Stupid White Men (gebundene Ausgabe) / Moore Michael Testbericht

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Erfahrungsbericht von Elslaesstgruessen

Nothing funny left to say

Pro:

regt zum Überlegen an, offenbart wissenswerte Fakten

Kontra:

vereinfacht meiner Meinung nach zu stark, einseitig

Empfehlung:

Ja

Hey Folks,

Nach dem Film Bowling For Columbine war dann wohl auch das Buch von Michael Moore Pflichtlektüre. Allerdings bleiben für mich die Filme glaube ich eindeutig sehenswerter als die Bücher lesenswert.

Denn, was habe ich erwartet? Ich habe zwei Filme von Moore schon gesehen und fand beide unglaublich überzeugend, überhaupt nicht einseitig, natürlich auch unterhaltsam und haben immer zum Nachdenken angeregt, ohne belehrend zu wirken. Also habe ich das auch alles von dem Buch erwartet. Ich wusste, dass es sich mit der Politik um Bush beschäftigt, und hatte also damit gerechnet, dass er die Bush-Regierung ziemlich nieder macht, dass er uns mit Fakten beweist, was wir alle schon wissen, nämlich dass da ziemlich was schief läuft. Und dass das alles mit einer guten großen Portion Zynismus und angeschwärztem Humor passiert.

Beim Lesen wurde ich dann jedoch ein bisschen desillusioniert.
Zunächst einmal geht es dann doch nicht nur um die Aufdeckung verschiedenster Skandale um Bush, denn schließlich heißt das Buch nicht Stupid White Man, sondern immer noch Men, und das schließt also auch noch verschiedenste andere Themen mit ein. Darunter natürlich ausführlichst die sehr suspekten Wahlergebnisse und wie es zu diesen kam und damit die Beweise, dass es einfach mal brutalster Wahlbetrug war, gesellschaftliche Probleme wie Umweltschutz, Schulbildung, Schwarz-Weiß-Konflikte und immer wieder Politik aus allen Perspektiven. Besonders interessant und gleichzeitig besonders schockierend fand ich das Kapitel was im groben die Aussage hat, Clinton war keinen Deut besser als Bush. Generell, die Demokraten sind nicht anders als die Republikaner. Nur dass bei Bush und Co. es für alle offensichtlich ist, dass er da was falsch versteht und ziemliche scheiße macht, und Clinton alles perfekt aussehen lässt, alle ihn lieben und überzeugt von der guten Politik sind und hinten ’rum läuft es aber nicht besser. Ist das nicht fast noch schlimmer, etwas zu versprechen und es so aussehen zu lassen, als wenn man alles toll macht und hinter den Fassaden genau das Gegenteil davon ausübt? Mich hat das jedenfalls sehr schockiert und irgendwie ratlos zurückgelassen, scheint nicht viel Hoffnung für die Amis zu geben.

Diese ganzen Probleme sind immer mit den verschiedensten Quellen belegt, oft Statistiken, aber meistens sind es auch einfache Fakten, die scheinbar nicht gerne verbreitet sind, aber eigentlich doch so offensichtlich sind, dass ich mich frage, warum aus solchen skandalösen Aufdeckungen noch keine handfesten Skandale gemacht wurden. Man kommt nämlich beim Lesen einfach nicht drum ’rum, ungläubig den Kopf zu schütteln oder schockiert die Stirn in Falten zu legen und zu denken „Das kann doch gar nicht wahr sein“. Vielleicht stehe ich deswegen dem Buch ein bisschen skeptisch gegenüber, weil ich es einfach irgendwie nicht glauben kann, dass so etwas ungestraft passiert! Dass eigentlich so ziemlich alles was die US-Regierung macht, an Illegalität grenzt und nichts passiert. Jedenfalls hab ich diesen Eindruck von dem Buch gekriegt.

Das war auch eine Sache, die mich so für den Film begeistern konnte. Dass dort nämlich einfach Fakten aufgedeckt wurden und jeder konnte danach selbst für sich nachdenken, was man daraus macht. In diesem Buch dagegen werden für viele Probleme „Lösungen“ angeboten. Natürlich sind sehr viele davon völlig überzogen und unrealistisch und jedem, der das liest, ist vollkommen klar, dass es Ironie, Sarkasmus oder ähnliches sein soll, die das Problem noch verdeutlichen. Für einiges klingt es aber auch ganz passabel und der einzige Gedankengang kann dann nur noch sein „ja, so ist es, wenn es doch so einfach ist, warum macht man es nicht??“ Genau das ist aber meiner Meinung nach das Problem, es ist einfach nicht so einfach, die Lösungen sind überhaupt nicht realisierbar. Sie klingen logisch, funktionieren aber nicht. Da einem diese Lösung so schön vorgesetzt wurde, braucht man auch nicht weiter drüber nachdenken, wie es denn wirklich funktionieren könnte, man braucht nur noch Hass auf die US-Regierung schieben, die die einfachsten Lösungen nicht sehen (wollen). Wahrscheinlich sind die meisten Leser eines solchen Buches clever genug, auch noch selber zu denken, allerdings gibt es meiner Meinung nach viel zu viele Leute, die sich an diese Verallgemeinerungen à la Amis sind dumm und oberflächlich und dem ganzen Land ist nicht mehr zu helfen klammern. Und genau diese Gruppe kann ein solches Buch als perfekte Bestätigung sehen.

