Mehr zum Thema Kinder- & Jugendliteratur Testbericht
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Erfahrungsbericht von FrauNeedle
Thomas ist gehbehindert - na und?
Pro:
leichtes Lesen. Wie aus dem Leben gegriffen
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Nein
Zunächst einmal möchte ich euch die Vorgeschichte erzählen, wie ich überhaupt zu diesem Buch kam. Es fing damit an, daß meine Tochter kurz vor ihrem 9. Geburtstag Diabetes bekam. Als ihre Pubertät auch noch anfing, fühlte sie sich als "Behinderte" minderwertig und kam mit diesem Problem nicht klar. Auch ich hatte so meine Schwierigkeiten mit ihrem Verhalten, also bekamen wir eine Einzelfallhilfe - und sie schenkte meiner Tochter das Buch "Stolperschritte", um ihr zu zeigen, daß es Menschen gibt, die schlimmer dran sind...
Zur Story:
Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben und handelt von dem 15 jährigen Jungen namens Thomas. Er ist gehbehindert und vergräbt sich in seinem Selbstmitleid. Thomas hat noch vier Geschwister. Da der Vater selten zu Hause ist, scheint seine Mutter mit der Aufgabe der Erziehung der Kinder überfordert zu sein.
Die Mutter wollte immer Vorzeigekinder haben - lauter kleine Rubine, die sie, den Diamanten heller strahlen lassen - so hatte Thomas seine Mutter beschrieben. Immer wenn Besuch kam, hielten sich die Kinder in ihren Zimmern auf. Hatte Thomas sein Zimmer mal verlassen und kam mit seinen Krücken angelaufen, erklärte die Mutter dem Besuch, daß er ein As in der Schule war. Dies tat sie nur, um seine Behinderung zu überspielen.
Der Bruder von Thomas hieß Frieder und war ein schwarzes Schaf in der Familie. Er war ein sehr schlechter Schüler und handelte sich stetig fünfen und sechsen in Aufsätzen und Diktaten ein. Für jede schlechte Note ohrfeigte die Mutter ihn und Frieder zog sich immer mehr zurück. Eines Tages bemerkte Frieder, daß sein Vater eine Freundin hat und dies der Grund ist, warum er nur noch selten zu Hause war. Er vertraute sich Thomas an.
Thomas, der ja überwiegend nur sein schlechtes Leben im Kopf hat, weil er ja behindert ist, nimmt die Verzweiflung von Frieder erst gar nicht richtig wahr. Als Frieder eines Tages nach der Schule nicht nach Hause kommt, macht Thomas sich zum ersten mal Gedanken darüber, daß andere auch Probleme haben, manchmal sogar viel größere Probleme als er.
Als Frieder am nächsten Tag tot aufgefunden wurde - er hat sich im Wald erhängt - macht Thomas die schmerzliche Entdeckung, daß seine Gehbehinderung nur ein Klacks war, im Gegensatz zu den Problemen seines Bruders....
Dieses Buch ist sehr herzergreifend und mir sind so einige Tränen über´s Gesicht gelaufen. Auch meine Tochter hatte nur ihre "Behinderung" im Kopf und für andere Probleme kein Auge und kein Ohr offen. Doch dieses Buch öffnete ihr die Augen und so langsam begriff sie, daß es Menschen gibt, die wirklich schlimmer dran sind als sie.
Es ist also nicht nur so eine Geschichte, die da im Buch geschrieben steht, sondern es hat einen sehr lehrreichen Inhalt.
Das Buch ist recht klein und mit den 95 Seiten auch schnell gelesen. Eine Geschichte mitten aus dem Leben.
"Stolperschritte" wurde mit dem Zürcher Kinderbuchpreis "La vache qui lit" ausgezeichnet und mit einer Medaille im Rahmen des Janusz-Korczak-Preise 1983 prämiert.
Gedruckt wurde es auf 100% Recyclingpapier.
Erschienen erstmals in der Originalausgabe im Spectrum Verlag 1981.
1984 erschien dann die Lizensausgabe als Taschenbuch im Ravensburger Buchverlag.
