Erfahrungsbericht von emmtie
Torvalds, Linus - Just for fun: Von Einem, der Bill Gates das Fürchten lehrt ..
Pro:
spannende und flüssig lesbare Biographie mit aktuellem Bezug
Kontra:
Ausstattung des Buches für den Preis zu dürftig
Empfehlung:
Nein
.. und dabei scheinbar überhaupt nichts von der Unverbindlichkeit eines großen Firmenchef hat, nicht das Sendungsbewusstsein eines Visionär verbreitet und auch nicht der Meinung ist, dass er alleine die Software-Weisheit der Welt verbreitet, sondern scheinbar ganz normal und auf dem Boden geblieben ist. Die Lebensgeschichte eines solchen Menschen muss doch einfach interessant sein.
Die Rede ist von Linus Torvalds, dem Mann der 1991 als junger Computerfreak in Finnland aus Eigenbedarf das Betriebssystem LINUX entwickelte und damit den Grundstein für die erste echte Konkurrenz des Monopolisten Microsoft gelegt hat.
Anfang 2001 erschien unter dem Titel „Just for fun“ seine Autobiographie, die er zusammen mit dem Computerjournalisten David Diamond geschrieben hat. Da mich Linux zwar nicht als Hauptbetriebssystem, aber doch kontinuierlich auf dem jeweiligen Zweitrechner, schon seit Jahren begeistert und mich auch die Idee der entgeltfreien gemeinsamen Arbeit von vielen Entwicklern und Freaks auf der Welt fasziniert, die LINUX erst zu dem gemacht haben, was es heute ist, war das Buch förmlich Pflichtlektüre für mich.
Inhalt (gleich mit einigen persönlichen Eindrücken):
Nach den üblichen Vorworten (in der deutschen Ausgabe vom Vorstandsvorsitzenden des Linux-Distributor SUSE) und Danksagungen kommt gleich ein 6-seitiges Kapitel in Dialogform, dass sich von dem was man in eine Bio erwartet, deutlich unterscheidet. In Dialogform wird zwischen Torvalds, seiner Frau und seinem Co-Autor über den Sinn des Lebens während einer Autofahrt philosophiert. Und neben allerlei Lustigem, wird auch eine These über die Ziele von Menschen aufgestellt. Die Motivation ist als erstes Überleben, wenn dies gewährleistet ist geht es um die gesellschaftliche Stellung und schließlich kommt dann Spaß und Unterhaltung. Dies These wird noch mehrfach im Buch angesprochen. Aber durch die lustige „Verpackung“ in den spaßigen Dialog wird gleich von Anfang an das Image „Ich erkläre euch die Welt, weil ich doch so klug bin“ vermieden.
Es folgen 30 Seiten die die Jugend von Torvalds schildern, seine Begegnung mit Computern bei seinem Großvater (ich sage nur Commodore VC 20 für die Älteren, die sich an so was erinnern. Hätte ich mich doch damals etwas mehr reingekniet, dann hätte etwas aus mir werden können :-)), wie er in der Schule war und Ähnliches. Interessant ist, das dazwischen, durch eine anderes Schriftbild deutlich gemacht, immer wieder Eindrücke des Co-Autors bei der Erlangung der jeweiligen Informationen, eingestreut werden.
Die Seiten 47 bis 128 sind dann mit „Geburt eines Betriebssystems“ überschrieben und genau das wird dort geschildert. Der Weg von einem selbstgestrickten Terminalprogramm, um sich an der Uni einzuwählen, dem Aufbohren der Funktionen und dem Austausch mit den ersten Freaks in aller Welt bis hin zu dem Zeitpunkt im Jahr 1993, in dem die Newsgroup-Statistiken die Linux-Diskussionsboards auf Top-Plätzen weltweit sehen.
Ich werde jetzt bewusst nicht zu sehr ins Detail gehen, da dies ja eine Besprechung und keine Nacherzählung sein soll. Dieser Abschnitt ist im Buch mit einer kleinen Warnung versehen: „Mittelschwere Geek-Sprache“. Geek ist ein Insiderbegriff für echte Computerfreaks. Ich gebe zu, dass ich das wahrscheinlich nicht ganz neutral beurteilen kann, da ich mich mindestens genauso lange mit Computern beschäftige wie Linus Torvalds (auch wenn ich etwa 10.000 Klassen tiefer spiele :-)). Es ist ein gewisses technisches Verständnis von Nöten um die Entwicklung zu verfolgen, doch ich bin der Meinung das dies auch von interessierten Laien nachvollzogen werden kann.
