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Erfahrungsbericht von Kunigunde

Grisham, John: Die Farm

Pro:

ein ganz anderer Grisham und doch so gut

Kontra:

keine

Empfehlung:

Nein

Ich war auf dem Weg zu einem Treffen mit einer Freundin, jedoch mal wieder viel zu früh dran. Ich hatte alles erledigt, was ich mir vorgenommen hatte und nur so herumzutrödeln liegt mir nicht. Also führte mich mein Weg schnurstracks in den nächsten Buchladen, auf der Suche nach etwas, dass mir die Zeit vertreiben sollte. Ohne lange zu überlegen, griff ich zum neuen Grisham, zahlte und ging. Von ihm hatte ich schon lange nichts mehr gelesen, also kam es mir gerade recht und es sollte auch eine etwas anders gelagerte Geschichte sein, als man sie von ihm gewohnt ist.

Was soll ich sagen, die Zeit hat es mir vertrieben und eigentlich hätte ich keine Verabredung mehr gebraucht, um einen schönen Abend zu haben, denn die Geschichte gefiel mir auf Anhieb ziemlich gut.

Aber so ein Treffen mit einer Freundin hat ja auch was für sich...

Zum Inhalt will ich mich möglichst kurz fassen. Die Geschichte spielt in den 50er Jahren in Arkansas auf einer Baumwollfarm. Im Mittelpunkt steht der 7 jährige Luke und seine Familie. Der Alltag ist geprägt von harter Arbeit auf dem Feld beim Pflücken der Baumwolle, von den finanziellen Schwierigkeiten der Eltern und Großeltern, der Sorge um Ricky, der im Koreakrieg kämpft, Baseball und den ‚strengen’ Familienhierarchien. Trotz aller Sorgen, um eine gute Ernte und das Zusammenleben mit den Erntehelfern (Fremde aus den Bergen und Mexikaner) und schwerster körperlicher Arbeit führt Luke ein glückliches Leben und träumt davon einmal ein berühmter Baseballspieler zu werden - bis zu dem Tag, als er Zeuge eines Mordes wird, den er nicht vergessen kann, und der ihn zu einer seiner schwersten Entscheidungen zwingt. Mehr möchte ich dazu eigentlich nicht loswerden.

Es ist eine wirklich ungewöhnliche Geschichte für einen Grisham, denn es kommt kein einziger Anwalt, kein Gerichtssaal, kein Prozess und auch keine quälenden gesellschaftlichen Fragen vor darin. Grisham selbst sagt, das er einen Teil seiner Kindheit verarbeitet hat, aber auch ein Teil der Geschichten, die von seinen Eltern und Großeltern erzählt wurden. Diese Geschichten enthalten sicher einen Teil Wahrheit, aber auch immer einen Teil Verzierung, wie das so ist bei Geschichten, die immer wieder erzählt werden.

Luke ist und bleibt ein lebendiger Charakter und mit den Problemen, die ein Siebenjähriger so hat, kann man sich schnell anfreunden. Auch wenn eigentlich nicht viel passiert – schließlich wird die Zeit einer Ernteperiode abgedeckt (mit zusätzlichen Rückblicken) – passiert dennoch genug, um nie sagen zu können, dass es langweilig geworden ist. Mich hat es fasziniert, wie so ein Tag in dieser Familie funktionierte, wie selbstverständlich jedes Familienmitglied seine Rolle kannte und auch gerecht wurde, dass schon diese Tatsache allein spannend genug war, um immer weiterlesen zu müssen. Grisham ist und bleibt nun mal ein verdammt guter Erzähler, das hat er mit diesem Buch mal wieder eindeutig bewiesen.

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