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Erfahrungsbericht von nici023

Weigold, Matthias "Der Gesang der Todesfeen"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ort: Irland
Zeit: 2000er
Autor: Weigold, Matthias
Verlag: Goldmann, München
Erschienen: 01.01.2002
ISBN: 3442448433
Typ: Taschenbuch


Dieser Roman, der irische Todesfeen (Banshees) und die Suche nach einem verschwundenen Popstar verspricht, beginnt zunächst ganz unerwartet mit der unappetitlichen Schilderung des Freitodes eines deutschen Journalisten. Dieser hat noch vor seinem Tod seinen Freund und Kollegen, dem Pressefotograf Stefan Leander eine halbfertige Reportage über einen verschwundenen irischen Popstar hinterlassen. Leander, zutiefst deprimiert wegen des Verlustes seines Freundes, keine beruflichen Erfolge in Aussicht und privat auch nicht gerade auf der Höhe, befindet sich in einer echten Sinnkrise. Daher nimmt er fast dankbar einen Job als Chauffeur für drei Monate an, einen Job bei dem man sich „lebendig begraben“ fühlt, also genau das Richtige für jemand, der Selbstmitleid als Hobby frönt.
Seine Arbeitgeber sind die ältere Dame von Tattenbach und deren 50jähriger Sohn Manuel, der sich als Geisterforscher betätigt. Diese beiden seltsamen und liebenswerten Personen heuern Leander für eine Reise nach Irland an. Leander versucht nebenbei die Spur von Padraigh Bridged Maloney, dem ehemaligen Star der Punkband Fucked up Saints aufzunehmen, um damit die begonnene Arbeit seines verstorbenen Freundes zu beenden. Der Sänger ist bereits seit zwei Jahren verschwunden und anfangs vermisste die Band ihren exzentrischen Star noch, doch bald konnte sie ohne ihn, mit weitaus angepassteren Mainstream-Musik, wesentlich größere Erfolge feiern und somit verloren sie die Lust, ihn zu finden. Doch Leander will diesem Geheimnis auf die Spur kommen, zunächst verheimlicht er diese Aktivität noch vor seinen Arbeitgebern, später jedoch entpuppt sich gerade der verschrobene Geisterbeschwörer Manuel als tatkräftige Unterstützung. Die braucht Leander allerdings auch, denn bei seinen Recherchen lernt er nicht nur Ieva, die Schwester des verschwundenen Stars kennen, sondern macht auch ein paar unliebsame Bekanntschaften mit der Dubliner Gangsterwelt.

Liest man die Kurzbiographie des Autors oder schaut gar auf seine Homepage, lässt sich vermuten, dass sein Buch autobiographische Züge trägt: er wohnte jahrelang in Irland, arbeitete selbst als Fotograf und Journalist und war sogar zeitweise Chauffeur für seine Mutter. Weigold selbst schreibt auf seiner Homepage, dass die Hauptfigur wenig mit ihm selbst gemein hat. Diese Frage soll hier auch gar nicht nachgegangen werden, aber es fällt positiv auf, dass der Autor sehr genau kennt, wovon er schreibt.
Ein wirklich genialer Schachzug ist Weigold mit der Schaffung der beiden Figuren Madam von Tattenbach und deren Muttersöhnchen gelungen. Dadurch konnte er aus Sicht dieser beiden ein romantisches, altmodisches Bild von Irland zeichnen, ohne den Erzähler selbst in die Gefahr zu bringen als hoffnungsloser Romantiker zu gelten. Die Geschichte beginnt rasant und interessant, wobei das Selbstmitleid des Protagonisten etwas stört. Ansonsten sind alle Zutaten vorhanden, die ein Krimi braucht und das Zusammenspiel zwischen altbackener Geisterforschung und Gangsterszene ist sehr abwechslungsreich. Es fehlt allerdings etwas Salz in der Suppe, denn der Krimi ist durch eine Liebesgeschichte und die ausführliche Darstellung der Midlife-Crisis etwas verwässert.
Wer aber Irland und Geschichten über Banshees mag, wird an diesem Buch sicherlich viel Freude haben.

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