Im weiteren Verlauf des Buches wird dann der weitere Siegeszug des Betriebssystems LINUX (von dem Torvalds immer noch behauptet, dass nicht er seinen Vornamen eingearbeitet hat, sondern dies auf dem ersten Uniserver, auf dem das Urprogramm lag, umbenannt wurde; er wollte es FREAX nenne), das Verhältnis zu anderen freien Unix-Versionen und deren Entwicklern, die Art und Weise wie Torvalds die Entwicklung koordiniert und steuert, ohne sich als Großer Zampano in den Vordergrund zu spielen und immer wieder das Prinzip der freien Weiterverbreitung (Schlagworte: Open Source, GPL, GNU) geschildert. Natürlich immer im Zusammenhang mit dem Lebensweg des Entwicklers. Es wird auch ziemlich deutlich gezeigt, dass auch jemand wie Torvalds Angst vor seinem ersten Vortrag hatte oder sich auch bei seine beruflichen Entscheidungen nicht unbedingt zielstrebig war. Und natürlich wird auch die Geschichte erzählt, wie Linux zu seinem Maskottchen, dem Pinguin TUX kam, wobei sich die Beteiligten (Torvalds und seine Frau) nicht ganz einig sind.
Äußerer Eindruck:
Das Buch hat zwar die Größe eines gebundenen Werkes, ist aber von Anfang an als Paperback erschienen. Dafür das das Buch 19,90 Euro kostet ist die Ausstattung doch recht dürftig. Auf dem Titel sieht man einen großen TUX und ein kleines Foto des Autors.
Fazit:
Natürlich ist eine Autobiographie niemals neutral und versucht den Beschriebenen im besten Licht darzustellen. Linux und sein Entwickler haben den Rebellen-Status. Und auch in diesem Buch wird Torvalds natürlich in diesem Licht dargestellt. Etwas anders, keinesfalls abgehoben. Doch ich persönlich nehme nach all den Schilderung, Stories und Statements in dieser Biographie Linus Torvalds ab, dass er hier nicht nur versucht sich so darzustellen sondern wirklich so ist.
Ein erfrischendes, flüssig lesbares Buch für alle, die die Geschichte des freien Betriebssystems LINUX und seines Entwicklers und gleichzeitig das Aufkommen der Idee der Open Source, der freiverfügbaren Software, kennen lernen will. Aufgrund des hervorragenden Inhalts gebe ich trotz der dürftigen Ausstattung trotzdem volle Punktzahl.
Die Rede ist von Linus Torvalds, dem Mann der 1991 als junger Computerfreak in Finnland aus Eigenbedarf das Betriebssystem LINUX entwickelte und damit den Grundstein für die erste echte Konkurrenz des Monopolisten Microsoft gelegt hat.
Anfang 2001 erschien unter dem Titel „Just for fun“ seine Autobiographie, die er zusammen mit dem Computerjournalisten David Diamond geschrieben hat. Da mich Linux zwar nicht als Hauptbetriebssystem, aber doch kontinuierlich auf dem jeweiligen Zweitrechner, schon seit Jahren begeistert und mich auch die Idee der entgeltfreien gemeinsamen Arbeit von vielen Entwicklern und Freaks auf der Welt fasziniert, die LINUX erst zu dem gemacht haben, was es heute ist, war das Buch förmlich Pflichtlektüre für mich.
Inhalt (gleich mit einigen persönlichen Eindrücken):
Nach den üblichen Vorworten (in der deutschen Ausgabe vom Vorstandsvorsitzenden des Linux-Distributor SUSE) und Danksagungen kommt gleich ein 6-seitiges Kapitel in Dialogform, dass sich von dem was man in eine Bio erwartet, deutlich unterscheidet. In Dialogform wird zwischen Torvalds, seiner Frau und seinem Co-Autor über den Sinn des Lebens während einer Autofahrt philosophiert. Und neben allerlei Lustigem, wird auch eine These über die Ziele von Menschen aufgestellt. Die Motivation ist als erstes Überleben, wenn dies gewährleistet ist geht es um die gesellschaftliche Stellung und schließlich kommt dann Spaß und Unterhaltung. Dies These wird noch mehrfach im Buch angesprochen. Aber durch die lustige „Verpackung“ in den spaßigen Dialog wird gleich von Anfang an das Image „Ich erkläre euch die Welt, weil ich doch so klug bin“ vermieden.
