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Erfahrungsbericht von egonman

Der Schnitt ins Fleisch !

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

„Leibhaftig“ , von Christa Wolf .


Christa Wolf legt sechs Jahre nach ihrem Roman „Medea“ eine neue Erzählung vor .



Diese Prosa handelt von drohendem Abschied , von bereits erfolgtem Zusammenbruch allgemeiner und individueller Erwartungen , von Erkenntnis und von Enttäuschung , auch von Verrat und Einsicht ins Unvermeidliche . In „Leibhaftig“ erzählt Christa Wolf vom sterbenskranken Leben einer Frau in mittleren Jahren , die in der Zeit ihres Kranken-Lagers an den Abgrund ihrer Existenz gerät und dabei das Essentielle ihres gelebten Lebens Revue passieren lässt . Es ist dies ein in der Literatur nicht ungewöhnliches Motiv . Doch die dichte , in der Gedachtes , Erfahrenes und Erzähltes bei Christa Wolf ineinander greifen , lässt diesen Text aus dem Gewöhnlichen hervortreten .


Man liest von einer Frau , die mit einer offenen Leib-Wunde im Kranken-Haus liegt , gegen wechselnd hohes Fieber zu kämpfen hat , der Kunst der Ärzte ausgeliefert , sich an ihr früheres Dasein zu erinnern versucht . Ein Leben , das mit dem Auf- und Niedergang der DDR mit all ihren Hoffnungen und falschen Versprechungen heillos verbunden ist , seine ersten Erfahrungen aber noch früher gemacht hat . Es kommt der Frau alles Mögliche in den Sinn , während Ärzte und Schwestern an ihr herum hantieren . Die Erinnerungs-Ebenen vermischen sich , das Heute verbindet sich mit dem früher , zwischendurch schiebt man sie in den Operations-Saal . Der Riss , der durch sie hindurch geht , der Schnitt in ihr Fleisch - er steht mit all seiner Schärfe symbolisch für das schmerzhaft Trennende nach dem Ende des „ersten sozialistischen Staates auf deutschem Boden“ . Es war einmal . Der Krankheits-Verlauf , sagen ihr die Ärzte , begründe aber nicht ausreichend den Zusammen-Bruch ihrer Immun-Abwehr . Der körperliche Verfall - nur ein Synonym für den der Gesellschaft ?


In einem Brief an einen „Herrn D.“ aus Freiburg im Breisgau schreibt Christa Wolf im Jahr 1982 die prophetischen Worte : „In einer ganz oder teilweise falschen , selbstgefälschten Realität zu leben , bedeutet auch , dass Rausch und Wahndenken naheliegen“ . Jetzt - zwanzig Jahre später - heißt es in „Leibhaftig“ : „Was ich brauche , ist eine Reinigung , ein Purgatorium“ . So sieht man Christa Wolfs neue Erzählung auch als einen Versuch , ein wenig Licht in die Schatten-Welt einer Vergangenheit zu bringen , deren Lemuren uns noch heute bedrängen !



„Leibhaftig“

von Christa Wolf ,
im Luchterhand Verlag ,
mit 192 Seiten erschienen ,
zu einem Preis von 18,00 Euro .

12 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Sandra15

    22.04.2002, 16:44 Uhr von Sandra15
    Bewertung: sehr hilfreich

    Den Kommentar von JustOliver kann ich nicht nachvollziehen. Man sollte vergangenes ruhen lassen oder wenn er dir schon nicht mehr glauben sollte, eine Bewertung stecken lassen. So wies jetzt läuft ist es nur der Versuch, eine Meinung nach unten zu zie

  • JustOliver

    22.04.2002, 16:37 Uhr von JustOliver
    Bewertung: nicht hilfreich

    Wie schon öfters erwähnt, wer einmal faket, dem glaub ich nicht!