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Erfahrungsbericht von vampire-lady
Das Bildnis des Dorian Gray
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Wilde’s wohl bekanntestes
Buch, das Bildnis „des Dorina Gray“, erschien am 20. Juni 1890 erst als Fortsetzungsroman in einem Monatsmagazin und wurde im April 1891 in überarbeiteter Fassung als Buch veröffentlicht.
In meinen Besitz gelangte eine englische Reklam-Ausgabe, aufgrund der Tatsache, daß meine damalige (heißgeliebte) Englischlehrerin meinte, uns mit einem anderen Werk Wilde’s „the importance of being earnest“ beglücken zu müssen, was kein gutes Ende nahm, da der gesamte Englisch-„Hoch“-Leistungskurs, die Ironie dieses (Theater-)Stückes nicht verstand. Da ich aber mittlerweile einige von Wilde’s ätzenden Sprüchen kennengelernt hatte („ Gut erzogen zu sein, ist heute ein Nachteil. Es schließt einen von so vielem aus.“), und Dorian Gray im Rahmen eines Referates vorgestellt wurde, habe ich mich mal bequemt den Roman privat zu lesen – was mal gar nicht verkehrt war.
Das Grundthema besteht aus einem Konflikt zwischen Moral und Ästhetik (habe ich jetzt ehrlich gesagt wo abschrieben, passt aber), der wohl auch in der Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts vorherrschte. Von Moralisten war sowohl das Buch als auch sein Autor als pervers verschrien – Wilde war homosexuell veranlagt, was man im Buch in einigen Andeutungen wiedererkennt (oder wiedererkenn will, weil man es weiß?). Aufgrund dieser Tatsache wurde er später schließlich auch zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Die Mentalität wurde vom Fin-du -Siècle geprägt. Man blickte damals auf den Jahrhundertwechsel, wie wir vor eineinhalb Jahren auf den Jahrtausendwechsel bei unseren Rechnern... mit gemischten Gefühlen.
Inhalt:
Hübscher Bubi, Dorian Gray, reich und adelig mit guten Aussichten, steht Modell für den Maler Basil. Über Basil lernt er Sir Henry kennen, Mitglied der guten Gesellschaft, mit spitzer Zunge und eigenen Ansichten, der Dorian\'s Schicksal ordentlich beeinflussen wird. Als Dorian sein Porträt zum ersten Mal sieht, wünscht er, daß Bild möge an seiner Stelle altern, was auch erfüllt wird. Dies wirkt sich fatal auf Dorian’s weiteres Leben aus: Da das Bild nun wirklich altert und auch Dorian’s schlechte Eigenschaften wiederspiegelt, landet es ziemlich schnell in einer Dachkammer. Dorian wandelt weiterhin als hübscher, junger Bubi durch die Welt. Sein Aussehen überstrahlt dabei seine Boshaftigkeit. Er treibt seine große Liebe in den Tod, und schrickt im Verlauf der Geschichte auch nicht vor Erpressung und Mord zurück. Dorian’s einziges Problem zu dieser Zeit besteht darin, daß sein Bildnis sein eigenes schlechtes Gewissen wiederspiegelt, was er teilweise mit Vergnügen, teilweise mit Unbehagen zur Kenntnis nimmt. Als sich das Gewissen nach Jahren schließlich doch wieder in ihm selbst meldet, beschließt er das Bild zu vernichten – und vernichtet sich selbst.
Eine Erzählung die in unsere Zeit mit ihren zahlreichen Schönheitschirurgen passt. Gutes Aussehen kann auch heute noch einiges vertuschen, aber auch einige Türen öffnen. Es kann aber auch zu einem Wahn werden, was im Chaos endet (ich sage nur M. Jackson’s Nase).
Zum Schriftsteller zu sagen bleibt noch, daß es sich durchaus lohnt, wenn man etwas guten Willens und seines Langenscheidts mächtig ist, eine englische Originalversion zu lesen, da bei Übersetzungen oft schon Interpretationen des Dolmetschers in den Text mit einfliessen. Dafür ist Oskar eigentlich zu schade. Im Großen und Ganzen kommt es aber auf die Geschichte an und die ist gut.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 20:21:03 mit dem Titel Hin und weg
Bin mal ganz ungewöhnlicherweise im Buchladen in der Innenstadt eingelaufen, um zu stöbern. Ungewöhnlich, weil ich normalerweise Bücher nur in einem anderen Laden kaufe der Prozente gibt, wo es aber wenig zu stöbern gibt. Dort kaufe ich immer, wenn ich weiß was ich haben will.
Nun war ich am wühlen und habe folgendes Buch gefunden (neben zwei anderen): Alan Warners „hin und weg“, Dtld. 1998. Englisches Original „Morvern Callar“ erschienen 1995.
Reingefallen bin ich auf den Klappentext, der so einiges an krimineller Energie versprach, auch hielt aber eben nicht so ganz in meinem Sinne..
Titelfigur ist Morvern Callar, so Anfang zwanzig. Sie arbeitet im Supermarkt. Dieser Job stinkt ihr aber mächtig. Aufgewachsen in einer wirtschaftlich schwachen Region im riesigen Wohnkomplex, lebt sie nun bei ihrem viel älteren Freund, der auf dem Dachboden eine Modelleisenbahn installiert hat, die seinen Heimatort repliziert. Die Geschichte hat einen nahezu Stephen-King-mässigen Einstieg. Morvern findet ihren Freund tot vor. Nun reagiert sie darauf nicht so ganz normal, um es mal weitgehend zu umschreiben und nichts zu verraten. Zumindest hinterlässt er ihr etwas Geld und seinen Roman, mit der Bitte ihn an verschiedene Verlage zu schicken, was Morvern dann auch tut – nur unter ihrem Namen. Ironischerweise, denn ihr Bildungsniveau wackelt so um den Nullpunkt herum. Sie hält z. B. die Alhambra für einen Technoclub. Sein/ihr Buch findet Beachtung, es gibt einen Vorschuss von dem Morvern erst einmal in Urlaub fährt – was sie in der Folge den Job kostet, der Urlaub am Strand verändert dabei ihre Auffassung von Glück. Aus dem Urlaub zurückgekehrt findet sie einen Brief der Anwälte des Verblichenen vor, wiederum eine Finanzspritze. Ausreichend um sich bis auf weiteres wieder zu verdünnisieren. In einem Hotel an der Küste residierend, liegt sie tagsüber am Strand, nachts geht sie feiern/raven.
Morvern ist ein absoluter Technofan. Ständig muss man lesen, welche Cassette (nix CD) sie hört, Tracks, DJs, ganze A- und B-Seiten. Ungemein aufregend: erstens: weiß ich nicht, ob es die Titel die sie da hört, wirklich gibt, zweitens: muss ich das bei Technogedöns auch nicht wissen. Zumindest hat Morvern aber immer einen guten oder schlechten Grund sich mit dem Gehämmere zu bedröhnen. Gegen Koks, Pillen und Alk hat sie auch seltenst etwas einzuwenden. Nebenbei ist sie aber auch ein absoluter Naturfan. Zu Geld hat sie nur eine Beziehung: Weg damit – auch anderen, selbst Unbekannten gegenüber ist sie großzügig.
Umgeben ist sie von flüchtigen Beziehungen. Selbst zu ihrem Freund, ihrem Vater oder ihrer besten Freundin (die sich als größte und talkshowreife Dorfschlampe erweisen wird) scheint sie eher oberflächliche Verbindungen zu haben. Allerdings doch mit dem Ziel aus ihrer Sozialbausiedlung herauszukommen. Dagegen fällt es ihr leicht auf Fremde zuzugehen. In ihrer Heimatstadt scheint jeder jeden zu kennen. Richtige Namen haben diese Leute selten, dafür größtenteils sehr seltsame Spitznamen und noch seltsamere Marotten. Ganz normal ist da kaum einer.
Am Ende schließt sich ein Kreis. Morvern, schwanger nach einer Raveparty, von wem weiß sie nicht (eigentlich passt das zu ihrer Beziehungslosigkeit, wie die Faust aufs Auge), zudem auch noch völlig pleite, kehrt zurück nach Hause – allerdings an den Ort, den ihr Freund mit seiner Modelleisenbahn darstellte. Sie hat wohl letztendlich doch eine tiefere Beziehung gefunden....
Die Geschichte des Buches wird von Morvern selbst erzählt. Ihr Stil ist sachlich, einfach, wenig emotional, wie ihr Charakter auch. Sie nimmt sich aber doch Zeit Orte ausschmückend zu beschreiben. Ebenso wie die gegenwärtige Farbe ihres Nagellacks. Eine Strichliste kann man darüber führen, wie oft sie erzählt, daß sie sich die Beine rasiert, cremt, pudert etc. pp. Ja – die Hauptfigur nervt in Teilaspekten eindeutig. Nebenbei ist sie aber eindeutig ziemlich hart im Nehmen und überaus selbständig.
Was ebenfalls nervt ist die Tatsache, daß dem Verlag oder dem Druckhaus anscheinend die Anführungsstriche ausgegangen sind.. Quatsch, hat der Autor wahrscheinlich so beabsichtigt. Allerdings ist es schwierig, dem Buch zu folgen, wenn wörtliche Rede nicht kenntlich gemacht wird. So muß man fast zwangsläufig einige Absätze zweimal lesen.
