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Erfahrungsbericht von regenwald

Berlin

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Hallo Yopis,
ich möchte euch heute zwei Autoren und jeweils das interessanteste Gedicht dieser Autoren vorstellen.Beide Gedichte weisen verwandte Motive auf: Berlin 1987 - Ende des kalten Krieges, Berlin 1947- Beginn des kalten Krieges und das Mittel Berlin, dass im kalten Krieg eine wichtige Rolle für beide Seiten, für die Sowjetunion als auch für die Alliierten spielte, da beide Seiten ideologische und propagandistische Angriffe zur Vermeidung einer militärischen Auseinandersetzung verwendeten. Wichtiger aber ist, dass beide Gedichte einen Zeitpunkt am Ende eines Ereignisses bzw. den Beginn eines neuen Zeitabschnitts schildern. Beide Gedichte befassen sich mit der Großstadt Berlin. Vor dem Hintergrund dieser vergleichbaren Elemente werden die Unterschiede im Gehalt, in der Form, der Sprache und dem jeweiligen historischen Hintergrund deutlich. Beginnend mit der Analyse und Interpretation des Gedichts aus der Postmoderne folgt das Gedicht des expressionistischen Dichters aus der Nachkriegsliteratur. Durch dieses chronologische Vorgehen kommen Unterschiede und die verschiedenen Aussagen zum Ausdruck.

