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Erfahrungsbericht von Mhkize

Peggy Parnass: Prozesse

Pro:

Gute Beschreibung der Ereignisse in Südtirol in der jüngsten Geschichte

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Peggy Parnass

Prozesse
rororo Verlag
ISBN 3-499-19190-3

"Ich ging fast nie an einer Anklagebank vorbei zur Pressebank, ohne das Gefühl zu haben: Reiner Zufall, dass ich nicht dort sitze." Diesen Satz der Autorin habe ich bewusst an den Anfang dieser Buchbeschreibung gestellt, denn mit keiner anderen Formulierung könnten man den Inhalt dessen beschreiben, über was dieses Buch berichtet.
Peggy Parnass hat als Gerichtsreporterin gearbeitet und hat sich nicht gescheut alle Umstände aufzuzeigen, wie Gerichtsurteile zustande kommen. Sie hat anhand verschiedener Fällen aufgezeigt, dass:
es Kungelschaften zum Beispiel zwischen Richtern und Polizisten gibt;
Personen für schuldig befunden wurden, nur um Beamten zu schützen;
Absprachen zwischen Richtern, Staatsanwälte und Rechtsanwälte gibt, um zu einem für die Öffentlichkeit genehmes Urteil zu kommen;
wie sich Polizisten gegenseitig helfen, um eigene Straftaten zu decken;
die meisten Erpressungen in den Gerichtsälen vorkommen.
usw....
Insgesamt ein sehr interessantes Buch, das flüssig zu lesen und spannender als jeder Kriminalroman ist.
Jeder Leser dieses Buches wird Fernsehsendungen, wie "Richterin Babara Salesch", Streit um Drei", "Ehen vor Gericht", usw. mit anderen Augen sehen und manche dieser Sendungen könnten dann ein kurzes Leben haben.
Zurecht erhielt diese Autorin 1979 den "Josef-Drexel-Preis" für hervorragende Leistung im Journalismus und 1980 den "Fritz-Bauer-Preis" der Humanistischen Union.
Die Attribute, die man für sie bereit hielt sagen alles:
"die Richterin der Richter"
"Sie ist die Königin, der in den Gerichtsälen arbeitenden Journalisten"
Zu Abschluss möchte ich ein kleine Passage aus diesem Buche zitieren (Seite 438):
"Ein Strafrechtsprofessor sagte mir kürzlich, dass kein deutscher Richter nach 1945 in der Bundesrepublik Deutschland zur Verantwortung gezogen, geschweige verurteilt, ja nicht einmal entlassen worden ist". ..... "Wir zerbrechen uns den Kopf über die paar Nazi, die wirklich im Knast sitzen, anstatt über die Richterschar, die frei herumläuft. Die nicht ausstirbt, sondern seit 1945 ihre Gesinnung an die jungen Richter- und (im Rahmen der Referendarausbildung) auch an die Anwaltschaftsgeneration weitergibt. Und die dann noch ehrenrichterlich darüber wacht, dass kein junger Richter oder Anwalt aus Reih' und Glied tanzt."

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-04-07 14:23:16 mit dem Titel Peterlini, Hans Peter: BOMBEN AUS ZWEITER HAND

Hans Peter Peterlini
BOMBEN AUS ZWEITER HAND
Zwischen Gladio und Stasi: Südtirols missbrauchter Terrorismus
ISBN 88-7283-021-4

