Mehr zum Thema Deutsche Literatur Testbericht

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Erfahrungsbericht von SabineS.

Peter Weiss - dokumentarisches Theater über die Auschwitzprozesse - ein Weg der Bearbeitung der

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Volgende Facharbeit habe ich für meinen Deutschkurs zu einem selbstgewählten Thema geschrieben. Ich möchte sie hier veröffentlichen, weil ich denke, dass das dokumentarische Theater viel zu sehr in Vergessenheit geraten ist. Peter Weiss ist ein großartiger Autor und geht mit dem Thema der Völkervernichtung in Auschwitz sensibel und dennoch agressiv um! Sehr empfehelenswert für alle, die sich für anspruchsvolle Literatur mit politischem angagement interessieren!

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Einleitung

Es gibt viele verschiedene Gründe dafür, sich mit dem Thema Nationalsozialismus auseinander zusetzen und viele Gesichtspunkte unter denen es beleuchtet werden kann. Welche Ereignisse haben stattgefunden und was resultierte daraus? Wie war es möglich, dass die Nationalsozialisten an die Macht kamen? Warum gab es aus den Reihen der Bevölkerung keinen oder nur wenig Wiederstand? Wie können Menschen aussagen, nichts von der brutalen Ermordung mehrer Millionen Menschen gewusst zu haben? Warum haben junge Männer sich freiwillig dazu bereit erklärt, ihr Leben an der Front aufs Spiel zu setzen? Wie groß muss die Treue zu einem Führer sein, um ihm bedingungslos zu glauben, unschuldige Menschen, darunter Kinder und Alte, seien auf Grund ihrer Nationalität oder Religion Staatsfeinde und müssten umgebracht werden? Warum werden die Schuldigen, die Mörder, Vergewaltiger und Peiniger nach Ende des Krieges nicht alle für ihre Taten belangt oder nur leicht bestraft? Welches System erlaubt es Männern, die während des Krieges Verbrechen an Unschuldigen begangen haben, nach dessen Ende als Lehrer, Rechts- und Staatsanwälte, als Geschäftsführer großer Konzerne oder in anderen gehobenen Positionen tätig zu sein? Diese Fragen haben heute für Viele ihre Aktualität verloren. Sie sind Geschichte. Aber die Frage, die uns auch heute noch beschäftigen sollte ist die nach der Wiederholbarkeit der Geschichte, die nach dem Gegenwartbezug vergangener Ereignisse. Wie können wir uns sicher sein, dass Taten, wie sie zur Zeit des Nationalsozialismus begangen wurden, nicht in gleicher oder abgewandelter Form wiederholt werden können? Wenn man sich anschaut, wie in vielen Teilen der Welt die Menschen unterdrückt werden und kaum Rechte haben, wie Rechtsradikale auf die Straße gehen, um willkürlich Menschen zu verletzten und wenn man darauf achtet, wie man selber sich oft Anderen gegenüber verhält, sollte man nicht derart leichtfertig mit der Geschichte umgehen, wie es heute üblich ist. Wir alle sind dafür verantwortlich, dass sich Ereignisse, wie sie vor und während des zweiten Weltkrieges stattgefunden haben sich nicht wiederholen. Darauf möchte auch Peter Weiss hinweisen, wenn er in \"die Ermittlung\" versucht, die Völkervernichtung, wie sie sich in vielen Konzentrationslagern ereignet hat, am Beispiel Auschwitz szenisch darzustellen. In dieser Arbeit möchte ich mich in erster Linie mit der Frage nach Weiss´ Motiven und der Darstellbarkeit der Zeitverhältnisse beschäftigen.

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„Dokumentarisches Theater“ von Peter Weiss

