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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von SevenN8s
Alaska vor langer, langer Zeit
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Nein
Eisige Kälte durchdringt die Glieder, knurrende Mägen und „noch“ mühsam unterdrückte, gereizte Stimmung beherrschen das Leben im Winterlager der Athabasken. Eine Hungersnot, ausgelöst durch eine Laune der Natur, bedroht die Existenz des Stammes. Der frühe Frosteinbruch und gewaltige Schneemassen verhinderten die Wanderung der Lachse und dezimierten den Wild- und Zugvogelbestand. Die einzige Hoffnung der Indianer ist ein Ortswechsel, der allerdings mit den Strapazen einer langen Wanderung verbunden ist und keinerlei Garantie auf Überleben bietet.....
Hier nun setzt die Legende ein, die „Legende von Verrat und Tapferkeit“.
****************
Velma Wallis erzählt in ihrem Buch „Zwei alte Frauen“ eine seit vielen Generationen überlieferte Geschichte ihres Volkes. In alter Tradition erzogen und aufgewachsen, beschreibt sie in verständlich einfacher Sprache das wahre Leben der Athabasken-Nomaden. Die „Athabasca“ (Gras und Schilf hier und da), einer der wenigen noch existierenden Indianerstämme Nordamerikas, waren einst ein großes, in viele Stammesverbände unterteiltes Volk. Apachen, Kiowas und Navahos, um nur einige der Untergruppen zu erwähnen, konnten ihnen aufgrund der gemeinsamen Sprache (athabaskisch) zugeordnet werden.
Dieses Buch ist keine „anspruchsvolle“ Literatur (ich frage mich oft, wer das wohl beurteilt), aber auch keine vor Romantik und Heldentum triefende Verherrlichung des „wilden Westens“ (oder Nordens) alá Karl May. „Zwei alte Frauen“ ist eine unterhaltsame, gefühlvolle Lektüre für „zwischendurch“. Hier erfährt man etwas über das reale Leben in einer teils feindlichen Natur, über Traditionen, Vertrauen, Freundschaft, Tapferkeit und Verrat.
*****************
Die Legende:
Die „alte“ Ch’idzigyaak lebte mit Tochter und Enkelsohn bei dem „Volk“. Sie und ihre etwas jüngere Freundin Sa’ waren die Senioren des Stammes. Von allerlei Wehwehchen geplagt, an Stöcken gehend, waren sie doch geachtet und wurden von den anderen so weit es ging unterstützt. Im Gegenzug gerbten die beiden alten Frauen die Felle ihrer hilfreichen Stammesbrüder und –schwestern.
In diesem Winter allerdings, dem Hungertod ausgesetzt und von Hoffnungslosigkeit geprägt, trafen Häuptling und Rat eine folgenschwere Entscheidung. Der „Ballast“ musste weg! Da kaum die Jäger (Männer) satt wurden (Frauen und Kinder starben sowieso oft an Unterernährung) und so gut wie keine Aussicht auf baldige Besserung bestand, war es durchaus üblich alte und kranke Menschen zurückzulassen.
Ch’idzigyaak und Sa’ waren alt! Und so kam, was kommen musste! Dem Häuptling fiel die Verkündung der Entscheidung sichtlich schwer, doch geht nicht in schlechten Zeiten das Wohl der Allgemeinheit allem Anderen vor?
Man kann sich kaum die Gefühle der beiden alten Frauen vorstellen! Zurückgelassen, verstoßen, hilflos dem Tode geweiht und keinerlei Einspruch des „Volkes“. Das „Volk“ bedeutete für Ch’idzigyaak auch Tochter und Enkel, doch die Zeiten waren hart und man kann sich hineinversetzen in die Gedanken und Gefühle der Menschen. Jeder ist sich eben selbst der Nächste, sei es auch noch so hart. Geht es um das nackte Überleben, hält auch die liebende Familie den Mund, fällt es ihr auch noch so schwer!
Da sitzen sie nun, ganz allein auf sich gestellt. Der Stamm ist weiter gezogen, hat ihnen aber „gnädigerweise“ ihre Habseligkeiten gelassen (Wozu eigentlich? Die brauchen doch nichts mehr!). Was nun? Sich in das Schicksal ergeben? Hinlegen und sterben?
Nein....
„Lass uns handelnd sterben!“
Sa’, in ihrer Jugend schon einer ähnlichen Situation ausgesetzt, ergreift die Initiative. Ihre Freundin und Leidensgenossin verfällt zusehends in Apathie (angesichts des „Verrats“ ihrer Tochter kein Wunder) und scheint sich in ihr Schicksal zu ergeben!
Doch dann kommt alles ganz anders.....
***************
Mit „Zwei alte Frauen“ hat die Autorin Velma Wallis einen Roman geschaffen, der wohl nicht jeden anspricht. Interessant und informativ (*g*) ist er in meinen Augen aber auf jeden Fall. Das einführende persönliche Vorwort der Autorin ermöglicht einen Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses Buches und das abschließende ergänzende Nachwort der Herausgeberin Lael Morgan einen Eindruck der Schwierigkeiten, die eine Frau, insbesondere eine mit indianischer Abstammung, auch heute noch hat eine „Legende“ zu veröffentlichen.
