Ensel und Krete (gebundene Ausgabe) / Walter Moers Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von Daverigger
Hexen stehen immer zwischen Birken!
Pro:
Story, Charaktere, die äußerst phantasievollen Figuren und Wesen, die \"Mythenmetzsche Abschweifung\", die vielen Illustrationen, der unterschwellige Zynismus und der starke Humor
Kontra:
10 Euro für ein Taschenbuch mit nur 250 Seiten
Empfehlung:
Ja
Zamonien!
Tiefe Wälder, rundum Natur, Buntbären, unsterbliche Sternenstauner, Stollentrolle ... und mittendrin zwei Fhernhachen: Ensel und Krete, die sich verlaufen haben.
Die wohlorganisierten Wege des großen Waldes hinter sich gelassen und plötzlich mit Einsamkeit, gefährlichen Pflanzen, Tieren und sonstigen Wesen konfrontiert, irren die beiden kleinen Fhernhachen durch die unheimlichen Ecken und Kanten des scheinbar lebendigen Waldes, immer auf der Suche nach einem Weg zurück in die Zivilisation. Doch bis die beiden jemals wieder eines der gigantischen Wohnfässer der Reblausitz im Osten des Waldes oder die ständig summende Stadt Honing wiedersehen werden und ob sie überhaupt jemals wieder eine Stadt erreichen, das steht noch in den Sternen. Schritt um Schritt gelangen sie immer tiefer in den finsteren Wald, umgeben von tödlichen Gefahren wie Laubwölfen, vermeintlichen Hexen, bösen Stollentrollen und durch Meteoriteneinschläge gemeingefährlich mutierten Pflanzen. Ob die beiden ihren Ferienaufenthalt überleben werden? Und was hat es mit der Hexe auf sich, die angeblich irgendwo im Wald ihr Unwesen treibt und allen Lebewesen die Seelen raubt? Nur eines ist sicher: Hexen stehen immer zwischen Birken ...
Walter Moers ist den meisten bekannt als der Erfinder des kleinen Arschlochs. Manche kennen ihn auch als Schöpfer von Kapitän Blaubär. Aber wenige wissen, dass Moers mit Kapitän Blaubär nicht nur eine Figur, sondern vielmehr eine ganze Welt geschaffen hat. Blaubär ist gebürtiger Zamonier – Zamonien ist ein gewaltiger Kontinent irgendwo in einem großen Meer, voll von abstrusen Kreaturen, die in äußerst phantasievollen Ländern beheimatet sind. Der allseits beliebte Blaubär entstammt zum Beispiel dem Großen Wald, von dem in „Ensel und Krete“ die Rede ist. Dort ist die Heimat der „Buntbären“. Und dort beginnt auch die Geschichte um die beiden Fhernhachen-Geschwister Ensel und Krete, die eigentlich mit ihren Eltern im großen Wald die Ferien verbringen wollten. Doch die Abenteuerlust hat sie von den wohlorganisierten Wegen hin zum gefährlichen Inneren des großen Waldes geführt.
Die unglaublich vielseitigen und phantasievollen Kreaturen, die Moers in diesem Buch auf den Leser loslässt, lassen das Schmökern zu einem wahren Hochgenuss werden. Metaphorische Spielerein und lustige Lautverschiebungen sind zudem nicht nur bei den Namen der vielen Kreaturen an der Tagesordnung, die aberwitzigen Lautmalereien und Wortspielereien begegnen dem Leser auf jeder Seite mehrfach. Für jeden sprachlich interessierten und auch versierten Spaßvogel ist die Lektüre von „Ensel und Krete“ auf jeden Fall ein Erlebnis!
Was in diesem Zusammenhang von größter Bedeutung ist: Moers ist natürlich nicht der eigentlich Autor des Buches. Das Zamonische Original entstammt der Feder des berühmten Zamonischen Schriftstellers Hildegunst von Mythenmetz, der mit diesem Roman sein Meisterstück abgeliefert hat, obwohl seine anderen (mehrere tausend!) Schriftstücke natürlich auch von besonders hohem Anspruch sind! Die Übersetzung Moers ist dennoch mehr als gut gelungen wenn man bedenkt, dass er der einzige ist, der noch Zamonisch spricht und beim Übersetzen ganz auf sich allein gestellt war.