Treichels Gedicht „Mythos Berlin 1987“ ist eingefügt im Gedichtband
„Seit Tagen ! kein Wunder. Gedichte.“ , der 1990 veröffentlicht wurde.
Dieses Gedicht ist eines der wenigen Gedichte, indem er über das historische Ereignis den Mauerfall schreibt. Das Arbeiten mit Vorbildern wird in der ersten Strophe des Sonetts durch die Anspielung auf die expressionistische Großstadtlyrik des Jakob van Hoddis , den Begründer und Initiator des Expressionismus sichtbar.
Zur Kennzeichnung der Struktur des Gedichts verwende ich eine Kamera und führe diese über die einzelnen Stationen, die im Gedicht vorkommen.
Die Situation 1987 in Westberlin (Strophe 1) wird als Erstes von der Kamera aufgenommen. Diese schwenkt hinüber auf Ostberlin und stellt fest, dass zwischen West – und Ostberlin keine Verbindung besteht (Strophe 2, V.5f) . Die Kamera macht einen Zeitsprung in die Vergangenheit und erinnert an den zweiten Weltkrieg (Strophe 2, V.7f) und zoomt wieder zurück und durchleuchtet die Köpfe der Beteiligten (Strophe 3, V.9) und durchforstet die Gedanken der stationierten Soldaten (Strophe3, V.11) und der Ostberliner ( Strophe 3 u. 4, V10,12f). Die Kamera verweist auf kommende Probleme der Zukunft und beendet damit die Kameraführung.
Um die Aussage des Gedichts zu verstehen, ist es zuerst einmal wichtig die Bedeutung bzw. die Aussage der Überschrift „Mythos Berlin 1987“ zu klären. Mit Mythos Berlin ist der legendäre Charakter Berlins gemeint.
Die Sonderstellung Berlins resultiert auf Grund der direkten Konfrontation beider Seiten auf engstem Raum durch die Teilung in Ost- und Westberlin.
Berlin ist für beide Seiten ein Mittel zum Zweck. Durch einfache Mittel, wie ideologische und propagandistische Angriffe erreichen beide Seiten den Zweck, die Vermeidung einer militärischen Auseinandersetzung. Die Alliierten ereichen ihr Ziel indem sie eine künstliche Fassade, eine Scheinwelt um Ostberlin wie eine Oase aufbauen. Warum der Autor den Zeitpunkt 1987 und nicht den Zeitpunkt der Wiedervereinigung 1990 wählt
begründet er: „ (...) die Bewegungen und Erschütterungen des Augenblicks konfrontieren nicht nur mit der Gegenwart, sie können ebenso gut die Vergangenheit herausfordern.“
Dieser Mythos wird in der ersten Strophe deutlich: „ Ein paar Ruinen noch – der Rest ist nur Reklame “.(V.1) Westberlin wurde nach dem Krieg neu aufgebaut, bis auf ein paar Ruinen und als Propagandamittel verwendet. Die Zäsur zwischen den beiden Aussagen verdeutlicht dies. Außerdem ist Reklame bzw. Werbung ein Merkmal des Kapitalismus. Die strenge und genaue Überwachung wird in „Verkabelt und vernetzt und sonnenklar“ (V.2) geschildert. Berlin sollte so sonnenklar, so die Metapher , sein, damit Berlin als Brennpunkt genauestens überblickt werden kann, deswegen muss es „Verkabelt und vernetzt (...)“(V.3) sein. Die Metapher „(...) Großaufnahme “ (V.3) kann zwei Bedeutungen haben. Die Bedeutung bzw. das wichtige Prinzip Berlins für die Sowjetunion und die Alliierten oder aber auch als Großaufnahme eines Fotoapparates, auf der nur das Gewünschte bzw. das Wichtigeste aufgenommen wird, aber alles was links oder rechts ist nicht zeigt. Von Berlin wurde auch immer nur das Gewünschte , dass propagandistisch Wertvollste gezeigt, nicht aber die Schattenseiten, da diese eine negative Wirkung hätten und den gegenseitigen Respekt mindern würden.
Die Metapher „Prometheus (...)“(V.4) steht für den Kulturbringer in der griechischen Mythologie und im Zusammenhang mit „ (...) Fernsehsuppe (...)“ (V.4) wird hier an der Kultur, an der so hochgejubelten deutschen Kultur Kritik ausgeübt, da sie nur auf das Fernsehprogramm reduziert wird. Die erste Strophe befasst sich also mit der künstlich gemachten Scheinwelt des Westberlins und wird vom Autor kritisiert und als „leer“ bezeichnet. Er sieht Westberlin auch nicht als seine Heimat.
Ironisch wird die existierende Verbindung durch „(...)Dreizehn tote Gleise“(V.5) und einem Material dem „(...) Styropor (...)“ (V.6), zwischen Ost- und Westberlin dargestellt. Eigentlich existiert keine Verbindung, da auf toten Gleisen keine Züge fahren können und Styropor kein Stoff ist, der „(...) zusammenhält (...)“ (V.6). Ironisch wird aber auch das Gedenken an die Ideologie des Nationalsozialismus und an den Gruppenzwang der Deutschen behandelt. Durch den zynischen Begriff „(...)Gruppenreise(...)“(V.7) der für den zweiten Weltkrieg bzw. für den ideologischen Trieb der Deutschen verwendet wird und die Anspielung auf ein Nazi-Lied „(...) Und morgen die ganze Welt“(V.8.), dass bei einem Marsch oder vor einem Feldzug von den Soldaten gesungen wurde übt Treichel Kritik an dem Wahn der Deutschen bzw. an den Deutschen aus.
„ Die Mauer steht noch ein paar hundert Jahre “(V.9) so dachten zu diesem Zeitpunkt fast alle und kann dadurch auch nicht ironisch gesehen werden. Keiner hätte jemals gerechnet, dass die Mauer einmal fallen bzw. dass es eine Wiedervereinigung geben würde. Dies (V.9) war auch ein Ausspruch der Rußen zu diesem Zeitpunkt. In Reden erwähnten sie immer wieder, dass die Mauer niemals falle. Treichel war auch der Ansicht, dass„ Nicht nur Westberlin (...) ewig war (...) Auch Ostberlin war ewig. Einschließlich der gesamten DDR.“
„Sisyphos wirft die Zeitmaschine an “ (V.10). Diese beiden Metaphern können wiederum aus zwei verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden. Sisyphos oder besser gesagt seine verrichtete Arbeit kann bezogen auf griechische Sagen als sinnlos interpretiert werden. Zum einen kann eine Zeitmaschine in die Vergangenheit springen oder aber auch Geschehnisse überspringen und in die Zukunft gelangen. Der erste Gesichtspunkt könnte sein, dass die Zeitmaschine in die Vergangenheit springt und über die ewigen, sinnlosen, hoffnungslosen und vergeblichen Versuche eine Wiedervereinigung bzw. eine Lösung zu finden hinwegsieht.
„In Kreuzberg(...)“(V.11), einem ehemaligen Wohnort des Autors, ein Teil Westberlins, dass sehr Nahe an der Grenze ist, „ (...) färbt Odysseus sich die Haare“. (V.11) Der Kriegsheld Odysseus, also die stationierten Soldaten vor der Grenze sind nutzlos, da beide Seiten, die Sowjets wie auch die Alliierten, das Militär nicht einsetzten, sondern nur wie schon erwähnt wurde nur ideologische und propagandistische Angriffe ausübten um die Prestige-Sache Berlin zu erhalten. Auf Grund der Nutzlosigkeit der Soldaten üben sie etwas Antimilitaristisches aus und färben sich die Haare. Das färben der Haare steht somit für die Sinnlosigkeit der stationierten Soldaten.
Hans-Ulrich Treichel bezeichnet Ostberlin als „(...) leere(...)[s] Hinterhaus“(V.12) und bringt es mit dem griechischen Gott Pan, den Gott der Jäger und Hirten in Verbindung. Aber Gott der Jäger passt in diesem Zusammenhang nicht – Pan hat außerdem sehr gerne Leute erschreckt, daher kommt auch das Wort Panik. Panik hatten die Westdeutschen immer schon vor den Ostdeutschen und den „bösen Rußen“. Wenn sich also diese Menschen betrinken besteht keine Gefahr mehr von einer Bedrohung. 1987 war der Osten kurz vor dem Zusammenbruch und die Angst vor dem Osten ging „ (...) flöten“ (V.13). Die Umgestaltung der UdSSR, entfacht von dem sowjetischen Parteichef M. Gorbatschow, mit den Schlagworten Perestroika und Glasnost war zu diesem Zeitpunkt im Gange. Einen „(...) Paß(...)“ (V.13) benötigten die Ostdeutschen bzw. die Ostberliner nicht, er war sinnlos für sie, denn sie durften nicht ausreisen und somit ist ein Paß wertlos.
