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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von KattlMaus
Neunundvierzig und eine Nacht
Pro:
Hochspannung pur
Kontra:
Das Buch bzw. die Geschichte verfolgt einen bis in die Träume
Empfehlung:
Nein
Tag 49. Dunkelheit umschließt dich. Du bist 10 Jahre alt und eingesperrt. Eingesperrt in einen Schulbus, irgendwo unter der Erde in Austin, Texas. Eingesperrt mit 10 anderen Kindern und Walter Demming, Vietkong-Veteran und Einzelgänger. Du weißt: es ist dein letzter Tag, der Tag der Apokalypse. Woher du das weißt?
Du weißt es von Samuel Mordecai, fanatischer Prophet. WAS WÜRDEST DU TUN??
Würdest du dich hinter herausgeschraubten Bänken verschanzen und singen? Nein? Was dann?
Nun, die Kinder in Mary Willis Walker's Roman "Unter des Käfers Keller"tun das. Ihr Leidensweg begann am 24.Februar 95. Gerade auf dem Weg zur Schule, wurde ihr Schulbus angehalten, die Türen öffneten sich und die Anhänger der Jezreelites stürmten rein. Elf der Kleinen wurden mit dem Busfahrer, oben bereits erwähntem Walter Demming, auf ein fünf Hektar großes Anwesen, genauer gesagt in eine weiße Scheune mit Wellblechdach, gebracht, der Rest wurde gezwungen, auszusteigen und sich in das noch feuchte Gras am Straßenrand zu legen.
"Zwei der Jezreelites hatten ihre Gewehre hingelegt und die hölzerne Platte zur Seite gezerrt, unter der ein Loch in der nackten Erde zum Vorschein gekommen war. [...] Die bewaffneten Männer hatten einen Kreis um die zwölf gebildet. "Runter mit dir", "hatte einer der Männer gesagt und auf das Loch gezeigt. [...] "Busfahrer", sagte der Mann, "du gehst als erster runter, und dann hilfst du den andern." 2"
Als Walter sich umsah, stellte er fest, dass er in einer grob ausgehobenen, 1,20m breiten und 1,80m hohen Grube stand. "Außer in eine offene Bustür konnte man nirgendwohin" Ging man durch diese, gelangte man in einen alten, verrosteten Bus, in dessen hinterer Hälfte die Sitzbänke herausgerissen waren, "so dass hinten eine freie Fläche entstanden war". "In dessen Mitte war ein Loch geschnitten worden, dass später als Latrine dienen musste. In diesem Bus war es feucht und muffig. "Aber das Schlimmste waren die Fenster. Sie waren schwarz von der Erde, die gegen sie drückte. [...] Eine dicke weiße Made wand sich die Scheibe entlang, und ein dunkler Käfer arbeitete sich in einem winzigen Gang vorwärts."
Mr. Demming nimmt also die Kinder entgegen. Eines nach dem anderen.
Noch weiß er nicht, wie sehr er später an den Kindern hängen wird, doch in diesem Moment fragt er sich, warum ausgerechnet er, er, der doch Kinder nicht einmal besonders mag, in diese verfluchte Lage versetzt wird.
Am 46. Tag setzen die Ereignisse ein, beginnt die Autorin also mit der eindrucksvollen, aber auch nachdrücklichen Schilderung der Menschen "unter des Käfers Keller". Gleichzeitig beschreibt sie einfühlsam das Leben der Reporterin Molly Cates, dreifach geschieden, eine Tochter und eigentlich nicht gewillt, eine Reportage über Samuel Mordecai, den sie noch von einem früheren Interview kennt, zu schreiben. Doch ihr Verleger bei der "Lone Star Monthly" überredet sie schließlich zu der Story ihres Lebens.
Während der Recherchen zu dem Geißeldrama gerät sie immer tiefer in den Sog, so dass sie sich weit mehr als erforderlich mit den Hintergründen beschäftigt und letztendlich mit dem FBI zusammenarbeitet und ihr eigenes Leben für das der Geißeln einsetzt.
Am Anfang jedes Kapitels (24 an der Zahl) steht ein Zitat, teilweise aus der Bibel, teilweise aus diversen Zeitungen oder Unterhaltungen.
Spätestens ab dem zweiten oder dritten Kapitel lässt einen das Schicksal der Hauptpersonen nicht mehr los. In den 433 Seiten werden in wahnsinnig spannender Weise dunkle Geheimnisse aufgedeckt, Leben gerettet aber auch verloren, werden sowohl die "religiösen Hintergründe" der Jezreelites als auch die menschlichen Schicksale auseinandergenommen, wie ich es noch nie in so anschaulicher, fesselnder Weise erlebt habe.
Anfangs wunderte ich mich über den recht unverständlichen Titel, doch nach dem Lesen dieses genialen Buches wird, glaube ich, jedem klar, warum Mrs. Walker gerade diesen doch recht prägnanten Titel wählte.
Meiner Meinung nach wurde Mary Willis Walker, obwohl sie erst sehr spät begann, zu schreiben, mit Recht von Anfang an mit Preisen wie dem Edgar-Allan Poe - Preis für den besten Roman des Jahres für "Der rote Schrei" oder dem Agatha Award für ihr Erstlingswerk "Raubtierfütterung" geehrt, denn ihr Schreibstil ist sowohl im amerikanischen Original als auch in der deutschen Übersetzung (von Anke Caroline Burger) unvergleichlich:
Ein echtes Erlebnis!
PS: Wer sich dieses Buch bestellen möchte, für den ist hier die ISBN-Nummer (hab mir sagen lassen, dass diese zu einer Buchbesprechung dazugehört ;-)): 3-8389-682-7
Du weißt es von Samuel Mordecai, fanatischer Prophet. WAS WÜRDEST DU TUN??
