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Erfahrungsbericht von mima007

Rudy Rucker: *Hohlwelt*: Einfallsreiche Abenteuer-SF

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Rucker ist für seine Gewandtheit in Sachen theoretische Mathematik und Physik bekannt. Er hat sie unter anderem in seinem Roman "Weißes Licht" unter Beweis gestellt. Nun beschäftigt er sich mit den verblüffenden, aber leider fiktiven Eigenschaften einer Welt, die innen hohl ist. Unserer Welt!

Und das bringt Rucker auf das zweite große Thema seines Romans "Hohlwelt": Edgar Allan Poe, besser gesagt: dessen "Umständlicher Erzählung von den Abenteuern Arthur Gordon Pyms von der 'Nantucket'". Wie jedem Anglisten und Poe-Liebhaber bekannt, handelt dieses fiktive Tagebuch von der Reise eines Amerikaners in die Antarktis, wo es statt kälter nur heißer wird und weiße Vögel "tekelili!" kreischen. Leider ist das Ende des Tagebuchs nicht überliefert, denn es bricht unvermittelt ab. Eine gute Gelegenheit für Rucker, sich auszudenken, wie es wohl weitergegangen sein mochte, im Innern der Welt...

Handlung

Der Erzähler, der fünfzehnjährige Mason Reynolds aus Hardware, Virginia, läuft dem verehrten Edgar Allan Poe im Jahre 1836 in Richmond über den Weg, woselbst der stets melancholisch dreinblickende Dichter als Zeitungsredakteur sein Dasein fristet. Kaum daß Mason ihn um einen Job gebeten hat, pumpt sich Poe bei ihm Geld, um sich in der nächsten Kneipe zu besaufen. Eddie ist ein Alkoholiker, erkennt der Fan mit Entsetzen – und später stellt sich Poe auch als Opiumkonsument heraus.

Kein Wunder, daß Poe das Schreiben aufgeben und statt dessen das Innere der Erde erkunden will. Denn gemäß der Theorie des Gentlemans Symmes befinden sich an den Polen die Zugänge zur hohlen Erde und innen weitere Kontinente, die sogenannte Edre, oder SpiegelErde. Mit einem weiteren Gentleman, der ebenfalls Reynolds heißt, rüstet Eddie eine Ballonexpedition aus – eine feine Gelegenheit auch, seinen zahlreichen wütenden Gläubigern in Richmond zu entkommen.

Mit einem Walfänger fahren die Teilnehmer in die Antarktis, wo sie gar widrige Umstände und Untiere zwingen, sich alsbald mit dem Ballon aus dem Staub zu machen und durch das Loch im Pol zu fliegen. Das heißt, eigentlich stürzen sie ab und nur einen blödsinnigen Zufall stürzen sie durchs Eis und in das Erdinnere.

Und damit beginnt eine der verrücktesten Odysseen, die man je in der Science Fiction gelesen hat. Steam Punk wird dieses Unter-Genre deshalb genannt, weil hier Dampf- statt Raumschiffe vorkommen, Flinten statt Laserwaffen. Eddie Poe und Mason begegnen den wahren Großen Alten, von denen H. P. Lovecraft stets fantasierte, und schwarzen (statt weißen) Göttern.

Hierbei zeigt sich die satirische Ader Ruckers sehr deutlich: Die Großen Alten haben die Gestalt riesiger Seegurken, und die schwarzen Götter, die Tekelili, sind schwarz, weil die Strahlung der Großen Alten sie färbte – ebenso übrigens wie die weißen Gentlemen von der Erde, wie Eddie Poe zu seinem äußersten Entsetzen feststellt. Er sieht aus wie ein verdammter Nigger! Und als er auf seiner Flucht durch einen Malstrom wieder die Oberfläche einer Erde erreicht, die wie unsere aussieht, da wird er auch wie ein Nigger behandelt – und wenn er noch so schöne Verse schmieden kann. Seine Grauen und seine Wut kennen keine Grenzen mehr, als er auf der SpiegelErde seinem anderen Ich begegnet...

Fazit

In diesem Roman kommen zahlreiche literarische Strömungen und Absichten zusammen. Das macht ihn insgesamt zu keiner einfach konsumierbaren Kost. Einerseits. Andererseits versteht es Rucker, seine Abenteuerstory à la "Gordon Pym" und "Reise zum Mittelpunkt der Erde" flüssig und spannend zu erzählen, sie aber nicht wie jene Klassiker aufzuziehen, sondern als Mensch der Neuzeit. Er macht also eine Satire daraus: auf die Sklavenhaltergesellschaft, auf die gläubige Poe-Verehrung (Poe hat einen Horror vor dem weiblichen Geschlecht, daher vergöttlicht oder dämonisiert er es) und auf abstruse Wissenschaftstheorien wie Symmes' Lehre von der Hohlwelt (die es vermutlich wirklich gab, wie uns das umfangreiche Nachwort glauben lassen will).

Wem all dies zuviel Deutelei ist, der lese einfach den Roman. Denn dieser endet standesgemäß mit einer Feier und einer Versöhnung.

Michael Matzer © 2000ff

Info: The Hollow World, 1990; Heyne 1997, Nr. 06/5887, München; 381 Seiten, aus dem US-Englischen übertragen von Kurt Bracharz; ISBN 3-453-12663-7


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-09 12:54:59 mit dem Titel Anne Rice:*Die Mumie oder Ramses der Verdammte*: Agile Mumien, dynamische Grufties

Die Mumifizierung des Abendlandes hat längst begonnen. Erst war da Stephen Sommers Remake des Boris-Karloff-Klassikers \"Die Mumie\" von anno Asbach, dann kam nach dem Riesenerfolg des Grabräuber-Spektakels die unvermeidliche Fortsetzung. Als nächstes will Sommers tote Argonauten auferstehen lassen, natürlich ebenfalls Räuber (sie klauten bekanntlich das Goldene Vlies).

Doch vor Sommers sorgte bereits Vampirexpertin Anne Rice mit diesem Roman für erhöhtes Interesse an verstaubten Herrschaften der gruftigsten Dynastien. Ramses, der größten Pharaonen einer, spielt diesmal den Untoten und - wie könnte es anders sein? - ein hübsche Britin im heiratsfähigsten Alter ist sein willfähriges Opfer. Was soll da nur aus England werden, fragt man sich bang. Doch der Reihe nach.

Handlung

Der Archäologe Lawrence Stratford entdeckt ein bislang unbekanntes Pharaonengrab, das allerdings eher den Eindruck eines Studierzimmers macht. Laut Türinschrift handelt es sich um das Grab Ramses II. - nur mit dem kleinen Schönheitsfehler, dass dessen Mumie bekanntlich längst im Museum zu Kairo steht. Außerdem findet Lawrence Papyrusrollen, aus denen hervorgeht, dass Ramses mit Hilfe eines geheimnisvollen Elixiers Unsterblichkeit erlangte.

Doch wie es so in Kollegenkreisen zugeht: Bevor der Archäologe diese Rätsel lösen kann, wird er schmählich gemeuchelt - ausgerechnet von seinem nichtsnutzigen Neffen Henry. Dieser Schurke hofft mit dem Schatz die Unterschlagungen zu vertuschen, die sein Vater in der Firma beging, um Henrys Trunksucht und Spielleidenschaft zu finanzieren.

Henry bringt die Mumie Ramses\' II. nach England und versucht dummerweise auch noch seine unschuldige Cousine Julie zu beseitigen. Diese Schandtat vermag jedoch der gerade noch rechtzeitig zum Leben zurückgekehrte Pharao zu verhindern. Ein Pfundskerl, dieser Ramses! Denn kaum dem belebenden Sonnenlicht der Neuzeit ausgesetzt, beendet er seinen mehrtausendjährigen Schlaf und wird von der zunächst verblüfften, bald aber hingerissenen Julie in die modernen Amüsements der zwanziger Jahre des 20. Jahrhunderts eingeführt.

Der einstige Gottkönig hat kaum anpassungsschwierigkeiten, denn das Elixier verleiht nicht nur dem Körper ewige Jugend und enorme Kräfte, sondern steigert auch gedächtnisleistung und Intelligenz. Potztausend, das ist noch nicht alles: Wie Ramses durch mehrere versuche herausfindet, kann r auch nicht getötet werden.