Die gegebenen Ähnlichkeiten mit dem bekannten Volksmärchen „Hänsel und Gretel“ sind, obwohl der Name „Ensel und Krete“ vielleicht vermuten lässt, nur sehr geringfügig. Die beiden Protagonisten verlaufen sich in einem großen, unheimlichen Wald und es ist natürlich die Rede von einer „Hexe“. Auf diese beiden Anleihen beschränkt es sich dann aber auch schon, da die Ausgangssituation und das Gerüst der Geschichte wirklich nur Beiwerk zur Aneinanderreihung von, im wahrsten Sinne des Wortes, „wahnsinnigen“ Angriffen auf die Lachmuskulatur des Lesers bilden.
Ein absolutes Highlight ist natürlich auch das absolut neue und unglaublich bahnbrechende rhetorische Mittel, das Hildegunst von Mythenmetz in diesem Buch zum ersten Mal überhaupt anwendet: Die „Mythenmetzsche Abschweifung“.
Diese erlaubt es dem Autor, ohne große Mühen und sprachliche Gewandheiten, zwischen der Geschichte eigene Anmerkungen anzubringen, einfach mal so aus dem Nähkästchen zu plaudern und über das zu reden, was ihm am Herzen liegt und mal so richtig, ja, abzuschweifen eben! Die Abschweifungen selbst sind zunächst von recht harmloser Natur, steigern sich in ihrer Intensität jedoch genauso rasch wie im Thema. Es werden zamonische Literaturkritiker zur Schnecke gemacht, Werbung für Mythenmetz andere Werke wird an den Leser gebracht und man lernt die Arbeitsumgebung des großen Dichters kennen. Wollte ich alles aufzählen, was in den Abschweifungen noch alles abgehandelt wird, ich müsste selbst ein Buch schreiben. Abschließend erwähnt sei die Abschweifung, in der Mythenmetz über die Tücke von Gutenachtgeschichten plaudert und als Beispiel sein eigenes Werk, „Das vertrocknete Graubrot und andere Gutenachtgeschichten“, anführt. Man möge mir glauben, Brote können gleichermaßen sterbenslangweilig und höchst aufregend sein!
Abgesehen von rhetorischer Rafinesse, äußerst phantasievollen Kreaturen und Erfindungen, Namen die man sich im Traum nicht einfallen lassen würde und Spannungsbögen, die eigentlich gar keine sind, kann man sich auch zwischen dem Lesen des Buches an der Karte von Zamonien, bzw. der des großen Waldes und den vielen anderen, genialen Zeichnungen in diesem Buch erfreuen. Neben den wichtigsten Figuren, Pflanzen und Situationen hat Moers auch eine doppelseitige, grob vereinfachte Landkarte von Zamonien gezeichnet. Ein absolut „wahnsinniger“ Kontinent – ein absolut „wahnsinniger“ Wald. Mir persönlich gefällt die „Reblausitz“ im Osten des Waldes am besten, dicht gefolgt von der „Tatzeninsel“ im Westen von Zamonien, mit ihren Städten „Daum, Fänggefing und Kleinfing“. Neben diesen zwei Beispielen gibt es auf den Karten und im gesamten Buch weiterhin noch viel mehr unsinniges zu entdecken!
Natürlich kommt beim Lesen niemals Langeweile auf. Moers erreicht dies unter anderem durch die gigantische Abwechslung in seiner Geschichte, die unheimlich vieles bietet. So kommen Ensel und Kretel unter anderem in Kontakt mit einem Kometen und dem Weltall und teuflischen Drogen in Form von schwarzen Pilzen. Die Hexe, die natürlich nicht fehlen darf, setzt dem ganzen Buch die Krone auf und lässt sich in ihrer Abstraktheit fast schon gar nicht mehr überbieten.
Durchzogen ist die komplette Geschichte zusätzlich noch von einer leichten, aber dennoch spürbaren, zynischen und teilweise auch verhöhnenden Gesellschaftskritik, die aber nicht sauer aufstößt sondern zur Abwechslung mal wirklich zum Nachdenken anregt.
Alles in allem kann ich „Ensel und Krete“ von Walter Moers nur empfehlen. Das Buch ist ungeheuer lustig, bietet für jeden Humor-Typus etwas und vertreibt für die gesamte Schmökerzeit die Langeweile. Die Illustrationen sind zum Großteil passend zur Geschichte und zum totlachen, die vielen Wendungen und Mythenmetzschen Abschweifungen würzen das Ganze noch zusätzlich. Ich habe selten eine so raffiniert erzählte und von angenehm leichter Ironie durchzogene Geschichte gelesen.
Das Buch ist zur Zeit für ca. 10 Euro erhältlich, entstammt dem Goldmann Verlag und der wie ein brauner Baum gemaserter Einband mit den Gesichtern von Ensel und Krete, die aus einem Astloch herauslugen, ist unverkennbar.
