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Erfahrungsbericht von kuschlianibas

Medea, eine Christa Wolf?

Pro:

Erzählstil, Veränderung der ursprünglichen Geschichte

Kontra:

k.a.

Empfehlung:

Nein

Habe heute mal wieder in mein Bücherregal geschaut und fand den Roman “Medea Stimmen” von Christa Wolf. Und dieses Buch möchte ich heute mal vorstellen.
Es ist noch gar nicht lange her, dass ich dieses Buch lesen musste. Als Leistungskurs Deutsch muss im letzten Semester ein (relativ) aktuelles Buch gelesen werden und das war bei uns eben Medea. Und eigentlich bin ich (bezogen auf Schulliteratur) ein ziemlicher Lesemuffel, doch dieses Werke gehörte zu den zwei Büchern, die ich in meiner 13 jährigen Schullaufbahn gelesen habe. Das soll zunächst schon mal was heißen.
Da der Mythos Medea unser Unterrichtsthema war, kann ich zu dem Buch ne ganze Menge sagen. Stellenweise werde ich dazu auch verschiedene Quellen verwenden.

Also zunächst zum Werk:
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Wir haben Medea Stimmen von Christa Wolf als dtv Ausgabe gelesen, dafür waren erst einmal 8 Euro fällig. Das Werk hat 218 Seiten und lässt sich (wenn man eingelesen ist) recht zügig lesen.
Zunächst findet man auf den ersten Seiten eine Meinung von Christa Wolf zu der Figur Medeas und Angaben zur Autorin. Es folgt ein Zitat von Elisabeth Lenk und die Personenangaben. Dabei ist zunächst unverständlich, warum die Figuren Medea, Jason, Agameda, Akamas, Leukon und Glauke als Stimmen angegeben werden und dann noch andere Personen wie Kreon, Merope, Iphinoe etc. benannt werden.
Doch hat man den ersten Teil gelesen (oder fängt den zweiten an), merkt man warum.
Christa Wolf wählte eine ganz andere Erzählform. Sie lässt die Figuren sprechen. Erzählt also keinen typischen Roman, sondern lässt die Figuren in insgesamt 11 Monologen ihre Meinung und Haltung darstellen.
Dadurch wirkt das Buch so, als wenn es von unterschiedlichen Verfassern stammt. Jede Figur wird mit einer Nähe dargestellt, dass man sehr leicht Sympathie oder keine Sympathie mit der Person aufnehmen kann.

Ursprung:
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Das ursprüngliche Werk Medea von dem griechischen Dichter Euripides hat neben Anna Seghers, Heiner Müller u.a. auch Christa Wolf inspiriert.
Euripides wurde um 480 auf Salamis und ist der jüngste der drei Tragiker der griechischen Antike, zu denen neben ihm noch Aischylos und Sophokles gehören. Er hatte nicht nur großen Einfluss auf das attische und römische Drama, sondern auch auf die gesamte Entwicklung der abendländischen Tragödie (in Deutschland u. a. auf Klinger, Wieland, Schiller, Goethe und Grillparzer).
Bei ihm sind im Mittelpunkt nicht Gestalten der griechischen Götterwelt oder heroische Helden der griechischen Geschichte – bzw. die von ihnen verkörperte göttliche und moralische Ordnung –, sondern menschliche Figuren in ihrer ganzen leidenschaftlichen Widersprüchlichkeit. Besonders auffällig sind vor allem seine Frauengestalten, denen er die größere Aufmerksamkeit gibt. Euripides trat energisch für Rechte der Frau ein, die in Athen untergeordnete Stellung einnahmen.
Von zahlreichen Dramen ist zudem das Entstehungs- bzw. Aufführungsjahr überliefert: Medeia (431 v. Chr.)