Doch auch eine Mumie bekommt mal Heimweh, und so befindet sie sich bald mit ihrer schönen Geliebten Julie auf einem Dampfer gen Süden. In Ägypten muss Ramses offenbar mit seiner turbulenten Vergangenheit abschließen, bevor er die Zukunft in Angriff nehmen kann. Begleitet werden die beiden Turteltäubchen von Julies Noch-Verlobtem Alex, dessen Papa Elliott (der, selbst schwerkrank, das Elixier haben will), Lawrences ägyptischem Freund Samir und schließlich sogar von dem Lump Henry. Dieser dreht vor Schmach allmählich durch, weil Ramses Augenzeuge des Mordes an Lawrence Stratford war.

Im Museum von Kairo findet Ramses unter all den ausgestellten Mumien die eine, die er nie zu sehen erwartete, weil ihre Leiche als verschollen gilt: Kleopatra, die letzte Königin Ägyptens, die ihn einst erweckte und liebte, aber sein Elixier ausschlug, weil er es ihrem Geliebten Marc Anton verweigerte. In Ramses erwacht die alte leidenschaft für die olle Kleo neu und so beträufelt er sie mit dem Elixier. Doch was nun erwacht, hat mit seiner alten Flamme herzlich wenig zu tun, allenfalls äußerlich.

Eine wilde Hatz durch Kairoer Gassen folgt. Überall Tote hinterlassend versucht Kleopatra, in einer unverständlichen und bedrohlich erscheinenden Zeit zu überleben, bis man sie zur Strecke bringt. Ein erstklassiger Showdown folgt.

Fazit

Ich habe diesen schön schaurigen Roman in der großen roten Jumboausgabe gelesen, auf der der Titel mit Goldprägung aufgebracht war. Auf dem Umschlag sieht man ein geheimnisvolles Gesicht hinter einem scharlachroten Schleier -absolut stilecht.

Der Horror, den Anne Rice hier serviert oder vielmehr zelebriert, ist meist von subtiler und eher leiser Art. Auch das vermeintlich Böse wird so vielschichtig angelegt, dass Schuldzuweisungen und Verdammung schwerfallen.

Ihre liebevoll gezeichneten Figuren strahlen - wie ihre vampirgestalten - eine starke Lebendigkeit, eine intensive Leidens- und Liebesfähigkeit aus, die den Leser gefangennehmen und durch den geschickt geführten Spannungsbogen bis zur letzten Seite festhalten. Und dort nimmt man mit Erleichterung und Vorfreude zur Kenntnis, dass die Abenteuer von Ramses dem Verdammten noch nicht bendet sind. Dies kann ich allerdings nicht bestätigen, denn der einzige in Frage kommende Roman, der verfilmte \"Die Königin der Verdammten\", befasst sich nicht mit Mumien, sondern mit den Vampiren um Lestat de Lioncourt. Schade!

Natürlich ist ihr Roman nicht frei von Klischees. Ich habe nicht umsonst überzeichnende Beschreibungen verwendet, um dies deutlich zu machen. Plot und zentrale Werte erinnern mich an \"Reiseschriftsteller\" des 19. Jahrhunderts wie Karl May und Jules Verne. Je phantastischer die Story, desto gefesselter die Leser und umso höher die Verkaufszahlen. Exotik und Sex sells!

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: The Mummy or Rammses the Damned, 1989; Goldmann 1992, Nr. 9858, München; 512 Seiten, DM 15,00, aus dem US-Englischen übertragen von Joachim Körber; ISBN 3-442-9858-x



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-06-28 10:24:02 mit dem Titel Danuta Reah: *Plötzliche Stille*: Stimmungsvoller Britenthriller

Ein sorgfältig aufgebauter und stimmungsvoller Krimi, in dessen Mittelpunkt eher die beteilgten Menschen stehen als irgendwelche brutale Action Es geht um zwei verschwundene Frauen und ein bedrohtes kleines Mädchen - und natürlich um die Umstände, wie es zu dieser Situation kommen konnte.

Handlung

Zwei junge Frauen und ein kleines Mädchen sind verschwunden - alle im Park. Die nordenglische Industriestadt Sheffield verfügt über mehrere schöne Parks, die meisten durchflossen von Flüßchen und Bächen, an denen verfallene Wassermühlen einst Schmieden und Handwerksbetriebe antrieben. Dies ist das alte Herzland der industriellen Revolution des 18. Jahrhunderts.

Doch im Jahre 2000 floriert in Sheffield eine andere Art von Industrie: der Drogenhandel. Diese Szene bildet nicht den Mittelpunkt des Geschehens, sondern seinen unsichtbaren Hintergrund. Vor dieser Leinwand entfalten sich mehrere Dramen. Meist steht eine Frau im Zentrum der Handlungsstränge, einmal auch ein Kind.

An den Wochentagen liegt der große Park, in dem Suzanne ihre Joggingrunden dreht, verlassen da. Die Stille unter den schattigen Bäumen ist ihr manchmal unheimlich. Auch die sechsjährige Lucy, die Tochter von Suzannes Nachbarin Jane, spielt gerne im Park. Die stillgelegte Mühle Shepherd Wheel hat es ihr besonders angetan - sie hat dort einen Spielkameraden: Tamby. Er beschützt sie vor dem unheimlichen Ashman. Tamby sagt ihr immer, sie solle so still wie eine Maus sein. Denn wenn die Monster sich zeigen, muss man sich verstecken. Noch sind die Monster nur im Park.

Natürlich geht Lucy nie allein in den Park. Sie hat immer ein Kindermädchen dabei. Das war bis vor wenigen Wochen die hübsche Sophie. Doch seit diese verschwunden ist, wird Lucy von der 17-jährigen Emma begleitet. Leider verschwindet Emma immer wieder, um Leute zu besuchen. Als Lucy am gleichen Tag, als Suzanne einen jungen Mann aus Shepherd Wheel herauskommen sieht, verschwindet, löst dies bei ihr und Jane Panik aus. Sie sucht Lucy, findet aber nur die tote Emma: am Grunde des Kanals der Wassermühle. Lucy wird später völlig unversehrt gefunden.

Inspektor Steve McCarthy, ein recht strenger und geschäftsmäßiger Typ, der nach oben kommen will, hält die Befürchtungen der beiden alleinstehenden Frauen Jane und Suzanne zunächst für übertrieben. Bald darauf stößt man per Zufall auf die Leiche von Sophie Dutton, Emmas Vorgängerin. Für Lucy steht bald fest: Die Monster sind in der Nachbarschaft.

Emma und Sophie hatten neben Janes und Suzannes Reihenhäuschen in einem Studentenhaus gewohnt. Dort findet die Polizei auf dem Dachboden ein große Tüte voll Ecstacy - was geht hier eigentlich wirklich vor, fragt sich Inspektor McCarthy. Bei der Suche nach Verbindungen zwischen den beiden Frauen und dem jungen Mann, den Suzanne Milner gesehen zu haben glaubt, stellt sich heraus, dass alle drei miteinander verwandt waren. Und Ashley Reid, der junge Mann, ist Teil eines Rehabilitierungsprojekts, an dem Suzanne linguistisch-psychologische Forschungen anstellt.

Als McCarthy von der völlig verängstigten und mit einem schweren Schuldkomplex belasteten Suzanne herausbekommt, dass sie von Ashley Tonbandaufnahmen hatte - sie sind verschwunden -, verdächtigt er sie der Behinderung seiner Arbeit. Die arme Suzanne, die dringend psychologische Hilfe benötigt, ist dadurch am Boden zerstört. Etwas kopflos ermittelt sie auf eigene Faust.

Die Lage spitzt sich zu, als sie Ashley Reid für eine Nacht bei sich aufnimmt, ein Brand ausbricht und Ashley darin umkommt. Wenig später werden Lucy und Suzannes kleiner Sohn Michael von einem Unbekannten entführt. Die kleine Lucy hat sich getäuscht: Tamby scheint nicht ihr Freund zu sein. Die Monster sind in Lucys Heim...