Titel: Stolperschritte
Autorin: Mirjam Pressler
ISBN: 3-473-54030-7
Preis: 4,95 €
Danke für´s Lesen - FrauNeedle
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-02 22:41:43 mit dem Titel Weglaufen gilt nicht
Als meine Tochter damals Diabetes bekam, hatten wir anfangs eine ziemlich schwere Zeit. Sie kam mit ihrer Krankheit einfach nicht so richtig klar und die Situation spannte sich dermaßen, dass wir vom Bezirksamt eine Einzelfallhilfe bekamen - eine liebe, nette junge Frau, die sich rührend um Tamaras Problem kümmerte. Eines Tages brachte sie uns ein Buch mit und um dieses Buch soll es in diesem Bericht gehen.
Weglaufen gilt nicht
Billa ist ein aufgewecktes 14 jähriges Mädchen. In der Schule war sie sehr beliebt und im Tischtennis-Verein war sie die Beste. Am letzten Schultag vor den Ferien hatten sie und ihr Zwillingsbruder Patrick Geburtstag. Es gab eine große Party und Billa trank Sekt und verdrückte viele Würstchen. Am nächsten Morgen war ihr sehr schlecht und man dachte zuerst, es lag an dem vielen Essen. Doch als sie ohnmächtig wurde und der Arzt kommen musste, stellte sich heraus, dass Billa Diabetes hat. Sofort musste sie ins Krankenhaus und dort lernte sie mit ihrer Krankheit umzugehen.
Im Krankenhaus war alles so einfach, denn dort war sie eher ein \"harmloser\" Fall unter den Patienten. Sie lernte dort Phillip kennen, ein 15 jähriger Junge, der Bluter war. Er nahm seine Krankheit ganz locker, weshalb ihn Billa bewunderte, und auch heimlich verliebte sie sich in ihn.
Dann sollte der Tag der Entlassung kommen und sie war schon ganz aufgeregt. Doch zu Hause musste Billa feststellen, das nichts und niemand mehr so war wie vorher. Alle nahmen Rücksicht auf sie und hatten viel Mitleid mit ihr, doch genau das war es, was Billa nun gar nicht wollte. Im Tischtennis-Verein war sie nur noch zweite Wahl, weil sie an Auswärtsturnieren nicht mehr teilnehmen durfte. Noch schlimmer war es, als sie nicht mit auf Klassenreise durfte. Die Krönung kam dann, als ihre Eltern auch noch den Winterurlaub, den sie bisher jedes Jahr unternahmen, absagen wollten. Billa lief voller Verzweiflung von zu Hause weg und landete bei Phillip. Er zeigte ihr, dass das Weglaufen nichts bringt...
*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*°*
Spannend geschrieben, leicht zu lesen, und für jemanden, der etwas ähnliches erlebt hat, eine sehr herzergreifende Geschichte.
Als uns Silke, die Einzelfallhilfe meiner Tochter, das Buch damals ausborgte, habe ich es abends meiner Tochter vorgelesen. Oft versagte mir die Stimme oder Tränen ließen mich die Schrift nicht mehr erkennen. Es gab viele Parallelen im Verhalten von Billa und meiner Tochter und so kann ich bestätigen, dass diese Geschichte das wahre Leben beschreibt.
Der glückliche Zufall wollte es, dass ich das Taschenbuch auf einem Trödelmarkt für 50 Cent erstehen konnte. Dieses günstige Angebot konnte ich mir nicht entgehen lassen. Das kleine, dünne Buch war an drei Abenden ausgelesen und noch immer ergreift mich Billas Geschichte, da ich in die Zeit zurück versetzt werde, als meine Tochter das gleiche Verhalten zeigte.
Es ist schwer zu beurteilen, ob es ein Jugendbuch ist, oder nicht sogar unter der Kategorie Fachbuch laufen könnte. Hier wird zwar nicht auf genaue Einzelheiten der Krankheit eingegangen, doch der Umgang mit erkrankten Personen ist ebenso wichtig.
Wer also einfach mal wissen möchte, wie es in einer Familie abläuft, wenn plötzlich ein Kind an Diabetes erkrankt, oder jemand in der Familie ein Diabesteskind mit gleichen Problemen hat, dem kann ich das Buch sehr empfehlen.