Für meinen Geschmack lässt das Buch aber zu viel offen, was mich interessiert. Gerade Fragen, die andere Personen, selbst den Verblichenen betreffen. Genauso wenig wird klar, was mit dem Roman, den sie unter ihrem Namen veröffentlichen ließ, geworden ist. Da aber Morvern ihre Geschichte erzählt und sich wahrscheinlich selbst für diese Dinge kaum interessier, ist es fast schon naheliegend, daß sie den Leser im Unklaren lässt, weil sie es wahrscheinlich selbst ist. Ich mag aber zu viele offene Fragen am Ende nicht.
Alles in allem ist das Buch nicht schlecht, aber auch kein Knüller. Man kann die 211 Seiten ganz gut lesen – auch ohne volle Konzentration. Spannung baut sich zwar nicht gerade auf, dafür plätschert die Geschichte aber recht flüssig, häufig überaus alltäglich, dahin. Ein paar Denkansätze werden auch gegeben. So wird es bestimmt auch den einen oder anderen Englischlehrer geben, der seinen Schülern dieses Buch zu lesen befehlen wird.
Autor: Alan Warner, geboren 1964 in Schottland. „hin und weg“ ist sein erster Roman. Dieser erhielt den Somerset Maugham Award – ist also wohl literarisch wertvoll. Schließlich wurde mein damaliger Englisch-Hochleistungskurs, dessen Hochleistung darin bestand, wenn von 12 Kursteilnehmern 9 anwesend waren (und das noch nicht mal unbedingt geistig), mit Texten von Maugham tyrannisiert.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-29 20:40:03 mit dem Titel Der Drachenbeinthron
Da der Autor Tad Williams in Galeria (*winkewinke*) einen perfekten Propaganda-Minister gefunden hat, habe ich mir den ersten von vier Teilen der Roman Serie um die Sagenwelt Osten Ard zugelegt, der da heißt: „Der Drachenbeinthron“
Der Roman schwimmt im Ansatz auf der „Herr der Ringe“-Welle, was schon reichte um mich zu ködern. Schon der erste Anblick des Buches schockte – nicht etwa die über 1000 Seiten, sondern eher das Vorhandensein einer Landkarte Osten Ards und ein Anhang, der mit einem Haufen unaussprechlicher Namen, Orte und Ausdrücke über ganze 17 Seiten besticht. (*schluck*!)
Die Zeit:
Es ist eigentlich dämlich den Roman geschichtlich einzuordnen, schließlich ist er ja nicht von dieser unserer Welt. Da wir aber auf schwertschwingende Drachentöter die auf Festungen leben treffen, muß man sich das Leben mal mittelalterlich vorstellen.
Das Land:
Osten Ard hat im Südwesten eine Küste, im Süden sind Wüsten, das Zentrum bildet Aldheorte ein riesiger Wald. Im Nordwesten findet man eher eine kühle Steppenlandschaft, im Norden liegt eine Gebirgskette, überlagert von dem höchsten Berg, der „Sturmspitze“. Der Sitz der Regierung liegt zentral in einer Stadt namens Erchester, die sich um die Festung „Hochhorst“ gebildet hat.
Die Völker:
Osten Ard ist ein geeintes Land, dem Johan, der Priester als Großkönig vorsteht. Die Religion der Menschen erinnert stark an das Christentum, es gibt aber auch Heiden. Neben der Bevölkerung Erkynslands (um Hochhorst), findet man sogenannte Rimmersmänner, die an sesshafte Wikinger erinnern. Daneben existiert ein bäuerliches Heidenvolk (Hernystiri) – am Rande werden Nomaden erwähnt. An nichtmenschliche Völker wird zunächst nur im Aberglauben gesprochen, bis im Laufe der Geschichte ein Troll auftaucht, Riesen Amok laufen und ein elbenähnliches Volk (Sithi) aufkreuzt, deren Stammesverwandten, die Nornen, übles im Sinne haben. Die Sithi waren die ersten Bewohner des Landes, wurden aber durch die Menschen vertrieben.
Die zentrale Figur des Buches ist der 14jährige Simon, häufig auch Mondkalb genannt. Er ist ein Küchenjunge mit höheren Ambitionen, der von Ruhm und Abenteuern in der großen weiten Welt träumt, sich vor der Arbeit drückt, wobei er sowieso ein Tollpatsch vor dem Herrn ist. Bald wird dem Leser aber klar, dass sich hinter dem Waisen Simon noch ein tieferes Geheimnis verbirgt, er scheint gewisse Mächte zu haben – was aber nur sehr langsam ans Tageslicht kommt.
Da Simon immer dort auftaucht, wo er absolut nichts zu suchen hat, gerät er bald mitten in die Abenteuer, die er auf einmal gar nicht mehr will – merkt er doch schnell, daß dies in argen Streß ausartet. Als der alte König Johan stirbt, wird sein Sohn Elias der Nachfolger. Elias jüngerer Bruder, der einarmige Josua ist damit eigentlich zufrieden, da er keine Ambitionen auf den Thron hat. Allerdings hat Elias einen Brass auf Josua, da er ihm die Schuld am Tod seiner Frau gibt. Elias glaubt nun, Josua wolle ihm böses. Unterstützt wird Elias durch den Priester Pryrates, einem üblen Alchimisten und Magier, der den neuen König in seinen Bann schlägt, ihm ein geheimnisvolles Schwert verschafft und ein übles Bündnis mit den fiesen Nornen eingeht. Die Folge davon wird wohl die Wiederauferstehung einer alten Legende sein, was es nun zu verhindern gilt. Womit Simon nun wiederwillig seine Aufgabe gefunden hätte, die er mit einer bunten Ansammlung an Kameraden in Angriff nimmt. Dumm nur, daß niemand wirklich Bescheid weiß, was am Bach ist. Zwar tut der „Bund der Schriftrolle“ (dem auch Ekelpaket Pryrates entsprang) alles was er kann – leider werden die alteingesessenen Mitglieder aber dahingerafft. Es verbleiben die Nachfolger die wild im Nirvana nach einer Lösung suchen.
Mich hat selten ein Buch so in den Bann geschlagen wie dieses, und das praktisch schon nach der ersten Seite – bei einigen Szenen bekam man regelrecht Herzklopfen, so mitreißend waren sie geschrieben, so spannend, daß ich gar nicht schnell genug mit dem Lesen hinterherkam. Die Figuren werden gut und ausgesprochen lebendig charakterisiert. Besonders das Innenleben von Simon, des widerwilligen noch kindlich naiven „Helden“, ist glaubwürdig beschrieben und bringt den Leser immer wieder zum schmunzeln. Fantastisch ist auch der Troll Binabik, die nur einen Fehler hat. Binabik spricht die erkynländische Sprache nicht zu 100% richtig – vielmehr erinnert er rein in der Ausdrucksweise an eine kleine grüne Figur aus Starwarm, die zwar nur am Stock gehen kann, aber bei einem Schwertkampf fünf Meter aus dem Stand in die Luft springt um einen Salto zu schlagen. Allerdings scheint mir, als würde Binabiks Sprachfehler im Laufe des Buches schlimmer werden.
Das Erzähltempo des Buches ist fast schon rasant, da Williams die Hauptfigur Simon zwischenzeitlich verlässt, um sich an andere Orte des Geschehens zu begeben. Besonders nachdem Josua ein Bündnis gegen sein Bruder geschlossen hat, was aber zu Folge hat, das die Bündnispartner zwar gleichzeitig kämpfen, aber auf verschiedenen Schlachtfeldern. So liest man immer weiter und weiter, weil man ja wissen will, was denen passiert über die man gerade nichts erfährt.
Etwas verwirrend ist die Fülle der auftretenden Figuren, zumal deren Namen wie schon angedeutet häufig unaussprechlich sind. Oft haben gerade Figuren, noch öfter Orte mehrere Namen, die man sich in verschiedenen Sprachen merken muß (es lebe der Anhang!) – wild wird es dann, wenn die Figuren auch noch fremdsprachlich loslegen. Leicht stressig sind auch die politischen und taktischen Diskussionen des Prinzen Josua und seiner Mannen, aber man kann damit leben.
Das dicke Ende:
Simon hat das unglaubliche geschafft und seinem großen Vorbild, dem toten König anscheinend nachgeeifert – er befindet sich auf dem besten Weg ein großer „Ritter“ zu werden. Nach einem Kampf erwacht er als Gezeichneter – einem Symbol, daß für die Zukunft einiges verheißt. Leider lässt Williams den Leser nun aber völlig im Regel stehen – schlechte Nachrichten verlangen nur eines (was ich auch mit der ganzen Serie tat):
Kaufen für € 9,90 je Wälzer:
Teil 2 – Der Abschiedsstein
Teil 3 – Die Nornenkönigin
Teil 4 – Der Engelsturm
Williams hat folgendes als Vorbemerkung aus dem Prolog von Tristan und Isolt (Gottfried von Straßbourg) zitiert:
„Ich habe mir eine Aufgabe zur Freude der Menschen gestellt (...) für die Herzen, zu denen ich mich hingezogen fühle, für die Menschen, in die ich hineinsehe. Ich meine nicht (...) die, von denen ich höre, daß sie keinen Schmerz ertragen können und in Freude leben wollen. (...) Diesen Menschen (...) ist meine Erzählung unbequem (...) Ich meine andere Menschen, und zwar die, die in sich vereint tragen ihre süße Bitterkeit, ihr angenehmes Leid, ihre innige Liebe, ihren sehnsüchtigen Schmerz, ihr angenehmes Leben, ihren leidvollen Tod, ihren angemessenen Tod, ihr leidvolles Leben (...)“
(gekürzt!)