Mein Eindruck

Auf den letzten 50 Seiten war es mir unmöglich, das Buch aus der Hand zu legen - so spannend ist das Finale geschildert. Wir betrachten das Geschehen mit den unschuldigen Augen der kleinen Lucy, die versucht, sehr tapfer zu sein und ihren Entführer zu überlisten. Während dessen hetzt Steve McCarthy zu Janes Haus, um Lucy zu beschützen - zu spät. Und Suzanne hat sich aufgemacht, um die Wahrheit über Ashley Reid herauszufinden, nicht ahnend, wozu er fähig ist...

Mit sehr viel Orts- und Menschenkenntnis baut die polnischstämmige Autorin aus Sheffield (dem Buch ist polnischer Grabspruch vorangestellt) die Bühne für das spannende Geschehen auf. Suzanne mag ja nicht die sympathischste Frauenfigur der Literaturgeschichte sein, könnte aber unter den Top Ten der mitleiderregendsten landen. Dennoch ist sie es, die die Geschehnisse um die ermordeten Frauen in Gang setzt und im Finale für einen Höhepunkt sorgt. Sie gewinnt zudem Steve McCarthys Herz, von dem man nie erwartet hätte, dass er dazu in der Lage sei.

Ein Familiendrama

Die Drogengeschichte ist der Aufhänger für ein Familiendrama, dessen Ende sich seit Jahrzehnten angebahnt hat und das nun zu einem blutigen Abschluss kommt. Es ist das Drama der Familie Reid, und Auslöser ist ein skrupelloser Don Juan, der seine Kinder und seine Frau sitzenließ, nun aber an Jane Fieldings Seite unvermutet wieder auftaucht. McCarthy und seine Leute brauchen den größeren Teil des Buches, um diese komplizierte Geschichte aufzudröseln. Ihr Schock sitzt umso tiefer, als sie entdecken, dass der Verursacher des Dramas die ganze Zeit direkt vor ihrer Nase saß.

Drogen und Familiendrama sind die Ursache für das Verhalten der jungen Angehörigen der Familie Reid: Emma, Sophie, Ashley und Simon (der die Drogen herstellte, die Emma und Ashley verkauften) gerieten in ernsthafte Gefahr, eingefleischte Drogenkriminelle zu werden. Suzanne ist ahnungslose Zeugin dieses Vorgangs und wird so ebenso ein Opfer wie das letzte - und unschuldigste - Mitglied der Reids: Lucy.

Die Sünden der Väter

Etwas distanzierter betrachtet ist dies die biblische Geschichte von den \"Sünden der Väter\", die bis ins xte Glied vererbt werden. Die Autorin erzählt uns sehr glaubhaft, dass sich diese Geschichte noch heute Tag für Tag ereignet. Das Alltägliche nimmt bei ihr bedrohlichen Charakter an, die Spannung zwischen dem was tatsächlich passiert und dem, was sich die Figuren lediglich einbilden oder erträumen, ist ständig vorhanden, denn der Unterschied ist verwischt. Das Vertraute ist verhängnisvoll, Sicherheit gibt es daher nirgendwo. Denn die Familien und Ehen, die Reah schildert, sind samt und sonders zerbrochen und unvollständig. Für Kinder kein Schutz. Die Folge: stille, leere Spielplätze (O-Titel: \"silent playgrounds\").

Gewisse Schwächen

Etwas erstaunt bemerkte ich, dass sich die Autorin bei ihrer Sheffield-Beschreibung einmal wiederholt. Angesichts des sorgfältigen Lektorats durch Verlag und Freunde ist dies recht merkwürdig. Auch im Mittelteil konnte ich über einige längere Beschreibungen, die dem Aufbau einer Stimmung dienen, hinweglesen.

Die Polizeiarbeit beschreibt Reah nichts sonderliche ingehend. Obwohl die Verhöre sehr genau geschildert werden, kommt doch die Vermittlung von gerichtsmedizinischen Fakten stets ohne Erklärungen aus - in diesem Aspekt ist Reah weit von Cornwell und Reichs entfernt, die uns mit unappetitlichen Fakten über verwesende Leichen informieren. Ich denke, darauf kann man getrost verzichten.

Unterm Strich

Danuta Reah versteht es, mit hoher Sachkenntnis sowohl menschliche Figuren glaubwürdig zu gestalten, als auch ein spannendes Geschehen zu inszenieren, das eine gesellschaftlich relevante Aussage beinhaltet. Das Buch ist gut zu lesen, am Schluss kann man es nicht aus der Hand legen.

Da der Preis für das Hardcover-Buch noch hoch ist (rund 45 Mark), sollte man mal in der Bücherei fragen, oder man muss ein Jahr auf das Taschenbuch warten.

Michael Matzer (c) 2002ff

Info: Silent playgrounds, 2000; Blanvalet 2002, München; 416 Seiten, EU 22,90, aus dem Englischen übertragen von Doris Styron; ISBN 3-7645-0132-4


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-19 19:05:07 mit dem Titel Keith Roberts: *Drachenpiloten*: Ritter der Lüfte (SF)

In einer Parallelwelt bewachen Krieger auf großen Papierdrachen eine isolierte Insel, die sich vor Dämonen fürchtet. Bis es eines Tages zur Invasion kommt.

\"Kiteworld\" ist einer der besten Science Fiction-Romane des britischen Erzählers und Illustrators Keith Roberts, ein Episodenroman aus acht Kurzgeschichten und längeren Erzählungen, der bereits 1985 in England erschien.

Handlung
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Nach einer globalen Katastrophe fallen die Überlebenden einer Parallelwelt in die archaische Vorstellung zurück, ihre Welt werde von Dämonen und Monstern bedroht. Um möglichen Überfällen aus der Luft vorzubeugen, bewacht die Kriegerkaste der Drachenpiloten, deren Gondeln von großen Papierdrachen in die Luft befördert werden, die Grenzen der bewohnbaren Gebiete. Denn sie wissen durch die varianzkirche, dass die Dämonen ringsum darauf lauern, beim geringsten Anzeichen der Unachtsamkeit über das Reich der Menschheit herzufallen.Die Drachenwache überfliegt jedoch von ihren Stützpunkten aus das gesamte Reichsgebiet, um die \"splendid isolation\" zu bewahren.

In den einzelnen miteinander verwobenen Kapiteln schildert der Autor die Schicksale einer Handvoll Menschen, die versuchen, ihr Leben zu meistern und dabei häufig in Situationen geraten, mit denen sie nicht oder nur schwer fertig werden. Aus diesen Bausteinen entsteht das Bild einer Welt, die den Keim des Zerfalls und des blutigen Untergangs bereits in sich trägt.

Dies wird denn auch im letzten Kapitel, das den unheilvollen Titel \"Drachentöter\" trägt, zu grausamen Realität: Abweichler, die die Dogmen der Varianzkirche anzweifeln, treten gegen ultrakonservative Dogmatiker an, was bald zum Kampf aller untereinander führt. Dies erinnert an den Zustand am Hofe Dänemark in Shakespeares \"Hamlet\", nachdem der schwermütige Dänenprinz getötet wurde: Chaos regiert.

Auftritt Fortinbras und Armee: Als Besucher von einem hochtechnisierten Nachbarplaneten die globale Isolation durchbrechen und mühelos mit ihren an Libellen erinnernden Hubschraubern landen, zerrinnt die Illusion der absoluten Sicherheit zu nichts. Eine dramatische Umschichtung aller Werte setzt ein. Hoffentlich zum Besseren.

Fazit
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Keith Roberts hatte sich vor \"Drachenpiloten\" 1968 in der Science Fiction-Gemeinde mit seinem Episoden-Roman \"Pavane\" unsterblichen Ruhm erworben. (Ich kann auch dieses Buch empfehlen.) In diesem Parallelwelt-Roman wird Königin Elisabeth I. von einem katholischen Fanatiker erschossen und die spanische Armada trägt 1588 den Sieg über die englische Flotte unter Sir Francis Drake davon. Als Folge davon wird die römisch-katholische Kirche in ihre alten Rechte eingesetzt, die Heinrich VIII. abgeschafft hatte, und jeglicher technische Fortschritt streng reglementiert.

