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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von dreamweb
Sehr spannendes Buch um das Cyborg-Thema (Marge Piercy - Er, Sie und Es)
Pro:
spannend, interessantes Thema
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
ER, SIE UND ES ist ein Roman, der mich sehr fasziniert hat und der trotz des seltsamen Namens das interessante Thema von Cyborg und Leben behandelt. Hier mein Beitrag über das Buch von Marge Piercy.
INHALT
Die Zukunft. Alles hat sich zu heute verändert. Die Menschen leben entweder in Städten, die großen Konzernen gehören oder in sogenannten freien Städten, die sich aber oft gegen Angriffe der Konzerne behaupten müssen. Die großen Konzerne beherrschen die gesamte Welt. Shira, eine hochintelligente junge Frau, die sich auch mit der Cyborgtechnologie beschäftigt, wurde vor Jahren von einem der großen Konzerne angeworben. Wie dort üblich, heiratete sie auch einen Mann. Während Shira aus einer Welt kommt, in der die Frauen gleichberechtigt gegenüber den Männern sind, ist man in diesem Konzern zum einen sehr konservativ, zum anderen haben die Männer hier ein paar Rechte mehr als die Frauen.
Das bemerkt Shira, als es in der Ehe kriselt. Der Konzern beschließt, ihren Jungen dem Ehemann zu überlassen. Und so muss Shira um das Sorgerecht ihres Kindes kämpfen, obwohl sie weiß, dass sie keine großen Chancen hat. Da bekommt sie aus ihrer Heimat ein Arbeitsangebot. Sie verläßt den Konzern und geht zurück in ihre Heimat, eine der wenigen freien Städte. Dort trifft sie auch ihre Großmutter wieder, bei der sie als Kind aufgewachsen ist.
Shiras Großmutter Malkah ist eine ungewöhnliche Frau. Sie beschäftigt sich mit einem Cyborg. Obwohl es streng verboten ist, hat Shiras neuer Arbeitgeber, Avram, einen Cyborg geschaffen. Es ist durchaus üblich, dass Roboter in dieser Zeit denken können und in gewissem Maße auch intelligent sind. Allerdings darf nach Problemen kein Cyborg, also ein menschenähnlicher Roboter mit menschlichen Gefühlen geschaffen werden. Trotzdem hat Avran diesen Cyborg, der sich Jod nennt, erschaffen. Und wegen Jod wurde auch Shira zu Hilfe gerufen.
Den Jod ist dafür da, um für die freie Stadt gegen ihre Feinde zu kämpfen. Und Shira soll Jod die Fähigkeiten beibringen, die ihn noch unauffälliger und menschlicher machen. Denn Jod ist zwar intelligent und weiß, was gut und böse ist. Aber er hat beispielsweise nicht die Fähigkeit, sich zu verstellen oder die Besonderheiten des Lebens zu erkennen. Wenn er einem Menschen begegnen würde, dann wäre er direkt durch sein Verhalten entdeckt. Und das muss auf alle Fälle vermieden werden.
Anfangs steht Shira Jod sehr mißtrauisch und negativ entgegen, dieses ändert sich aber im Laufe der Zusammenarbeit und Shira lernt auch Jods besondere und gute Fähigkeiten kennen. Sie bemerkt seine Gefühle, die durchaus menschlich sind. Und während Shira offiziell mit Jod arbeitet, beschäftigt sich auch Malkah (nicht ganz so offiziell) mit Jod.
Sie erzählt dem Cyborg eine Geschichte aus dem 16. Jahrhundert. Es geht um eine alte Legende, in der Rabbi Loew einen Golem schuf, um das Ghetto vor Pogogromen zu schützen. Und auch dieser Golem fühlte sich durchaus lebendig, auch wenn er nur aus Erde geschaffen war. Aber wie eben damals das Ghetto seinen Beschützer brauchte, so ist auch die freie Stadt Tikva auf einen Beschützer angewiesen. Denn die mächtigen Konzerne würden sich diese Stadt nur allzu gerne unter den Nagel reißen....
MEINUNG
Der Roman Er, Sie und Es ist ein außergewöhnlich und ungewöhnlich geschriebener Roman über das Cyborg-Thema. Zum einen gibt es ähnliche Aspekte wie auch in Bladerunner. Denn der denkende Cyborg ist sich selbst bewußt und fühlt sich wie ein Mensch. Er denkt, empfindet Schmerz und hält sich in keiner Weise schlechter als die Menschen. Auf der anderen Seite ist Jod hier noch unvollkommen wie ein Kind, jedenfalls am Anfang des Romans. Er zeigt kindliche Neugierde und eine unwahrscheinliche Offenheit.