Mehr ist eigentlich gar nicht notwendig zu sagen. Tad Williams hat seine Aufgabe mit diesem Buch perfekt gemeistert – nicht nur das, seine Figuren existieren nach diesem Grundsatz.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-08 16:10:22 mit dem Titel der Abschiedsstein
Nachdem ich es ja bereits angedroht habe, bin ich nun zu Band zwei der Fantasysaga um die drei großen Schwerter von Tad Williams gelangt, die aus folgenden Bänden besteht:
Teil 1 – Der Drachenbeinthron
Teil 2 – Der Abschiedsstein
Teil 3 – Die Nornenkönigin
Teil 4 – Der Engelsturm
Jeweils zu haben für € 9,90.
Der Abschiedsstein erzieht sich über eine Länge von 853 Seiten, ergänzt durch einen mehrseitigen Anhang, der dem Leser durch das Dickicht der zahlreich in Erscheinung tretenden Figuren, Völker und Orte führen soll. Hier kann man auch die Übersetzung der Ausdrücke finden, die manche Völker in ihrer eigenen Sprache ablassen. Zur Orientierung gibt es vorsichtshalber auch wieder eine Landkarte der Welt Osten Ard.
Osten Ard hat im Südwesten eine Küste, im Süden sind Wüsten, das Zentrum bildet Aldheorte ein riesiger Wald. Im Nordwesten findet man eher eine kühle Steppenlandschaft, im Norden liegt eine Gebirgskette, überlagert von dem höchsten Berg, der „Sturmspitze“. Der Sitz der Regierung liegt zentral in einer Stadt namens Erchester, die sich um die Festung „Hochhorst“ gebildet hat.
Als wichtigster Punkt dient in diesem Roman der Abschiedsstein, eine alte Festung des Volkes der Sithi – die stark an Elben erinnern. Sithi und Menschen lebten einst friedlich nebeneinander bis Neuankömmlinge in Osten Ard (Rimmersmänner) die friedliebenden Sithi vertrieben. Der einzige Sithi der sich wirklich auflehnte, Prinz Ineluki schuf das geheimnisvolle Schwert „Leid“ für den Kampf gegen die Menschen, wurde aber darüber wahnsinnig und starb. Nun, Jahrhunderte später, scheinen die Sithi in den Gedanken der Menschen zur Legende geworden zu sein. Die Sithi haben sich in ihre eigene Welt zurückgezogen. Nun stellt sich heraus das Ineluki (auch Sturmkönig) genannt noch existiert, scheinbar als Geist im nördlichen Land der Nornen. Die Nornen sind Verwandte der Sithi und werden von Inelukis Ururgroßmutter regiert. Diese ist genauso irre wie der Sturmkönig. Ineluki ist nun dabei aufzuerstehen, und das Land Osten Ard mit Chaos zu überziehen.
Sein Helfer ist Hochkönig Elias, dem er das Schwert Leid zugeschustert hat, wodurch dieser fast komplett verrückt wird, wozu auch Pryrates, sein priesterlicher Ratgeber (Alchemist, Magier und sonst noch was) sein übriges tut. Bereits in Teil 1 der Reihe haben die Menschen begonnen einen Widerstand gegen den Sturmkönig aufzubauen. Leider meuchelt es aber die größten Gelehrten danieder, so daß nur deren Schüler die Welt retten können – die aber müssen nun mühselig alle Geheimnisse entschlüsseln. Fakt ist: neben Leid existieren zwei weitere Schwerter, die der Widerstand in seine Hand bringen muß. Dorn ist gefunden worden, aber wo ist das dritte Schwert?
Im zweiten Teil des Buches, hat Elias seine Wahnsinnsherrschaft manifestiert, aber mehr und mehr Untertanen haben Angst und lehnen sich auf. Prinz Josua, Elias’ Bruder, wird zu dessen größtem Gegenspieler, muß aber zunächst eine bittere Schlappe hinnehmen. Josua verliert seine Burg und muß mit kleinem Gefolge fliehen. Das Ziel ist der legendäre Abschiedsstein. Ein weitere Handlungsstrang verfolgt natürlich die sympathische Hauptfigur Simon, die zusammen mit dem Troll Binabik und weiteren Gefährten das Schwert Dorn an sich gebracht hat und nun nach Josua sucht. Simon ist eine Gestalt die ein Geheimnis umgibt, welches auch in diesem zweiten Teil nicht gelüftet wird. Allein schon rätselhaft ist, wie der einfache Küchenjunge immer wieder zufällig (?) im Mittelpunkt des Geschehens landet. Der Junge, der einst von Abenteuern träumte, wirkt nun im wirklichen Abenteuer immer noch unbeholfen und fehl am Platze, was er auch selbst so sieht. Immerhin scheint er aber irgendwo das Bindeglied zwischen den einzelnen Gruppen zu sein. Auf diese Weise lernt er das verborgene Volk der Trolle kennen und freundet sich sogar mit dem Sithi-Prinzen Jiriki an, was ihm Zugang zu der verborgenen Sithiwelt verschafft.
Abgerundet wird der Roman durch mehrere Nebenstränge, die die Geschichte der Flucht von Elias Tochter erzählen oder die Geschichte des Grafen Eolair, der auf die Spur des dritten Schwertes kommt. Versprengt über die ganze Sagenwelt Osten Ard werden die Figuren sich wohl am Abschiedsstein sammeln.
Und auch die Sithi müssen erkennen, daß ihre friedliche Welt in Gefahr ist. Ein Bund mit den verwandten Nornen und dem Sturmkönig ist ihnen versagt – sie werden angegriffen. Es scheint als würde auch das Volk der Sithi eingreifen müssen. Leider kommen aber die fast Unsterblichen nur sehr sehr langsam aus dem Quark – man diskutiert halt gerne! Man darf gespannt sein, auf wessen Seite sie sich nun endgültig schlagen.
Das Buch ist wiederum fabelhaft gemacht. Auf der einen Seite wechselt der Autor immer an den spannendsten Stellen die Handlungsstränge, was natürlich in Atem hält. Vielfach meint der Leser viel mehr zu wissen als die Figuren (zum Beispiel, wo das dritte Schwert ist), die immer nur einzelne Bruchstücke des Geschehens erkennen. Trotzdem aber bleibt wiederum auch dem Leser einiges unklar – nicht zuletzt durch das faszinierend dargestellte Sithivolk, das sich leider häufig sehr orakelhaft und undurchsichtig gibt. Die Figuren werden großartig charakterisiert, trotzdem lassen gerade die magiebehafteten Kreaturen immer wieder Rätsel offen. Die Fülle der Stränge und Figuren aus verschiedenen Völkern verlangt vom Leser ein gewisses Maß an Konzentration, vor allem wenn sich die Geschichte in die Traumwelten des einen oder anderen begibt (und die Träume sind wichtig) oder geschichtliche Hintergründe der Welt beschreibt. Denn man muß nicht nur die Lebenden kennen, nein auch die Toten sind wichtig.
Am Ende des Buches sind die wichtigsten Figuren am Abschiedsstein zusammen und in trügerischer Sicherheit, während aber noch andere mit wichtigen Informationen auf der Suche nach Josua sind. Andere Figuren sind immer noch ziellos auf ihrer Wanderung und es bleibt spannend, was das Schicksal noch für sie in petto hat. Währenddessen deutet sich aber auch auf der bösen Seite eine Entwicklung an, die den Guten zum Vorteil gereicht. Die Fieslinge drohen aneinander zu geraten, verfolgt doch jeder seine eigenen Ziele. Ein Wunder, wie der Autor selbst da noch durchgeblickt hat.
Im Vergleich zu Teil eins ist der Abschiedsstein zwar um 200 Seiten kürzer, dafür aber meiner Ansicht nach actionlastiger ausgefallen. Der Autor unterstellt anscheinend, daß der Leser sich nun in Osten Ard zurecht findet. So wirkt der Drachenbeinthron durch die Notwendigkeit der Einführung des Lesers noch recht behäbig. Auch wenn der Autor das Erzähltempo nun gesteigert hat, verliert er nicht den Blick, den er seinen Figuren widmete. Besonders ist wiederum Simon zu erwähnen, der immer noch die Abenteuer satt hat und nach Hause will – gleichzeitig aber versucht erwachsen zu werden, um niemand mehr zur Last zu fallen. Ein ähnlicher Schwerpunkt liegt auf Beschreibung der großartigen Romanwelt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-29 15:41:04 mit dem Titel Die Nornenkönigin
Da aller guten Dinge angeblich drei sind, folgt jetzt der Bericht über Teil 3 der Fantasy-Reihe, die die Geschichte der drei großen Schwerter im Land Osten Ard erzählt. Tad Williams Reihe besteht aus insgesamt vier Teilen mit folgenden Titeln, jeweils kaufbar für € 9,90:
Teil 1 – Der Drachenbeinthron
Teil 2 – Der Abschiedsstein
Teil 3 – Die Nornenkönigin
Teil 4 – Der Engelsturm
Vorab sei gesagt, daß die einzelnen Teile in sich nicht abgeschlossen sind. Man sollte also unbedingt die beiden ersten Bücher gelesen haben, bevor man sich an den über 800 Seiten „der Nornenkönigin“ vergreift – oder sich auf die Zusammenfassung am Buchbeginn verlassen. Dies ist mal wieder eine besonders dämliche Betitelung einer deutschen Übersetzung, weil Utuk’ku, die alte irre Nornenschachtel zwar eine tragende aber keine wichtige und große Rolle spielt. Prinzipiell führt uns aber das Buch auf die Spur der Ursache allen Übels, das von Osten Ard und seinen Bewohnern Besitz ergriffen hat. Die asbach-alte unsterbliche Nornenkönigin fühlt sich zu wenig beachtet und will mal so richtig auf die Pauke hauen, also Chaos verbreiten. Unterstützt wird sie von ihrem Urururenkel Sturmkönig Ineluki, der aber nur noch als machtvoller Geist existiert. Die Nornen sind eine Art dunkles Elfenvolk und mit den Sithi eng verwandt. Die Sithi (eine mysteriöse aber sympathische Version der Nornen) leben von Menschen vertrieben in einer geheimen Welt, Ineluki war einst ein mächtiger Sithi und starb tragisch beim Kampf gegen die Menschen.
