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Erfahrungsbericht von Ruhollah

Franz Kafka - Der Prozeß

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Franz Kafkas (1883-1924) bekanntestes Buch ist ohne Zweifel „Der Prozess". Die ISBN- Nummer ist 3-89815-024-0. Gekostet hat es nur DM 5,00 bei Amazon, da Kafka schon lange tot ist und die Urheberrechte allmählich verstreichen. Die Ausgabe die ich habe, hat 240 Seiten. Das Format des Buches ist praktisch, die Seitengröße etwas größer als DIN A5 und der Umschlag ist hart und robust (Hardcover). Der Verlag ist Eurobooks Cyprus Ltd., Limassol.

Im „Prozess" geht es um einen Bankier namens Josef K., der zu Beginn von zwei Herrn um das Frühstück gebracht und anschließend von ihnen verhaftet wird. Josef K. ist angeklagt und das groteske an der ganzen Sache ist, er weiß nicht wofür. Die beiden Wächter wissen es auch nicht und wollen einfach nur ihre Arbeit verrichten; typisch bürokratisch also.

Josef K. wurde gesagt, dass er jeden Sonntag verhört werden würde, jedoch geschieht es nur einmal. Dadurch gewinnt er und der Leser einen kleinen Einblick in die Justiz, der eigentlich nur noch Verwirrung schafft. Das Verhör wird in einer Privatwohnung vollführt, unter klatschendem und nicht parteilosem Publikum. Die Mieterin dieser Wohnung muss auch noch mit einem Gerichtsdiener poussieren, weil ihr Mann in einer niedrigen Stelle angestellt ist und der oberste Gerichtsdiener ist ein Schürzenjäger erster Güte. Das sind die grotesken Zustände in der Justiz und Beamtenschaft.

Josef K. wird nie herausfinden, wofür er angeklagt wird. Weder von den Beamten, noch vom Advokaten, der ihn vertritt. Josef K. sucht dafür sogar Rat bei Personen, die er kaum kennt, z. B. bei einem Gerichtszeichner und dem Angeklagten Block, der beim selben Advokaten (Anwalt) ist. Von Block erfährt er, dass dieser schon über zwei Jahre diese Tortur durchmacht uns sogar schon Winkeladvokaten engangiert hat und die Arbeit aufgeben musste. K. verzweifelt allmählich. Am Ende wird Josef K. von zwei Typen ermordet. Nicht einmal der Leser erfährt, wofür K. nun eigentlich angeklagt war.

So viel zum Inhalt. Dieses Buch klagt Bürokratie und Nihilismus zugleich an. Unbedingt empfehlenswert.


----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-03-16 17:36:27 mit dem Titel Thomas Mann: Buddenbrooks

Thomas Manns populärstes Buch sind ja ohne Zweifel die „Buddenbrooks". Ich habe lange überlegt, ob ich eine Rezension hier bei Ciao dazu schreibe. Jetzt ist es soweit. Gekauft habe ich das Buch im November 2000 bei Amazon für DM 19,90. ISBN-Nummer: 3-596-29431-2, vom Fischer-Taschenbuch-Verlag.

Der Untertitel „Verfall einer Familie" lässt einen sentimentalen Trivialroman vermuten, aber Buddenbrooks ist so auf keinen Fall. Unverkennbar sind die vielen biographischen Verarbeitungen Thomas Manns in Buddenbrooks. Die ganze Handlung erstreckt sich von 1835 bis 1877. Hauptort der Handlung ist Lübeck, Th. Manns Heimatstadt.

Die Buddenbrooks sind eine reiche Kaufmannsfamilie, die zuerst von M. Johann Buddenbrook, dann von seinem Sohn Jean und dessen Sohn Thomas geführt wird. Den größten Raum der Handlung nimmt Thomas Buddenbrooks und mit seinem Tod ist der Niedergang der Kaufmannstradition besiegelt.