Peter Weiss bezeichnet sein Werk „die Ermittlung“ als dokumentarisches Theater. Aber was versteht er unter diesem Begriff und wo sieht er die Vorteile gegenüber anderen Informationsmedien?
Der Autor unterscheidet das dokumentarische Theater von den modernen Massenmedien. Beide Formen haben die Aufgabe die Menschen zu informieren. Während die modernen Medien jedoch abhängig von verschiedenen Faktoren sind, soll das dokumentarische Theater lediglich auf Fakten beruhen und dem Zuschauer die Darstellung eines unverfälschten Konzentrates und ein kompaktes Gesamtbild politisch- gesellschaftlicher Sachverhalte bieten. Weiss geht hier davon aus, dass Presse, Rundfunk und Fernsehen nicht unabhängig arbeiten, sondern Fakten „verschleiern“ und „verfälschen“(Peter Weiss, Notizen zum dokumentarischen Theater), um die Position einzelner Gruppen oder Personen in der Gesellschaft zu stärken und ihnen zum Vorteil zu gereichen. Dagegen grenzt er strikt das dokumentarische Theater ab, „das sich gegen die Tendenz von Massenmedien richtet, die Bevölkerung in einem Vakuum von Betäubung und Verdummung niederzuhalten“ (eb. D.) und sich bemüht aus der Perspektive eines Beobachters ein unparteiisches Bild der Zeitverhältnisse zu kreieren. Trotz der absolut im Vordergrund stehenden Authentizität des dargestellten Materials, soll die dichterische Freiheit des Autors nicht zu kurz kommen. Er soll die Fakten derart ordnen, dass der Betrachter lediglich eine Auswahl an konzentrierten Eindrücken erhält, die es ihm ermöglichen, sich ein genaues Bild der Situation zu verschaffen. Schließlich soll Theater nicht nur politische Handlung, sondern auch Kunst sein. Kann ein Theater den Ansprüchen der Kunst nicht genügen, hält Peter Weiss die politische Aussagekraft und den Wirkungsgrad ebenfalls für nicht garantiert. Nun beschreitet das dokumentarische Theater einen schwierigen Weg. Einerseits will es informieren und darstellen, anderseits möchte es aktiv für seine Ziele eintreten. Peter Weiss versteht diese Form des Theaters als Stellvertreter jedes einzelnen „Bürger des Staates“ (eb. D.), der aktiv am politischen Geschehen teilnehmen möchte und schließlich auf das „Mittel des öffentlichen Protestes“ (eb. D.) zurückgreift, weil ihm sämtliche andere Möglichkeiten zur Mitbestimmung versagt bleiben.

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Es reagiert auf Zeitverhältnisse „mit der Forderung, diese zu klären“ (eb. D.). Das heißt dokumentarisches Theater ist kein Unterhaltungsmedium, das ohne Orientierung ist, sondern es hat eine Richtung, die es aktiv einschlägt und es ist an seinem Erfolg und an seiner Wirkung interessiert. Jedoch geht Peter Weiss auch darauf ein, dass die Darstellung auf der Bühne das Theater in seiner Aktualität und Flexibilität erheblich einschränkt. Alles ist vorhersehbar und vom Autor berechnet, ganz im Gegensatz zu politischem Handeln auf der Straße, wo es durch das Einwirken fremder Elemente, wie ein „Zusammenstoß mit den Ordnungsmächten“ (eb. D.)zu neuen unberechenbaren Situationen kommen kann.

Um nicht nur einzelne Tendenzen oder Perspektiven einzelner Gruppen und Personen zu zeigen, sondern ein repräsentatives Gesamtbild darzustellen arbeitet das dokumentarische Theater nicht mit Bühnencharakteren, sondern oft mit namenlosen Personen, die beispielhaft für die Position ihrer Gruppe stehen. Es erhebt den Anspruch an sich, die Entstehung ungleicher Machtverhältnisse zu beleuchten, Profit neben Verlust zu stellen und die einzelnen Positionen, die in der Gesellschaft vertreten werden einander gegenüber zu stellen.

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„Die Ermittlung“, Themen und Hintergründe

In seinem Drama „Die Ermittlung“ behandelt Peter Weiss die Prozesse, die von 1963 bis 1965 in Frankfurt gegen Angehörige des Lagerpersonals des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz geführt wurden. Das Konzentrationslager, in dem während des zweiten Weltkrieges mehr als 1,3 Millionen Menschen vergast, zu Tode gequält und durch Hunger und Krankheiten ums Leben kamen, gehörte zu einer der „effektivsten“ (Peter Weiss, Meine Ortschaft) Vernichtungsmaschinerien der Nationalsozialistischen Regierung des dritten Deutschen Reiches. Ziel war es, die Arbeitskraft möglichst vieler Menschen auszunutzen und diejenigen die nicht mehr zur Arbeit fähig waren hinzurichten oder zu vergasen. Im Zuge der Frankfurter Auschwitz-Prozesse versuchte die Staatsanwaltschaft, zumindest einen Teil der für diese Grausamkeiten Verantwortlichen für ihre Taten zu belangen. Hunderte Überlebende traten als Zeugen auf und berichteten über ihre Zeit in Auschwitz. Doch die Angeklagten, die nach dem Krieg meist in gehobene Positionen aufgestiegen waren, wurden entweder gar nicht oder nur leicht bestraft.
Peter Weiss standen die Originalprotokolle der Verhandlungen zur Verfügung, er verarbeitete sie zu einem Konzentrat des wirklichen Prozesses um die Authentizität zu wahren und die Atmosphäre im Theater der eines Gerichtssaals anzugleichen.