Auch in \"Drachenpiloten\" steht eine mächtige Kirche im Zentrum des Geschehens. Die handelnden Personen sind überzeugend geschildert und handeln glaubhaft. Besonders beeindruckend fand ich die Figur des Drachenmeisters Justin, dessen Schwester autistisch ist. Merke: Es ist was faul im Staate Dänemark. Und das weist auf ein Detail hin, das uns mit Unbehagen erfüllt: sexuelle Beziehungen sind manchmal mit Gewalt und seelischer Folter verbunden.

Die Times meinte zu dem Buch: \"Roberts schuf eine mythische Welt zu denkbar glaubwürdigen Bedingungen und mit der Klarheit einer Halluzination. Eine bemerkenswerte Leistung zeitgenössischer Science Fiction.\" Schade, dass dieses Werk schon bald nach seiner Veröffentlichung in der Versenkung verschwand, weil es mit kaum einer Besprechung bedacht wurde. Das mag an den angesprochenen Szenen gelegen haben.

Michael Matzer © 2001ff

Info: Kiteworld, 1985; Heyne 1991, Nr. 06/4857, München; 475 Seiten, DM 12,80, aus dem Englischen übertragen von Horst Pukallus; ISBN 3-453-05406-7


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-10-09 20:44:47 mit dem Titel St. Razzetti: *Top Trekking*: Empfehlenswerte Tourenauswahl

Der Trekking-Fachmann Razzetti führt mit einem elfköpfigen Team den Leser zu den letzten Weltwundern abseits der Zivilisation.

Neben hervorragenden Fotos bieten auch entsprechend gute und genaue Karten sowie Beschreibungen eine fachlich fundierte und entsprechend reizvolle Einführung zu den schönsten und interessanten Trekking-Touren.

Ich bin selbst Wander-Fan und habe mir deshalb dieses nicht ganz billige Buch zur Besprechung kommen lassen. Ich wollte sehen, ob hier nur Postkartentouren für Sonntagstouristen vorgestellt werden. Das ist nicht der Fall.

Um auf diese Touren zu gehen, sollte man auf jeden Fall exzellente Kondition, Fachwissen und die entsprechende Motivation mitbringen. Das Versprechen des Untertitels löst Razzetti durchaus ein: \"die aufregendsten Touren der Welt\". Man möchte sich am liebsten sofort auf den Weg machen.

Die Auswahl von Touren
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Insgesamt stellt Razzettis Team 29 Trekking-Touren auf den fünf Kontinenten vor. Das Schwergewicht liegt dabei mit neun Touren auf Asiens Dächern der Welt, dem Himalaja und dem Karakorum. Europa hat immerhin vier Touren vorzuweisen: die Pyrenäen, die Dolomiten, Korsika und den Chamonix-Zermatt-Höhenweg. Afrika ist mit recht reizvollen und recht unbekannten (wenige Besucher!) Touren dabei: durch das Atlasgebirge, die Gipfelumrundung des Mount Kenya - das kennt man schon. Verblüffend sind hingegen die vielfältigen Landschaften am Kap der Guten Hoffnung und die abgelegene Schönheit der namibischen Wüste (Fischfluss-Canyon).

In Nordamerika haben sich die Fachleute lediglich den elend langen Appalachen-Trail herausgesucht (der vom subtropischen Georgia in das fast alpine Maine führt) sowie den Grand Canyon. Schon auffällig ist das Fehlen jeglicher Touren in den Rockies oder der Sierra Nevada. Australien/Neuseeland kommt mit fünf Routen sehr gut weg: Hier liegen die Wege auf beiden Inseln Neuseelands (Mt. Tongariro, Routeburn), auf Tasmanien (Overland-Track) und im Inneren der Terra australis (McDonnell-Range; Wilderness Coast).

Zunehmend beliebter, ja fast schon einem Ansturm ausgesetzt sind die Berge Perus und des südlichen Chile! Drei Touren führen in die peruanischen und bolivianischen Kordilleren (Huayhuash, Alpamayo, Illampu). Wie in den Dolomiten kommt sich der Wanderer in den Torres del Paine vor. Nur sind hier die Bergmassive ungleich bizarrer und höher (Patagonien, Chile). Hier finden sich einige der schwierigsten Wände der Welt. Keine Sorge: Trekker lassen sie links liegen.

Die einzelne Tourbeschreibung
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Folgende Angaben sind in jeder Tourbeschreibung standardmäßig enthalten: lage, beste Wanderzeit, Ausgangs- und Endpunkt, Dauer, Höchster Punkt (wg. Höhenkrankheit!), Schwierigkeitsgrad, empfohlene Ausrüstung, Trekking-Stil, Genehmigungen/Einschränkungen (Visa, Impfung etc.). Jedem dieser Infokästen ist ein topografischer Kartenausschnitt mit Streckenverlauf beigefügt.

Der Punkt \"Trekking-Stil\" bedarf vielleicht einer Erläuterung. Das heißt es etwa \"per Rucksack\". Zudem ist hier angegeben, ob man von Hütte zu Hütte bzw. Teehaus zu Teehaus wandern kann, also wo man Verpflegung und/oder Unterkunft findet. Denn Trekking bedeutet ja, dass diese Großtouren mindestens eine Woche dauern, manche sogar an die 20 Tage. (Dies dürfte für den Appalachian Trail nicht ganz reichen.) Man sieht also: Diese Infokästen sind eine gute Zusammenfassung.

Die eigentliche Beschreibung ist natürlich viel länger, in der Regel wenigstens drei Seiten. Der jeweilige Experte geht auf Historie, geografische Lage und Beschaffenheit sowie den Schwierigkeitsgrad relativ zu ähnlichen Touren ein. Danach folgen die eigzigartigen Reize der jeweiligen Strecke und eventuell auftretende Schwierigkeiten für Trekking-Einsteiger. Der Experte siezt den Leser durchweg und behandelt ihn mit Respekt und Verständnis, also gar nicht herablassend. Ich fand das Lesen sehr angenehm und hilfreich: jeder Artikel vrmittelt einen guten ersten Eindruck. Das Wort kann natürlich nicht das reale Erlebnis ersetzen.

Mein Eindruck
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Natürlich ist ein Buch, das derart viele Landschaftsfotos bietet, der reinste Augenschmaus. Alle Fotos sind gut ausgeleuchtet sowie scharf und farbtreu wiedergegeben - keine Selbstverständlichkeit heutzutage. (Diese Qualität hat natürlich ihren Preis.)

Dennoch muss der fachliche Inhalt bewertet werden. Das Niveau der Artikel ist durchweg von hoher Sachkenntnis gekennzeichnet. Man merkt, dass die Bewertungen, die Auswahl und die Empfehlungen von Leuten gegeben werden, die vor Ort gewesen sind und wissen, wovon sie reden. Die Auswahl, die Razzetti getroffen hat, verrät, dass dies Routen sind, die in der Mehrzahl fern der Trampfelpfade liegen.

Ich kann die anderen Bücher, die Razzetti verfasst hat und die bei Amazon.de zu finden sind, nur weiterempfehlen.

Ein abschließender Teil stellt die Autoren mit ihren Biografien vor. Vielleicht haben auch sie lesenswerte Bücher geschrieben. Eine Bibliografie listet weiterführende Literatur auf. Ein Register verhilft zu schnellem Auffinden eines in den Artikeln erwähnten Ortsnamens.

Unterm Strich: Eine runde Sache zu einem angemessenen Preis.

Michael Matzer © 2002ff

Info: Top treks, 2001; Collection Rolf Heyne 2001, München; 168 Seiten, Preis: 38,00 €, aus dem US-Englischen übertragen von Christian Quatmann; ISBN 3-89910-128-6


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-01-10 12:13:00 mit dem Titel Kathy Reichs: *Lasst Knochen sprechen*: Lieber die Finger davon lassen!

Gerichtsmedizinerin Tempe Brennan und ihr Neffe Kit geraten zwischen die Fronten zweier rivalisierender Motorradbanden, die in der kanadischen Metropole Montreal einen blutigen Krieg führen.

Die Autorin

Kathy Reichs, 1950 geboren, arbeitet u.a. als forensische Anthropologin (wie ihre Helden) an gerichtsmedizinischen Instituten von Montreal und Charlotte, South Carolina, aber auch als Gutachterin für die UNO und das Pentagon. Sie unterrichtet hin und wieder an der FBI-Akademie in Quantico, Virginia. Ihr neuester Roman, \"Durch Mark und Bein\", ist im Blessing-Verlag erschienen, der zum Bertelsmann-Imperium gehört.