Andererseits, wozu darüber nachdenken? Das Buch lässt einen wirklich, wie schon öfter geschrieben, schockiert und zumindest mich sehr sehr ratlos zurück. Man könnte fast den Eindruck kriegen, mit dem Land kann es gar nicht mehr bergauf gehen und eigentlich sind sie ziemlich verloren. Man grübelt also und kommt nur zu völlig abstrusen Lösungen. Und selbst eventuell realistische Vorschläge würden ja doch nicht gehört werden. Es zieht einen, wenn man irgendeine positive Beziehung zu dem Land habt, also ziemlich runter und lässt einen ratlos da sitzen.

Und ich hätte noch einen weiteren Kritikpunkt. Michael Moore zieht sehr oft Vergleiche zu historischen Ereignissen und politischen Skandalen in der Vergangenheit. Aber oft werden auch Namen von politischen Figuren der Gegenwart genannt. Nur, dies wird nicht weiter erläutert. So kann man sich oft zwar denken, worum es gerade geht, jedoch wäre es bedeutend interessanter und verständlicher, wenn man diese Menschen und Situationen kennen würde, so sind also meiner Meinung nach zu viele Kenntnisse vorausgesetzt. Da ich die nicht unbedingt habe, hatte ich des öfteren ein großes Häh-Fragezeichen in meinem Gesicht.

Das Buch wird überall, und auch auf dem Buch selber, als extrem lustig und witzig usw. dargestellt. Huh? Also vom Inhalt her sehe ich wirklich nichts witziges, es ist deprimierend, traurig, keine Ahnung was. Also bleibt vielleicht noch die Sprache... Ich hab schwarzen Humor und Sarkasmus erwartet. Und ihn nicht gefunden. Sorry, vielleicht hab ich irgendwas übersehen, aber ich habe vielleicht ein oder zwei Mal gelacht. Das waren aber auch die einzigen Stellen. Ansonsten ist die Sprache vielleicht ein bisschen ironisch angehaucht, aber das macht es ja nicht lustig. Das macht es vielleicht leichter lesbar und unterscheidet sich somit mit trockener Fachliteratur, aber erwartet keine humoristischen Hochleistungen.

Und wo wir schon mal bei der Sprache sind: Ich habe es in der Originalversion gelesen und kann also nichts zur deutschen Übersetzung sagen, aber ich denke ja generell, dass Originalversionen die Stimmungen viel authentischer rüberbringen. Und da kann ich sagen – es liest sich sehr einfach und flüssig und wie mal eben so nebenbei erzählt. Vielleicht ist das günstig für eine unterhaltsame U-Bahn-Lektüre, aber irgendwie fand ich es hier unpassend. Oder vielleicht nicht unpassend, denn wenn ich so darüber nachdenke, fällt es nicht auf. Es fällt beim Lesen nicht auf, dass es irgendwie flapsig wäre oder so, aber da ich ja schon wie oben genannt keinen echten Humor in diesem Buch gefunden habe, hätte ich ein bisschen mehr Anspruch passender gefunden, einfach um es nicht als unwichtig und mal-eben-so-nebenbei dastehen zu lassen.

Also? Wenn man sich für die USA oder Politik generell interessiert, unbedingt lesen, denn es werden wissenswerte Fakten dargelegt und überlegenswerte Thesen (!) angeboten. Allerdings denke ich eben wirklich, dass man sich damit weiter beschäftigen muss, um sich wirklich eine Meinung bilden zu können, diese Buch ist vielleicht ein guter Einstieg, aber hat viel zu viele
Aspekte, die erst mal ausdiskutiert werden müssten als dass es als meinungsbildend so stehen bleiben kann. Also nicht alles einfach so hinnehmen und dann ist es auch empfehlenswert.

Els lässt grüßen.

P.S. Der ganze Spaß kostet so zwischen € 7 und € 13, das erste ist beim amazon zum Beispiel die Originalversion, da ist das englische Buch also sogar mal billiger als die deutsche Übersetzung. :o)

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