Mann vermittelt in Buddenbrooks Satire, Betroffenheit und Mitleid zugleich. Die Figuren decken sämtliche Fassetten menschliches Tun ab. Die Personen haben alle ihre Eigenheiten und können daher einem nur so ans Herz wachsen. Antonie Buddenbrook, Sohn Jean B. und Bruder von Thomas B., z. B. macht die Entwicklung vom naiven und jungen Mädchen zu einer verantwortungs- und traditionsbewussten Frau. Christian Buddenbrook war lebenslustiger kleiner Junge mit Liebe zum Schauspiel und entwickelte sich zu einem kauzigen Mann, der in zum Schluss in einer Nervenheilanstalt sitzt.

Geschichtsträchtige Ereignisse wurden auch verarbeitet. Als Antonie B. ein Heiratsantrag von Bendix Grünlich gemacht wurde, hat sie für einige Zeit sich nach Travemünde begeben, um über die Vermählung nachzudenken. Dabei lernt sie den gleichaltrigen Morten Schwarzkopf kennen, in den sie sich verliebt. Dieser Morten Schwarzkopf war Student und in einer Burschenschaft, was stellvertretend für die 48er Revolution, Vormärz, Wartburgfest etc. steht. Es gab auch Arbeiteraufstände in Lübeck, bei dem sich der alte Johann Buddenbrook sorgte.

Bürgerliche Eigenheiten wurden ebenfalls verarbeitet. Zu dieser Zeit war es „chic", Französisch zu sprechen. Durch das ganze Buch ziehen sich französische Phrasen. Die Unterschiede zwischen den Nord- und Süddeutschen, Protestanten und Katholiken wird auch verdeutlicht. Antonie Buddenbrooks zweite Ehe mit Permaneder in München ist dafür stellvertretend.

Der „Verfall der Familie" betrifft die Ökonomie sowie den familieneigenen Traditionen und Bräuchen zugleich, nicht zuletzt liegt es daran, dass der introvertierte Thomas Buddenbrook die Führung übernahm. Hanno Buddenbrook, Sohn von Thomas Buddenbrook, hat als kleiner Bub einen langen Strich unter die Genealogie der Familie gesetzt mit der Rechtfertigung: „Ich glaubte... ich glaubte... es käme nichts mehr." Hanno war der letzte männliche Buddenbrook, der dann als 17jähriger an Typhus starb. Sein Onkel Christian Buddenbrooks saß zu diesem Zeitpunkt schon in der Nervenheilanstalt. Somit war das Ende besiegelt und der Name Buddenbrook konnte nicht mehr weitergegeben werden.

Es gibt bei weitem noch viele andere Personen: Klothilde, Clara Buddenbrook, Gustav Stengel, Sesemi Weichbrodt, Erika Grünlich/Weinschenk, Bendix Grünlich, die Krögers etc. Davon sind die einen bedeutsamer als die anderen.

Thomas Mann hat sehr offensichtlich biographische Aspekte mit eingearbeitet. Er selbst entstammte auch einer erfolgreichen Kaufmannsfamilie aus Lübeck, welche in seiner frühen Kindheit bereits heruntergewirtschaftet war. Ab 1894 lebte er in München (Permaneder). Wer sich genauer mit Thomas Manns Leben beschäftigt, wird noch mehr Parallelen finden.

In den „Buddenbrooks" kommt der Stil des Thomas Mann zur Geltung, jedoch nicht so stark wie in späteren Werken. Lange verschachtelte Sätze und detaillierte Beschreibungen machen dieses Buch zum Meisterwerk. Keiner beherrschte die deutsche Sprache so wie Thomas Mann.

Ich kann die „Buddenbrooks" wirklich nur empfehlen. Für knapp zwanzig Mark bekommt man ein Meisterwerk, welches ein auf die Dauer beschäftigen kann, anders als irgendwelche Schundromane („Groschenromane", „Trivialliteratur") von heute. Ich habe es mit größtem Vergnügen gelesen, nicht zuletzt wegen den kurzen lustigen Momenten in dieser Familiengeschichte.