Würdest du dich hinter herausgeschraubten Bänken verschanzen und singen? Nein? Was dann?
Nun, die Kinder in Mary Willis Walker's Roman "Unter des Käfers Keller"tun das. Ihr Leidensweg begann am 24.Februar 95. Gerade auf dem Weg zur Schule, wurde ihr Schulbus angehalten, die Türen öffneten sich und die Anhänger der Jezreelites stürmten rein. Elf der Kleinen wurden mit dem Busfahrer, oben bereits erwähntem Walter Demming, auf ein fünf Hektar großes Anwesen, genauer gesagt in eine weiße Scheune mit Wellblechdach, gebracht, der Rest wurde gezwungen, auszusteigen und sich in das noch feuchte Gras am Straßenrand zu legen.
"Zwei der Jezreelites hatten ihre Gewehre hingelegt und die hölzerne Platte zur Seite gezerrt, unter der ein Loch in der nackten Erde zum Vorschein gekommen war. [...] Die bewaffneten Männer hatten einen Kreis um die zwölf gebildet. "Runter mit dir", "hatte einer der Männer gesagt und auf das Loch gezeigt. [...] "Busfahrer", sagte der Mann, "du gehst als erster runter, und dann hilfst du den andern." 2"
Als Walter sich umsah, stellte er fest, dass er in einer grob ausgehobenen, 1,20m breiten und 1,80m hohen Grube stand. "Außer in eine offene Bustür konnte man nirgendwohin" Ging man durch diese, gelangte man in einen alten, verrosteten Bus, in dessen hinterer Hälfte die Sitzbänke herausgerissen waren, "so dass hinten eine freie Fläche entstanden war". "In dessen Mitte war ein Loch geschnitten worden, dass später als Latrine dienen musste. In diesem Bus war es feucht und muffig. "Aber das Schlimmste waren die Fenster. Sie waren schwarz von der Erde, die gegen sie drückte. [...] Eine dicke weiße Made wand sich die Scheibe entlang, und ein dunkler Käfer arbeitete sich in einem winzigen Gang vorwärts."
Mr. Demming nimmt also die Kinder entgegen. Eines nach dem anderen.
Noch weiß er nicht, wie sehr er später an den Kindern hängen wird, doch in diesem Moment fragt er sich, warum ausgerechnet er, er, der doch Kinder nicht einmal besonders mag, in diese verfluchte Lage versetzt wird.
Am 46. Tag setzen die Ereignisse ein, beginnt die Autorin also mit der eindrucksvollen, aber auch nachdrücklichen Schilderung der Menschen "unter des Käfers Keller". Gleichzeitig beschreibt sie einfühlsam das Leben der Reporterin Molly Cates, dreifach geschieden, eine Tochter und eigentlich nicht gewillt, eine Reportage über Samuel Mordecai, den sie noch von einem früheren Interview kennt, zu schreiben. Doch ihr Verleger bei der "Lone Star Monthly" überredet sie schließlich zu der Story ihres Lebens.
Während der Recherchen zu dem Geißeldrama gerät sie immer tiefer in den Sog, so dass sie sich weit mehr als erforderlich mit den Hintergründen beschäftigt und letztendlich mit dem FBI zusammenarbeitet und ihr eigenes Leben für das der Geißeln einsetzt.
Am Anfang jedes Kapitels (24 an der Zahl) steht ein Zitat, teilweise aus der Bibel, teilweise aus diversen Zeitungen oder Unterhaltungen.
Spätestens ab dem zweiten oder dritten Kapitel lässt einen das Schicksal der Hauptpersonen nicht mehr los. In den 433 Seiten werden in wahnsinnig spannender Weise dunkle Geheimnisse aufgedeckt, Leben gerettet aber auch verloren, werden sowohl die "religiösen Hintergründe" der Jezreelites als auch die menschlichen Schicksale auseinandergenommen, wie ich es noch nie in so anschaulicher, fesselnder Weise erlebt habe.
Anfangs wunderte ich mich über den recht unverständlichen Titel, doch nach dem Lesen dieses genialen Buches wird, glaube ich, jedem klar, warum Mrs. Walker gerade diesen doch recht prägnanten Titel wählte.
Meiner Meinung nach wurde Mary Willis Walker, obwohl sie erst sehr spät begann, zu schreiben, mit Recht von Anfang an mit Preisen wie dem Edgar-Allan Poe - Preis für den besten Roman des Jahres für "Der rote Schrei" oder dem Agatha Award für ihr Erstlingswerk "Raubtierfütterung" geehrt, denn ihr Schreibstil ist sowohl im amerikanischen Original als auch in der deutschen Übersetzung (von Anke Caroline Burger) unvergleichlich:
Ein echtes Erlebnis!
PS: Wer sich dieses Buch bestellen möchte, für den ist hier die ISBN-Nummer (hab mir sagen lassen, dass diese zu einer Buchbesprechung dazugehört ;-)): 3-8389-682-7
9 Bewertungen, 3 Kommentare
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14.02.2002, 21:57 Uhr von Raffnixmehr
Bewertung: sehr hilfreichIch glaube, das muß ich mir holen, bin jetzt richtig neugierig geworden.
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14.02.2002, 00:04 Uhr von Libraia
Bewertung: sehr hilfreichschöne Besprechung! habe noch nichts von der Autorin gelesen, ist aber nun schon das 2. Buch, das mir von ihr empfohlen wurde
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13.02.2002, 21:30 Uhr von madhead
Bewertung: sehr hilfreichHui, das ging aber schnell! Der vertraute madhead!
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