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Erfahrungsbericht von rengert

Ein genialer Thriller aus Frankreich

Pro:

Spannung, intelligent geschrieben

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Da wird sogar eine Zugfahrt kurzweilig.

Ich fahr ja nun regelmäßig Zug, da brauche ich etwas zu tun, damit die Fahrt nicht zu einer endlos erscheinenden Reise wird. Vor ein paar Jahren bin ich sonntags und Freitag 8-9 Stunden Zug gefahren. Da fiel es mir schwer, die Konzentration zu halten und deshalb las ich spannende Bücher, die einen in den Bann ziehen. Nun fahr ich „nur“ noch 1,5 Stunden, aber dem Lesen bin ich treu geblieben. Vor kurzem habe ich das Buch „Die Purpurnen Flüsse“ von Jean-Christophe Grangé gelesen. Mit diesem Buch wirkte jede Zugfahrt kürzer, manchmal wünschte ich mir, noch 5 Minuten zu fahren, da ich das aktuelle Kapitel noch nicht durchgelesen hatte. Zum Glück hat die Bahn ja immer Verspätung (eher als Scherz zu verstehen).

Zum Inhalt
°`°`°`°`°`°`°
Es werden zwei an sich verschiedene Kriminalfälle erzählt, die später zusammenführt werden. Ich habe zu jedem Zeitpunkt gerätselt, in welchem Zusammenhang die beiden Fälle mit einander stehen. Sie sind auch optisch getrennt, das heißt in einem Kapital wird von dem und im nächsten vom anderen erzählt. So kommt man wenigstens nicht durcheinander, wo man sich gerade befindet.

Pierre Niémans bearbeitet die erste Sache, aber bevor es richtig los geht, hat er noch einen anderen Job zu erledigen. Er hat einen Einsatz an einem Fußballstadion. Man hört ja immer wieder, wie es zu Krawallen nach und bei Fußballspielen zwischen den Fans der rivalisierenden Vereine kommt. Niémans ist eine der Einsatzkräfte, die genau solche Vorfälle vermeiden sollen. Eigentlich läuft alles ganz ruhig ab, er ist auch nur ein beobachtender Leiter und steht auf einem Haus und überblickt mit seinem Fernglas das Geschehen. Doch auf einmal will – muss – er handeln. Der Krawall beginnt und Niéman mittendrin. Dabei beobachtet er wie zwei Fans ein der gegnerischen Fans verfolgen. Niemans rennt ihnen nach, doch er kommt zu, er kann den friedlichen Fan nicht mehr retten, einer der gewaltbereiten hat ihn von einer Brücke gestoßen. Er prallte unten auf und wurde von mehreren Auto überfahren, er war sofort tot. Niémans erkannt, dass er tot ist, kettete den einen Fan, der nur geschockt war, an eine Laterne und nahm die Verfolgung des nun flüchtigen Mörders auf. Er folgte ihm bis in einen Pferdestall. Dort versucht ihn der Fan mit einem Messer zu überraschen, doch Niémans springt zur Seite, der Fan gelangt in eine Pferdebox, das Pferd schreckt auf und schlägt aus, so dass der Fan einen Hufschlag ab mitten ins Gesicht abbekommt. Niémans stürzt sich nun auf den Verletzten und schlägt mit dem Kolben seines Revolvers auf den am Boden liegenden Mann ein. Als der Mann sich nun nicht mehr bewegt und eigentlich auch kein Gesicht mehr hat, will Niémans ihn „erlösen“ und steckt ihm den Lauf seiner Waffe in den Mund des Mannes. Je in diesem Moment wird er angerufen.

Was soll man nun von so einem Mann halten: brutal und gewissenlos? Zu mindestens ist alleine losgerannt, um den einen Fan zu retten. Der Ärger, den Mann nicht gerettet zu haben, steckt vielleicht in seinen Knochen.

Niémans´ Vorgesetzter schickt ihn nach Guernon, einer kleinen Universitätsstadt in den Bergen. Dort wurde eine mysteriöser Mord begangen und die ansässige Polizei hat lieber Verstärkung angefordert, die etwas mehr Erfahrung mit sich bringt.
Der Bibliothekar der Universität wurde umgebracht. Aber dass es sich nicht um einen gewöhnlichen Mord handelt, d.h. wegen Ehestreit oder um das Opfer auszurauben, war jedem schnell – eigentlich sofort – klar, denn der Tote wurde nicht einfach an einem x-beliebigen Tatort liegengelassen. Er hing in einer Felswand viele Meter über einem kleinen Bergsee, so dass man erst sein Spiegelbild im Wasser wahrgenommen hat. Er hing da in Fötalposition, d.h. zusammen gekauert. Es bedeutet einen großen Aufwand ihn da so zu positionieren.
Wie sich herausstellt wurde der Mann bis aufs äußerste gefoltert, mit dem Willen, dass das Opfer dabei am Leben zu lassen. Der Mörder wollte also aus dem Opfer etwas herausquetschen, er wollte etwas bestimmtes erfahren.
Dem Opfer wurden auch die Augen herausgetrennt, die Augenhöhlen wurden dann mit Regenwasser gefüllt, so dass der Eindruck entsteht, das Opfer weine. Aber das Wasser war Niémans erste und einzige richtige Spur. Klar wurde auch die Bibliothek durchsucht, Leutebefragt, die Gegend durchsucht und vieles mehr, aber das Regenwasser war wohl etwas handfestes, was auf den Tatort hinweist.
Niémans befragt auch die Frau des Opfers und baut eine eigenartige Zuneigung zu ihr auf. Sie wird blass und mager beschrieben, eigentlich nicht so attraktiv, aber Niémans mag sie irgendwie, obwohl sich die Frau selber eher abweisend verhält. Niémans fühlt sich auch zu einer Lehrerin der Universität hingezogen, die er wegen ihrer Bergsteigererfahrung befragt. Sie erscheint hübsch und muskulös. Er bittet sie auch im Verlauf der Untersuchung um Hilfe, um in eine Gletscherspalte zu klettern.

