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Erfahrungsbericht von mackz

In der Gewalt von Skins

Pro:

ein aufrüttelndes Buch, autentisch erzählt und dennoch literarisch nervorragend verarbeitet

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Der Klassenlehrer wird zusammengeschlagen, die Lehrerin gezwungen, sich nackt vor den Schülern auszuziehen und die Kinder müssen eine Schaugeschichtsstunde zu Adolf Hitler über sich ergehen lassen - gehalten von Skins. Wer sich dabei rührt, kriegt Faustschläge oder ein Stuhlbein über den Schädel gezogen.

Nur ein Buch ?

Nein !! Es ist die Realität - autentisch erzählt in einem erschütterndem Jugendbuch.

23 Schüler - eine normale 7 Klasse - gerät während einer Klassenfahrt in einem verträumten Dorf in Mecklenburg in die brutale Gewalt eines rechten Schlägertrupps. Gefangen in einem von der Umwelt abgeschnittenem Hotel werden die Kinder stundenlang unter Angst und Schrecken drangsalliert. Ohnmächtig sehen sie ihren Lehrer zu Boden sinken, Ohnmacht befällt sie, als sich die Skins über ein Mädchen hermachen und Ohnmacht breitet sich in jedem Dorfbewohner aus, der von dem geflüchteten Mathias um Hilfe angesprochen wird, in jener Nacht die kein Ende nahm. Selbst die Polizei ist machtlos, überfordert und zu spät am Ort.

Das alles trifft den Leser in einer Nacktheit und Gewalt auf den 120 Seiten, dass er es nicht begreifen und schon gar nicht glauben kann. Es kann doch nicht sein, das ein Polizeibeamter ersteinmal in aller Ruhe ein Protokoll schreibt, während Mathias um das Leben seiner Klassenkameraden fürchtend, in der Polizeiwache zum \"ersteinmal Schlafen\" aufgefordert wird. Wo sind wir? So etwas kann es doch nicht geben? Oder?

Ich würde genauso zweifeln, wäre mein Vater nicht vor einigen Tagen in Wolgast (Mecklenburg) von einer Straßensperre am Weiterfahren gehindert worden, die rechte Skins willkürlich errichtet hatten.
Die Schläger sprangen auf seinem Auto rum, versuchten gewaltsam Scheiben und Türen einzubrechen und drohten mein Vater und dessen Begleiterin umzubringen, während mein Vater übers Funktelefon versuchte die Polizei zu allarmieren. Doch die wollten nichts wissen von dem was da draußen ablief. Erkundigten sich Minutenlang nach den Personalien meines Vaters, seinem Fahrzeugtyp, seinem (!) Nummernschild usw. Erst als mein Vater den Beamten am Telefon nötigte sich die Nummern der Naziautos zu notieren, die mein Vater durchsagte, lenkte der Beamte ein.
Dennoch zur Hilfe kamen sie zu spät. Später weigerten sie sich die Begleiterin meines Vaters als Zeugin zu vernehmen und haben ein Verfahren, das mein Vater gegen die Täter anstrebte bis zum heutigen Tage verzögert.

Wo leben wir? Frage ich da nocheinmal. Mecklenburg ist meine Heimat auch wenn ich jetzt in Sachsen lebe. Traue ich mich als Vater von zwei kleinen Kindern nocheinmal hin?

Auch die Frage stellen die Autoren Hetmann und Tondren in diesem Buch. Sie legen sie den verschiedenen Personen in den Mund, die sich jeweils in den einzelnen Kapiteln durch ihre Berichte von dieser endlosen Nacht äußern.
Vor allem Nemed, ein Junge aus der Schulklasse zählt im stillen durch. \"6 Skins gegen 23 Schüler, eine Lehrerin und einem Lehrer. Das müßte doch zu schaffen sein. Es wird Verletzte geben...aber\". Nemed ist dennoch wie seine Mitschüler und die Dorfbewohner wie gelähmt. Nur wegkucken kann er nicht.

Und so geht die Frage an uns Leser. Wieviel von diesen Unglückseeligen Schlägern gibt es da draußen - egal ob in Mecklenburg oder sonst irgendwo -und wieviele sind wir, die für Menschlichkeit, Frieden und Gewaltlosigkeit sind. Das müßte doch zu machen sein oder?

Für die Formalisten:

Preis: 7,50 Euro
Seiten: 120
genauer Titel: \"Die Nacht, die kein Ende nahm\"
Autoren: Tondern, Harald; Hetmann, Frederik
ISBN: 3499207478
ohne Illustrationen

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