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Erfahrungsbericht von Lachesis

Ein farbloser Roman ohne Seele...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Wie gut, dass es Bibliotheken gibt und man dadurch bei den heutigen
Wucherpreisen für Bücher ruhig auch mal einen Fehlgriff landen darf. So
geschehen ist mir dies vor wenigen Tagen mit einem Roman namens Die
Aztekin
von einem Autor namens Colin Falconer. Der Klappentext klang sehr spannend, zumal ich schon immer für Indianer und die Hochkulturen Mittel- und Südamerikas interessiere. Hier nun der Grund, warum ich dieses Buch niemandem empfehle:

Story:

In seiner eigenen Form handelt die Geschichte von der Eroberung des großenReiches der Azteken durch die Spanier. Hernán Cortés, bekanntermaßen der Anführer jener relativ kleinen Gruppe von Eroberern, die im 16. Jahrhundert im Namen der christlichen Kirche Tod und Verwüstung über jene große Zivilisation brachte, spielt eine der Hauptrollen in Falconers Roman. Er landet mit seinen Männern in Südamerika, wo er sich als intelligenter und autoritärer Feldherr den Respekt seiner Leute erhält und mit scheinbarer Diplomatie und geschickt eingesetzter Grausamkeit die Indianer Untertan macht und dabei in der Gier nach großen Mengen Gold der glanzvollen
Azteken-Hauptstadt Tenochtitlan näher kommt, um sie zu erobern.
Doch all das wäre nicht möglich ohne Mali, eine treue, schöne Verbündete ausdem Volk der Azteken, die in Cortés den zurück gekehrten Gott Gefiederte Schlange sieht und außerdem selbst ihre persönlichen Rachepläne gegen den Aztekenkönig Montezukoma hegt.
Sie wird schließlich Cortés\' Geliebte und mit ihrer Hilfe gelingt ihm der Vorstoß in die große Hauptstadt. Auch als sie längst Zweifel an seiner Identität als Gottheit hat, bleibt sie seine treue Untergebene und hat damit ihren Anteil am Untergang des Volkes der Azteken...

Meinung:

Die Geschichte klingt auf den ersten Blick sehr spannend und so begann ich auch begierig sie zu lesen. Sie beginnt mit der Landung in Südamerika und der Bekanntmachung mit den wichtigsten Personen. Nun ja, es ist selten dass ein Buch schon in dieser Phase spannend ist. Wenn ein Autor es aber nach der Hälfte des Buchesnoch nicht geschafft hat, Spannung aufzubauen und man sich nur noch zwingen muss weiterzulesen (bis man dann die letzten Kapitel nur noch durchblättert
und überfliegt, um zu wissen wie es ausgeht), kann man doch davon ausgehen mit diesem Werk einen ziemlichen Griff ins Klo gelandet zu haben.
Aus einer solchen Geschichte hätte man viel machen können, einen großen
historischen Roman mit zahlreichen geschichtlichen Hintergründen, Einblicken in die Kultur der Azteken und interessanten Charakteren.
Nicht, dass die Ausführungen über Glauben und Leben jenes großen Volkes
nicht da wären. Im Gegenteil, sind diese häufig in wenigen Sätzen
abgefassten Beschreibungen von Ritualen, Kulten und Bauten das einzige, was das Buch interessant macht. Denn bei allem was einen guten Roman ausmachen sollte, hat der Autor kläglich versagt.
Fangen wir mit den Charakteren an. Cortés erweißt sich als großer,
intelligenter und ebenso grausamer Führer. Falconer gibt ihm auch eine
menschliche Seite, die ihm die Historie oft aberkennt. Doch schafft der
Autor es nicht den Leser irgend einen Bezug zu seiner Hauptfigur finden zu lassen. Man betrachtet Cortés, wie alle anderen handelnden Personen, rein von außen wie eine Figur im Wachskabinett. Er bleibt ein Mensch, in den man sich nicht hinein versetzen kann.
Doch viel mehr hätte man von der weiblichen Hauptfigur erwarten können.
Mali, die junge Aztekin mit stolzem aber durchtriebenen Charakter, die einen Hass hegt gegen ihr eigenes Volk. Sehr intelligent soll sie sein und als Führerin geboren, erscheint dem Leser doch meist nichts anderes zu sein als ein naives Kind, das blindlings einer Geschichte folgt, die es mit neun Jahren gehört hat und dafür sein Volk und ihre Kultur auf das Grausamste verrät. Sie erscheint einseitig und unsympathisch, so dass es schwer ist ihre Beweggründe zu verstehen.
Auch alle anderen Figuren bleiben weitgehend farblos, alle Betrachtungen zerrütteter oder wilder Seelen bleiben oberflächlich und unbefriedigend.
Die Abschnitte und Kapitel des Buches sind meist ungewöhnlich kurz gehalten. Falconer scheint an Beschreibungen und Ausschweifungen zu sparen wo er nur kann. Und genau hier liegt die größte Schwäche des Buches. Es gelingt ihm in keinster Weise eine Atmosphäre aufzubauen. In stickige, feuchte, insektenverseuchte Sumpflandschaften kann der Autor den Leser genauso wenig führen wie in tiefe Abgründe der menschlichen Seele. Seine Sätze sind kurz und solide, seine Wortwahl überlegt und abwechslungsreich, aber mehr nicht.
Falconer hat nicht die Fähigkeit großer Schriftsteller den Leser in die Zeit und an die Orte seines Geschehens mitzunehmen.
Schade, um ein so schönes Thema, aber ich war von Falconers Roman sehr
enttäuscht, der auch beim besten Willen nicht mehr als durchschnittlich ist.

Der Roman erschien 1997 bei Heyne.

21 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Striker1981

    14.11.2008, 17:25 Uhr von Striker1981
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH und Liebe Grüße vom STRIKER

  • mu4you

    03.03.2008, 19:02 Uhr von mu4you
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg mu4you