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Erfahrungsbericht von Psycho2081

Ion von Platon

Pro:

interessante Gedankengäge, eine sehr schöne Sprache, Es ist sehr belustigend zu lesen, wie Sokrates Ion dessen Unwissenheit vorführt.

Kontra:

Muss denn hier immer etwas stehen?

Empfehlung:

Nein

Einleitung

Der Dialog Ion gehört zu den frühen Dialogen Platons. Wie in jedem Dialog Platons ist Sokrates die Hauptrolle. Nähere Informationen zu diesen beiden historischen Personen befinden sich im Anhang.

Ion - der Inhalt

Der Rhapsode (eine alte griechische Berufsgruppe, die Gedichte vortrug und diskutierte) Ion trifft durch zufall Sokrates. Der Philosoph fragt seinen Freund, wo er gerade herkommt. Dieser antwortet ihm, dass er von einem Wettkampf käme, bei dem er gewonnen hätte, weil er der beste Rhapsode bezüglich Homeros ist.

Sokrates fragt Ion, ob dieser sich auch bei Hesidos und Archilochos gut auskenne. Dies verneint dieser, da Homeros, seiner Meinung nach, der beste Dichter ist. Nun fragt der Philosoph nach, ob Homeros und Hesiodos nicht teilweise das gleiche berichten. Auch dies kann Ion bestättigen.

Der Athener Sokrates möchte von dem Ephesoser Ion wissen, wer entscheidet, wer der beste Rhapsode ist und welcher der schlechteste, ob sich dieser besonders gut auf dem Gebiet auskennen muss. Aus diesem Kontext heraus ist evident, dass dieser auf diesem Gebiet besonders gut sein muss.

Nun stellt Sokrates die Behauptung auf, dass Ion kein guter Rhapsode ist, da er sich nur bei Homeros gut auskenne. Hiergegen wehrt sich der Ephesoser heftig. Der Philosoph zeigt ihm an Hand von Beispielen, dass Ion Homer nicht bewerten kann, weil er sich bei Dichtung nicht auskennt.

Als Beispiel führt Sokrates einen Kunstkenner an, der ein Opus eines Malers bewerten soll. Dies kann er selbstverständlich nur dann, wenn er auf dem Gebiet kompetent ist, was er nur dann ist, wenn er auch andere Künstler dieser Disziplin kennt.

Sokrates glaubt, dass auch die Dichter ihre Werke nicht selbst \"erfinden\" sondern ihre Werke entwickeln, indem sie ein Gott führt. Hierbei handeln sie in Trance, einem Zustand bei dem man nicht bewusst handelt. Er denkt, dass diese göttliche Kraft eine ähnliche Wirkung hat, wie Magnetismus auf Eisenringe.

Hieraus folgert der athener Philosoph, dass Dichter die Verkünder der Götter sind, in weiterer Folge sind die Rhapsoden die Verkünder der Dichter (im weiteren Sinne der Götter selbst).

Ion kann bestättigen, dass er wenn er Gedichte vorträgt nicht bewusst handelt, sondern die Gefühle, wie bei einem Traum miterlebt. Er bemerkt, dass ihm aufgefallen ist, dass er die Emotionen an die Zuhörer weiter gibt. Auf Grund dieser Beobachtungen schließt er sich der Meinung Sokrates an. Allerdings nur, dass die Wirkung des Gedichtes göttliche Kraft hat, nicht dass er nicht der beste auf dem Gebiet wäre.

Hierin sieht Sokrates eine Bestättigung seiner Theorie, weil er meint, dass Ion so sehr von dieser göttlichen Kraft besessen wird, dass es ihm nicht bewusst wird und er nicht dazu fähig ist an andere Dichter zu denken. Der Rhapsode wehrt sich hiergegen.

Der athener Philosoph versucht ihm nun zu zeigen, dass er sich bei den Gedichten Homeros bei weitem nicht so gut auskennt, wie er denkt. Dies zeigt er ihm an Hand von Beispielen, in denen er ihnen zeigt, dass er sich nicht auf allen in dem Text behandelten Gebieten (wie zum Beispiel Pferdewägen oder Kriegsführung) auskennt.

Ion räumt Sokrates ein, dass er sich nicht in allen erwähnten Disziplinen auskennt. Er glaubt allerdings, dass Kriegsführung hierfür ein schlechtes Beispiel sei, da er Kriegsführung durch Homeros gelernt hätte.

Der Philosoph fragt ihn nun, ob dies hieße dass Rhapsoden gleiche gute Kriegsführer wären, wie Kriegsführer und diese dafür gleich gut bei Lyrik wären, wie Rhapsoden. Dies sieht Ion nicht so. Er glaubt, dass nur die Rhapsoden beides beherrschen würden.

Sokrates fragt ihn nun, ob er meine der beste Kriegsführer zu sein, da er ja auch der beste Rhapsode sei. Dies bestättigt ihm dieser. Nun ist der Philosoph verwundert, warum dieser nicht Kriegsführer in Athen ist. Darauf antwortet ihm dieser, dass es viel schöner sei für einen Gottesbegeisterten gehalten zu werden als ein Kriegsführer zu sein.


Ion - die Kritik

Der Dialog ist typisch platonischer Tradition geschrieben. Platon hält sich bei der Diskussionstechnik an die von Sokrates praktizierte. Wesentlich bei dieser, ist dass Sokrates zuerst versucht seinem Gegenüber seine Unwissenheit zu demonstrieren und anschliessend mittels Fragen zu einer Theorie zu kommen. Wie die meißten platonischen Dialoge endet auch dieser in keiner von beiden anerkannten Theorie sondern mit Argumenten.