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Gründe und Intention Weiss´

Die wichtigsten Faktoren, die Peter Weiss zum verfassen der „Ermittlung“ veranlassten, sind leicht zu erkennen, wenn man seine Anforderungen an dokumentarisches Theater kennt: Er möchte den Zuschauer informieren, ihn mit reinen Fakten bombardieren und zu einer Auseinandersetzung mit dem behandelten Thema veranlassen. Weiss warnt aber gleichzeitig vor der Wiederholbarkeit der Geschehnisse. Denn die eigene Fähigkeit Befehle nicht zu befolgen wird in Frage gestellt. Das Drama soll zeigen, dass der Mensch dazu neigt, die Eigenverantwortung zu Gunsten der Befehlsgewalt einer Obrigkeit aufzugeben. Es soll ebenfalls auf den Gegenwartbezug der verhandelten Ereignisse hinweisen, denn auch vor Gericht, knapp 20 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg scheinen die Angeklagten keinerlei Reue zu zeigen und weisen die Schuld ihren Befehlsgebern zu.
Doch auch persönliche Gründe sind für die Entstehung der „Ermittlung“ verantwortlich. Weiss ist zwar nicht gläubig, aber er ist Jude. Während des Krieges floh er mit seinen Eltern ins Exil. In „Meine Ortschaft“ beschreibt er einen Besuch in der Gedenkstätte Auschwitz, zu der das ehemalige Konzentrationslager nach Ende des Krieges umgebaut wurde, um das Andenken an die Tausende Tote zu wahren. Es wird deutlich, dass er Auschwitz für das eigentliche Ziel seines Lebens hält, dem er nur wie durch Zufall entkommen ist: „Es ist eine Ortschaft, für die ich bestimmt war und der ich entkam“, „Ich blicke in diese Räumlichkeiten, denen ich selbst entgangen bin“ (Peter Weiss, Mine Ortschaft). Er warnt vor der Gefahr des Vergessens, die dazu führen kann, dass sich die Ereignisse, die an diesem Ort stattgefunden haben wiederholen und weist gleichzeitig auf die „Unveränderlichkeit“ (eb. D.)der Geschichte und damit auch Auschwitz´ hin. Er will also Auseinandersetzung mit der Geschichte zu Gunsten der Gegenwart. Mit seinem Drama möchte er den Zuschauern ermöglichen, sich ins Geschehen einbezogen zufühlen. In Gegensatz dazu stellt er die fehlende Authentizität, die er während seines Aufenthaltes in der Gedenkstätte erlebt. Ein Verkaufsstand für Broschüren und Postkarten, lärmende Schülergruppen und ein Mangel an Vorstellungskraft verhindern das Gefühl von Realität. Die Wagen, die knapp 20 Jahre zuvor Leichen zu den Verbrennungsöfen transportierten, sind \"starr und verrostet\" (eb. D.) und \"Gras [ist] im Schotter der Rampe\" (eb. D.) gewachsen, auf der die Häftlinge ankamen. Indem Weiss nicht unmittelbar Auschwitz darstellt, sondern Zeugen und Angeklagte darüber berichten lässt, gelingt es ihm, das Theater nicht überzogen wirken zu lassen und darüber hinaus auch die Problematik der Vergangenheitsbewältigung während der Nachkriegszeit zu thematisieren.

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Wie setzt Peter Weiss seine Ziele im Theaterstück um?