Handlung

Wieder einmal wird die gerichtsmedizinische Anthropologin Tempe Brennan im kanadischen Montreal eingesetzt, um die lokalen Polizeibehörden mit ihrem Spezialwissen zu unterstützen.

Auf dem Weg zum Ballettunterricht wurde die neunjährige Emily Anne Toussaint mitten auf der Straße von Kugeln getroffen. Ein weiteres unschuldiges Opfer im Bandenkrieg rivalisierender Motorradgangs der Großstadt, die sich um das Drogengeschäft streiten. So scheint es zumindest. Die erschütterte Brennan nimmt sich vor, die Mörder zu finden und dingfest zu machen.

Doch dann stößt sie auf dem Gelände eines Montrealer Bikerclubs auf die Leiche eines weiteren Mädchens: Sarah Osprey stammt aus Brennans Heimat South Carolina. Als sie dort mit einer Polizistin spricht, erhält sie Fotos aus der Mordzeit: Sie zeigen bekannte Montrealer Biker.

Merkwürdig ist jedoch dabei, dass der eine der Biker, Cherokee Desjardins, kürzlich bereits ermordet wurde, und der andere, Lyle Crease, ist ein stadtbekannter Fernsehreporter, der sich auffällig stark für Brennans Untersuchungsergebnisse interessiert.

Als Crease mal bei Brennan in ihrer Wohnung vorbeischaut, lernt er Kit kennen, der ebenfalls ein Faible für schwere Motorräder hat. Kit ist Brennans 19-jähriger Neffe aus Texas und auf der Durchreise, wie er behauptet. Und so ziehen Crease und Kit los, um sich die Bikerattraktionen von Montreal anzusehen. Denkt Brennan.

Wie sehr sie sich hat täuschen lassen, erweist sich schließlich am Tag des Begräbnisses eines Bandenmitglieds. In einer wilden Schießerei rechnen die zwei Banden der Heathens und der Vipers miteinander ab - und Crease, der frühere Biker, hat Kit als Geisel mitten zwischen den Fronten aufgestellt. Es geht um Leben und Tod ihres Neffen, wie Brennan - wieder einmal zu spät - erkennt.

Mein Eindruck

Das Buch liest sich im Vergleich zum Bestseller \"Knochenarbeit\" zäh, unerfreulich und kompliziert. Zäh, weil sich die Ermittlungsarbeit fruchtlos hinzieht und durch personelle Querelen mit Brennans Kollegen verzögert wird. Unerfreulich, weil es keinerlei positive oder bestärkende Ereignisse in Brennans Lebens gibt: kein Lover weit und breit (der einzige, Ryan, arbeitet als verdeckter Ermittler), und nur ein Gernegroß-Neffe im Haus. Höchst frustrierend für den leser sind auch die zahlreichen Gelegenheiten, zu denen Brennan wichtige Hinweise übersieht oder -hört. Man sollte meinen, sie habe bei ihren kanadischen Ermittlungen mehr Misstrauen gelernt.

Und kompliziert, weil sich die Liste der Name von hier bis zum Mond erstreckt. Nicht nur muss man sich Brennans Kollegen merken, sondern auch etliche Namen von Bikerbanden und ihren Mitgliedern merken soll. Von Brennans familiären und freundschaftlichen Bindungen ganz abgesehen.

Ein Krimi also wie aus dem richtigen Leben gegriffen. Denkt man. Aber dann stellen sich merkwürdige Parallelen zu Reichs Roman \"Knochenarbeit\" ein: Die Verbindung zurück nach Carolina, der nahe Verwandte, der in tödliche Gefahr gerät - all das hatten wir doch schon. Gehen Reichs die Ideen aus, oder versucht sie ein Erfolgsrezept bis zum Gehtnichtmehr auszulutschen?

Unterm Strich

Ich benötigte mehrere Wochen, um das Buch zu lesen, und der einzige lohnende Teil darin ist der Showdown zwischen den Bikergangs - mitten auf dem Friedhof von Montreal ist das eine echte Schau. Ansonsten ist der Roman bis auf wenige Stellen kaum einmal spannend. Und wer sich ein paar frustrierte Tage ersparen möchte, sollte das Buch links liegen lassen.

Michael Matzer (c) 2003ff

Info: Deadly Décisions, 2000; Blanvalet 05/2002, München; 346 Seiten, EU 8,90, aus dem US-Englischen übersetzt von Klaus Berr; ISBN 3-442-35590-7







----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-01 19:08:10 mit dem Titel J. Roberson: *Wolfsmagie* (Cheysuli #1): Interessante Gestaltwandler

Der Fantasy-Zyklus um die Cheysuli, der mit \"Wolfsmagie\" eröffnet wird, umfaßt neun Bände, die alle bei Heyne erschienen und bei Sammlern sehr begehrt sind.

Zusammen mit ihrem \"Schwerttänzer\"-Zyklus und einem Robin-Hood-Roman \"Herrin der Wälder\", Goldmann) bildet der Cheysuli-Zyklus Robersons Hauptwerk, und ein sehr unterhaltendes dazu. Sie wurde damit zu einer der erfolgreichsten Fantasy-Autorinnen.

Handlung

Dies ist die Geschichte von Alix, der etwa 20jährigen Tochter aus der folgenschweren Verbindung zwischen menschlichen Homana und gestaltwandlerischen Cheysuli. Die Cheysuli waren vor den Homana auf der Erde und verfügen noch über die drei alten Kräfte, darunter Gestaltwandel. Jeder Cheysuli hat ein Tier zum Seelengefährten, einen Lir. Wird ein Lir getötet, geht der Cheysuli in den Freitod - so eng ist die Verbindung. Stirbt hingegen ein Cheysuli, sucht sich der Lir einen neuen Gefährten.

Die Cheysuli sind vom Herrscher des Landes, dem Muhjar Shaine, für vogelfrei erklärt und geächtet worden. Einst galten sie als die Getreuesten des Königs von Homana. In Gestalt von Wölfen und Falken dienten sie ihm mit ihrer Magie und verteidigten seinen Thron. Doch als Shaines Tochter Lindir mit einem Cheysuli, Hale, durchbrannte und den ausländischen Prinzen verschmähte, kannte Shaines Zorn keine Grenzen. Hale und Lindir starben.

Alix entdeckt, wie mühelos sie mit den Lirs Verbindung aufnehmen kann. Sie ist die Tochter von Lindir und Hale! Als Baby wurde sie von Shaine verstoßen, und nur einer seiner Getreuen erbarmte sich ihrer und zog sie in Abgeschiedenheit auf. Sie verliebte sich in den Prinzen Carillon.

Als mit der Hilfe der Cheysuli und Alix\' Prinz Carillon ein neuer Herrscher den Thron besteigt, wird er sogleich von den Invasionstruppen der Zauberer, der Ihlini, verjagt. Shaine stirbt. Alix gibt die Hoffnung nicht auf, daß Carillon den Cheysuli, die ihn vor dem Tod durch die Ihlini retteten, zu Ehren und Ansehen verhelfen wird. Doch erst einmal geht er ins Exil.

Fazit

Dieses Buch bietet wunderbar spannenden und befriedigende Lektüre, wenn man Fantasy mag. Es hat alles, was das Herz begehrt: Humor, sich entwickelnde fein gezeichnete Charaktere, einen komplexen Hintergrund und zahlreiche zu lösende Konflikte. Dies ist alles in Fantasymanier mit Magie und Gestaltwandlung angereichert, ist eine perfekte Mischung entstanden. Das Buch liest sich in wenigen Stunden.

Michael Matzer © 2000/2003ff

Info: Shapechangers - Chronicles of the Cheysuli: Book One, 1984; Heyne 1996, Nr. 06/5671, München; 350 Seiten, DM 7,90, aus dem US-Englischen übertragen von Karin König; ISBN 3-453-12161-9



----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-02 11:22:11 mit dem Titel J. Roberson: *Das Lied von Homana* (Cheysuli #2): In Artus\' Fußstapfen

Der Fantasy-Zyklus um die Cheysuli-Gestaltwandler, der mit \"Wolfsmagie\" eröffent wird, umfaßt neun Bände, die alle bei Heyne erschienen. Dieser Band ist die Fortsetzung von \"Wolfsmagie\", zeitlich fünf Jahre später einsetzend.