Sprachlich ist der Dialog sehr poetisch geschrieben. Ich bin der Ansicht, dass Cicero (ein Römer, der nach Platon lebte) nicht umsonst sagte, dass wenn die Götter griechisch Sprechen würden, dass sie sich der Sprache Platons bedienen würden. Dadurch dass er in Dialogen schreibt, ist seine Philosophie sehr lebendig und gut nachvollziehbar.

Ich empfand es beim Lesen sehr interessant, dass Sokrates behauptet, dass die Gedichte nicht \"bewusst\" entstehen würden. Dies deckt sich mit Erkenntnissen der Tiefenpsychologie. Unter anderem behaupten sowohl Sigmund Freud als auch Alice Miller(die sich nur auf wenigen Gebieten einig waren), dass \"Geschichten, jeder Gattung\" nicht im Bewussten, sondern im Vorbewussten entstehen, das vom Unbewussten gespeist wird.

Mir ist klar, dass Sokrates annahm, dass Götter und nicht das Unbewusste die Quelle für die Gedichte wären, allerdings bin ich mir nicht sicher, ob man beide so leicht von einander trennen kann, oder ob es nicht nur eine mystifizierte Ausdrucksweise ist ... Aber ich glaube, diesen Gedanken weiter zu Verfolgen würde einen den Rahmen eines Erfahrungsbericht zu Ion von Platon bei weitem sprengen.


Anhang

Wie versprochen möchte ich noch Sokrates und Platon vorstellen. Da ich dies bereits in meinem Bericht Phaidon von Platon tat, werde ich die relevanten Stellen zitieren (und unter Anführungszeichen setzen).


Platon

Er wurde 427 vor Christus als Sohn des Ariston und der Periktione geboren. Es ist umstritten, ob er in Athen im Demos Kollytos oder auf der Insel Ägina, auf der sein Vater bei einer Landverteilung an Kolonisten ein Grundstück erhalten hatten, entbunden wurde. Die Familie Platons gehörte zu den vornehmsten des Landes.

Platon genoss eine umfangreiche Ausbildung (Grammatik, Musik, Malerei und Gymnastik). In seinen jungen Jahren gewann er den Preis im Ringen bei den isthmischen Spielen. Damals soll er Epen und Tragödien geschrieben haben, die heute nicht mehr erhalten sind.

Mit zirka 20 lernte er Sokrates kennen. Er wurde schon davor von Kratylos, einem Anhänger des Heraklit in die Philosophie eingeführt. Nach dem Tot Platons Meister Sokrates hat eine philosophische Schule in Athen gegründet, die den Nahmen Akademie trug. Platon starb 347 vor Christus.

Die Texte Platons, die meistens als Dialoge geschrieben sind, haben als Zentrales Thema Sokrates und seine Lehren. Allerdings geht die moderne Philosophie davon aus, dass Platon teilweise Sokrates seine Worte in den Mund legt ...


Sokrates

(Fast) alles was man heute über Sokrates weiß, weiß man von Xenophon und Platon, wobei es starke Differenzen zwischen den Angaben der beiden gibt (Sokrates hinterlies nichts schriftliches). Der erstere schrieb, wahrscheinlich die Biographie ziemlich genau, verstand allerdings die philosophischen Aussagen Sokrates nicht so gut wie Platon.

Sokrates wurde 469 vor Christus als Sohn des Bildhauers Sophroniskos und der Hebamme Phänarete geboren. Er erlernte den Beruf seines Vaters und soll die drei bekleideten Chariten auf der Akropolis in Athen angefertigt haben.

Der Beruf seiner Mutter übte starken Einfluss auf seine Philosophie aus. Sokrates geht davon aus, dass man seinem Gesprächspartner zeigen muss, dass er nichts weiß und danach ihm helfen muss selbst zur Erkenntnis der Wahrheit zu kommen. Er selbst sagte, dass er weiß, dass er nichts weiß.

Seine Frau war Xanthippe, deren Bösartigkeit sprichwörtlich wurde. Sokrates soll einmal auf die Frage warum er sie geheiratet hatte geantwortet haben, wenn man ein Pferdehändler ist und Pferde kennen lernen will ist es gut, sich das schlimmste Pferd auszusuchen; er möchte etwas über die Menschen lernen. Heute gehen einige Forscher davon aus, dass sein Haussegen deswegen schief hing, weil er sich zu wenig um seine Familie kümmerte ...

Sokrates war der erste Philosoph, der sein Gewissen entdeckte, dass er Dämion nannte. Er lehrte davon auf den Märkten, wobei ihm hauptsächlich junge Athener lauschten. Viele Menschen damals dachten, dass Sokrates die Jugend mit seinem „neuen Gott“ verderben würde (es stimmt, dass Sokrates Monotheist war allerdings war sein Gott nicht Dämion). Aus diesem Grund wurde er verklagt.

Das Sokrates sich nicht bemühte frei gesprochen zu werden, wurde er mit knapper Mehrheit schuldig gesprochen und musste den Schierlingsbecher (dies ist eine alte Form der Todesstrafe) trinken. Sokrates hätte flüchten können, tat dies aber aus Überzeugung nicht (da er meinte, sich dem Gesetz beugen zu müssen).

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