Es folgen 30 Seiten die die Jugend von Torvalds schildern, seine Begegnung mit Computern bei seinem Großvater (ich sage nur Commodore VC 20 für die Älteren, die sich an so was erinnern. Hätte ich mich doch damals etwas mehr reingekniet, dann hätte etwas aus mir werden können :-)), wie er in der Schule war und Ähnliches. Interessant ist, das dazwischen, durch eine anderes Schriftbild deutlich gemacht, immer wieder Eindrücke des Co-Autors bei der Erlangung der jeweiligen Informationen, eingestreut werden.
Die Seiten 47 bis 128 sind dann mit „Geburt eines Betriebssystems“ überschrieben und genau das wird dort geschildert. Der Weg von einem selbstgestrickten Terminalprogramm, um sich an der Uni einzuwählen, dem Aufbohren der Funktionen und dem Austausch mit den ersten Freaks in aller Welt bis hin zu dem Zeitpunkt im Jahr 1993, in dem die Newsgroup-Statistiken die Linux-Diskussionsboards auf Top-Plätzen weltweit sehen.
Ich werde jetzt bewusst nicht zu sehr ins Detail gehen, da dies ja eine Besprechung und keine Nacherzählung sein soll. Dieser Abschnitt ist im Buch mit einer kleinen Warnung versehen: „Mittelschwere Geek-Sprache“. Geek ist ein Insiderbegriff für echte Computerfreaks. Ich gebe zu, dass ich das wahrscheinlich nicht ganz neutral beurteilen kann, da ich mich mindestens genauso lange mit Computern beschäftige wie Linus Torvalds (auch wenn ich etwa 10.000 Klassen tiefer spiele :-)). Es ist ein gewisses technisches Verständnis von Nöten um die Entwicklung zu verfolgen, doch ich bin der Meinung das dies auch von interessierten Laien nachvollzogen werden kann.
Im weiteren Verlauf des Buches wird dann der weitere Siegeszug des Betriebssystems LINUX (von dem Torvalds immer noch behauptet, dass nicht er seinen Vornamen eingearbeitet hat, sondern dies auf dem ersten Uniserver, auf dem das Urprogramm lag, umbenannt wurde; er wollte es FREAX nenne), das Verhältnis zu anderen freien Unix-Versionen und deren Entwicklern, die Art und Weise wie Torvalds die Entwicklung koordiniert und steuert, ohne sich als Großer Zampano in den Vordergrund zu spielen und immer wieder das Prinzip der freien Weiterverbreitung (Schlagworte: Open Source, GPL, GNU) geschildert. Natürlich immer im Zusammenhang mit dem Lebensweg des Entwicklers. Es wird auch ziemlich deutlich gezeigt, dass auch jemand wie Torvalds Angst vor seinem ersten Vortrag hatte oder sich auch bei seine beruflichen Entscheidungen nicht unbedingt zielstrebig war. Und natürlich wird auch die Geschichte erzählt, wie Linux zu seinem Maskottchen, dem Pinguin TUX kam, wobei sich die Beteiligten (Torvalds und seine Frau) nicht ganz einig sind.
Äußerer Eindruck:
Das Buch hat zwar die Größe eines gebundenen Werkes, ist aber von Anfang an als Paperback erschienen. Dafür das das Buch 19,90 Euro kostet ist die Ausstattung doch recht dürftig. Auf dem Titel sieht man einen großen TUX und ein kleines Foto des Autors.
Fazit:
Natürlich ist eine Autobiographie niemals neutral und versucht den Beschriebenen im besten Licht darzustellen. Linux und sein Entwickler haben den Rebellen-Status. Und auch in diesem Buch wird Torvalds natürlich in diesem Licht dargestellt. Etwas anders, keinesfalls abgehoben. Doch ich persönlich nehme nach all den Schilderung, Stories und Statements in dieser Biographie Linus Torvalds ab, dass er hier nicht nur versucht sich so darzustellen sondern wirklich so ist.
Ein erfrischendes, flüssig lesbares Buch für alle, die die Geschichte des freien Betriebssystems LINUX und seines Entwicklers und gleichzeitig das Aufkommen der Idee der Open Source, der freiverfügbaren Software, kennen lernen will. Aufgrund des hervorragenden Inhalts gebe ich trotz der dürftigen Ausstattung trotzdem volle Punktzahl.
24 Bewertungen, 1 Kommentar
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14.04.2002, 22:04 Uhr von Netti1982
Bewertung: sehr hilfreichhört sich interessant an... MfG Netti
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