Der weit verbreiteten Ansicht (besonders unter den Indianerorganisationen selbst, dass dieses Buch nicht gerade ein sehr positives Licht auf die Geschichte der Indianer Alaskas (und überhaupt) wirft, kann ich nicht zustimmen.
Lebensumstände, Traditionen und pure Ängste rufen auch noch in unserer „modernen“ Zeit und Welt die merkwürdigsten und auch grausamsten Handlungen hervor!
Mein ganz persönliches Empfinden während und auch nach der Lektüre kann ich gar nicht so richtig beschreiben. Ich habe dieses Buch von meiner Mutter bekommen, die sehr begeistert und bewegt war. Den Entschluss, eine alte indianische Überlieferung in einem Buch zu verewigen und damit das Vergessen zu verhindern, kann ich gut verstehen. Die Faszination solcher Legenden liegt aber meiner Meinung nach gerade auf der mündlichen Weitergabe von Generation zu Generation, von Mutter zu Tochter, von Vater zu Sohn usw.. Es stimmt doch traurig, dass es nötig scheint diese Geschichten schriftlich zu fixieren und zeigt wieder einmal ganz deutlich, dass alte Traditionen, Lebensweisen und Erfahrungen (muss immer an „Was Oma noch wusste!“ denken) im Begriff sind in der Versenkung zu verschwinden! Die „Legende“ selbst hat mich eigentlich nicht so sehr zum Nachdenken gebracht, obwohl sie sehr wohl vermittelt, dass es auch in scheinbar ausweglosen Situationen einen rettenden Weg geben kann und dadurch die alltäglichen Problemchen unserer Zeit auf ein passendes Maß reduziert werden. Vielmehr bewegt mich das unaufhaltsame Sterben der „Vergangenheit“, die alles überrollende Macht der Zivilisation und das Wissen nichts dagegen tun zu können!
Tut Euch dieses Buch ruhig einmal an! 142 Seiten, davon allein gut 20 Seiten durch Vor- und Nachwort, Zeichnungen und Danksagungen ausgefüllt, kann man locker an einem Abend durchschmökern. Ich habe es jedenfalls nicht bereut!
Zwei alte Frauen -eine Legende von Verrat und Tapferkeit-
Originalausgabe: Two old woman (oh, mal original original!) (1993)
Erschienen im Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München (1998)
ISBN 3-453-13087-1
Preis: 14,90 DM
PS: Das Buch ist illustriert von Heinke Both. Die Bilder stellen hauptsächlich Elche, Karibus, Kaninchen, Waffen und die „Mode der Vorzeit“ dar! ;-)
SevenN8s
Hier nun setzt die Legende ein, die „Legende von Verrat und Tapferkeit“.
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Velma Wallis erzählt in ihrem Buch „Zwei alte Frauen“ eine seit vielen Generationen überlieferte Geschichte ihres Volkes. In alter Tradition erzogen und aufgewachsen, beschreibt sie in verständlich einfacher Sprache das wahre Leben der Athabasken-Nomaden. Die „Athabasca“ (Gras und Schilf hier und da), einer der wenigen noch existierenden Indianerstämme Nordamerikas, waren einst ein großes, in viele Stammesverbände unterteiltes Volk. Apachen, Kiowas und Navahos, um nur einige der Untergruppen zu erwähnen, konnten ihnen aufgrund der gemeinsamen Sprache (athabaskisch) zugeordnet werden.
Dieses Buch ist keine „anspruchsvolle“ Literatur (ich frage mich oft, wer das wohl beurteilt), aber auch keine vor Romantik und Heldentum triefende Verherrlichung des „wilden Westens“ (oder Nordens) alá Karl May. „Zwei alte Frauen“ ist eine unterhaltsame, gefühlvolle Lektüre für „zwischendurch“. Hier erfährt man etwas über das reale Leben in einer teils feindlichen Natur, über Traditionen, Vertrauen, Freundschaft, Tapferkeit und Verrat.
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Die Legende:
Die „alte“ Ch’idzigyaak lebte mit Tochter und Enkelsohn bei dem „Volk“. Sie und ihre etwas jüngere Freundin Sa’ waren die Senioren des Stammes. Von allerlei Wehwehchen geplagt, an Stöcken gehend, waren sie doch geachtet und wurden von den anderen so weit es ging unterstützt. Im Gegenzug gerbten die beiden alten Frauen die Felle ihrer hilfreichen Stammesbrüder und –schwestern.
In diesem Winter allerdings, dem Hungertod ausgesetzt und von Hoffnungslosigkeit geprägt, trafen Häuptling und Rat eine folgenschwere Entscheidung. Der „Ballast“ musste weg! Da kaum die Jäger (Männer) satt wurden (Frauen und Kinder starben sowieso oft an Unterernährung) und so gut wie keine Aussicht auf baldige Besserung bestand, war es durchaus üblich alte und kranke Menschen zurückzulassen.