Medea bei Euripides:
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In der griechischen Mythologie ist Medea als Zauberin und Tochter des Königs Aietes von Kolchis dargestellt.
Als Jason, Anführer der Argonauten, nach Kolchis kam, um das Goldene Vlies zu erringen, verliebte sich Medea heftig in ihn.
Die Argonauten sind nach der griechischen Sage Seefahrer, die nach Schiff “Argo” benannt sind. Die Argonauten erleben kühne Abenteuer: zum Beispiel bei Lemnos, Samothrake, Meerenge an der Propntis, Chios, Bithynien, Bosporosmündung mit zwei bewegten Felsen, Insel Thynias u.a. Kolchis .
Für Jasons Versprechen, ihr immer treu zu bleiben und sie mit nach Griechenland zu nehmen, stattete Medea ihn mit ihren Zauberkräften aus. Mit diesen täuschte Jason ihren Vater König Aietes und entwendete das goldene Vlies. Dann segelte Medea mit Jason von Kolchis fort, wobei sie ihren jungen Bruder Apsyrtos als Geisel mitnahmen. Beim Herannahen der väterlichen Flotte tötete Medea Apsyrtos und warf seine zerstückelte Leiche ins Meer. Der König hielt an, um die Teile aufzulesen und verlor Zeit, so dass Jason und die Argonauten entkommen konnten.
Einer anderen Darstellung zufolge leitete Apsyrtos die Verfolgung der Flüchtenden, nachdem er von Aietes dazu beauftragt worden war, und Jason war es, der ihn tötete.
Als Jason und Medea Griechenland erreichten, fanden sie heraus, dass Jasons Onkel Pelias für den Tod von Jasons Eltern verantwortlich war. Um ihren Tod zu rächen, bat Jason Medea wieder, ihm mit ihren Zauberkräften zu helfen. Seinen Wünschen wie immer empfänglich, führte Medea Pelias’ Tod durch eine List herbei. Sie erzählte seinen Töchtern, dass sie wüsste, wie sie ihren alternden Vater verjüngen könnten, und zeigte ihnen den Vorgang an einem Widder, den sie in Stücke schnitt und kochte. Nachdem sie einen Zauberspruch aufgesagt hatte, sprang ein munteres Lamm aus dem Topf mit heißem Wasser. Die Töchter waren davon überzeugt, dass sie auf ähnliche Weise die Jugend ihres Vaters wiederherstellen konnten. Nachdem Medea Pelias ein starkes Schlafmittel gegeben hatte, überredete sie die Töchter, ihren Vater zu zerschneiden, um ihn zu verjüngen. Medea verschwand jedoch, ohne ihren Verjüngungszauber anzuwenden, der ihn ins Leben zurückgebracht hätte. Nach dieser Tat flohen Jason und Medea nach Korinth, wo sie glücklich lebten und ihnen zwei Söhne geboren wurden. Später verliebte sich Jason in Glauke, die Tochter des korinthischen Königs Kreon. Aus Rache tötete Medea ihre Nebenbuhlerin mit einem vergifteten Hochzeitsgewand, das sie ihr durch ihre beiden Söhne bringen ließ. Es entsteht ein Konflikt der Emotionen im Innern Medeas. Medea fürchtete, Kreon würde ihren Söhnen Schaden zufügen, um den Tod seiner Tochter zu rächen, tötete sie beide. Medea floh auf einem Wagen, der von geflügelten Drachen gezogen wurde, von Korinth zu König Ägeus nach Athen, stiftet Sühnekult für getötete Kinder, sagt Jasons Tod voraus und nimmt damit eine göttliche Stellung ein. Auf König Ägeus übte sie einen großen Einfluss aus. Durch ihre Zauberei erkannte sie, dass Ägeus, ohne es zu wissen, der Vater des jungen Helden Theseus war. Da sich dieser auf dem Weg nach Athen befand, befürchtete sie, dass ihr Einfluss auf Ägeus durch die Wiederkehr seines Sohnes geschmälert würde. So plante sie, Theseus zu einem Festessen einzuladen und ihn durch einen Becher vergifteten Weines zu töten. Ägeus willigte in die Verschwörung ein, weil er selbst befürchtete, dass die Athener den berühmten jungen Helden ihm vorziehen und Theseus auf den Thron setzen würden. Als Ägeus jedoch seinen Sohn Theseus an den Zeichen erkannte, die ihm seine Mutter Aithra mitgegeben hatte, schlug er den Becher zu Boden und rettete so seinen Sohn. Medea floh vor Ägeus’ Zorn nach Asien.
Von den dichterischen Fassungen der Medea-Sage sind in der Antike nur die Dramen von Euripides und Seneca dem Jüngeren überliefert.
Ausgehend von den antiken Medea-Dramen, wurde der Stoff in der Neuzeit wiederholt bearbeitet, u. a. von Pierre Corneille, Franz Grillparzer, Jean Anouilh, und in der gleichnamigen Oper von Luigi Cherubini.