Auf der anderen Seite sieht man aber auch schon anhand des Golem Themas und an seiner Geschichte wie die Menschen die Cyborgs sehen. Für die meisten ist er eben ein Kunstwesen ohne Rechte. Geschaffen nur als Mittel zum Zweck. Bzw. hier genau zum Zwecke der Verteidigung.
Neben dem Cyborg-Thema ist aber auch die gesamte Umwelt hier sehr interessant geschildert. So existieren nur noch wenige Tier- und Pflanzenarten. Alles ist verseucht und das Ozonloch hat das meiste Leben auf der Erde zerstört. Menschen könenn beispielsweise nur noch mit Schutzanzügen (hier Schutzhäute genannt) Mutter Natur und die paar überlebenden Tiere erleben. Oder eben auch mit Spezialanzügen schwimmen gehen.
Auch der Aspekt der Konzernbeherrschung ist sehr gut und interessant geschrieben. Man muss sich hier nur vorstellen, dass Berlin oder ganz Deutschland einem Konzern gehören würde und der dann das Leben aller Menschen hier bestimmt. Analog geht es in diesem Roman zu. Und die paar Städte, die noch keinem Konzern gehören, also freie Städte sind, möchten die großen Konzerne auch schlucken, um noch größer und mächtiger zu werden.
Ungewöhnlich und sehr informativ ist aber auch der Golem Teil. Es ist eine jüdische Legende, die ich bisher auch noch gar nicht kannte. Sie wird aber dem Leser so nah gebracht, dass man als Nichtjuda da keine Probleme mit hat. Zudem ist auch die freie Stadt Tikva - wie ich aus dem Buch entnehme - hier jüdisch, so dass man im Buch auch viel von jüdischen Bräuchen erfährt.
Die Kombination zwischen den zwei unterschiedlichen Szenen, also der Golem-Geschichte und der Zukunftsgeschichte, ist hier sehr gelungen. Denn sie werden beide immer in einem guten logischen Zusammenhang eingeknüpft und man kann hier sehr gut von der einen zur anderen Geschichte umschwenken ohne sich irgendwie zu verlieren. Denn irgendwie scheint die Golem Geschichte sehr bestimmtend auch für Jods \"Lebensweg\" zu sein.
Das Buch geht nicht nur kritisch mit der Frage \"Was ist Leben und kann etwas künstlich erschaffenes auch Leben?\" Es behandelt hier auch eine durchaus auch sexuelle Beziehung zwischen einer Frau und einem Cyborg. Zudem ist dieser Cyborg durchaus auch weiblich beeinflußt, denn Jods menschliche Besonderheiten, bekam er beispielsweise von Malkah einprogrammiert. Und vor dieser Änderung drehten alle Vorgängermodelle nach kurzer Zeit durch und töteten dabei Menschen.
Frauen spielen in diesem Roman eine sehr große Rolle, auch wenn es einige sehr beeindruckende männliche Persönlichkeiten gibt. Trotzdem sind Shira, ihre Großmutter Malkah sowie Shiras geheimnisvolle Mutter hier neben Jod die Hauptpersonen, um die es geht.
Insgesamt ist der Roman sehr spannend, sowhl die Golem Geschichte ist spannend, interessant und gut als auch die Hauptgeschichte. Mich selbst hat der Cyborg Jod nicht nur fasziniert sondern auch beeindruckt. Und wer Künstliche Intelligenz mag oder Bladerunner, der wird wohl an dieser Geschichte ebenfalls wie ich viel Freude haben. Das Ende ist nicht so, wie ich es gerne hätte, aber das ist bei den anderen beiden Beispielen, die ich hier zum Thema genannt habe, auch nicht der Fall.
AUTORIN
Marge Piercy
In den USA ist Marge Piercy eine der erfolgreichsten und bestverkaufenden Romanautorinnen, jede ihrer Neuerscheinungen füllt wochenlang die Bestsellerlisten von Doubleday. So präsent sind Marge Piercys Werke im deutschsprachigen Raum zwar nicht, aber gerade ihre historischen und Zukunftsromane haben auch hierzulande klaren literarischen Kultstatus. 1993 erhielt Marge Piercy den Arthur-C.-Clarke-Award für ihren Roman Er, Sie und Es.
DATEN
Titel: Er, Sie und Es
Autorin: Marge Piercy
Art: Utopischer Roman, Taschenbuch
Seiten: 518
ISBN-Nr. 3-88619-936-3
Preis: DM 24,80
FAZIT
Ein sehr guter, wenn auch ungewöhnlich geschriebener Utopischer Roman, in dem es zum einen um eine alte jüdische Legende geht. Zum anderen wird aber auch das Cyborg-Thema sehr gut und interessant behandelt.