Über Inelukis dunkles Schwert schließt er einen Pakt mit dem Hochkönig der Menschen Elias – welcher wiederum unter dem Einfluss des Alchimistenpriesters Pryrates steht. Während Utuk’ku und Ineluki Osten Ard mit Klimakatastrophen und bösartigen Fabelwesen, die die Menschheit längst vergessen hatte, heimsuchen, überzieht Elias seinerseits das Land mit Krieg und Wahnsinn. Gegen ihn kämpft sein Bruder Prinz Josua, zu dessen Truppe auch die Hauptfigur der Romane Simon liegt. Simon war einst ein verwaister Küchenjunge, aber geheimnisvolle Erscheinungen und Träume lassen erwarten, daß mehr hinter ihm steckt. Simons Figur wird um so interessanter als er langsam versucht erwachsen zu werden – was endlich zur Folge hat, daß er zum Ritter geschlagen wird.
Simon, als Freund und Lebensretter des Prinzen Jiriki, dient als Mittler zwischen Menschen und Sithi, die zwar auch nicht glücklich über die Machenschaften der Nornen sind, sich aber immerhin mit diesen verwandt fühlen. Bei den Sithi (sie sind ziemlich unsterblich) dauert alles einigermaßen lange – da viel herumdiskutiert wird. Letztendlich kommen aber auch sie endlich mal aus dem Quark! Währenddessen sammeln sich um Josua immer mehr Menschen, die bereit sind gegen Elias und seine miesen Spießgesellen zu kämpfen. Während die Widerstandsbewegung sich sammelt und an Macht gewinnt, muß die böse Seite erste Schlappen hinnehmen – während man erkennt, daß sich die Fieslinge selbst sich noch mehr zu entzweien beginnen.
Dies war die Grundgeschichte in kurzen Zügen. Ich höre auf bevor ich mich total verzettele und der Einfachheit halber das ganze Buch abtippe. Der Autor hat einfach zu viele verschiedene Handlungsstränge aufgebaut denen man als Leser folgen muß. Die Figuren sind einem mittlerweile so nah, daß man meint man würde sie schon lange kennen. Tad Williams hat sie großartig beschrieben, obwohl er sich nicht mit seitenweisen Charakterisierungen abgibt – die Beschreibungen werden einfach irgendwie in die Geschehnisse eingebaut. Dies ist umso mehr anzuerkennen als daß eine Unmenge von Figuren auftritt, die die zahlreichen Nebengeschichten mit Leben füllen. Allerdings fühlt der Leser sich in Teil drei schon wohler, da er mittlerweile an die Armee der Charaktere gewohnt ist. Lediglich die Namen der Trolle und der Sithi, deren Sprache aber auch die menschlichen Dialekte sind gewöhnungsbedürftig.
Während der Leser sich in Teil eins und zwei mit wichtigen aufgeworfenen Geheimnissen und Legenden beschäftigen muß, beginnen sich einige der Rätsel nun zu lösen. Da der Leser aber immer mehr weiß als die einzelne Figur – der stetige Wechsel der Handlungsstränge gibt der Entwicklung der Geschichte Tempo – liegt ihm die Lösung der Probleme häufig zu nahe. Meist denkt man bei einer bahnbrechenden Enthüllung für die Figuren nur, habe ich es doch geahnt! Aber auch dieses Mehrwissen kann die Spannung erhöhen. Trotzdem weist „die Nornenkönigin“ einige Längen auf, besonders wenn die Menschen um Josua über Schlachten und notwendige Taktiken beraten, während der Leser eigentlich wissen will, wie die Geschichte einer anderen Figur weitergeht, weil es dort wo diese ist einfach viel spannender ist.
Gegenüber dem zweiten Teil ist „die Nornenkönigin“ etwas lahmer, aber nichts desto trotz gut gemacht.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-29 15:28:20 mit dem Titel Der Engelsturm
„Der Engelsturm“ ist der vierte und letzte Teil von Tad Williams Fantasy-Reihe über die drei großen Schwerter. Wiederum muß der Leser sich durch mehr als 800 Seiten kämpfen die er für € 9,90 erwerben kann. Die Reihe besteht aus folgenden Büchern:
Teil 1 – Der Drachenbeinthron
Teil 2 – Der Abschiedsstein
Teil 3 – Die Nornenkönigin
Teil 4 – Der Engelsturm
Wiederum wird der Leser mitten in die Handlung geschmissen, es ist also nicht sonderlich sinnig, diesen Teil als Einzelbuch zu kaufen, auch wenn man am Beginn eine Zusammenfassung der vorhergehenden Ereignisse findet.
Auch wenn das Buch wiederum temporeich geschrieben ist, finden sich im mittleren Teil einige Längen in denen mir zu viel Handlung in Träumen der Figuren spielt. Trotzdem gewinnt die Geschichte durch eine gewisse Eigendynamik der Ereignisse, die die Figuren einfach zum handeln zwingt. So finden sich alle Figuren im Zentrum des Sagenlandes Osten Ard wieder: der uralten Burg Hochhorst, die einst vor deren Vertreibung des Elbenvolkes deren Regierungssitz A’sua war. Der Ort ist nebenbei das symbolische Zentrum an der sich die für die Geschichte wichtigsten Ereignisse abspielten. Der Engelsturm ist wiederum das Zentrum der Burg.
Hier wurde vor langer Zeit der Sithi (eine Art Elbenvolk)-Prinz Ineluki wahnsinnig und starb im Kampf gegen die Menschen, woraufhin sich das Sithivolk in seine eigenen Welt zurückzog, um dort in Melancholie zu versinken. Mit Hilfe der Nornen (Verwandte der Sithi) erwacht Ineluki als Geisterwesen und will seine Burg zurückerobern. Auf dem Hochhorst regiert der mittlerweile komplett verrückte König Elias unter dem Einfluß von Ineluki und dem verbündeten fiesen Priester und Berater Pryrates, der wiederum seine eigenen Ziele verfolgt. Währenddessen kämpft sich Prinz Josua zum Hochhorst vor um seinen Bruder Elias zur Vernunft zu bringen – begleitet von einer Armee, die dem König abgeschworen hat. Von anderer Seite beschließen die Sithi in diesen Kampf einzugreifen – ist doch eigentlich Ineluki einer der ihren die wirkliche Bedrohung, die das Land mit Chaos, Sturm und Schnee überzogen hat. Von anderer Seite tauchen Simon, die Hauptfigur der Reihe und seine Geliebte Miriamel auf. Während außerhalb die Burg belagert wird, gelangen die drei großen Schwerter endlich in den Engelsturm. Die Zusammenkunft dieser drei Schwerter soll die Ankunft Inelukis verhindern.
Wiederum schön gemacht ist die Beschreibung der unzähligen Figuren, welche die ebenso zahlreichen Handlungsstränge bevölkern – auch wenn die Zahl der allein der Figuren, die entweder vollkommen oder wenigstens teilweise am Rande des Wahnsinns dahintreiben kaum noch zu überschauen ist. Hochhorst scheint die Zentrale des Irrenhauses Osten Ard zu sein. Interessant ist, daß der Leser endlich mehr von dem mysteriösen Sithivolk erfährt, die in den vorhergehenden Teilen meiner Ansicht nach leider ziemlich zu kurz kamen.
Tad Williams hat seine Geschichte vielfach im Zusammenhang mit alten Legenden um verstorbene Könige, Ritter, Weise und andere Gestalten Osten Ards geknüpft (dabei ein ganz klein wenig auf die Artus-Sage geschielt) und ist nun in der Verlegenheit die Andeutungen und Prophezeiungen der alten Erzählungen in der aktuellen Geschichte auszulösen, was ihm ziemlich gut gelingt, wenn er mir auch in mancherlei Beziehung zu dick aufträgt. Am Ende sind viele nicht mehr das, was sie zu sein schienen. Zu den gut gelösten Rätseln gehört aber die Erkenntnis über Simon und seine wahre Identität. Alles was darüber hinausgeht ist hart an der Grenze und wirkt zu weit hergeholt oder inkonsequent, als könne der Autor einige der Figuren einfach nicht sterben lassen, was aber wieder zur Folge hat, das diese störend im Wege stehen und irgendwie untergebracht werden müssen.
Auch der eigentliche Showdown mit Ineluki ging mir zu schnell und zu einfach. Der letzte Kampf ist typisch für Fantasyfilme oder meinetwegen auch für Indiana Jones, es passiert eigentlich nicht sehr viel neues. Trotzdem fehlt mir der letztes Kniff dabei. Noch simpler entledigt sich der Autor der fiesen Nornenkönigin Utuk’ku der Urururgroßmutter (Nornen und Sithi sind fast unsterblich) und Verbündeten Inelukis. Bums, ist ihre Macht weg und fertig. Für meinen Geschmack haben die Miesköppe allesamt einfach nicht zu richtig ihr fett weggekriegt, da wäre mehr drin gewesen!
Für Simon aber werden alle heimlichen Träume, die er selbst immer als Utopie abtat endlich wahr.
Letztendlich kann man aber für den ganzen Vierteiler nur eine Empfehlung aussprechen.
