Stupid White Men (gebundene Ausgabe) / Moore Michael Testbericht

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Erfahrungsbericht von marenmoon

A book that made me think

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ich habe ja schon viele Bücher gelesen, die mich gefesselt, schockiert oder nachdenklich gemacht haben. Das waren allerdings Romane, Geschichten. „Stupid White Men“ ist alles andere als ein Roman und hat es trotzdem geschafft, bei mir genau diese Gefühle hervorzurufen.

Warum also habe ich mich entschlossen, dieses Buch zu lesen? Es war zunächst einmal pure Neugier. Ich hatte ein paar Berichte bei Ciao dazu gelesen, hatten Rezensionen oder Verweise gesehen und wollte mir endlich selbst ein Bild machen, was Michael Moore, den ich bis dato gar nicht kannte, über sein Heimatland verfasst hat. Dann stand besagter Mann plötzlich auf der Bühne der diesjährigen Oscar-Verleihung und rief ins Mikrofon: „Shame on you, Mr. Bush!“. Genug Gründe, sich einmal sein Werk zu Gemüte zu führen.

Das Buch „Stupid White Men – Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush“ lässt sich nur schwer einem Genre zuordnen. Satire? Sachbuch? Irgendwie ist von allem ein bisschen vorhanden.

Moore, seines Zeichens Autor und Regisseur, gliedert seine Abrechnung in elf Kapitel. Sofern man sich denn dazu durchringen kann, die Einleitung zu lesen, wird einem eines ganz deutlich klar: Moore will provozieren. Und das mit Fakten, die sogar am Ende des Buches durch diverse Quellenangaben belegt sind. Bereits in der Einleitung erfährt man so, dass Moore ein klarer Gegner der momentanen Regierung ist (wie könnte es bei diesem Buchtitel auch anders sein...) und dass er den Politikern seines Landes mehr als kritisch gegenüber steht.

Sein erstes Kapitel beschäftigt sich so auch gleich mit den leicht wirren Umständen, unter denen George W. Bush überhaupt Präsident werden konnte. Von Wahlbetrug an schwarzen Bürgern ist ebenso die Rede wie von Fehlern beim Stimmen auszählen. Fazit: George W. Bush IST NICHT der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten, sondern Al Gore. Ein Faktum, welches zwar schon länger immer mal wieder auftaucht, jedoch nie in dieser Art und Weise bewiesen wurde. Durch diverse Statistiken und Informationen aus Republikaner- und Wahlhelferkreisen belegt er, dass die Wahl zum Präsidenten nicht gültig ist und die Amerikaner nicht von dem Mann regiert werden, den die meisten gewählt haben. Außerdem stellt Moore hier auch die Mitglieder der Bush-Junta, wie er es nennt, vor. Viele – Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Condoleeza Rice – sind mittlerweile auch in Europa jedem bekannt, der in den letzten Wochen die Nachrichten verfolgt hat. Wenn man jetzt über diese Personen erfährt, dass sie neben ihrer politischen Tätigkeit auch noch in diversen Aufsichtsräten von Firmen sitzen, von diesen großzügige Wahlkampfspenden entgegennehmen und so auch schon mal ihre eigentliche Überzeugung vergessen, sieht man diese Menschen doch in einem anderen Licht. Leider ist diese Vermischung von Politik und Wirtschaft wohl auch in Deutschland nicht viel anders.

Mit Bush selbst ist Michael Moore nach diesem Kapitel noch lange nicht fertig. Sein Brief „Dear George“ ist noch einmal direkt an den „Präsidenten“ (immer schön in Anführungsstrichen) gerichtet. Moore zählt hier noch einmal alles auf, was ihn an Bush stört. Sein lascher Umgang mit der Umweltschutzmaßnahmen (sofern er dieses Wort überhaupt schon einmal gehört hat), das Aufrüsten gegen sämtliche Verträge und die Besetzung von Regierungsposten durch Firmenchefs oder –mitarbeiter, durch deren Wahlkampfspenden sich die Partei finanziert hatte.

Diese Aufzählung zeigt noch einmal in detaillierter Form, was Moore uns schon in der Einleitung hat mitteilen wollen: Bush ist seiner Meinung nach völlig unfähig, das Land zu führen. Unter seiner Präsidentschaft scheint es besonders mit der Demokratie total bergab zu gehen. Und das war eigentlich das, was mich so geschockt hat. „Amerika, Wiege der Demokratie“. Mit einem Präsidenten, der nicht gewählt ist. Mit einem Parlament, das mit Politikern besetzt ist, deren Handlungen nie dem eigenen Gewissen unterliegen, sondern den Interessen ihrer Förderer. Und nicht zuletzt mit Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe auch jetzt noch nicht die gleichen Chancen haben wie ihre Mitbürger.