Liebe Grüße - Miara
INHALT
Die Zukunft. Alles hat sich zu heute verändert. Die Menschen leben entweder in Städten, die großen Konzernen gehören oder in sogenannten freien Städten, die sich aber oft gegen Angriffe der Konzerne behaupten müssen. Die großen Konzerne beherrschen die gesamte Welt. Shira, eine hochintelligente junge Frau, die sich auch mit der Cyborgtechnologie beschäftigt, wurde vor Jahren von einem der großen Konzerne angeworben. Wie dort üblich, heiratete sie auch einen Mann. Während Shira aus einer Welt kommt, in der die Frauen gleichberechtigt gegenüber den Männern sind, ist man in diesem Konzern zum einen sehr konservativ, zum anderen haben die Männer hier ein paar Rechte mehr als die Frauen.
Das bemerkt Shira, als es in der Ehe kriselt. Der Konzern beschließt, ihren Jungen dem Ehemann zu überlassen. Und so muss Shira um das Sorgerecht ihres Kindes kämpfen, obwohl sie weiß, dass sie keine großen Chancen hat. Da bekommt sie aus ihrer Heimat ein Arbeitsangebot. Sie verläßt den Konzern und geht zurück in ihre Heimat, eine der wenigen freien Städte. Dort trifft sie auch ihre Großmutter wieder, bei der sie als Kind aufgewachsen ist.
Shiras Großmutter Malkah ist eine ungewöhnliche Frau. Sie beschäftigt sich mit einem Cyborg. Obwohl es streng verboten ist, hat Shiras neuer Arbeitgeber, Avram, einen Cyborg geschaffen. Es ist durchaus üblich, dass Roboter in dieser Zeit denken können und in gewissem Maße auch intelligent sind. Allerdings darf nach Problemen kein Cyborg, also ein menschenähnlicher Roboter mit menschlichen Gefühlen geschaffen werden. Trotzdem hat Avran diesen Cyborg, der sich Jod nennt, erschaffen. Und wegen Jod wurde auch Shira zu Hilfe gerufen.
Den Jod ist dafür da, um für die freie Stadt gegen ihre Feinde zu kämpfen. Und Shira soll Jod die Fähigkeiten beibringen, die ihn noch unauffälliger und menschlicher machen. Denn Jod ist zwar intelligent und weiß, was gut und böse ist. Aber er hat beispielsweise nicht die Fähigkeit, sich zu verstellen oder die Besonderheiten des Lebens zu erkennen. Wenn er einem Menschen begegnen würde, dann wäre er direkt durch sein Verhalten entdeckt. Und das muss auf alle Fälle vermieden werden.
Anfangs steht Shira Jod sehr mißtrauisch und negativ entgegen, dieses ändert sich aber im Laufe der Zusammenarbeit und Shira lernt auch Jods besondere und gute Fähigkeiten kennen. Sie bemerkt seine Gefühle, die durchaus menschlich sind. Und während Shira offiziell mit Jod arbeitet, beschäftigt sich auch Malkah (nicht ganz so offiziell) mit Jod.
Sie erzählt dem Cyborg eine Geschichte aus dem 16. Jahrhundert. Es geht um eine alte Legende, in der Rabbi Loew einen Golem schuf, um das Ghetto vor Pogogromen zu schützen. Und auch dieser Golem fühlte sich durchaus lebendig, auch wenn er nur aus Erde geschaffen war. Aber wie eben damals das Ghetto seinen Beschützer brauchte, so ist auch die freie Stadt Tikva auf einen Beschützer angewiesen. Denn die mächtigen Konzerne würden sich diese Stadt nur allzu gerne unter den Nagel reißen....
MEINUNG
Der Roman Er, Sie und Es ist ein außergewöhnlich und ungewöhnlich geschriebener Roman über das Cyborg-Thema. Zum einen gibt es ähnliche Aspekte wie auch in Bladerunner. Denn der denkende Cyborg ist sich selbst bewußt und fühlt sich wie ein Mensch. Er denkt, empfindet Schmerz und hält sich in keiner Weise schlechter als die Menschen. Auf der anderen Seite ist Jod hier noch unvollkommen wie ein Kind, jedenfalls am Anfang des Romans. Er zeigt kindliche Neugierde und eine unwahrscheinliche Offenheit.
