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Erfahrungsbericht von Josef_D

So doll parke ich auch nicht....

Pro:

interessante Herleitung des unterschiedlichen Rollenverhaltens

Kontra:

Inhalt ist lediglich ein Denkanstoss

Empfehlung:

Nein

... genau genommen habe ich es sogar ganz gerne, wenn meine Freundin mein Auto rückwärts in eine enge Parklücke setzt. Weil sie das besser kann. Womit die These – gleichzeitig Buchtitel – daß Männer schlecht zuhören und Frauen schlecht einparken zumindest zu 50 % widerlegt ist.

Nun, so ganz bierernst will das Buch, geschrieben von Allan und Barbara Pease wohl auch nicht genommen werden. Aber der Titel macht schon neugierig. Aus den verschiedensten Gründen reizt dieses Buch in die Hand genommen zu werden. Was denn, ich soll schlecht zuhören, wie bitte ich und schlecht einparken. Oder, aha endlich mal jemand der den Männern mal sagt wie sie wirklich sind.

Mit welcher Intention auch immer Ihr dieses Buch lest oder lesen wollt, fest steht, daß die Unfähigkeiten und Mängel von Männlein und Weiblein auf sehr unterhaltsame Weise behandelt werden. Es wird der wagemutige Versuch unternommen, die männlichen und weiblichen Verhaltensmuster aus grauer Vorzeit abzuleiten. Männer waren Jäger und Sammler, Frauen diejenigen die sich um die Kinder und die Wohnstätte kümmerten. Demzufolge, so leiten die Autoren ab, war für Männer Orientierungssinn von hoher Bedeutung. Für Frauen hingegen war das Sozialverhalten wichtiger, auf den Mann wenn er Abends von der Jagd kam zu reagieren, seine Stimmung zu erkennen. Diese Urinstinkte transferieren die Pease auf die heutige Zeit, prägen Begriffe wie männliche und weibliche Gehirne.

Das männliche Gehirn arbeitet präzise, er erkennt technische Zusammenhänge einfacher, reagiert schneller. Demzufolge arbeitet der Mann als Techniker, Ingenieur, Pilot usw. Die Frau ist mehr auf der sozialen Ebene angesiedelt. Krankenschwester, Lehrerin, Betreuerin, allesamt Berufe wo es darauf ankommt in jemanden hinzublicken.

Obwohl man(n) geneigt ist, dieser Aufteilung Glauben zu schenken, muß man diese These doch schnellstens entkräftigen. Und das tun Allan und Barbara Pease auch in ihrem Buch. Nicht jeder Mann hat ein typisch männliches Gehirn und nicht jede Frau ist typisch feminin veranlagt. Es gibt viele mögliche Ausnahmen. Da wird der männliche Homosexuelle als Paradebeispiel für ein typisch weibliches Gehirn herangezogen, mit vielen positive weiblichen Eigenschaften, beispielsweise gut zuhören zu können. Oder die Frau in der Führungsrolle, die ohne männliche Eigenschaften nicht dorthin gelangen konnte, ja gar nicht wollte, weil typische Fraueneigenschaften ihr ein anderes Ziel setzen.

Meine Meinung zu diesem Buch ist folgende. Das Buch erklärt plausibel die Unterschiede im männlichen und weiblichen Verhalten. Man ist schnell geneigt, die bessere Orientierung eines Mannes auf seine Instinkte zurückzuführen und die Fähigkeit einer Frau gut zuzuhören auf evolutionäre Gründe. Aber ist das tatsächlich so? Was ist mit den vielen Ausnahmen. Naturvölker, in denen die Frauen die „Hosen“ anhaben. Technisch versierte Frauen, Männer die gut zuhören können, Psychiater, Psychoanalytiker.

Wer sagt uns denn, daß nur der Mann in grauer Vorzeit gejagt und gesammelt hat? Ist da nicht bereits ein gehöriger Anteil etablierten Rollendenkens enthalten.

Ich stelle das Buch nicht grundsätzlich in Frage, nur sollte man die Ausführungen der Autoren als Denkanstösse betrachten und nicht als Dogmen. Es ist unterhaltsam, liest sich flüssig. Es gibt Tipps, wie Männer und Frauen besser miteinander zurechtkommen. Für dieses sehr lobenswerte Ansinnen gebe ich die Note Zwei.

Warum Männer nicht zuhören und Frauen schlecht einparken
Allan & Barbara Pease
396 Seiten
Ullstein, ISBN 3548359698, Preis (Taschenbuch amazon.de ) 8,95 €


Viel Spaß beim Lesen

© 15.09.2002, Josef_D

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