Mehr zu AutorInnen mit T Testbericht

No-product-image
ab 7,88
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

Erfahrungsbericht von hotte07

Deutsch aus Sicht eines Ausländers - ...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

... für Ausländer geschrieben – ins Deutsche übersetzt...

So kann man ganz kurz den humorvollen Aufsatz „Die Schreckliche Deutsche Sprache“ von Mark Twain charakterisieren.

Kurz zur Entstehung meiner Buchvorstellung:
Als ich bei ciao meine Buchbewertung über „Der tiefere Sinn des Labenz“ von Douglas Adams u.a. vorstellte, empfahl mir stern7 in einem Kommentar nun dieses Werk, wenn mir diese Art von Humor denn gefalle.

Kurz entschlossen bestellte ich mir das Buch bei amazon.de, zwei Tage später war’s dann im Briefkasten...
Stern7 hat bei ciao selber das Werk auch schon beschrieben, ich möchte es dennoch – etwas umfassender – auch tun.

Es ist von „Werner Pieper’s MedienXperimente“ aus 69488 Löhrbach verlegt, in der Reihe „Der grüne Zweig“ unter der Nummer 170 als DinA5-Heft erschienen, 30 Seiten stark und kostete ganze DM 5,-- (nun also wohl knapp 3 Euro).

Mark Twain verbrachte mehrmals längere Aufenthalte in Deutschland, meistens in Heidelberg und verwand viel Energie darauf, die deutsche Sprache zu erlernen.

Nun hört man ja oft von fremdsprachlichen Mitmenschen, wie schwer es denn sei, die deutsche Sprache zu lernen oder gar zu perfektionieren, nun aber hat man mit diesem Aufsatz auch die Begründungen dafür, warum dies so ist...

Mark Twain hat in einer sehr augenzwinkernden Art - jedoch sehr analytisch und sehr gut recherchiert – die Schwierigkeiten der deutschen Sprache aufgezeigt:

- Die Deklination der Hauptwörter in zehn (!) Wortarten, dass das zugehörige Adjektiv mitdekliniert werden muss (und zwar meistens anders als das beschriebene Hauptwort) und die Unlogik der Geschlechterverteilung (DER Mann und DIE Frau aber DAS Fräulein und DAS Weib – was frei nach Mark Twain nicht so schlimm wäre, wenn DIE Rübe wenigstens dann auch kein Geschlecht hätte).
- Das Zusammensetzen von Hauptwörtern und die sich daraus ergebende Tatsache, dass man sie in keinem Wörterbuch finden kann.
Beispiele: „Freundschaftsbezeigung“ bedeutet „demonstrations of friendship“, „Unabhängigkeitserklärungen“ seien keine Verbesserung zu „declarations of independence“ und „Generalstaatsverordnetenversammlungen“ nur ein ’rhythmischer, überspannter, gespreizter Ausdruck für „meetings of the legislature“’.
- Dass Verben immer ziemlich am Schluss eines Satzes da stehen, wo man sie gar nicht mehr erwartet, dass es mit einem anschließendenden „haben sind gewesen gehabt haben geworden sein“ (oder so ähnlich) verziert werden und am allerschlimmsten: Dass man die Verben trennen kann. Außerdem sei es eine deutsche Untugend, in einen normalen Satz Parenthesen, Unterparenthesen, Unterunterparenthesen, ... einzufüllen. Folgender Satz mag die beiden letztgenannten Charakteristiken untermalen: „Da die Koffer nun bereit waren, REISTE er, nachdem er seine Mutter und Schwestern geküsst und noch einmal sein angebetetes Gretchen an den Busen gedrückt hatte, die, in schlichten weißen Musselin gekleidet, mit einer einzigen Teerose in den weiten Wellen ihres üppigen braunen Haares, kraftlos die Stufen herab gewankt war, noch bleich von der Angst und Aufregung des vergangenen Abends, aber voller Sehnsucht, ihren armen, schmerzenden Kopf noch einmal an die Brust dessen zu legen, den sie inniger liebte als ihr Leben, AB.“
- Twain moniert weiter, dass im deutschen der Klang bildhafter Wörter nicht ihrem Sinn entsprechen: Die deutschen Entsprechungen der tief, stark und hallend klingenden englischen Wörter boom, burst, crash, roar, storm, ... wären „niedlich genug, um Kinder damit in Schlaf zu singen“.
- ...