Der letzte Vers ist für mich die zentrale Stelle im Gedicht, dort gibt der Autor eine Prognose für die Zukunft und weist auf mögliche Probleme hin.
Da der Osten „(...) zerbricht (...)“, zerbricht auch gleichzeitig das Selbstbewusstsein und er Zusammenhalt der Ostberliner und natürlich der der Ostdeutschen. In der Zeit der Isolation entwickelte Ostdeutschland eine eigene Mentalität und Kultur .
Dort entstanden für viele „neue Leben auf neuer Erde in neuen Wohnungen “ und diese wurden durch die Wiedervereinigung zerbrochen. Auch der technische Fortschritt Westdeutschlands gegenüber Ostdeutschland kann ein mögliches Problem werden. Wenn nun zwei unterschiedliche gespaltene Seiten aufeinandertreffen, ist es vorprogrammiert, dass Probleme und Anpassungsschwierigkeiten entstehen. Diese kommenden Probleme kann auch der gemeinsame Ursprung, das „Vaterland“( Zeus, der Göttervater steht für gemeinsamer Ursprung bzw. „Vaterland“ ) „ (...) nicht löten“ (V.14).
Da Hans-Ulrich Treichel ein Schriftsteller der Postmoderne ist und das Gedicht eigentlich Merkmale des Barocks und des Expressionismus aufweist ist es wichtig Form uns Sprache des Gedichts zu untersuchen.
Mythos Berlin 1987 ist ein Sonett, bestehend aus zwei Quartetten und zwei Terzetten, mit dem Verstakt eines Jambus, der keine regelmäßige Verteilung der Hebungen pro Vers aufweist. Weibliche und männliche Endungen wechseln sich auch unregelmäßig ab. Auffallend ist, dass Treichel kurze Sätze verwendet, die sich wie Zeitungsüberschriften anhören, wie zum Beispiel : „ Anhalter Bahnhof: Dreizehn tote Gleise“ (V.5). Außerdem verwendet der Autor das typische Merkmal des Expressionismus , eine fehlende Interpunktion. Bis auf eine Stelle „Aus Styropor.(...)“ (V.6) an der eine Interpunktion verwendet wird, obwohl sie an diese Stelle gar nicht passt. Dies verstärkt aber den ironischen Effekt, der in der Interpretation angesprochen wurde und verdeutlicht die nicht existierende Verbindung zwischen Ost – und Westberlin. Ein weiteres stark auffallendes Merkmal ist die gezielte metaphorische Verwendung der griechischen Mythologie.
Der historische Hintergrund wurde in der Interpretation schon angedeutet.
Treichel beschreibt das Ende des Kalten Krieges aus der Sicht von 1987, aber mit dem Wissen von 1990, also mit der Wiedervereinigung. Er schildert, wie die Leute 1987 gedacht haben und dass keiner es für möglich gehalten hat, dass es jemals eine Wiedervereinigung verbunden mit einem Mauerfall geben würde. Der Autor nennt „den Verlust Westberlins“ als Wiedervereinigung und bekennt sich als Gegner der Wiedervereinigung. „ Es gehört zur Logik der Sache, dass mit der Öffnung der Mauer nicht nur das eingemauerte Ostberlin, sondern auch Westberlin samt dem damit verbundenen jeweiligen Lebensgefühl aus der Alltagswirklichkeit in die Historie hinübergewechselt war.“ Die möglichen Problem, die durch die Wiedervereinigung entstehen können deutet er am Schluss des Gedichtes an.
Leonhards Gedicht „Berlin“ ist eingefügt im Gedichtband „Deutsche Gedichte“, der 1947 veröffentlicht wurde. Zur Kennzeichnung der Struktur des Gedichts verwende ich wiederum eine Kamera. Die Kamera nimmt zuerst einmal das Ende des Krieges und dessen Folgen für Männer und Frauen auf. (Strophe 1). Das Kriegsende zog eine hohe Anzahl von Flüchtlingen in die Hauptstadt Berlin, diese werden von der Kamera in der zweiten Strophe aufgefangen. Die physischen, psychischen und materiellen Schäden, die die Menschen durch den Krieg erleiden müssen, werden vom Objektiv festgehalten (Strophe 3). Verschont bleiben die Politiker und Drahtzieher, die den Weltkrieg verursacht haben (Strophe 4). Wiederaufbau, die Erholung der Menschheit und die bestehende Feindschaft unter den Menschen (Strophe5) werden als Ende der Kameraführung verwendet.
Leonhard führt eine rhetorische Frage zu Beginn des Gedichtes ein und stellt eine Frage, die nicht beantwortet werden kann und deutet mit „ Wann sind die letzten Brände verglommen?“ (V.1) das Ende des zweiten Weltkrieges an, weist aber auch auf den bevorstehenden kalten Krieg hin.
Der Krieg hat seine Spuren gezogen und „ (...) Leichen und Rauch (...)“ sind Bestandteile des damaligen Zeitpunkts. Durch den Krieg haben „Die Männer (...) weiße Haare bekommen.“ (V.3) Die Soldaten bzw. Männer bekamen wirklich graue Haare – der Krieg schwächte sie so sehr, dass dies ein Zeichen der Erschöpfung und schnellen Alterung war. Genauso wie die Männer, hatten auch die Frauen mit den Kriegsfolgen zu kämpfen.
Beide mussten das Geschehene verarbeiten und mit dem Verlust von Angehörigen leben. Vor allem „ Die Frauen irren(...)“ (V.4) umher, in der Hoffnung ihren Mann und ein Dach über dem Kopf zu finden „ (...)und frieren (..)“ (V.4) , da sie keines von Beidem finden.
Die resignierten und abgesumpften Flüchtlinge ziehen „taumeln[d] (...) mit ihren psychischen „(...) Lasten“ (V.5) und ihrem letzten Inventar nach Berlin. Viele Flüchtlinge aus dem Osten zogen nach Berlin, „die große Stadt(...)“(V.8), die durch ihr „(...) großes Geschick“ (V.8) die Flüchtlinge anonym werden lässt . Geschick kann aber auch Schicksal bedeuten, das Schicksal der Stadt, die Reichstadt, die als Machtinstrument verwendet wurde, die Großes und Schlimmes angerichtet hat. Dies könnte ein ironischer Bezug auf die ideologischen Pläne Hitlers, Berlin als Mittelpunkt des Reiches zu machen, sein. Die „(...) kleinen Leben“ (V.9) der Flüchtlinge sind im Gegensatz zu der großen Stadt und dem großen Geschick wertlos. Die große Anzahl an Flüchtlingen in Berlin wird durch die Alliteration „(...)Viele viele“ (V.9) und durch das „wandern und wehn (...)“(V.10) wie Winde sichtbar. Sie haben den Boden unter den Füßen verloren, ihr „ (...)Grund kreiselt zu Schaum.“(V.10), da sie ihre Heimat, ihren Stolz, ihr Selbstbewusstsein und ihre Familien verloren haben.
Auch die Kinder leiden unter den Kriegsfolgen – Kinder die durch den Krieg eigentlich keine richtigen Kinder sein können. Sie können zwischen der Brutalität und Normalität nicht unterscheiden . „Die Kinder spielen unfassbare [brutale] Spiele.“ (V.11), denn für sie ist Gewalt normal.
Die beiden im Satz „Am Pflaster wuchert ein brüchiger Baum “ (V.12) enthaltenen Symbole bzw. Metaphern sind so zu verstehen, dass das Pflaster dem Tod entspricht und der Baum für das Leben steht.
Am Tod wuchert planlos und unkontrolliert ein brüchiges Leben. Das kann man entweder speziell auf die Kinder beziehen, denn sie haben so viel Schlimmes erlebt und sind daher brüchig, oder aber auf die ganzen Kriegsgeschädigten., die aus dem Tod der Gefallenen wuchern und zu leben versuchen.
Die zwei letzten Strophen sind die zentralen Stellen des Gedichts, die auch auf die Aussage hindeuten. Leonhard verwendet Wasser und wind, Mond und Sterne, als Symbole bzw. Chiffren zur Umhüllung seiner Aussage.