Auf der anderen Seite sieht man aber auch schon anhand des Golem Themas und an seiner Geschichte wie die Menschen die Cyborgs sehen. Für die meisten ist er eben ein Kunstwesen ohne Rechte. Geschaffen nur als Mittel zum Zweck. Bzw. hier genau zum Zwecke der Verteidigung.
Neben dem Cyborg-Thema ist aber auch die gesamte Umwelt hier sehr interessant geschildert. So existieren nur noch wenige Tier- und Pflanzenarten. Alles ist verseucht und das Ozonloch hat das meiste Leben auf der Erde zerstört. Menschen könenn beispielsweise nur noch mit Schutzanzügen (hier Schutzhäute genannt) Mutter Natur und die paar überlebenden Tiere erleben. Oder eben auch mit Spezialanzügen schwimmen gehen.
Auch der Aspekt der Konzernbeherrschung ist sehr gut und interessant geschrieben. Man muss sich hier nur vorstellen, dass Berlin oder ganz Deutschland einem Konzern gehören würde und der dann das Leben aller Menschen hier bestimmt. Analog geht es in diesem Roman zu. Und die paar Städte, die noch keinem Konzern gehören, also freie Städte sind, möchten die großen Konzerne auch schlucken, um noch größer und mächtiger zu werden.
Ungewöhnlich und sehr informativ ist aber auch der Golem Teil. Es ist eine jüdische Legende, die ich bisher auch noch gar nicht kannte. Sie wird aber dem Leser so nah gebracht, dass man als Nichtjuda da keine Probleme mit hat. Zudem ist auch die freie Stadt Tikva - wie ich aus dem Buch entnehme - hier jüdisch, so dass man im Buch auch viel von jüdischen Bräuchen erfährt.
Die Kombination zwischen den zwei unterschiedlichen Szenen, also der Golem-Geschichte und der Zukunftsgeschichte, ist hier sehr gelungen. Denn sie werden beide immer in einem guten logischen Zusammenhang eingeknüpft und man kann hier sehr gut von der einen zur anderen Geschichte umschwenken ohne sich irgendwie zu verlieren. Denn irgendwie scheint die Golem Geschichte sehr bestimmtend auch für Jods \"Lebensweg\" zu sein.
Das Buch geht nicht nur kritisch mit der Frage \"Was ist Leben und kann etwas künstlich erschaffenes auch Leben?\" Es behandelt hier auch eine durchaus auch sexuelle Beziehung zwischen einer Frau und einem Cyborg. Zudem ist dieser Cyborg durchaus auch weiblich beeinflußt, denn Jods menschliche Besonderheiten, bekam er beispielsweise von Malkah einprogrammiert. Und vor dieser Änderung drehten alle Vorgängermodelle nach kurzer Zeit durch und töteten dabei Menschen.
Frauen spielen in diesem Roman eine sehr große Rolle, auch wenn es einige sehr beeindruckende männliche Persönlichkeiten gibt. Trotzdem sind Shira, ihre Großmutter Malkah sowie Shiras geheimnisvolle Mutter hier neben Jod die Hauptpersonen, um die es geht.
Insgesamt ist der Roman sehr spannend, sowhl die Golem Geschichte ist spannend, interessant und gut als auch die Hauptgeschichte. Mich selbst hat der Cyborg Jod nicht nur fasziniert sondern auch beeindruckt. Und wer Künstliche Intelligenz mag oder Bladerunner, der wird wohl an dieser Geschichte ebenfalls wie ich viel Freude haben. Das Ende ist nicht so, wie ich es gerne hätte, aber das ist bei den anderen beiden Beispielen, die ich hier zum Thema genannt habe, auch nicht der Fall.
AUTORIN
Marge Piercy
In den USA ist Marge Piercy eine der erfolgreichsten und bestverkaufenden Romanautorinnen, jede ihrer Neuerscheinungen füllt wochenlang die Bestsellerlisten von Doubleday. So präsent sind Marge Piercys Werke im deutschsprachigen Raum zwar nicht, aber gerade ihre historischen und Zukunftsromane haben auch hierzulande klaren literarischen Kultstatus. 1993 erhielt Marge Piercy den Arthur-C.-Clarke-Award für ihren Roman Er, Sie und Es.
DATEN
Titel: Er, Sie und Es
Autorin: Marge Piercy
Art: Utopischer Roman, Taschenbuch
Seiten: 518
ISBN-Nr. 3-88619-936-3
Preis: DM 24,80
FAZIT
Ein sehr guter, wenn auch ungewöhnlich geschriebener Utopischer Roman, in dem es zum einen um eine alte jüdische Legende geht. Zum anderen wird aber auch das Cyborg-Thema sehr gut und interessant behandelt.
Liebe Grüße - Miara
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