Buch, das Bildnis „des Dorina Gray“, erschien am 20. Juni 1890 erst als Fortsetzungsroman in einem Monatsmagazin und wurde im April 1891 in überarbeiteter Fassung als Buch veröffentlicht.
In meinen Besitz gelangte eine englische Reklam-Ausgabe, aufgrund der Tatsache, daß meine damalige (heißgeliebte) Englischlehrerin meinte, uns mit einem anderen Werk Wilde’s „the importance of being earnest“ beglücken zu müssen, was kein gutes Ende nahm, da der gesamte Englisch-„Hoch“-Leistungskurs, die Ironie dieses (Theater-)Stückes nicht verstand. Da ich aber mittlerweile einige von Wilde’s ätzenden Sprüchen kennengelernt hatte („ Gut erzogen zu sein, ist heute ein Nachteil. Es schließt einen von so vielem aus.“), und Dorian Gray im Rahmen eines Referates vorgestellt wurde, habe ich mich mal bequemt den Roman privat zu lesen – was mal gar nicht verkehrt war.
Das Grundthema besteht aus einem Konflikt zwischen Moral und Ästhetik (habe ich jetzt ehrlich gesagt wo abschrieben, passt aber), der wohl auch in der Gesellschaft des späten 19. Jahrhunderts vorherrschte. Von Moralisten war sowohl das Buch als auch sein Autor als pervers verschrien – Wilde war homosexuell veranlagt, was man im Buch in einigen Andeutungen wiedererkennt (oder wiedererkenn will, weil man es weiß?). Aufgrund dieser Tatsache wurde er später schließlich auch zu zwei Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Die Mentalität wurde vom Fin-du -Siècle geprägt. Man blickte damals auf den Jahrhundertwechsel, wie wir vor eineinhalb Jahren auf den Jahrtausendwechsel bei unseren Rechnern... mit gemischten Gefühlen.
Inhalt:
Hübscher Bubi, Dorian Gray, reich und adelig mit guten Aussichten, steht Modell für den Maler Basil. Über Basil lernt er Sir Henry kennen, Mitglied der guten Gesellschaft, mit spitzer Zunge und eigenen Ansichten, der Dorian\'s Schicksal ordentlich beeinflussen wird. Als Dorian sein Porträt zum ersten Mal sieht, wünscht er, daß Bild möge an seiner Stelle altern, was auch erfüllt wird. Dies wirkt sich fatal auf Dorian’s weiteres Leben aus: Da das Bild nun wirklich altert und auch Dorian’s schlechte Eigenschaften wiederspiegelt, landet es ziemlich schnell in einer Dachkammer. Dorian wandelt weiterhin als hübscher, junger Bubi durch die Welt. Sein Aussehen überstrahlt dabei seine Boshaftigkeit. Er treibt seine große Liebe in den Tod, und schrickt im Verlauf der Geschichte auch nicht vor Erpressung und Mord zurück. Dorian’s einziges Problem zu dieser Zeit besteht darin, daß sein Bildnis sein eigenes schlechtes Gewissen wiederspiegelt, was er teilweise mit Vergnügen, teilweise mit Unbehagen zur Kenntnis nimmt. Als sich das Gewissen nach Jahren schließlich doch wieder in ihm selbst meldet, beschließt er das Bild zu vernichten – und vernichtet sich selbst.
Eine Erzählung die in unsere Zeit mit ihren zahlreichen Schönheitschirurgen passt. Gutes Aussehen kann auch heute noch einiges vertuschen, aber auch einige Türen öffnen. Es kann aber auch zu einem Wahn werden, was im Chaos endet (ich sage nur M. Jackson’s Nase).
Zum Schriftsteller zu sagen bleibt noch, daß es sich durchaus lohnt, wenn man etwas guten Willens und seines Langenscheidts mächtig ist, eine englische Originalversion zu lesen, da bei Übersetzungen oft schon Interpretationen des Dolmetschers in den Text mit einfliessen. Dafür ist Oskar eigentlich zu schade. Im Großen und Ganzen kommt es aber auf die Geschichte an und die ist gut.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-26 20:21:03 mit dem Titel Hin und weg
Bin mal ganz ungewöhnlicherweise im Buchladen in der Innenstadt eingelaufen, um zu stöbern. Ungewöhnlich, weil ich normalerweise Bücher nur in einem anderen Laden kaufe der Prozente gibt, wo es aber wenig zu stöbern gibt. Dort kaufe ich immer, wenn ich weiß was ich haben will.
Nun war ich am wühlen und habe folgendes Buch gefunden (neben zwei anderen): Alan Warners „hin und weg“, Dtld. 1998. Englisches Original „Morvern Callar“ erschienen 1995.
Reingefallen bin ich auf den Klappentext, der so einiges an krimineller Energie versprach, auch hielt aber eben nicht so ganz in meinem Sinne..
Titelfigur ist Morvern Callar, so Anfang zwanzig. Sie arbeitet im Supermarkt. Dieser Job stinkt ihr aber mächtig. Aufgewachsen in einer wirtschaftlich schwachen Region im riesigen Wohnkomplex, lebt sie nun bei ihrem viel älteren Freund, der auf dem Dachboden eine Modelleisenbahn installiert hat, die seinen Heimatort repliziert. Die Geschichte hat einen nahezu Stephen-King-mässigen Einstieg. Morvern findet ihren Freund tot vor. Nun reagiert sie darauf nicht so ganz normal, um es mal weitgehend zu umschreiben und nichts zu verraten. Zumindest hinterlässt er ihr etwas Geld und seinen Roman, mit der Bitte ihn an verschiedene Verlage zu schicken, was Morvern dann auch tut – nur unter ihrem Namen. Ironischerweise, denn ihr Bildungsniveau wackelt so um den Nullpunkt herum. Sie hält z. B. die Alhambra für einen Technoclub. Sein/ihr Buch findet Beachtung, es gibt einen Vorschuss von dem Morvern erst einmal in Urlaub fährt – was sie in der Folge den Job kostet, der Urlaub am Strand verändert dabei ihre Auffassung von Glück. Aus dem Urlaub zurückgekehrt findet sie einen Brief der Anwälte des Verblichenen vor, wiederum eine Finanzspritze. Ausreichend um sich bis auf weiteres wieder zu verdünnisieren. In einem Hotel an der Küste residierend, liegt sie tagsüber am Strand, nachts geht sie feiern/raven.
Morvern ist ein absoluter Technofan. Ständig muss man lesen, welche Cassette (nix CD) sie hört, Tracks, DJs, ganze A- und B-Seiten. Ungemein aufregend: erstens: weiß ich nicht, ob es die Titel die sie da hört, wirklich gibt, zweitens: muss ich das bei Technogedöns auch nicht wissen. Zumindest hat Morvern aber immer einen guten oder schlechten Grund sich mit dem Gehämmere zu bedröhnen. Gegen Koks, Pillen und Alk hat sie auch seltenst etwas einzuwenden. Nebenbei ist sie aber auch ein absoluter Naturfan. Zu Geld hat sie nur eine Beziehung: Weg damit – auch anderen, selbst Unbekannten gegenüber ist sie großzügig.
Umgeben ist sie von flüchtigen Beziehungen. Selbst zu ihrem Freund, ihrem Vater oder ihrer besten Freundin (die sich als größte und talkshowreife Dorfschlampe erweisen wird) scheint sie eher oberflächliche Verbindungen zu haben. Allerdings doch mit dem Ziel aus ihrer Sozialbausiedlung herauszukommen. Dagegen fällt es ihr leicht auf Fremde zuzugehen. In ihrer Heimatstadt scheint jeder jeden zu kennen. Richtige Namen haben diese Leute selten, dafür größtenteils sehr seltsame Spitznamen und noch seltsamere Marotten. Ganz normal ist da kaum einer.
Am Ende schließt sich ein Kreis. Morvern, schwanger nach einer Raveparty, von wem weiß sie nicht (eigentlich passt das zu ihrer Beziehungslosigkeit, wie die Faust aufs Auge), zudem auch noch völlig pleite, kehrt zurück nach Hause – allerdings an den Ort, den ihr Freund mit seiner Modelleisenbahn darstellte. Sie hat wohl letztendlich doch eine tiefere Beziehung gefunden....
Die Geschichte des Buches wird von Morvern selbst erzählt. Ihr Stil ist sachlich, einfach, wenig emotional, wie ihr Charakter auch. Sie nimmt sich aber doch Zeit Orte ausschmückend zu beschreiben. Ebenso wie die gegenwärtige Farbe ihres Nagellacks. Eine Strichliste kann man darüber führen, wie oft sie erzählt, daß sie sich die Beine rasiert, cremt, pudert etc. pp. Ja – die Hauptfigur nervt in Teilaspekten eindeutig. Nebenbei ist sie aber eindeutig ziemlich hart im Nehmen und überaus selbständig.
Was ebenfalls nervt ist die Tatsache, daß dem Verlag oder dem Druckhaus anscheinend die Anführungsstriche ausgegangen sind.. Quatsch, hat der Autor wahrscheinlich so beabsichtigt. Allerdings ist es schwierig, dem Buch zu folgen, wenn wörtliche Rede nicht kenntlich gemacht wird. So muß man fast zwangsläufig einige Absätze zweimal lesen.
Für meinen Geschmack lässt das Buch aber zu viel offen, was mich interessiert. Gerade Fragen, die andere Personen, selbst den Verblichenen betreffen. Genauso wenig wird klar, was mit dem Roman, den sie unter ihrem Namen veröffentlichen ließ, geworden ist. Da aber Morvern ihre Geschichte erzählt und sich wahrscheinlich selbst für diese Dinge kaum interessier, ist es fast schon naheliegend, daß sie den Leser im Unklaren lässt, weil sie es wahrscheinlich selbst ist. Ich mag aber zu viele offene Fragen am Ende nicht.