„Berlin“ besteht aus fünf Strophen und einem durchgehenden Kreuzreim . Der Verstakt des Gedichts ist unregelmäßig und wechselt zwischen Jambus und Daktylus. Auch die Endungen der Verse wechseln unregelmäßig und schaffen somit keine feste Ordnung. Dies fehlende Ordnung existierte auch im Deutschland des Jahres 1947. Die Metrik verstärkt somit die beschriebene Unordnung und das Chaos in Berlin.
Auffallend ist, dass der Autor vollständige Sätze verwendet und eine Interpunktion verwendet.
Der historische Hintergrund des Gedichts wird in der Interpretation schon angedeutet. Rudolf Leonhard beschreibt die Flüchtlingsbewegung nach Berlin und die entstandenen Folgen des Krieges um 1947. Der Autor hofft auf bzw. kämpft um einen wirklichen Neubeginn, befürchtet aber „ die Offensive gegen den wirklichen Neubeginn“. Da die ewige Feindschaft unter den Nationen bestehen bleibt, sagt er indirekt den Beginn des Kalten Krieges voraus und stellt zukünftige, mögliche Probleme in den Raum, die sich später bewahrheiten. Dass er den Begriff „ Mauer(...) “ (V.22) im Jahre 1947 verwendet ist beachtlich. Er sagt also nicht nur den Beginn des Kalten Kriegs voraus, sondern auch den Mauerbau.