Zusammen mit ihrem \"Schwerttänzer\"-Zyklus und einem Robin-Hood-Roman \"Herrin der Wälder\", Goldmann) bildet der Cheysuli-Zyklus Robersons Hauptwerk, und ein sehr unterhaltendes dazu. Sie wurde damit zu einer der erfolgreichsten Fantasy-Autorinnen. Der Cheysuli-Zyklus ist bei Sammlern sehr begehrt, besonders der 6. Band.

Handlung
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Nach fünf Jahren im Exil, wo er sich mit seinem Gefolgsmann Finn als Söldner durchschlug, kehrt Prinz Carillon heimlich nach Homana, in seine Heimat, zurück. Er schart ein Guerillaheer um sich und beginnt die Truppen des Thronräubers Bellam von Solinde anzugreifen. Bald sind dessen Männer durch Carillon und seine Cheysulikrieger so dezimiert, daß sich Bellam zur offenen Feldschlacht stellen muß - die Carillon gewinnt. Bellam, der nur durch den Rückhalt seiner Ihlinizauberer so grausam herrschen konnte, verbrennt zu Asche.

Carillon nimmt, wie zuvor angedroht, Bellams zauberische Tochter Electra zur Gattin - ein schwerer Fehler, wie sich herausstellt. Er tut es, um die beiden Reiche Homana und Solinde miteinander zum Frieden zu zwingen. Finn entdeckt bei einer heilenden Handlung bei Electras erster Niederkunft, daß Electras Geist vom Erzfeind, dem bösen Zauberer Tynstar, beherrscht wird. Finn wird beinahe getötet und versucht seinerseits, Tynstar zu töten. Es gelingt Carillon mit knapper Not, Finn und Electra zu retten. Leider muß er Finn aus seinen Diensten verstoßen. Um die Tragödie perfekt zu machen, gesteht ihm seine geliebte Schwester Tourmaline, daß sie Finn liebt, ein Kind von ihm erwartet und mit ihm in die Verbannung gehen werde. Da Electra bald wieder ein Kind erwartet, das von Tynstar ist, schickt Carillon auch sie in die Verbannung.

Als seine ehemals Geliebte Alix, die Heldin des ersten Cheysuli-Bandes, von Tynstar geraubt wird, jagen Carillon und Alix\' Ehemann, der Cheysuli-Hauptling Duncan, den Zauberern nach, bis sie in deren Festung Valgaard eindringen und Alix befreien können. Eine weitere Tragödie enthüllt sich: Duncans Lir, ein Geistesverbündeter in Tiergestalt, wurde von Tynstar getötet und Duncan kann nicht ohne ihn weiterleben. Die trauernde Alix enthüllt dem entsetzten Carillon, daß sie von Tynstar ein Kind erwartet. Carillon wird Alix\' siebenjährigen Sohn - er selbst ist ohne männlichen Erben geblieben - als Thronerben einsetzen und mit seiner einzigen Tochter verloben.

Fazit
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Spielt Carillon die Rolle des Königs Artus und Electra eine zwielichtige Guinevere, so ist Finn, der getreue Recke, Sir Lanzelot - der den Kontakt mit Electra beinahe mit dem Leben bezahlt, sie fast tötet und daher vom Hof verbannt werden muß. Man sieht: Die Muster wiederholt sich, allerdings mit gewichtigen Variationen.

Der Band bringt verschiedene Handlungsstränge zu Ende und beginnt neue, von daher ist er ein typischer Mittelband. Dennoch ist die Lektüre recht befriedigend, denn es ist durchaus spannend und nicht ohne Überraschungen, wie sich die persönlichen Schicksale der Hauptfiguren gestalten - allen voran das von Carillon, der von sich selbst erzählt. Ein spannendes Finale liefert die Erstürmung der Burg der Zauberer und ihr tragischer Ausgang.

Michael Matzer © 2000/2003ff

Info: The Song of Homana - Chronicles of the Cheysuli: Book Two, 1995; Heyne 1997, Nr. 06/5672; 462 Seiten, DM 14,90, aus dem US-Englischen übertragen von Karin König; ISBN 3-453-12162-7.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-02 13:31:50 mit dem Titel J. Roberson: *Das Vermächtnis des Schwerts* (Cheysuli #3): Opfer der Prophezeiung

Im dritten Band ihres Fantasy-Zyklus um die Cheysuli-Gestaltwandler läßt Jennifer Roberson die alte Generation, die in den ersten Romanen die Hauptrollen spielte, ablösen durch die Generation Donals, der voller Zweifel das Vermächtnis der Prophezeiung von Homana annehmen und umsetzen soll.

Besonders Band 6 des Zyklus ist bei Sammlern begehrt: \"Die Tochter des Löwen\" (06/5876). Er kostet laut TB-Katalog im Antiqauriat 17,25 EUR; normal sind 9,75 Euro.

Handlung
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König Carillon, der in Band 2 den Thron von Homana eroberte, altert offenkundig weit vor seiner Zeit - nachdem ihn der Fluch des Ihlini-Zauberers Tynstar 20 jahre seines Lebens beraubte. Carillon und sein Vertrauter Rowan bereiten Prinz Donal, den Sohn Duncans, auf die baldige Thronfolge vor. In Donal mischt sich das Blut eines Cheysuli mit dem eines Menschen.

Um für einen Erben vorzusorgen, holt er seine Braut Aislinn von der Insel, auf die ihre Mutter Electra, die Frau König Carillons verbannt wurde, zurück in die Hauptstadt Homanas. Doch Electra, so muß er entdecken, hat ihre von Tynstar erworbenen Zauberkünste dazu verwendet, ihrer Tochter Aislinn einen posthypnotischen Befehl einzupflanzen, der dieser den Beischlaf mit einem Cheysuli - sprich: Donal - verwehrt. Dies hat für Aislinn, die Donal wirklich liebt, furchtbare Folgen: Um einen Erben zu zeugen, muß er sie geistig vergewaltigen.

Donal selbst befindet sich in einer Zwangslage: Er hat mit seiner Cheysuli-Gespielin Sorcha bereits zwei Kinder. Während Donal im Krieg ist, vertreibt Aislinn, die um ihre Stellung als künftige Königin bangt, Sorcha aus der Cheysuli-Siedlung. Sorcha nimmt sich schließlich das Leben. Die Wirkung auf Donal kann man sich vorstellen. Er dringt in Aislinn, die nach Monaten seiner Abwesenheit im Krieg gegen die Ihlini inzwischen hochschwanger ist, geistig ein, um die Wahrheit zu erfahren. Unabsichtlich löst er jedoch die Wehen aus. Das Kind lebt, ein Sohn, dem der Name Niall gegeben wird.

König Carillon muß gegen die von Tynstar angestachelten Fürsten des unterworfenen Solinde Krieg führen. Da kommt die Nachricht, daß Prinz Osric aus Atvia ebenfalls mit einem Heer in Homana gelandet ist, so daß Carillon sein Heer teilen muß. Carillon tötet Tynstar und Electra, stirbt aber wenig später durch einen Pfeil Osrics. Carillons magisches Schwert gibt Osric an Tynstars Sohn weiter, Strahan. Dieser nimmt Donal sechs Monate lang gefangen, bis er von seinem Onkel befreit wird. Er bringt das magische Schwert mit und tötet damit Osric. Das Heer von Solinde wird ebenfalls besiegt. So lösen sich seine Probleme der Reihe nach, und er kann den Thron von Homana als unumschränkter Herrscher besteigen. Dies heißt nicht, daß Donal ein Tyrann wäre; im gegenteil: Er wollte die Königswürde eigentlich nicht, doch der Prophezeiung Homanas zuliebe nimmt er die Bürde auf sich.