Alles in allem ist das Buch nicht schlecht, aber auch kein Knüller. Man kann die 211 Seiten ganz gut lesen – auch ohne volle Konzentration. Spannung baut sich zwar nicht gerade auf, dafür plätschert die Geschichte aber recht flüssig, häufig überaus alltäglich, dahin. Ein paar Denkansätze werden auch gegeben. So wird es bestimmt auch den einen oder anderen Englischlehrer geben, der seinen Schülern dieses Buch zu lesen befehlen wird.
Autor: Alan Warner, geboren 1964 in Schottland. „hin und weg“ ist sein erster Roman. Dieser erhielt den Somerset Maugham Award – ist also wohl literarisch wertvoll. Schließlich wurde mein damaliger Englisch-Hochleistungskurs, dessen Hochleistung darin bestand, wenn von 12 Kursteilnehmern 9 anwesend waren (und das noch nicht mal unbedingt geistig), mit Texten von Maugham tyrannisiert.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-08-29 20:40:03 mit dem Titel Der Drachenbeinthron
Da der Autor Tad Williams in Galeria (*winkewinke*) einen perfekten Propaganda-Minister gefunden hat, habe ich mir den ersten von vier Teilen der Roman Serie um die Sagenwelt Osten Ard zugelegt, der da heißt: „Der Drachenbeinthron“
Der Roman schwimmt im Ansatz auf der „Herr der Ringe“-Welle, was schon reichte um mich zu ködern. Schon der erste Anblick des Buches schockte – nicht etwa die über 1000 Seiten, sondern eher das Vorhandensein einer Landkarte Osten Ards und ein Anhang, der mit einem Haufen unaussprechlicher Namen, Orte und Ausdrücke über ganze 17 Seiten besticht. (*schluck*!)
Die Zeit:
Es ist eigentlich dämlich den Roman geschichtlich einzuordnen, schließlich ist er ja nicht von dieser unserer Welt. Da wir aber auf schwertschwingende Drachentöter die auf Festungen leben treffen, muß man sich das Leben mal mittelalterlich vorstellen.
Das Land:
Osten Ard hat im Südwesten eine Küste, im Süden sind Wüsten, das Zentrum bildet Aldheorte ein riesiger Wald. Im Nordwesten findet man eher eine kühle Steppenlandschaft, im Norden liegt eine Gebirgskette, überlagert von dem höchsten Berg, der „Sturmspitze“. Der Sitz der Regierung liegt zentral in einer Stadt namens Erchester, die sich um die Festung „Hochhorst“ gebildet hat.
Die Völker:
Osten Ard ist ein geeintes Land, dem Johan, der Priester als Großkönig vorsteht. Die Religion der Menschen erinnert stark an das Christentum, es gibt aber auch Heiden. Neben der Bevölkerung Erkynslands (um Hochhorst), findet man sogenannte Rimmersmänner, die an sesshafte Wikinger erinnern. Daneben existiert ein bäuerliches Heidenvolk (Hernystiri) – am Rande werden Nomaden erwähnt. An nichtmenschliche Völker wird zunächst nur im Aberglauben gesprochen, bis im Laufe der Geschichte ein Troll auftaucht, Riesen Amok laufen und ein elbenähnliches Volk (Sithi) aufkreuzt, deren Stammesverwandten, die Nornen, übles im Sinne haben. Die Sithi waren die ersten Bewohner des Landes, wurden aber durch die Menschen vertrieben.
Die zentrale Figur des Buches ist der 14jährige Simon, häufig auch Mondkalb genannt. Er ist ein Küchenjunge mit höheren Ambitionen, der von Ruhm und Abenteuern in der großen weiten Welt träumt, sich vor der Arbeit drückt, wobei er sowieso ein Tollpatsch vor dem Herrn ist. Bald wird dem Leser aber klar, dass sich hinter dem Waisen Simon noch ein tieferes Geheimnis verbirgt, er scheint gewisse Mächte zu haben – was aber nur sehr langsam ans Tageslicht kommt.
Da Simon immer dort auftaucht, wo er absolut nichts zu suchen hat, gerät er bald mitten in die Abenteuer, die er auf einmal gar nicht mehr will – merkt er doch schnell, daß dies in argen Streß ausartet. Als der alte König Johan stirbt, wird sein Sohn Elias der Nachfolger. Elias jüngerer Bruder, der einarmige Josua ist damit eigentlich zufrieden, da er keine Ambitionen auf den Thron hat. Allerdings hat Elias einen Brass auf Josua, da er ihm die Schuld am Tod seiner Frau gibt. Elias glaubt nun, Josua wolle ihm böses. Unterstützt wird Elias durch den Priester Pryrates, einem üblen Alchimisten und Magier, der den neuen König in seinen Bann schlägt, ihm ein geheimnisvolles Schwert verschafft und ein übles Bündnis mit den fiesen Nornen eingeht. Die Folge davon wird wohl die Wiederauferstehung einer alten Legende sein, was es nun zu verhindern gilt. Womit Simon nun wiederwillig seine Aufgabe gefunden hätte, die er mit einer bunten Ansammlung an Kameraden in Angriff nimmt. Dumm nur, daß niemand wirklich Bescheid weiß, was am Bach ist. Zwar tut der „Bund der Schriftrolle“ (dem auch Ekelpaket Pryrates entsprang) alles was er kann – leider werden die alteingesessenen Mitglieder aber dahingerafft. Es verbleiben die Nachfolger die wild im Nirvana nach einer Lösung suchen.
Mich hat selten ein Buch so in den Bann geschlagen wie dieses, und das praktisch schon nach der ersten Seite – bei einigen Szenen bekam man regelrecht Herzklopfen, so mitreißend waren sie geschrieben, so spannend, daß ich gar nicht schnell genug mit dem Lesen hinterherkam. Die Figuren werden gut und ausgesprochen lebendig charakterisiert. Besonders das Innenleben von Simon, des widerwilligen noch kindlich naiven „Helden“, ist glaubwürdig beschrieben und bringt den Leser immer wieder zum schmunzeln. Fantastisch ist auch der Troll Binabik, die nur einen Fehler hat. Binabik spricht die erkynländische Sprache nicht zu 100% richtig – vielmehr erinnert er rein in der Ausdrucksweise an eine kleine grüne Figur aus Starwarm, die zwar nur am Stock gehen kann, aber bei einem Schwertkampf fünf Meter aus dem Stand in die Luft springt um einen Salto zu schlagen. Allerdings scheint mir, als würde Binabiks Sprachfehler im Laufe des Buches schlimmer werden.
Das Erzähltempo des Buches ist fast schon rasant, da Williams die Hauptfigur Simon zwischenzeitlich verlässt, um sich an andere Orte des Geschehens zu begeben. Besonders nachdem Josua ein Bündnis gegen sein Bruder geschlossen hat, was aber zu Folge hat, das die Bündnispartner zwar gleichzeitig kämpfen, aber auf verschiedenen Schlachtfeldern. So liest man immer weiter und weiter, weil man ja wissen will, was denen passiert über die man gerade nichts erfährt.
Etwas verwirrend ist die Fülle der auftretenden Figuren, zumal deren Namen wie schon angedeutet häufig unaussprechlich sind. Oft haben gerade Figuren, noch öfter Orte mehrere Namen, die man sich in verschiedenen Sprachen merken muß (es lebe der Anhang!) – wild wird es dann, wenn die Figuren auch noch fremdsprachlich loslegen. Leicht stressig sind auch die politischen und taktischen Diskussionen des Prinzen Josua und seiner Mannen, aber man kann damit leben.
Das dicke Ende:
Simon hat das unglaubliche geschafft und seinem großen Vorbild, dem toten König anscheinend nachgeeifert – er befindet sich auf dem besten Weg ein großer „Ritter“ zu werden. Nach einem Kampf erwacht er als Gezeichneter – einem Symbol, daß für die Zukunft einiges verheißt. Leider lässt Williams den Leser nun aber völlig im Regel stehen – schlechte Nachrichten verlangen nur eines (was ich auch mit der ganzen Serie tat):
Kaufen für € 9,90 je Wälzer:
Teil 2 – Der Abschiedsstein
Teil 3 – Die Nornenkönigin
Teil 4 – Der Engelsturm
Williams hat folgendes als Vorbemerkung aus dem Prolog von Tristan und Isolt (Gottfried von Straßbourg) zitiert:
„Ich habe mir eine Aufgabe zur Freude der Menschen gestellt (...) für die Herzen, zu denen ich mich hingezogen fühle, für die Menschen, in die ich hineinsehe. Ich meine nicht (...) die, von denen ich höre, daß sie keinen Schmerz ertragen können und in Freude leben wollen. (...) Diesen Menschen (...) ist meine Erzählung unbequem (...) Ich meine andere Menschen, und zwar die, die in sich vereint tragen ihre süße Bitterkeit, ihr angenehmes Leid, ihre innige Liebe, ihren sehnsüchtigen Schmerz, ihr angenehmes Leben, ihren leidvollen Tod, ihren angemessenen Tod, ihr leidvolles Leben (...)“
(gekürzt!)