Beide Gedichte befassen sich mit der Geschichte Berlins zu zwei verschiedenen Zeitpunkten. Auffällige unterschiedliche Merkmale der Form sind zum einen die Anzahl der Strophen, zum anderen die unterschiedliche Interpunktion. Die zwei verschiedenen Arten des Satzbaus sind prägnante Unterschiede. Beide Autoren verwenden häufig metaphorische Mittel, um ihre Aussagen zu verdeutlichen bzw. um sie zu
verhüllen. Treichels Bezug auf die griechische Mythologie ist bei Leonhard nicht zu finden. Leonhard hingegen verwendet Begriffe aus der Natur, wie „(...) Mond“(V.17) und „Sterne (...)“ (V.20). Inhaltlich gibt es auch einige Unterschiede: „Mythos Berlin 1987“ beschreibt die Verbindung bzw. die nicht vorhandene Verbindung zwischen Ost- und Westberlin, hingegen „Berlin“ eher die Folgen des Krieges und das Flüchtlingsproblem beschreibt. Beide gehen aber auf den Kalten Krieg ein und befassen sich mit zukünftigen Problemen. Leonhard sagt die Spaltung Deutschlands voraus und Treichel führt diese Spaltung weiter, die trotz der Wiedervereinigung bestehen bleiben wird. Der hohe Stellenwert Berlins
für die Westmächte wie auch für die Sowjetunion bzw. Russland wird in beiden Gedichten angesprochen.