Die Prophezeiung verlangt, daß eines Tages ein König herrscht, der das Blut von vier Ländern in sich vereinigt. Homana, Cheysuli und Solinde sind bereits in Neil vereinigt. Um auch die Blutlinie von Atvia zu erhalten, vermählt Donal seine Schwester Bronwyn gegen ihren Willen mit Osrics Sohn Alaric. Sollte Bronwyn eine Tochter haben, würde sie Niall heiraten können. Der geweissagte Herrscher könnte dann schon in greifbarer Nähe liegen.

Fazit
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Wie man sieht, geht es in Robersons Cheysuli-Zyklus nicht nur um das Herrschen über Homana, mit oder ohne Cheysuli-Kräfte. Es geht auch um eine Politik der Gene, hier \"Blutlinien\" genannt. Das macht die ganze Sache ein wenig unappetitlich - so als ob die Bene Gesserit aus \"Der Wüstenplanet\" ein großes Zuchtprogramm durchführen würden, um den Kwisatz Haderach, den Übermenschen, zu erzeugen. Die Frauen werden demzufolge oftmals als Zuchtmaterial verwendet, um nicht zu sagen, \"mißbraucht\". Die Prophezeiung jedoch rechtfertigt jede entsprechend dienliche Maßnahme: der Zweck heiligt die Mittel, auch wenn diese bis zur Vergewaltigung reichen.

Die Autorin hatte in Band 2 noch einige lose Fäden übriggelassen. Diese Handlungsstränge werden kurzerhand zu Ende geführt: Duncan und Alix sterben ebenso unter traurigen Umständen, wie Electra und Tynstar unter dramatischen Umständen getötet werden. Als auch Donals Onkel Finns von Tynstars Sohn Strahan getötet wird, ist die gesamte ältere Cheysuli-Generation dahingerafft. Kein Wunder, daß sich Donal ganz allein auf weiter Flur wähnt - ein Opfer. Die zwielichtige Aislinn ist der einzige Mensch, der ihm nahesteht. Seine einzige Hoffnung dürfte sein Sohn Niall sein. Dessen Geschichte erzählt der nächste Band des Zyklus, \"Die Fährte des weißen Wolfs\".

Michael Matzer © 2000/2003ff

Info: Legacy of the sword, 1986; Heyne 1997, 06/5673, München; aus dem US-Englischen übertragen von Karin König; ISBN 3-453-11982-7


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-02 16:43:46 mit dem Titel J. Roberson: *Die Fährte des weißen Wolfs* (Cheysuli #4): Seines Schicksals Schmied

Dies ist der vierte Band des Cheysuli-Zyklus, der vierte von neun. Der Cheysuli-Zyklus, der mit \"Wolfsmagie\" eröffent wird, umfaßt neun Bände, die alle bei Heyne erschienen.

Zusammen mit ihrem \"Schwerttänzer\"-Zyklus und einem Robin-Hood-Roman \"Herrin der Wälder\", Goldmann) bildet der Cheysuli-Zyklus Robersons Hauptwerk, und ein sehr unterhaltendes dazu. Sie wurde damit zu einer der erfolgreichsten Fantasy-Autorinnen.

Handlung
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Weil ihm die Homaner wegen seines Cheysuli-Blutes mißtrauen und die Cheysuli wiederum wegen seines Mangels an Gestaltwandlerfähigkeiten (er hat nicht einmal einen Lir), entfernt sich Niall, der Thronerbe, eine Zeitlang aus dem Königreich Homana, um seine Braut abzuholen. Er wurde mit Gisella, der Tochter König Alarics von Atvia bereits in der Wiege verlobt. Doch am Tag, als Gisellas Brautführer am homanischen Hofe erscheinen, um eine Pro-forma-Herat durchzuführen, erkennt Niall mit Entsetzen, wer Gisellas Ziehmutter ist: eine Ihlini-Hexe. Und diese soll er nun heiraten.

Auf der stürmischen Überfahrt nach Atvia gerät Nialls Schiff in einen übernatürlichen Sturm. Während er die Hexe und seinen ihn begleitenden Bruder für ertrunken hält, spülen die Wellen ihn selbst an die Küste Erinns. Nur daß Erinns König Shea und seine Kinder mit Atvia in Fehde liegen und daher den Fremdling, der Atvias Thronerbin freien soll, in Geiselhaft nehmen. Seine Gefangenschaft dauert viele Monate, denn Atvias König Alaric hat es durchaus nicht eilig, den Schwiegersohn auszulösen. Und so ergibt sich die Gelegenheit mit Sheas schöner Tochter Deirdre anzubandeln – was nicht ohne Folgen bleibt. Niall versucht zu fliehen.

In Atvia erkennt er, daß die Ihlini-Hexe und sein Bruder überlebt haben, daß sie ihn sogar in der Zwischenzeit zu ihrer Kreatur abgerichtet hat. Die egoistische Gisella versucht Niall sogleich für sich zu vereinnahmen, wie sie es von der Zauberin gelernt hat.

Zurück in Homana schenkt Gisella ihm einen Thronfolger und weitere Kinder. Doch sein Thron ist nicht gesichert. Denn eine Gegenbewegung von Homanern macht König Carillon, seinem Vater, den Thronanspruch streitig. Ein Bürgerkrieg bricht aus, geschürt von den Ihlini. Gerüchte über eine von Wölfen übertragene Seuche tauchen auf.

Verzweifelt in seinen Familienquerelen und seinem Mangel an Cheysuli-Eigenschaften, haut Niall eines Morgens einfach ab – für einen Prinzen sehr verantwortungslos. Doch im selbstgewählten Exil findet der Prinz seine wahre Kraft, eine Kraft, die sich als Homanas einzige Chance auf Erlösung von einer tödlichen Bedrohung erweisen könnte: Er wird von seinem Lir gefunden, einem weißen Wolf, und ist überglücklich. Er erlangt seine zeremonielle Aufnahme in den Cheysuli-Stamm seines Bruders.

Schließlich stellt er sich sogar der Herausforderung durch den wichtigsten Zauberer der Ihlini, Strahan. Nur mit Hilfe seines Lir überlebt er die Auseinandersetzung mit einem riesigen Seuchenwolf.

Zugleich findet er den Herausforderer Carillons: ein blinder und tauber Mann, der von seinen Anhängern lediglich benutzt wird. Alles scheint gut zu werden. Nach Carillons Tod im Krieg wirft Niall sogar das von seinem Vater geerbte Schwert der Prophezeiung in den \"Schoß der Erde\" unter dem Schloß von Homana. Er ist entschlossen, seines Schicksals Schmied zu sein.

Fazit
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Dieser Cheysuli-Roman hat zwar auch seine Ecken und Kanten wie schon sein Vorgänger (siehe meine Rezension), doch bringt er insgesamt eine spannende Geschichte.

Seine Disparatheit liegt zum Teil daran, daß bestimmte Gegensätze nicht überbrückt und angefangene Handlungsstränge nicht weitergeführt werden – jedenfalls nicht in diesem Buch, vielleicht im nächsten. So geschehen etwa mit Deirdres Lovestory in Erinn, und mit der Story der Ihlini-Hexe in Atvia.

Nicht genug damit, daß die Autorin einen Bürgerkrieg entbrennen läßt, sie muß auch noch eine Seuche einführen, Gisella zur Beinahe-Hexe machen, Niall zum Totalversager in Sachen Cheysuli-Eigenschaften und so weiter. Es grenzt fast an ein Wunder, daß sich alle diese Probleme lösen lassen. Der Leser bekommt jedenfalls viel Action für sein Geld.

Im nächsten Band spielen Nialls Kinder – nicht nur die mit Gisella – eine tragende Rolle. Denn die Cheysuli-Prophezeiung muß schließlich erfüllt werden.

Michael Matzer © 2003ff

Info: Track of the white wolf, 1987; Heyne 1997, 06/5674, München; aus dem US-Englischen übertragen von Karin König; ISBN 3-453-11983-5


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-02 23:35:10 mit dem Titel J. Roberson: *Die Ehre des Prinzen* (Cheysuli #5): Ein Spiel um Kopf und Kragen

\"Die Ehre der Prinzen\" ist der fünfte von neun Bänden in J. Robersons Zyklus um die Cheysuli-Dynastie. Der Titel des Originals, \"pride of pinces\", ist doppeldeutig.