Mehr ist eigentlich gar nicht notwendig zu sagen. Tad Williams hat seine Aufgabe mit diesem Buch perfekt gemeistert – nicht nur das, seine Figuren existieren nach diesem Grundsatz.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-08 16:10:22 mit dem Titel der Abschiedsstein
Nachdem ich es ja bereits angedroht habe, bin ich nun zu Band zwei der Fantasysaga um die drei großen Schwerter von Tad Williams gelangt, die aus folgenden Bänden besteht:
Teil 1 – Der Drachenbeinthron
Teil 2 – Der Abschiedsstein
Teil 3 – Die Nornenkönigin
Teil 4 – Der Engelsturm
Jeweils zu haben für € 9,90.
Der Abschiedsstein erzieht sich über eine Länge von 853 Seiten, ergänzt durch einen mehrseitigen Anhang, der dem Leser durch das Dickicht der zahlreich in Erscheinung tretenden Figuren, Völker und Orte führen soll. Hier kann man auch die Übersetzung der Ausdrücke finden, die manche Völker in ihrer eigenen Sprache ablassen. Zur Orientierung gibt es vorsichtshalber auch wieder eine Landkarte der Welt Osten Ard.
Osten Ard hat im Südwesten eine Küste, im Süden sind Wüsten, das Zentrum bildet Aldheorte ein riesiger Wald. Im Nordwesten findet man eher eine kühle Steppenlandschaft, im Norden liegt eine Gebirgskette, überlagert von dem höchsten Berg, der „Sturmspitze“. Der Sitz der Regierung liegt zentral in einer Stadt namens Erchester, die sich um die Festung „Hochhorst“ gebildet hat.
Als wichtigster Punkt dient in diesem Roman der Abschiedsstein, eine alte Festung des Volkes der Sithi – die stark an Elben erinnern. Sithi und Menschen lebten einst friedlich nebeneinander bis Neuankömmlinge in Osten Ard (Rimmersmänner) die friedliebenden Sithi vertrieben. Der einzige Sithi der sich wirklich auflehnte, Prinz Ineluki schuf das geheimnisvolle Schwert „Leid“ für den Kampf gegen die Menschen, wurde aber darüber wahnsinnig und starb. Nun, Jahrhunderte später, scheinen die Sithi in den Gedanken der Menschen zur Legende geworden zu sein. Die Sithi haben sich in ihre eigene Welt zurückgezogen. Nun stellt sich heraus das Ineluki (auch Sturmkönig) genannt noch existiert, scheinbar als Geist im nördlichen Land der Nornen. Die Nornen sind Verwandte der Sithi und werden von Inelukis Ururgroßmutter regiert. Diese ist genauso irre wie der Sturmkönig. Ineluki ist nun dabei aufzuerstehen, und das Land Osten Ard mit Chaos zu überziehen.
Sein Helfer ist Hochkönig Elias, dem er das Schwert Leid zugeschustert hat, wodurch dieser fast komplett verrückt wird, wozu auch Pryrates, sein priesterlicher Ratgeber (Alchemist, Magier und sonst noch was) sein übriges tut. Bereits in Teil 1 der Reihe haben die Menschen begonnen einen Widerstand gegen den Sturmkönig aufzubauen. Leider meuchelt es aber die größten Gelehrten danieder, so daß nur deren Schüler die Welt retten können – die aber müssen nun mühselig alle Geheimnisse entschlüsseln. Fakt ist: neben Leid existieren zwei weitere Schwerter, die der Widerstand in seine Hand bringen muß. Dorn ist gefunden worden, aber wo ist das dritte Schwert?
Im zweiten Teil des Buches, hat Elias seine Wahnsinnsherrschaft manifestiert, aber mehr und mehr Untertanen haben Angst und lehnen sich auf. Prinz Josua, Elias’ Bruder, wird zu dessen größtem Gegenspieler, muß aber zunächst eine bittere Schlappe hinnehmen. Josua verliert seine Burg und muß mit kleinem Gefolge fliehen. Das Ziel ist der legendäre Abschiedsstein. Ein weitere Handlungsstrang verfolgt natürlich die sympathische Hauptfigur Simon, die zusammen mit dem Troll Binabik und weiteren Gefährten das Schwert Dorn an sich gebracht hat und nun nach Josua sucht. Simon ist eine Gestalt die ein Geheimnis umgibt, welches auch in diesem zweiten Teil nicht gelüftet wird. Allein schon rätselhaft ist, wie der einfache Küchenjunge immer wieder zufällig (?) im Mittelpunkt des Geschehens landet. Der Junge, der einst von Abenteuern träumte, wirkt nun im wirklichen Abenteuer immer noch unbeholfen und fehl am Platze, was er auch selbst so sieht. Immerhin scheint er aber irgendwo das Bindeglied zwischen den einzelnen Gruppen zu sein. Auf diese Weise lernt er das verborgene Volk der Trolle kennen und freundet sich sogar mit dem Sithi-Prinzen Jiriki an, was ihm Zugang zu der verborgenen Sithiwelt verschafft.
Abgerundet wird der Roman durch mehrere Nebenstränge, die die Geschichte der Flucht von Elias Tochter erzählen oder die Geschichte des Grafen Eolair, der auf die Spur des dritten Schwertes kommt. Versprengt über die ganze Sagenwelt Osten Ard werden die Figuren sich wohl am Abschiedsstein sammeln.
Und auch die Sithi müssen erkennen, daß ihre friedliche Welt in Gefahr ist. Ein Bund mit den verwandten Nornen und dem Sturmkönig ist ihnen versagt – sie werden angegriffen. Es scheint als würde auch das Volk der Sithi eingreifen müssen. Leider kommen aber die fast Unsterblichen nur sehr sehr langsam aus dem Quark – man diskutiert halt gerne! Man darf gespannt sein, auf wessen Seite sie sich nun endgültig schlagen.
Das Buch ist wiederum fabelhaft gemacht. Auf der einen Seite wechselt der Autor immer an den spannendsten Stellen die Handlungsstränge, was natürlich in Atem hält. Vielfach meint der Leser viel mehr zu wissen als die Figuren (zum Beispiel, wo das dritte Schwert ist), die immer nur einzelne Bruchstücke des Geschehens erkennen. Trotzdem aber bleibt wiederum auch dem Leser einiges unklar – nicht zuletzt durch das faszinierend dargestellte Sithivolk, das sich leider häufig sehr orakelhaft und undurchsichtig gibt. Die Figuren werden großartig charakterisiert, trotzdem lassen gerade die magiebehafteten Kreaturen immer wieder Rätsel offen. Die Fülle der Stränge und Figuren aus verschiedenen Völkern verlangt vom Leser ein gewisses Maß an Konzentration, vor allem wenn sich die Geschichte in die Traumwelten des einen oder anderen begibt (und die Träume sind wichtig) oder geschichtliche Hintergründe der Welt beschreibt. Denn man muß nicht nur die Lebenden kennen, nein auch die Toten sind wichtig.
Am Ende des Buches sind die wichtigsten Figuren am Abschiedsstein zusammen und in trügerischer Sicherheit, während aber noch andere mit wichtigen Informationen auf der Suche nach Josua sind. Andere Figuren sind immer noch ziellos auf ihrer Wanderung und es bleibt spannend, was das Schicksal noch für sie in petto hat. Währenddessen deutet sich aber auch auf der bösen Seite eine Entwicklung an, die den Guten zum Vorteil gereicht. Die Fieslinge drohen aneinander zu geraten, verfolgt doch jeder seine eigenen Ziele. Ein Wunder, wie der Autor selbst da noch durchgeblickt hat.
Im Vergleich zu Teil eins ist der Abschiedsstein zwar um 200 Seiten kürzer, dafür aber meiner Ansicht nach actionlastiger ausgefallen. Der Autor unterstellt anscheinend, daß der Leser sich nun in Osten Ard zurecht findet. So wirkt der Drachenbeinthron durch die Notwendigkeit der Einführung des Lesers noch recht behäbig. Auch wenn der Autor das Erzähltempo nun gesteigert hat, verliert er nicht den Blick, den er seinen Figuren widmete. Besonders ist wiederum Simon zu erwähnen, der immer noch die Abenteuer satt hat und nach Hause will – gleichzeitig aber versucht erwachsen zu werden, um niemand mehr zur Last zu fallen. Ein ähnlicher Schwerpunkt liegt auf Beschreibung der großartigen Romanwelt.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-29 15:41:04 mit dem Titel Die Nornenkönigin
Da aller guten Dinge angeblich drei sind, folgt jetzt der Bericht über Teil 3 der Fantasy-Reihe, die die Geschichte der drei großen Schwerter im Land Osten Ard erzählt. Tad Williams Reihe besteht aus insgesamt vier Teilen mit folgenden Titeln, jeweils kaufbar für € 9,90:
Teil 1 – Der Drachenbeinthron
Teil 2 – Der Abschiedsstein
Teil 3 – Die Nornenkönigin
Teil 4 – Der Engelsturm
Vorab sei gesagt, daß die einzelnen Teile in sich nicht abgeschlossen sind. Man sollte also unbedingt die beiden ersten Bücher gelesen haben, bevor man sich an den über 800 Seiten „der Nornenkönigin“ vergreift – oder sich auf die Zusammenfassung am Buchbeginn verlassen. Dies ist mal wieder eine besonders dämliche Betitelung einer deutschen Übersetzung, weil Utuk’ku, die alte irre Nornenschachtel zwar eine tragende aber keine wichtige und große Rolle spielt. Prinzipiell führt uns aber das Buch auf die Spur der Ursache allen Übels, das von Osten Ard und seinen Bewohnern Besitz ergriffen hat. Die asbach-alte unsterbliche Nornenkönigin fühlt sich zu wenig beachtet und will mal so richtig auf die Pauke hauen, also Chaos verbreiten. Unterstützt wird sie von ihrem Urururenkel Sturmkönig Ineluki, der aber nur noch als machtvoller Geist existiert. Die Nornen sind eine Art dunkles Elfenvolk und mit den Sithi eng verwandt. Die Sithi (eine mysteriöse aber sympathische Version der Nornen) leben von Menschen vertrieben in einer geheimen Welt, Ineluki war einst ein mächtiger Sithi und starb tragisch beim Kampf gegen die Menschen.