Der Autor nennt sein Werk „Oratorium in 11 Gesängen“ diese elf Gesänge („Gesang von der Rampe“, „Gesang vom Lager“, „Gesang von der Schaukel“, „Gesang von der Möglichkeit des Überlebens“, „Gesang vom Ende der Lili Tofler“, „Gesang vom Unterscharführer Stark“, „Gesang von der schwarzen Wand“, „Gesang vom Phenol“, Gesang vom Bunkerblock“, „Gesang vom Zyklon B“, „Gesang von den Feueröfen“) beschreiben chronologisch den Weg, den die meisten Gefangenen in Auschwitz gegangen sind, von der Einlieferung auf der Rampe bis zum Tod in den Gaskammern. Jeder Gesang ist nochmals in drei Teile aufgespalten. Hiermit möchte Weiss an die „Divina Commedia“ des Dante Alighieri anknüpfen, die aus drei Teilen ( „Inferno“, „Purg atorio“, „Paradiso“) zu je 33 Gesängen besteht. Weiss hielt das „Inferno“ für die geeignete Form zur Darstellung des Infernos Auschwitz.
Der Begriff des Oratoriums entstammt dem Christentum und bezeichnet eine Totenklage, die undramatisch und aktionslos ist. Auch die „Ermittlung“ besteht nicht im eigentlichen Sinne aus Schauspiel, sondern die Personen führen eine Art Dialog, ohne aktive Handlung. Bei der Bezeichnung des „Oratoriums“ fällt auf, dass Weiss nicht die im Christentum üblichen zwölf Gesänge verwendet hat, sondern das Theaterstück nach dem elften Gesang enden lässt. Die christliche Mythologie beruft sich dabei auf heilige Zahlen. Die Zwölf steht für die Jünger Jesu und die drei weist auf die Dreifaltigkeit des christlichen Gottes hin, was neben dem Bezug auf die „Divina Commedia“ die Dreiteilung der einzelnen Gesänge erklärt. Das Ende des Oratoriums bleibt hinsichtlich des fehlenden Schlusses offen. Vielleicht will der Autor damit einen Hinweis darauf geben, dass derartige Ereignisse nicht abgeschlossen sind und jederzeit wieder stattfinden können. Aber ebenso wahrscheinlich ist ein Zeichen für die Unfähigkeit der Angeklagten ihre Taten einzugestehen und die Opfer als vollwertige Menschen zu erkennen, obwohl die verhandelten Ereignisse schon etliche Jahre zurück liegen und die Opfer ihre Identität wiedergewonnen haben.
Um diesen Kontrast zu zeigen, und um die Positionen der Beteiligten während der Zeit Auschwitz zu verdeutlichen, tragen die 18 Angeklagten ihre Namen, wobei die neun Zeugen nur durch ihre Nummer zu identifizieren sind, wie auch zu ihrer Zeit im Konzentrationslager.

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Zeugen eins und zwei sind ehemalige Mitarbeiter des Lagerpersonals, Zeugen vier und fünf sind Frauen, die restlichen fünf sind Männer. Die Identität der einzelnen Zeugen wechselt, um dem Zuschauer ein noch größeres Gefühl für
ihre Anonymität zu geben. Die Anklage, die Verteidigung sowie die Richter nehmen jeweils nur durch einen Vertreter an der Verhandlung teil.
Die Form des Textes und die klare Sprache tragen zur strengen, kühlen Atmosphäre bei, die auch im Gerichtssaal herrscht. Weiss schreibt zwar in Versen, jedoch ohne jede „Poetisierung“ (Ernst Schumacher, „Die Ermittlung“ von Peter Weiss, über die szenische Darstellbarkeit der Hölle auf Erden“. Damit macht er die Zuschauer seines Theaterstückes zu Zuschauern einer Gerichtsverhandlung. Er zwingt sie geradezu, sich mit den zur Verhandlung stehenden Verbrechen auseinander zu setzten.
Während der Lektüre der „Ermittlung“ fällt auf, dass Weiss nahezu vollkommen auf Regieanweisungen verzichtet. Lediglich um das Kollektiv der Angeklagten zu verdeutlichen schreibt der Autor „Zustimmung von Seiten der Angeklagten“ (Peter Weiss, die Ermittlung; Seite 172), „Die Angeklagten lachen“ (eb. D.; Seite 144), „Die Angeklagten äußern ihre Empörung“ (eb. D.; Seite 138) oder ähnliche Reaktionen vor. Durch das auslassen genauerer Anweisungen soll beim Zuschauer der Eindruck erzeugt werden, die Handlung auf der Bühne sei spontan und nicht von einem Autor vorherbestimmt. Somit versucht Weiss das Problem zu lösen, dass er dem dokumentarischen Theater zuschreibt, wenn er schreibt, seine politische Wirkung werde durch die Vorhersehbarkeit eingeschränkt. Indem jeder Schauspieler seine Rolle selbst interpretieren und improvisieren muss, wirkt das Stück trotz der fehlenden Aktivität der Handlung, lebendig und authentisch.
Auf eindrucksvolle Weise zeigt das Stück die Einstellung der Angeklagten. Einerseits durch die Schilderungen der Zeugen, anderseits durch die schablonenhaft wirkenden Antworten der Angeklagten wird ihre Skrupellosigkeit deutlich. Werden sie mit ihren Taten konfrontiert, benutzen sie häufig das \"Adverb der Einschränkung ´nur`\" (Wolfgang Hädecke, Zur >Ermittlung

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