Dieser Ausdruck bedeutet hier sowohl den Stolz von Prinzen als auch eine Gruppe davon – denn ein \"pride\" bezeichnet ein Rudel von Löwen. Und übertragen auf die Prinzen deutet die Autorin somit an, daß es sich um drei junge Löwen handelt ‑ was sich in den Titeln der Folgebände deutlich zeigt, in denen Löwen eine wichtige Rolle spielen. Der Löwe ist schließlich das Wappentier von Homana.

Die Autorin
Jennifer Roberson feierte mit dem achtbändigen Cheysuli-Zyklus einen großen Erfolg, dem nur noch ihr Zyklus über die Schwerttänzer Tiger und Del gleichkam (alle bei Heyne). In den letzten Jahren hat sie sich dem Stoff um Robin Hood of Sherwood gewidmet.
Von den in der deutschen Ausgabe neun (!) Bänden ist der sechste Band bei den deutschen Sammlern am begehrtesten. Er kostet laut Taschenbuchkatalog im Antiquariat 17,25 Euro; \"normal\" sind 9,75 Euro pro Cheysuli-Band.

Handlung
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Drei Prinzen, drei Schicksale, und sollte auch nur einer der drei dabei scheitern, die Muster der Prophezeiung zu erfüllen, werden sowohl Homaner als auch Cheysuli einen hohen Preis zahlen müssen. Die Prophezeiung lautet: \"Eines Tages wird ein Mann allen Blutes vier kriegführende Reiche und zwei magische Völker in Frieden vereinen.\" Die zwei Völker sind Cheysuli und Ihlini, und die vier Reiche Homana, Erinn, Atvia und Solinde.

Doch bevor noch einer von ihnen sein Geburtsrecht beanspruchen kann, müssen sie sich der Drohung von unbekannten Attentätern und verräterischem Ihlinizauber stellen ‑ tödliche Herausforderungen durch jene Mächte, die die Cheysuli-Prinzen ins Verderben gestürzt sehen wollen.

\"Die Ehre der Prinzen\" erzählt die Geschichte der drei Söhne Nialls: Brennan, Hart und Corin. Brennan, der Älteste, wird Homana erben und wurde mit Aileen, Deirdres Nichte (Deirdre ist die Konkubine seines Vaters), bereits vor seiner Geburt verlobt, um der Prophezeiung eine noch nicht zugängliche Blutlinie zuzuführen.

Brennans Zwilling, Hart, ist Prinz von Solinde und ein zwanghafter Spieler, der seine Brüder bereits in große Schwierigkeiten gebracht hat: Seine Spielsucht führt zu einem tragischen Unfall, in den alle drei Söhne Nialls verwickelt sind. Hart wird daraufhin ein Jahr lang nach Solinde und der rebellische jüngste Sohn, Corin, nach Atvia verbannt.

Eine Ihliniverschwörung bringt Brennan dazu, ein Kind mit einer Ihlini-Cheysulifrau, Rhiannon, zu zeugen. Hart verliert durch einen solindischen Plan eine Hand und in der Folge fast sein Leben.Corin verliebt sich in Erinn in Brennans Braut, Aileen, bevor er nach Atvia geht.

Ein Prinz nach dem anderen wird von Strahan, dem Sohn des Ihlinizauberers Tynstar, gefangengenommen. Er will sie alle in Marionettenkönige verwandeln, damit er durch sie regieren kann. Doch allen dreien gelingt die Flucht, aber erst nachdem jeder von ihnen gezwungen wurde, seine besonderen Stärken und Schwächen zu erkennen.

Fazit
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Der Roman ist klar strukturiert in fünf Teile, wovon die mittleren drei den drei Prinzen zugewiesen sind. Am Anfang des Buches steht die Ursache ihrer Prüfung, am Schluss das jeweilige Ergebnis. So entfaltet sich vor dem Leser ein klares Bild der Geschehnisse, und jeder Romanteil verfügt über seinen eigenen Spannungsbogen. Dieser wiederum baut sich auf durch entsprechend spannungsvolle Szenen, so etwa, wenn Hart in Solinde um sein Leben zu spielen hat. \"Die Ehre der Prinzen\" ist voll solcher spannender Erlebnisse und bietet dem Leser viel Lesevergnügen für sein Geld.

Inhaltlich ist der Roman eine Weiterführung des Themas der Verwirklichung der Cheysuli-Prophezeiung. Der nächste Roman ist der Schwester der drei Prinzen gewidmet, Keely, die ebenfalls schon als Kind dem Thronfolger Erinns, Sean, Aileens Bruder, versprochen worden ist. So finden vier von fünf Kindern Nialls ihre Bestimmung.

Michael Matzer © 2000/2003ff

Info: A pride of princes, 1988; Heyne 1997, 06/5675, München; aus dem US-Englischen übertragen von Karin König; ISBN 3-453-11984-3


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-02-15 10:28:07 mit dem Titel Reeves-Stevens: *Star Trek Design*: Die Phantom-*Enterprise*

Als Gottvater Roddenberry das Star Trek-Universum schuf und gegen die mächtigen Studiobosse Hollywoods verteidigte - \"Die Macht\" war wohl mit ihm - da spielte vom ersten Bild (Datum der Erstausstrahlung der ersten Episode: 8.9.1966) an auch das Design dieser neuen Welt eine gewichtige Rolle.

Diesem vielgestaltigen Aspekt der erfolgreichsten SF-Serie der Welt widmet sich dieser schön illustrierte Band, den das Autorenpaar Judith & Garfield Reeves-Stevens zusammengestellt hat. Das Vorwort stammt vom Produktionsdesigner Herman Zimmerman, der seinem Namen bekanntlich alle Ehre machte.

INHALTE

Das Buch repräsentiert nach Zimmermans Angaben \"die umfassendste Sammlung von Produktionsnotizen, -plänen, -zeichnungen und -illustrationen, die bislang zusammengetragen wurde\". Ein Stichwortregister wird allerdings schmerzlich vermißt! Der erste Teil behandelt die TV-Serien \"Star Trek Classic\", die Zeichentrickserie, die Serie \"Phase II\", die es nie gab (!), The Next Generation (TNG), Deep Space Nine (DSN; mittlerweile eingestellt) und Voyager.

Im zweiten Teil dreht sich alles - wie könnte es anders sein - um die Kinofilme bis zu Nummer VII, in dem sich die zwei Generationen aus \"Classic\" und TNG treffen. Die Filme \"Die Borgs\" (1997) und \"Der Aufstand\" (1998) konnten also nicht berücksichtigt werden.

Mehr als 900 Farbillustrationen, Fotos usw. erwecken Star Trek wieder zum Leben. Für den Einsteiger - so etwas soll es noch geben - wie für den Profi-Fan ist es von Interesse, wie einzelne Szenen, Zeichnungen, Storyboards, Accessoires usw. entstanden. So entstand etwa der VISOR ( kurz für Visual Instrument and Sensory Organ Replacement) für Geordie, den Farbigen auf der Brücke der TNG-Enterprise, aus einer Plastikhaarklammer für 79 Cents. Und 1977 wurde für \"Phase II\" eine Enterprise entworfen, die es nie gab - sozusagen eine Phantom-Enterprise. Breiten Raum nehmen natürlich auch die Spezialeffekte ein, Morphing zum Beispiel, oder Trickfiguren wie Alienwesen.

Glücklicherweise kann sich der Leser durch die Fülle des dargebotenen Materials mit Hilfe des Humors, den die beiden Autoren an den Tag legen, hindurcharbeiten, ohne auf Info-Warp 7 zu gehen. Beispiel: Seite 316 zeigt Datas Gemälde seiner Katze Spot, frei nach Picasso, also etwas eigenwillig im \"Design\".

Fazit
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Für Star Trek-Fans unentbehrlich, für Filmproduktions-Designstudenten nettes, historisch aufschlußreiches Anschauungsmaterial.

Michael Matzer © 2000/2003ff

Info: Star Trek Design, 1996; Heyne 1997, Nr. 06/5545, München; 320 Seiten, DM 44,00, aus dem US-Englischen übertragen von Ralph Sander, Vorwort von Herman Zimmerman, hrsg. von W. Jeschke, ISBN 3-453-12796-X

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