Vorgeschichte:
Südtirol war bis 1919 ein Teil Tirols, das zu diesem Zeitpunkt ca. 550 Jahren beim Habsburgermonarchie war.
Während des Ersten Weltkrieges hat Italien mit den Entente-Mächten einen Geheimvertrag – Londoner Vertrag – geschlossen, indem die Entente-Mächte Italien versprach, wenn dieses auf der Seite der Entente-Mächte in den Krieg eintrete, dass es als Entschädigung Südtirol bekomme. Im Jahre 1919 musste Österreich Südtirol an Italien abtreten. Während des faschistischen Regimes unter Mussolini wurde den Südtiroler stark unterdrückt. Sie durften die deutsche Sprache nicht mehr gebrauchen, das Vereinsleben wurden verboten, öffentliche Arbeitsstellen wurden nur mehr an Italiener vergeben, die hierzu auch aus Süditalien geholt wurden.
Hitler und Mussolini haben beschlossen die Südtiroler auszusiedeln. Sie sollten in den "neu zu schaffenden Räumen" angesiedelt werden. Viele Südtiroler haben daraufhin ihre Heimat verlassen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde im Pariser Vertrag den Südtirolern eine Autonomie versprochen. Dieses Versprechen wurde von Italien untergraben indem es die Region Trentino-Alto Adige schuf. In diesem politischen Kunstgebilde waren die Südtiroler wieder in der Minderheit, da das Trentino eine größer Bevölkerung hat, die ausschließlich aus Italienern besteht.
Die Südtiroler wurden in ihrer Heimat weiter unterdrückt. Der italienische Staat hat in Südtirol Industriegebiete aus dem Boden gestampft, deren Arbeitsplätze ausschließlich an Italienern vergeben wurden, die weiterhin auch aus Süditalien kamen. Die Wohnungen, die aus öffentlicher Hand errichtet wurden, wurden zu 95% an die Italiener vergeben. Viele Südtiroler mussten im Ausland Arbeit und Unterkunft suchen. Unter des Südtiroler Bevölkerung entstand Unmut und es hat sich eine Untergrundorganisation gebildet, die in der "Feuernacht" am 11. Juni 1961 45 Hochspannungsmaster sprengten und damit die norditalienischen Industrien teilweise lahmlegten. Es folgten weitere Aktivitäten dieser Gruppe, die jedoch anfangs der 70 er Jahre ausklangen und es schien als würde Ruhe eintreten, bis plötzlich neue Sprengstoffanschläge erfolgten.

Der Inhalt des Buches
Das hier dargestellt Buch befasst sich mit dieser zweiten Sprengstoffwelle in Südtirol. Es wird hierin aufgezeigt, dass Viele an diesem Spannungsgebiet in Italien, aber auch in der Mitte der Nato, ein großes Interesse hatte.
Es wird beschrieben, warum in Italien eine Geheimorganisation GLADIO gegründet wurden, die dann selbst, neben anderen italienischen Geheimdiensten, Anschläge verübte.
Von rechtsgerichteten Staatsanwälten und Richtern wird berichtet. In spannender Weise wird auch aufgezeigt, wie Hausdurchsuchungen der Sicherheitsorganen dazu benutzt wurden, um Sprengstoff zu deponieren, der bei einer zweiten Hausdurchsuchung dann gefunden wurde und die ahnungsloser Hausbesitzer dann festgenommen wurden.
Es wir unter anderem auch von einem Anschlag in Meran auf dem früheren Ministerpräsident Italiens, Andreotti, berichtet, der dann zur Verhaftung von Südtirolern führte. Internationale Experten, die die eingesandten Bombenreste untersuchten, kamen aber zur Ansicht, dass das Bombenmaterial eigentlich nur aus Straßenstaub bestehen konnte. Wer hat den Anschlag wirklich verübt.
Es wird von Anschlägen berichtet, die eindeutig dem Geheimdienst zugeordnet werden können, aber auch von solchen, die nie aufgeklärt wurden und auch keine Interesse hierzu bestand.
Es wird aufgezeigt, dass auch die STASI der früheren DDR und auch die UDSSR an diesem Unruheherd interessiert waren.
Aber auch wie sich einzelne Personen der "Sache Südtirol" annehmen wollten und dabei von den Agenten der Geheimdienste benutzt wurden.

Diese Buch gibt anhand der Geschichte Südtirols einen guten Einblick in die Arbeitsweise von Geheimdiensten, die sicher auch auf andere Regionen übertragbar ist.
Gut präzisiert ist mit dem Kommentar auf der rückseitigen Umschlag des Buches, den ich hier Vollinhalt wiedergeben:
"Aus einer Maschinenpistole wird auf Wohnungsfenster geschossen, Autos gehen serienweise in die Luft, Bomben explodieren an Häusern, Bahnhöfen, Zuglinien, mitten in den Stadtzentren. So erlebt Südtirol, von 1978 an, eine neue Welle der Gewalt, die das Land aus den zaghaft beginnenden Autonomiefrühling zu reißen droht. In einer detailierten, oft mühsamen, aber packenden Spurensuche zeigt dieses Buch beklemmende Zusammenhänge mit der Strategie der Spannung italienische und internationale Geheimdienste auf: Von Gladio bis zur Stasi der ehemaligen DDR."
oder
"Im Gegensatz zu den Gerichtsbehörden, die stets an "sicheren" Ermittlungsergebnissen und möglicherweise unschuldigen Tätern festgehalten haben, kommt der Autor zur Schlussfolgerung, dass die eigentlichen Urheber der Attentate noch nicht ausgeforscht sind."

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