Alles in allem zeigt Mark Twain auf sehr amüsante Art die Schwierigkeiten der deutschen Sprache auf, die wir als „Muttlersprachler“ so gar nicht wissen (können), weil wir nie wirklich aktiv gelernt haben, das man z.B. „Freund“ anders deklinieren muss als „Hase“ und dass es – zumindest beim Adjektiv - einen Unterschied macht, ob ich von „EIN guter Freund“ oder „DER gute Freund“ spreche.

Positiv fällt ihm auf, dass es durchaus auch deutsche Worte gibt, die man oft und universell einsetzen kann. So z.B. „Zug“ und „Schlag“. Er gibt dann einen verkürzten Umriss aller Bedeutungen dieser Wörter und empfiehlt dem deutsch Lernenden, wenn er mal nicht weiter wüsste, einfach mal ein „Zug“ oder ein „Schlag“ einzubauen. Meistens würde es passen... Eine andere Möglichkeit sei, einfach ein „also“ einzustreuen, bis man wieder den Faden gefunden habe, wobei er zugibt, dass das Englische mit „you know“ ebenfalls eine solche bedeutungslose Phrase habe...
Weiterhin gäbe es Wörter, die ungewöhnlich ausdrucksstark sind und deren Klnag ihre Bedeutung untermale... diese kämen allesamt aus den Bereichen Familie, Liebe, Natur.
Twain findet die Großschreibung der deutschen Hauptwörter gut, dadurch seien sie ziemlich leicht zu finden (man bedenke, dass wir diese den deutsch Lernenden helfende Tatsache spätestens nach der Reform der Reform der Reform der Rechtschreibreform abgeschafft haben werden).
[Ich weiß jetzt gar nicht, ob mein letzter Satz in der Klammer grammatikalisch ganz richtig ist, aber Mark Twain hätte ihn bestimmt, wenn er noch leben würde, zum Anlaß einer Fortsetzung genommen.]
Weiterhin sei ihm die sehr einfache Aussprache im Deutschen positiv aufgefallen. Andersrum wüsste man auch immer ziemlich genau, wie ein Wort geschrieben wird, wenn man es hört.


Ehrlich gesagt habe ich mir vor der Lektüre dieses Essays noch nie viele Gedanken über meine Muttersprache gemacht, aber als Fazit möchte ich hier meiner Freude darüber Ausdruck verleihen, dass ich deutsch nie mehr lernen muss, weil ich es (zumindest halbwegs) schon kann und gelobe, in zukünftigen Artikeln von mir klar strukturierte Sätze ohne Unterunterunterunterparenthesen zu konstruieren.
Fazit des Fazits: Kaufen! Und nie wieder meckern wenn man mal dreieinhalb unregelmäßige englische Verben lernen soll...

Zitat von Mark Twain:
„Wusste nie, wofür die Ewigkeit gut sei. Sie gibt uns die Chance, Deutsch zu lernen.“

19 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Rebba

    14.01.2003, 16:03 Uhr von Rebba
    Bewertung: sehr hilfreich

    Das werde ich mir besorgen! Kennst du " Briefe in die chinesiche Vergangenheit" von Herbert Rosendorfer? Da geht es es um die deutsche Sprache und deutsche Gebräuche. Ein zeitreisender Chinese aus der Vergangenheit landet im heutigen Mü

  • tepungaatewaka

    24.07.2002, 11:32 Uhr von tepungaatewaka
    Bewertung: sehr hilfreich

    "wilkommen in Deutschland" Maxim Gorski, das ist auch so in der Art, super witzig. Er ist, wie sein name unschwer erkennen lässt Russe, und versteht es perfekt die Deutschen auf eine nette Art zu kritisieren:-) Wie Recht er doch mit vielem h