Gibt es mittlerweile als Taschenbuch von Knaur für 9,90 Euro, ISDN-Nr. 3426619954.
Tipp: Wer Pallisers ersten Roman „Qunicunx“ noch nicht kennt, sollte sich viel lieber diesen besorgen!
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