Die Autorin:
Solfried Rück wurde 1949 in Königslutter geboren. Sie besuchte das Gymnasium und begann eine kaufmännische Lehre, die sie aber abbrach. In der Universitätsklinik ließ sie sich zur Kinderkrankenschwester ausbilden und blieb dort auch bis 1976 tätig. 1979 erschien ihr erster Jugendroman, nämlich dieses Buch hier und das wurde auch mit dem Zürcher Kinderbuchpreis ausgezeichnet. Solfried Rück ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Die Daten:
Titel: Weglaufen gilt nicht
Autor: Solfried Rück
Verlag: dtv (Deutscher Taschenbuch Verlag)
Seitenzahl: 134
Preis: 4 bis 5 Euro
Danke fürs Lesen - FrauNeedle
Zur Story:
Das Buch ist in der Ich-Form geschrieben und handelt von dem 15 jährigen Jungen namens Thomas. Er ist gehbehindert und vergräbt sich in seinem Selbstmitleid. Thomas hat noch vier Geschwister. Da der Vater selten zu Hause ist, scheint seine Mutter mit der Aufgabe der Erziehung der Kinder überfordert zu sein.
Die Mutter wollte immer Vorzeigekinder haben - lauter kleine Rubine, die sie, den Diamanten heller strahlen lassen - so hatte Thomas seine Mutter beschrieben. Immer wenn Besuch kam, hielten sich die Kinder in ihren Zimmern auf. Hatte Thomas sein Zimmer mal verlassen und kam mit seinen Krücken angelaufen, erklärte die Mutter dem Besuch, daß er ein As in der Schule war. Dies tat sie nur, um seine Behinderung zu überspielen.
Der Bruder von Thomas hieß Frieder und war ein schwarzes Schaf in der Familie. Er war ein sehr schlechter Schüler und handelte sich stetig fünfen und sechsen in Aufsätzen und Diktaten ein. Für jede schlechte Note ohrfeigte die Mutter ihn und Frieder zog sich immer mehr zurück. Eines Tages bemerkte Frieder, daß sein Vater eine Freundin hat und dies der Grund ist, warum er nur noch selten zu Hause war. Er vertraute sich Thomas an.
Thomas, der ja überwiegend nur sein schlechtes Leben im Kopf hat, weil er ja behindert ist, nimmt die Verzweiflung von Frieder erst gar nicht richtig wahr. Als Frieder eines Tages nach der Schule nicht nach Hause kommt, macht Thomas sich zum ersten mal Gedanken darüber, daß andere auch Probleme haben, manchmal sogar viel größere Probleme als er.
Als Frieder am nächsten Tag tot aufgefunden wurde - er hat sich im Wald erhängt - macht Thomas die schmerzliche Entdeckung, daß seine Gehbehinderung nur ein Klacks war, im Gegensatz zu den Problemen seines Bruders....
Dieses Buch ist sehr herzergreifend und mir sind so einige Tränen über´s Gesicht gelaufen. Auch meine Tochter hatte nur ihre "Behinderung" im Kopf und für andere Probleme kein Auge und kein Ohr offen. Doch dieses Buch öffnete ihr die Augen und so langsam begriff sie, daß es Menschen gibt, die wirklich schlimmer dran sind als sie.
Es ist also nicht nur so eine Geschichte, die da im Buch geschrieben steht, sondern es hat einen sehr lehrreichen Inhalt.
Das Buch ist recht klein und mit den 95 Seiten auch schnell gelesen. Eine Geschichte mitten aus dem Leben.
"Stolperschritte" wurde mit dem Zürcher Kinderbuchpreis "La vache qui lit" ausgezeichnet und mit einer Medaille im Rahmen des Janusz-Korczak-Preise 1983 prämiert.
Gedruckt wurde es auf 100% Recyclingpapier.
Erschienen erstmals in der Originalausgabe im Spectrum Verlag 1981.
1984 erschien dann die Lizensausgabe als Taschenbuch im Ravensburger Buchverlag.
Titel: Stolperschritte
Autorin: Mirjam Pressler
ISBN: 3-473-54030-7
Preis: 4,95 €
Danke für´s Lesen - FrauNeedle
----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2002-12-02 22:41:43 mit dem Titel Weglaufen gilt nicht
Als meine Tochter damals Diabetes bekam, hatten wir anfangs eine ziemlich schwere Zeit. Sie kam mit ihrer Krankheit einfach nicht so richtig klar und die Situation spannte sich dermaßen, dass wir vom Bezirksamt eine Einzelfallhilfe bekamen - eine liebe, nette junge Frau, die sich rührend um Tamaras Problem kümmerte. Eines Tages brachte sie uns ein Buch mit und um dieses Buch soll es in diesem Bericht gehen.