Über Inelukis dunkles Schwert schließt er einen Pakt mit dem Hochkönig der Menschen Elias – welcher wiederum unter dem Einfluss des Alchimistenpriesters Pryrates steht. Während Utuk’ku und Ineluki Osten Ard mit Klimakatastrophen und bösartigen Fabelwesen, die die Menschheit längst vergessen hatte, heimsuchen, überzieht Elias seinerseits das Land mit Krieg und Wahnsinn. Gegen ihn kämpft sein Bruder Prinz Josua, zu dessen Truppe auch die Hauptfigur der Romane Simon liegt. Simon war einst ein verwaister Küchenjunge, aber geheimnisvolle Erscheinungen und Träume lassen erwarten, daß mehr hinter ihm steckt. Simons Figur wird um so interessanter als er langsam versucht erwachsen zu werden – was endlich zur Folge hat, daß er zum Ritter geschlagen wird.
Simon, als Freund und Lebensretter des Prinzen Jiriki, dient als Mittler zwischen Menschen und Sithi, die zwar auch nicht glücklich über die Machenschaften der Nornen sind, sich aber immerhin mit diesen verwandt fühlen. Bei den Sithi (sie sind ziemlich unsterblich) dauert alles einigermaßen lange – da viel herumdiskutiert wird. Letztendlich kommen aber auch sie endlich mal aus dem Quark! Währenddessen sammeln sich um Josua immer mehr Menschen, die bereit sind gegen Elias und seine miesen Spießgesellen zu kämpfen. Während die Widerstandsbewegung sich sammelt und an Macht gewinnt, muß die böse Seite erste Schlappen hinnehmen – während man erkennt, daß sich die Fieslinge selbst sich noch mehr zu entzweien beginnen.
Dies war die Grundgeschichte in kurzen Zügen. Ich höre auf bevor ich mich total verzettele und der Einfachheit halber das ganze Buch abtippe. Der Autor hat einfach zu viele verschiedene Handlungsstränge aufgebaut denen man als Leser folgen muß. Die Figuren sind einem mittlerweile so nah, daß man meint man würde sie schon lange kennen. Tad Williams hat sie großartig beschrieben, obwohl er sich nicht mit seitenweisen Charakterisierungen abgibt – die Beschreibungen werden einfach irgendwie in die Geschehnisse eingebaut. Dies ist umso mehr anzuerkennen als daß eine Unmenge von Figuren auftritt, die die zahlreichen Nebengeschichten mit Leben füllen. Allerdings fühlt der Leser sich in Teil drei schon wohler, da er mittlerweile an die Armee der Charaktere gewohnt ist. Lediglich die Namen der Trolle und der Sithi, deren Sprache aber auch die menschlichen Dialekte sind gewöhnungsbedürftig.
Während der Leser sich in Teil eins und zwei mit wichtigen aufgeworfenen Geheimnissen und Legenden beschäftigen muß, beginnen sich einige der Rätsel nun zu lösen. Da der Leser aber immer mehr weiß als die einzelne Figur – der stetige Wechsel der Handlungsstränge gibt der Entwicklung der Geschichte Tempo – liegt ihm die Lösung der Probleme häufig zu nahe. Meist denkt man bei einer bahnbrechenden Enthüllung für die Figuren nur, habe ich es doch geahnt! Aber auch dieses Mehrwissen kann die Spannung erhöhen. Trotzdem weist „die Nornenkönigin“ einige Längen auf, besonders wenn die Menschen um Josua über Schlachten und notwendige Taktiken beraten, während der Leser eigentlich wissen will, wie die Geschichte einer anderen Figur weitergeht, weil es dort wo diese ist einfach viel spannender ist.
Gegenüber dem zweiten Teil ist „die Nornenkönigin“ etwas lahmer, aber nichts desto trotz gut gemacht.
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-09-29 15:28:20 mit dem Titel Der Engelsturm
„Der Engelsturm“ ist der vierte und letzte Teil von Tad Williams Fantasy-Reihe über die drei großen Schwerter. Wiederum muß der Leser sich durch mehr als 800 Seiten kämpfen die er für € 9,90 erwerben kann. Die Reihe besteht aus folgenden Büchern:
Teil 1 – Der Drachenbeinthron
Teil 2 – Der Abschiedsstein
Teil 3 – Die Nornenkönigin
Teil 4 – Der Engelsturm
Wiederum wird der Leser mitten in die Handlung geschmissen, es ist also nicht sonderlich sinnig, diesen Teil als Einzelbuch zu kaufen, auch wenn man am Beginn eine Zusammenfassung der vorhergehenden Ereignisse findet.
Auch wenn das Buch wiederum temporeich geschrieben ist, finden sich im mittleren Teil einige Längen in denen mir zu viel Handlung in Träumen der Figuren spielt. Trotzdem gewinnt die Geschichte durch eine gewisse Eigendynamik der Ereignisse, die die Figuren einfach zum handeln zwingt. So finden sich alle Figuren im Zentrum des Sagenlandes Osten Ard wieder: der uralten Burg Hochhorst, die einst vor deren Vertreibung des Elbenvolkes deren Regierungssitz A’sua war. Der Ort ist nebenbei das symbolische Zentrum an der sich die für die Geschichte wichtigsten Ereignisse abspielten. Der Engelsturm ist wiederum das Zentrum der Burg.
Hier wurde vor langer Zeit der Sithi (eine Art Elbenvolk)-Prinz Ineluki wahnsinnig und starb im Kampf gegen die Menschen, woraufhin sich das Sithivolk in seine eigenen Welt zurückzog, um dort in Melancholie zu versinken. Mit Hilfe der Nornen (Verwandte der Sithi) erwacht Ineluki als Geisterwesen und will seine Burg zurückerobern. Auf dem Hochhorst regiert der mittlerweile komplett verrückte König Elias unter dem Einfluß von Ineluki und dem verbündeten fiesen Priester und Berater Pryrates, der wiederum seine eigenen Ziele verfolgt. Währenddessen kämpft sich Prinz Josua zum Hochhorst vor um seinen Bruder Elias zur Vernunft zu bringen – begleitet von einer Armee, die dem König abgeschworen hat. Von anderer Seite beschließen die Sithi in diesen Kampf einzugreifen – ist doch eigentlich Ineluki einer der ihren die wirkliche Bedrohung, die das Land mit Chaos, Sturm und Schnee überzogen hat. Von anderer Seite tauchen Simon, die Hauptfigur der Reihe und seine Geliebte Miriamel auf. Während außerhalb die Burg belagert wird, gelangen die drei großen Schwerter endlich in den Engelsturm. Die Zusammenkunft dieser drei Schwerter soll die Ankunft Inelukis verhindern.
Wiederum schön gemacht ist die Beschreibung der unzähligen Figuren, welche die ebenso zahlreichen Handlungsstränge bevölkern – auch wenn die Zahl der allein der Figuren, die entweder vollkommen oder wenigstens teilweise am Rande des Wahnsinns dahintreiben kaum noch zu überschauen ist. Hochhorst scheint die Zentrale des Irrenhauses Osten Ard zu sein. Interessant ist, daß der Leser endlich mehr von dem mysteriösen Sithivolk erfährt, die in den vorhergehenden Teilen meiner Ansicht nach leider ziemlich zu kurz kamen.
Tad Williams hat seine Geschichte vielfach im Zusammenhang mit alten Legenden um verstorbene Könige, Ritter, Weise und andere Gestalten Osten Ards geknüpft (dabei ein ganz klein wenig auf die Artus-Sage geschielt) und ist nun in der Verlegenheit die Andeutungen und Prophezeiungen der alten Erzählungen in der aktuellen Geschichte auszulösen, was ihm ziemlich gut gelingt, wenn er mir auch in mancherlei Beziehung zu dick aufträgt. Am Ende sind viele nicht mehr das, was sie zu sein schienen. Zu den gut gelösten Rätseln gehört aber die Erkenntnis über Simon und seine wahre Identität. Alles was darüber hinausgeht ist hart an der Grenze und wirkt zu weit hergeholt oder inkonsequent, als könne der Autor einige der Figuren einfach nicht sterben lassen, was aber wieder zur Folge hat, das diese störend im Wege stehen und irgendwie untergebracht werden müssen.
Auch der eigentliche Showdown mit Ineluki ging mir zu schnell und zu einfach. Der letzte Kampf ist typisch für Fantasyfilme oder meinetwegen auch für Indiana Jones, es passiert eigentlich nicht sehr viel neues. Trotzdem fehlt mir der letztes Kniff dabei. Noch simpler entledigt sich der Autor der fiesen Nornenkönigin Utuk’ku der Urururgroßmutter (Nornen und Sithi sind fast unsterblich) und Verbündeten Inelukis. Bums, ist ihre Macht weg und fertig. Für meinen Geschmack haben die Miesköppe allesamt einfach nicht zu richtig ihr fett weggekriegt, da wäre mehr drin gewesen!
Für Simon aber werden alle heimlichen Träume, die er selbst immer als Utopie abtat endlich wahr.
Letztendlich kann man aber für den ganzen Vierteiler nur eine Empfehlung aussprechen.
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