Ch’idzigyaak und Sa’ waren alt! Und so kam, was kommen musste! Dem Häuptling fiel die Verkündung der Entscheidung sichtlich schwer, doch geht nicht in schlechten Zeiten das Wohl der Allgemeinheit allem Anderen vor?
Man kann sich kaum die Gefühle der beiden alten Frauen vorstellen! Zurückgelassen, verstoßen, hilflos dem Tode geweiht und keinerlei Einspruch des „Volkes“. Das „Volk“ bedeutete für Ch’idzigyaak auch Tochter und Enkel, doch die Zeiten waren hart und man kann sich hineinversetzen in die Gedanken und Gefühle der Menschen. Jeder ist sich eben selbst der Nächste, sei es auch noch so hart. Geht es um das nackte Überleben, hält auch die liebende Familie den Mund, fällt es ihr auch noch so schwer!
Da sitzen sie nun, ganz allein auf sich gestellt. Der Stamm ist weiter gezogen, hat ihnen aber „gnädigerweise“ ihre Habseligkeiten gelassen (Wozu eigentlich? Die brauchen doch nichts mehr!). Was nun? Sich in das Schicksal ergeben? Hinlegen und sterben?
Nein....
„Lass uns handelnd sterben!“
Sa’, in ihrer Jugend schon einer ähnlichen Situation ausgesetzt, ergreift die Initiative. Ihre Freundin und Leidensgenossin verfällt zusehends in Apathie (angesichts des „Verrats“ ihrer Tochter kein Wunder) und scheint sich in ihr Schicksal zu ergeben!
Doch dann kommt alles ganz anders.....
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Mit „Zwei alte Frauen“ hat die Autorin Velma Wallis einen Roman geschaffen, der wohl nicht jeden anspricht. Interessant und informativ (*g*) ist er in meinen Augen aber auf jeden Fall. Das einführende persönliche Vorwort der Autorin ermöglicht einen Einblick in die Entstehungsgeschichte dieses Buches und das abschließende ergänzende Nachwort der Herausgeberin Lael Morgan einen Eindruck der Schwierigkeiten, die eine Frau, insbesondere eine mit indianischer Abstammung, auch heute noch hat eine „Legende“ zu veröffentlichen.
Der weit verbreiteten Ansicht (besonders unter den Indianerorganisationen selbst, dass dieses Buch nicht gerade ein sehr positives Licht auf die Geschichte der Indianer Alaskas (und überhaupt) wirft, kann ich nicht zustimmen.
Lebensumstände, Traditionen und pure Ängste rufen auch noch in unserer „modernen“ Zeit und Welt die merkwürdigsten und auch grausamsten Handlungen hervor!
Mein ganz persönliches Empfinden während und auch nach der Lektüre kann ich gar nicht so richtig beschreiben. Ich habe dieses Buch von meiner Mutter bekommen, die sehr begeistert und bewegt war. Den Entschluss, eine alte indianische Überlieferung in einem Buch zu verewigen und damit das Vergessen zu verhindern, kann ich gut verstehen. Die Faszination solcher Legenden liegt aber meiner Meinung nach gerade auf der mündlichen Weitergabe von Generation zu Generation, von Mutter zu Tochter, von Vater zu Sohn usw.. Es stimmt doch traurig, dass es nötig scheint diese Geschichten schriftlich zu fixieren und zeigt wieder einmal ganz deutlich, dass alte Traditionen, Lebensweisen und Erfahrungen (muss immer an „Was Oma noch wusste!“ denken) im Begriff sind in der Versenkung zu verschwinden! Die „Legende“ selbst hat mich eigentlich nicht so sehr zum Nachdenken gebracht, obwohl sie sehr wohl vermittelt, dass es auch in scheinbar ausweglosen Situationen einen rettenden Weg geben kann und dadurch die alltäglichen Problemchen unserer Zeit auf ein passendes Maß reduziert werden. Vielmehr bewegt mich das unaufhaltsame Sterben der „Vergangenheit“, die alles überrollende Macht der Zivilisation und das Wissen nichts dagegen tun zu können!
Tut Euch dieses Buch ruhig einmal an! 142 Seiten, davon allein gut 20 Seiten durch Vor- und Nachwort, Zeichnungen und Danksagungen ausgefüllt, kann man locker an einem Abend durchschmökern. Ich habe es jedenfalls nicht bereut!
Zwei alte Frauen -eine Legende von Verrat und Tapferkeit-
Originalausgabe: Two old woman (oh, mal original original!) (1993)
Erschienen im Heyne Verlag GmbH & Co. KG, München (1998)
ISBN 3-453-13087-1
Preis: 14,90 DM
PS: Das Buch ist illustriert von Heinke Both. Die Bilder stellen hauptsächlich Elche, Karibus, Kaninchen, Waffen und die „Mode der Vorzeit“ dar! ;-)
SevenN8s
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