Ach ja, und eine Sache habe ich in diesem Buch gelernt: Immer nachzusehen, ob da auch nichts zwischen den zwei Bäumen steht an denen ich vorbeigehe. Denn nach der Lektüre von Ensel und Grete weiß schließlich jeder:
Hexen stehen immer zwischen Birken!
Tiefe Wälder, rundum Natur, Buntbären, unsterbliche Sternenstauner, Stollentrolle ... und mittendrin zwei Fhernhachen: Ensel und Krete, die sich verlaufen haben.
Die wohlorganisierten Wege des großen Waldes hinter sich gelassen und plötzlich mit Einsamkeit, gefährlichen Pflanzen, Tieren und sonstigen Wesen konfrontiert, irren die beiden kleinen Fhernhachen durch die unheimlichen Ecken und Kanten des scheinbar lebendigen Waldes, immer auf der Suche nach einem Weg zurück in die Zivilisation. Doch bis die beiden jemals wieder eines der gigantischen Wohnfässer der Reblausitz im Osten des Waldes oder die ständig summende Stadt Honing wiedersehen werden und ob sie überhaupt jemals wieder eine Stadt erreichen, das steht noch in den Sternen. Schritt um Schritt gelangen sie immer tiefer in den finsteren Wald, umgeben von tödlichen Gefahren wie Laubwölfen, vermeintlichen Hexen, bösen Stollentrollen und durch Meteoriteneinschläge gemeingefährlich mutierten Pflanzen. Ob die beiden ihren Ferienaufenthalt überleben werden? Und was hat es mit der Hexe auf sich, die angeblich irgendwo im Wald ihr Unwesen treibt und allen Lebewesen die Seelen raubt? Nur eines ist sicher: Hexen stehen immer zwischen Birken ...
Walter Moers ist den meisten bekannt als der Erfinder des kleinen Arschlochs. Manche kennen ihn auch als Schöpfer von Kapitän Blaubär. Aber wenige wissen, dass Moers mit Kapitän Blaubär nicht nur eine Figur, sondern vielmehr eine ganze Welt geschaffen hat. Blaubär ist gebürtiger Zamonier – Zamonien ist ein gewaltiger Kontinent irgendwo in einem großen Meer, voll von abstrusen Kreaturen, die in äußerst phantasievollen Ländern beheimatet sind. Der allseits beliebte Blaubär entstammt zum Beispiel dem Großen Wald, von dem in „Ensel und Krete“ die Rede ist. Dort ist die Heimat der „Buntbären“. Und dort beginnt auch die Geschichte um die beiden Fhernhachen-Geschwister Ensel und Krete, die eigentlich mit ihren Eltern im großen Wald die Ferien verbringen wollten. Doch die Abenteuerlust hat sie von den wohlorganisierten Wegen hin zum gefährlichen Inneren des großen Waldes geführt.
Die unglaublich vielseitigen und phantasievollen Kreaturen, die Moers in diesem Buch auf den Leser loslässt, lassen das Schmökern zu einem wahren Hochgenuss werden. Metaphorische Spielerein und lustige Lautverschiebungen sind zudem nicht nur bei den Namen der vielen Kreaturen an der Tagesordnung, die aberwitzigen Lautmalereien und Wortspielereien begegnen dem Leser auf jeder Seite mehrfach. Für jeden sprachlich interessierten und auch versierten Spaßvogel ist die Lektüre von „Ensel und Krete“ auf jeden Fall ein Erlebnis!
Was in diesem Zusammenhang von größter Bedeutung ist: Moers ist natürlich nicht der eigentlich Autor des Buches. Das Zamonische Original entstammt der Feder des berühmten Zamonischen Schriftstellers Hildegunst von Mythenmetz, der mit diesem Roman sein Meisterstück abgeliefert hat, obwohl seine anderen (mehrere tausend!) Schriftstücke natürlich auch von besonders hohem Anspruch sind! Die Übersetzung Moers ist dennoch mehr als gut gelungen wenn man bedenkt, dass er der einzige ist, der noch Zamonisch spricht und beim Übersetzen ganz auf sich allein gestellt war.
Die gegebenen Ähnlichkeiten mit dem bekannten Volksmärchen „Hänsel und Gretel“ sind, obwohl der Name „Ensel und Krete“ vielleicht vermuten lässt, nur sehr geringfügig. Die beiden Protagonisten verlaufen sich in einem großen, unheimlichen Wald und es ist natürlich die Rede von einer „Hexe“. Auf diese beiden Anleihen beschränkt es sich dann aber auch schon, da die Ausgangssituation und das Gerüst der Geschichte wirklich nur Beiwerk zur Aneinanderreihung von, im wahrsten Sinne des Wortes, „wahnsinnigen“ Angriffen auf die Lachmuskulatur des Lesers bilden.