Medea wurde von Christa Wolf jedoch ganz anders dargestellt.

Medea bei Christa Wolf:
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Medea verhilft wie bei Euripides dem Argonaut Jason zum goldenen Vlies. Aber nicht sie, sondern ihr Vater tötet ihren Bruder Absyrtos. Medea findet mit Jason Aufnahme in Korinth und erweckt wegen ihrem Stolz den Hass der Korinther, die sie dann später verbannen und ihre 2 gemeinsamen Kinder mit Json durch Steinigung töten.
Medea ist bei Christa Wolf eine Heilerin mit Zauberkräften. Sie wird auch als König von Aietes von Kolchis, liebevolle Mutter, betrogene und verlassene Ehefrau und rechtlose Fremde dargestellt. Grundlegend anders als bei Euripides ist, dass sie keine Kinds- und Brudermörderin ist. Auch Glauke wird nicht von ihr getötet, sondern stirbt durch Selbstmord.
Der Roman lässt sich auf sehr verschiedene Weise interpretieren.
Zur Entstehungszeit war das große Thema Asylproblematik in den Schlagzeilen. Christa Wolf könnte Medea als Figur gewählt haben, um das Schicksal einer Fremden in einer fremden Heimat zu erläutern.
Des weiteren könnte man auch den Konflikt einer starken und selbstbewussten Frau in einer patriarchalischen Gesellschaft finden. Wer die Lebensgeschichte von Christa Wolf näher kennt, kann so etwas in diesem Roman sehen.
Das Christa Wolf ihre Vergangenheit mit diesem Roman verarbeitet, wird ihr auch häufig nachgesagt. Vielleicht will sie ihre damit ihre Lebensgeschichte (Stasi Mitarbeiterin) etwas makelloser erscheinen lassen.

Fazit:
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Durch die Monologe entsteht eine multiple Subjektivität, die den Roman sehr ergreifend gestalten. Da Christa Wolf von dem konventionellen Schreibstil abgeht wird eine intensivere Wirkung erzielt. Wer ein bisschen Einblick in die griechische Mythologie erhalten möchte und dies auf eine modernere Weise der ist ´bei “Medea Stimmen” ganz richtig.
Christa Wolf hat es mit diesem Roman geschafft, mehrere Literaturstile wie Tagebuch, Roman, Drama etc. zu vereinen. Dabei behandelt es sich auch um unterschiedlich Themen, die thematisiert werden: wie die Darstellung von Mann und Frau und deren Konflikte, das Schicksal einer gehassten und ungeliebten Fremden, den Konflikt von Macht und Einfluss u.v.m.
Im ganzen ein sehr lohnenswertes Buch (Danke lieber Ex- Deutschlehrer!).
Sehr empfehlenswert!

verwendete Literatur:
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Encarta Enzyklopädie99
Stark Verlag Unterrichtsheft Medea
Die Argonautensage (Kinderbuch)

by kuschlianibas

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