Weglaufen gilt nicht
Billa ist ein aufgewecktes 14 jähriges Mädchen. In der Schule war sie sehr beliebt und im Tischtennis-Verein war sie die Beste. Am letzten Schultag vor den Ferien hatten sie und ihr Zwillingsbruder Patrick Geburtstag. Es gab eine große Party und Billa trank Sekt und verdrückte viele Würstchen. Am nächsten Morgen war ihr sehr schlecht und man dachte zuerst, es lag an dem vielen Essen. Doch als sie ohnmächtig wurde und der Arzt kommen musste, stellte sich heraus, dass Billa Diabetes hat. Sofort musste sie ins Krankenhaus und dort lernte sie mit ihrer Krankheit umzugehen.
Im Krankenhaus war alles so einfach, denn dort war sie eher ein \"harmloser\" Fall unter den Patienten. Sie lernte dort Phillip kennen, ein 15 jähriger Junge, der Bluter war. Er nahm seine Krankheit ganz locker, weshalb ihn Billa bewunderte, und auch heimlich verliebte sie sich in ihn.
Dann sollte der Tag der Entlassung kommen und sie war schon ganz aufgeregt. Doch zu Hause musste Billa feststellen, das nichts und niemand mehr so war wie vorher. Alle nahmen Rücksicht auf sie und hatten viel Mitleid mit ihr, doch genau das war es, was Billa nun gar nicht wollte. Im Tischtennis-Verein war sie nur noch zweite Wahl, weil sie an Auswärtsturnieren nicht mehr teilnehmen durfte. Noch schlimmer war es, als sie nicht mit auf Klassenreise durfte. Die Krönung kam dann, als ihre Eltern auch noch den Winterurlaub, den sie bisher jedes Jahr unternahmen, absagen wollten. Billa lief voller Verzweiflung von zu Hause weg und landete bei Phillip. Er zeigte ihr, dass das Weglaufen nichts bringt...
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Spannend geschrieben, leicht zu lesen, und für jemanden, der etwas ähnliches erlebt hat, eine sehr herzergreifende Geschichte.
Als uns Silke, die Einzelfallhilfe meiner Tochter, das Buch damals ausborgte, habe ich es abends meiner Tochter vorgelesen. Oft versagte mir die Stimme oder Tränen ließen mich die Schrift nicht mehr erkennen. Es gab viele Parallelen im Verhalten von Billa und meiner Tochter und so kann ich bestätigen, dass diese Geschichte das wahre Leben beschreibt.
Der glückliche Zufall wollte es, dass ich das Taschenbuch auf einem Trödelmarkt für 50 Cent erstehen konnte. Dieses günstige Angebot konnte ich mir nicht entgehen lassen. Das kleine, dünne Buch war an drei Abenden ausgelesen und noch immer ergreift mich Billas Geschichte, da ich in die Zeit zurück versetzt werde, als meine Tochter das gleiche Verhalten zeigte.
Es ist schwer zu beurteilen, ob es ein Jugendbuch ist, oder nicht sogar unter der Kategorie Fachbuch laufen könnte. Hier wird zwar nicht auf genaue Einzelheiten der Krankheit eingegangen, doch der Umgang mit erkrankten Personen ist ebenso wichtig.
Wer also einfach mal wissen möchte, wie es in einer Familie abläuft, wenn plötzlich ein Kind an Diabetes erkrankt, oder jemand in der Familie ein Diabesteskind mit gleichen Problemen hat, dem kann ich das Buch sehr empfehlen.
Die Autorin:
Solfried Rück wurde 1949 in Königslutter geboren. Sie besuchte das Gymnasium und begann eine kaufmännische Lehre, die sie aber abbrach. In der Universitätsklinik ließ sie sich zur Kinderkrankenschwester ausbilden und blieb dort auch bis 1976 tätig. 1979 erschien ihr erster Jugendroman, nämlich dieses Buch hier und das wurde auch mit dem Zürcher Kinderbuchpreis ausgezeichnet. Solfried Rück ist verheiratet und hat zwei Kinder.
Die Daten:
Titel: Weglaufen gilt nicht
Autor: Solfried Rück
Verlag: dtv (Deutscher Taschenbuch Verlag)
Seitenzahl: 134
Preis: 4 bis 5 Euro
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