Ein absolutes Highlight ist natürlich auch das absolut neue und unglaublich bahnbrechende rhetorische Mittel, das Hildegunst von Mythenmetz in diesem Buch zum ersten Mal überhaupt anwendet: Die „Mythenmetzsche Abschweifung“.
Diese erlaubt es dem Autor, ohne große Mühen und sprachliche Gewandheiten, zwischen der Geschichte eigene Anmerkungen anzubringen, einfach mal so aus dem Nähkästchen zu plaudern und über das zu reden, was ihm am Herzen liegt und mal so richtig, ja, abzuschweifen eben! Die Abschweifungen selbst sind zunächst von recht harmloser Natur, steigern sich in ihrer Intensität jedoch genauso rasch wie im Thema. Es werden zamonische Literaturkritiker zur Schnecke gemacht, Werbung für Mythenmetz andere Werke wird an den Leser gebracht und man lernt die Arbeitsumgebung des großen Dichters kennen. Wollte ich alles aufzählen, was in den Abschweifungen noch alles abgehandelt wird, ich müsste selbst ein Buch schreiben. Abschließend erwähnt sei die Abschweifung, in der Mythenmetz über die Tücke von Gutenachtgeschichten plaudert und als Beispiel sein eigenes Werk, „Das vertrocknete Graubrot und andere Gutenachtgeschichten“, anführt. Man möge mir glauben, Brote können gleichermaßen sterbenslangweilig und höchst aufregend sein!
Abgesehen von rhetorischer Rafinesse, äußerst phantasievollen Kreaturen und Erfindungen, Namen die man sich im Traum nicht einfallen lassen würde und Spannungsbögen, die eigentlich gar keine sind, kann man sich auch zwischen dem Lesen des Buches an der Karte von Zamonien, bzw. der des großen Waldes und den vielen anderen, genialen Zeichnungen in diesem Buch erfreuen. Neben den wichtigsten Figuren, Pflanzen und Situationen hat Moers auch eine doppelseitige, grob vereinfachte Landkarte von Zamonien gezeichnet. Ein absolut „wahnsinniger“ Kontinent – ein absolut „wahnsinniger“ Wald. Mir persönlich gefällt die „Reblausitz“ im Osten des Waldes am besten, dicht gefolgt von der „Tatzeninsel“ im Westen von Zamonien, mit ihren Städten „Daum, Fänggefing und Kleinfing“. Neben diesen zwei Beispielen gibt es auf den Karten und im gesamten Buch weiterhin noch viel mehr unsinniges zu entdecken!
Natürlich kommt beim Lesen niemals Langeweile auf. Moers erreicht dies unter anderem durch die gigantische Abwechslung in seiner Geschichte, die unheimlich vieles bietet. So kommen Ensel und Kretel unter anderem in Kontakt mit einem Kometen und dem Weltall und teuflischen Drogen in Form von schwarzen Pilzen. Die Hexe, die natürlich nicht fehlen darf, setzt dem ganzen Buch die Krone auf und lässt sich in ihrer Abstraktheit fast schon gar nicht mehr überbieten.
Durchzogen ist die komplette Geschichte zusätzlich noch von einer leichten, aber dennoch spürbaren, zynischen und teilweise auch verhöhnenden Gesellschaftskritik, die aber nicht sauer aufstößt sondern zur Abwechslung mal wirklich zum Nachdenken anregt.
Alles in allem kann ich „Ensel und Krete“ von Walter Moers nur empfehlen. Das Buch ist ungeheuer lustig, bietet für jeden Humor-Typus etwas und vertreibt für die gesamte Schmökerzeit die Langeweile. Die Illustrationen sind zum Großteil passend zur Geschichte und zum totlachen, die vielen Wendungen und Mythenmetzschen Abschweifungen würzen das Ganze noch zusätzlich. Ich habe selten eine so raffiniert erzählte und von angenehm leichter Ironie durchzogene Geschichte gelesen.
Das Buch ist zur Zeit für ca. 10 Euro erhältlich, entstammt dem Goldmann Verlag und der wie ein brauner Baum gemaserter Einband mit den Gesichtern von Ensel und Krete, die aus einem Astloch herauslugen, ist unverkennbar.
Ach ja, und eine Sache habe ich in diesem Buch gelernt: Immer nachzusehen, ob da auch nichts zwischen den zwei Bäumen steht an denen ich vorbeigehe. Denn nach der Lektüre von Ensel und Grete weiß schließlich jeder:
Hexen stehen immer zwischen Birken!
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