Mir ist beim Lesen aufgefallen, dass in dieser Stadt irgendetwas nicht stimmen kann. Vielleicht merkt ihr das auch beim Lesen, denn es lässt sich schwer beschreiben, es handelt sich um die Atmosphäre, aber vielleicht ist das ja „typisch französisch“. Die Untersuchung verläuft sehr schleppend, aber für den Beobachter doch sehr rasant. Man kommt an viele Orte, die einem schön nahe gebracht werden.

Und da gibt es Karim Abdouf. Am Namen erkennt man schon, dass er wohl kein „original“ Franzose ist. Er ist wohl nordafrikanischer oder arabischer Herkunft. Er ist ein Waisenkind und ist in den dunklen Gassen groß geworden. Er hat eine kriminelle Energie, das Buch führt wundervoll in Karims Welt ein, wie es damals war. Aber nun zu seinem Fall.... Er soll auf den Friedhof. Dort wurde ein Grab geschändet. Das Grab (Gruft) eines kleinen Jungen wurde geöffnet, er ist schon 1982 gestorben – das Buch handelt wohl im Jahr 14 Jahre später. Auf dem Friedhof kann Karim nichts machen, denn er darf die Gruft nicht betreten, er braucht die Erlaubnis der Eltern. Der Friedhofswächter weiß aber nicht wo diese sind.
Da gibt es aber noch einen anderen Fall, in eine Schule wurde eingebrochen. Es wurden Unterlagen aus den Jahren 1981 und 1982 gestohlen, Karim vermutet einen Zusammenhang mit dem Jungen. Von seinem Chef wird er auf die Spur der Skinheads gebracht. Er quetscht sie aus – sehr beeindruckend, aber selber lesen – und erfährt, dass sie es nicht waren, aber eine Lada gesehen haben. Neben Unterlagen wurden auch Fotos gestohlen, die Klassenfotos. Er fährt zu dem Fotografen von damals und entdeckt eine mysteriöse Geschichte. Vor vielen Jahren hat ein Nonnen sämtliche Foto von den besagten Jahren an sich gebracht, sie hat zum Beispiel den Fotografen bestochen, um an die Negative zu kommen. Natürlich macht er sich auf den Weg zu der Nonne. Sie lebt in einem Kloster in einer kleinen Stadt am Meer. Sie hat das Dunkelheitgelübde abgelegt, das heißt sie lebt in absoluter Dunkelheit. Von ihr hört er eine noch mysteriösere Geschichte. Das Kind und seine Mutter wurden von Teufeln verfolgt, die Mutter hatte Angst und die Nonne sollte alle Fotos vernichten.

In was war Karim hier geraten. Aus einer Grabschändung und einem sinnlos erscheinendem Einbruch wurde eine Verfolgungsjagd durch Teufel, die damals im Jahre 1982 geendet hat.

Karim ist ein sehr hartnäckiger Polizist, er folgt eine Spur bis aufs äußerste und fährt dafür mehrere hundert Kilometer, auch wenn er sich dadurch auch Ärger mit seinem Chef einhandelt. Der Autor hat einen Polizist genommen, der anders ist, der ein Araber ist, der Rasterlocken hat, der eine kriminelle Vergangenheit hat, der stark und kräftig wirkt, der ein Einzelgänger ist, aber ein schlauer Fuchs.

Da haben wir zwei Polizisten kennen gelernt, zwei starke und eigensinnige Menschen, die ihre Art haben, an einen Fall ranzugehen. Zwei Fälle die nichts mit einander zu tun haben, aber doch führt alles irgendwann zusammen, alles wird auf einmal klar, auch wenn Details manchmal sehr verwirrend erscheinen

Das Erlebnis
°`°`°`°`°`°`°`°
Das Buch liest sich wunderbar, der Wechsel zwischen den beiden Geschichten erscheint keineswegs störend. Gefühlsbewegungen in den Personen sind schön erzählt. Auch die Geschehnisse sind mir schön optisch anschaulich gemacht worden. Vor meinem inneren Auge ist alles schön abgelaufen. Das Buch ist topspannend, nichts wird verraten, man bleibt lange im Dunkeln wie die Geschichten zusammen hängen. Einfach nervenaufreibend und sehr intelligent. Auch das Ende ist überraschend und wird wie immer nicht verraten.

Fazit
°`°`°`°
Genialer französischer Thriller. Das Buch ist spannend, es hat mir sehr gefallen. Der Kauf lohnt sich garantiert.
Hier sei schon angemerkt, dass das Buch besser ist wie der Film, der im letzten Jahr im Kino lief. Über den Film möchte ich auch noch berichten.

Ich hoffe das Buch gefällt euch, ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen.

24.04.2002 RengerT

17 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Macchiaveli

    10.09.2003, 17:51 Uhr von Macchiaveli
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich bin zwar eine ziemliche Leseratte, aber ich kenne weder den Autor noch sein Werk. VLG