Es sind schlimme Dinge passiert (Weltkrieg...) und die Menschen haben es nicht geschafft sich zu versöhnen. Anstatt dessen beharren sie auf ihrer eigenen Meinung und das Resultat aus dieser fehlenden Einsicht bzw. Weitsicht ist der Kalte Krieg, der Ost- Westkonflikt. Alle Seiten waren zu töricht oder vielleicht zu egoistisch eine Lösung zu finden bzw. einen Neuanfang zu starten. Keiner wollte irgendeinen Kompromiss eingehen. Es standen nur die eigenen Interessen im Mittelpunkt. Und das Volk, dass so viele Qualen erleiden musste, schaut nur zu und handelt nicht, denn „wie sind (...) sie doch das Leben gewohnt!“ Aber ist Krieg wirklich so normal ? – Für die Menschen anscheinend schon – denn sie machen nichts dagegen, denn die „ Mauern und Menschen erheben sich [schon] wieder“ (V.22) Treichel führt die vorausgesagten Probleme weiter, die Spaltung der Deutschen. Er beschreibt aber auch das Ende des Kalten Krieges und die damit verbundene Beendigung der Feindschaft. Aber, ob sie wirklich schon beendet ist, dass wissen wir nicht, dass steht in den Sternen. Wir können nur hoffen, dass sich Treichels Vermutung die Spaltung von Ost- und Westdeutschen selbst der gemeinsame Ursprung „ (...) nicht löten“ (V.14) kann nicht bewahrheitet. Zur Zeit rücken wir aber der Bewahrheitung dieser Vermutung immer näher, denn die Integration von Ostdeutschen ist bis heute noch nicht geglückt bzw. die Probleme in Ostdeutschland sind nur zum Teil gelöst worden.
Aber jeder von uns kann dazu beitragen, dass es diese Probleme nicht mehr geben wird und auch nicht mehr zur Diskussion stehen werden.

Viele Grüße,

regenwald (c) 25.02.2002

19 Bewertungen, 1 Kommentar

  • interola

    25.02.2002, 13:13 Uhr von interola
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr schwierig zu lesen