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Erfahrungsbericht von MichaelW97614

Bahnwärter Thiel von Gerhart Hauptmann ist das beste was Reclam zu bieten hat!

Pro:

einfach zu lesen und zu verstehen,

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Und schon wieder wurde mir im Deutsch Grundkurs eine nette Reclam Lektüre auf den Tisch geworfen mit dem Zusatz, dass ich sie innerhalb von 2 Tagen lesen muss.
Natürlich war ich erst mal geschockt, denn 2 Tage sind nicht viel Zeit, doch dann fiel mein Blick auf die Lektüre und ich merkte, dass 2 Tage doch genug sein könnten.

Die Lektüre war in dem für Reclam üblichen Gelb und ebenfalls in dem DinA5 Format und hatte nur 43 Seiten.

Gerhart Hauptmann heißt der Autor, das Buch heißt Bahnwärter Thiel und erschienen ist es 1888.
Naja, nicht gerade interessant und soo alt, aber da muss ich wohl durch, dachte ich.

Also begann ich daheim zu lesen und staunte nicht schlecht, als ich merkte, dass sich das Buch recht zügig und einfach lesen lässt und durchaus verständlich ist, was man ja nicht von allen Lektüren behaupten kann.

Ich habe die ganze Lektüre an diesem einen Tag gelesen und ihre Aussage und Sinn verstanden. Es war also wirklich sehr leichte Kost.


Der Inhalt
Im Bahnwärter Thiel geht es, wie es der Titel schon sagt, um einen Bahnwärter namens Thiel, dessen Welt eines Tages zusammenbricht und er dem Wahnsinn verfällt.

Thiel ist ein extrem pflichtbewusster Mann. Er hat bisher nie bei der Arbeit gefehlt und sich auch sonst nichts nachsagen lassen. Er heiratete eine sehr zierliche Frau namens Minna, die bei der Geburt ihres ersten Sohnes starb.
Während Thiel arbeitet kümmert sich eine ältere Frau um den kleinen Tobias, doch dass ist nicht das Wahre, da sie ihn schon öfter hat fallen lassen und ihm keine mütterliche Liebe geben kann.
Deshalb beschließt Thiel knapp ein Jahr nach dem Tod seiner ersten Frau Minna erneut zu heiraten.
Er heiratet Lene, eine Kuhmagd, die ihm kräftemäßig überlegen ist und von deren prallen Rundungen er sich sexuell angezogen fühlt.
Auch mit Lene bekommt Thiel nach kurzer Zeit ein Kind.
Aber Thiels erste Frau ist nicht in Vergessenheit geraten.
Thiel hat sein tief im Wald gelegenes Wärterhäuschen zu einer Art Schrein verwandelt. Während der Arbeit betet er immer zu seiner ersten Frau. Eines Nachts träumt er auch von ihr, wie sie mit einem blutigen Bündel in den Armen entlang der Bahngleise von ihm wegrennt.
Seine zweite Frau kümmert sich nur um ihr eigenes Kind, ja sie misshandelt den Tobias sogar des öfteren und Thiel bekommt das mit, traut sich aber nicht etwas dagegen zu sagen, da er sich so zu dieser Frau hingezogen fühlt.

Eines Tagen bekommt Thiel von der Bahn einen Acker an den Gleisen geschenkt, den er doch bebauen könnte.
Thiel ist das nicht recht, da er weiß, dass dann seine zweite Frau des öfteren bei ihm sein würde und Minna auch noch aus seinem Wärterhäuschen vertreiben würde.
Doch Lene lässt sich nicht zurückhalten und so ziehen sie eines Morgens alle 4 zu dem Acker.
Lene macht sich sofort daran den Acker zu pflügen und Kartoffeln zu setzten. Thiel läuft mit Tobias die Gleise entlang und zeigt im die Wälder.
Da gleich ein Zug kommen wird und Thiel an seinem Posten stehen muss, wenn der Zug kommt, gibt er Tobias zurück zu Lene und sagt ihr, sie soll auf den Jungen aufpassen. Lene nickt und arbeitet weiter.
Als der Zug kommt steht Thiel an seinem Posten, doch der Zug Pfeift und bremst stark. Thiel schaut natürlich genauer hin, warum der Zug so bremst und sieht nur noch, wie der Zug seinen Tobias überrollt und der leblose Körper des Kleinen auf den Gleisen liegt.
Thiel bricht still zusammen und Lene schreit vor Unglück. Die Bahnmänner aus dem Zug tragen Thiel in einer Bahre nach Hause und legen ihn in sein Bett.
Auch Lene und ihr Kind gehen zu Bett.
Am nächsten Morgen bringen die Bahnleute die Leiche von Tobias in das Hause Thiels, doch sie finden die Türe offen vor. Verwundert betreten sie das Haus und finden Lene mit eingeschlagenem Schädel und ihr Kind mit durchgeschnittener Kehle vor.
Thiel ist nicht mehr im Hause, doch sie finden ihn kurz darauf an der Stelle wo sein Tobias gestorben ist. Er kauert auf den Gleisen mit der Mütze von Tobias in seinen Händen. Daraufhin wird er in eine Charitè eingeliefert.



Recht grausam werdet ihr denken. So ist es auch.
Auch wenn ihr jetzt sagt, dass ihr das Buch nicht mehr lesen braucht, weil ich euch den Schluss verraten habe, dann muss ich euch sagen, dass in diesem Buch nicht der Inhalt zählt, sondern die Beschreibungen der Natur.
Die Natur spiegelt die Psyche des Bahnwärters wieder und wird immer wieder anders beschrieben. Das ist eine Tatsache die einem nicht unbedingt beim ersten Lesen auffällt, die aber eindeutig ist.


Fazit:
Dieses Buch ist nicht nur einfach zu lesen und zu verstehen, sondern auch realistisch und bewegend. Ich fand, dass es eines der besten Bücher war, die wir gelesen haben, eben aus diesen Gründen.
Wenn ich da an Faust oder Kabale und Liebe denke, oh Gott oh Gott !
Bei diesem Buch ist es auch das erste Mal so, dass ich dem Klappentext auf der Rückseite Recht geben kann:

„ In knapp ausgeführten Bildern und straffer Erzählführung entwirft Hauptmann im Bahnwärter Thiel die psychopathologische Studie eines von Triebkräften und unklaren Bewusstseinszuständen bestimmten Menschen. Darstellungskunst und sprachliche Intensität verliehen dem text den Rang von Weltliteratur.“

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