Diese Ungleichheit ist ein weiterer Punkt, den Moore aufgreift. Im Kapitel „Los, killt die Weißen!“, spricht er die Tatsache an, dass „der Schwarze“ immer noch Synonym für das Böse und Bedrohliche ist. Wenn in der Schule ein Kind ein anderes erschießt, war es ein Schwarzer. Wenn ein Laden ausgeraubt wird, war es ein Schwarzer. Wenn ein Drogendealer geschnappt wird, war es auf jeden Fall ein Schwarzer. Moore versucht, dieses starke Klischeedenken der amerikanischen Bevölkerung anhand diverser Beispiele deutlich zu machen. Besonders die soziale Benachteiligung zeigt er anhand verschiedener Statistiken auf.
Was bleibt? Man wird sehr, sehr nachdenklich. Ist es wirklich so, wie Michael Moore es beschrieben hat? War uns das wirklich so bewusst? Mir nicht.

Ein Kapitel, das mich ebenfalls ziemlich nachdenklich gemacht hat, war „Nation der Dummköpfe“. Hierbei geht es besonders um die Tatsache, dass der Staat sein Geld an den falschen Stellen ausgibt...soll heißen: statt für Bildung, werden Millionen von Dollar für die Rüstung ausgegeben. Folge: Heruntergekommene Schulen, Lehrermangel, demotivierte Schüler. Einige Schulen haben allerdings einen eher zweifelhaften Weg aus der Misere gefunden: Sponsoring durch große Firmen. So kann es durchaus sein, dass sich eine Schule ihre neues Dach durch eine große Spende von Pepsi finanziert. Dieses ist natürlich nicht ganz im Sinne der unabhängigen Erziehung der Kinder zu mündigen Bürgern. Aber auch verständlich, denn schließlich haben die Schulen die Wahl zwischen Werbung und kaputten Tischen und Stühlen.

Bei all diesen Argumenten kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich fragt, was Michael Moore für ein Mensch ist und was ihn bewogen hat, dieses Buch zu schreiben. Ich denke, er ist einfach verbittert. Ist wütend über die Zustände in einem Land, das eigentlich das Vorbild an Demokratie für viele andere Staaten sein sollte. Er selbst lebt in diesem Land und kann nicht mehr ertragen, was er täglich mitbekommt. Die Frage ist, was er mit seinem Buch bezwecken möchte. Sicherlich ist es einmal dazu da, seine eigenen Landsleute aufzuklären. In vielen Teilen richtet es sich direkt an die amerikanische Bevölkerung, fordert sie auf, dies und jenes zu tun. Aber ist das wirklich richtig? Ist es richtig, den Menschen die Lösung ihrer Probleme gleich auf dem Präsentierteller aufzuzeigen? Wäre es nicht besser, sie nur mit den Fakten zu konfrontieren und ihnen die Lösung selbst zu überlassen? Dieses ist ein Problem, das ich bei „Stupid White Men“ sehe. Natürlich ist es sinnig, den Menschen zu zeigen, was täglich in ihrem Land geschieht. Allerdings weiß ich nicht, ob Michael Moore entscheiden kann, wie diese Probleme am besten zu lösen sind. Eher nicht.

Ein weitere Kritikpunkt, den ich schon des öfteren gehört habe, ist der Vorwurf des Antiamerikanismus, durch den dieses Buch a) geprägt sein soll und den es b) angeblich schürt. Hierzu kann man zunächst einmal sagen, dass Moore ja selbst Amerikaner ist und somit seinen Zorn in diesem Buch auch gegen sich selbst richtet. Nicht umsonst schreibt er „wir Amerikaner“, „wir Weiße“. Das Recht, sich selbst und seine Landsleute zu kritisieren, wird man ihm nicht nehmen wollen. Allerdings ist natürlich die Frage, wie europäische Leser sein Buch interpretieren. Wäre es von einem Nicht-Amerikaner verfasst worden, wäre der Vorwurf wohl noch lauter gewesen. Meiner Meinung nach ist er allerdings nicht gerechtfertigt. Denn: Moore ist zwar sehr kritisch und schreibt mehr oder weniger wütend über sein Land, allerdings hat er für sämtliche von ihm aufgestellten Thesen eine Begründung. Sei es eine Statistik, seien es Informationen aus dem Weißen Haus. Das, was er über Amerika schreibt, ist belegt und kann somit nicht als Antiamerikanismus bezeichnet werden. Es sind Zustandsbeschreibungen, die einfach wahr sind. Auch wenn es weh tut. Ein bisschen kritisch sind die von ihm verfassten Ratschläge an seine Mitbürger. Ironie ist ja gut und schön, aber teilweise wird es schon ein bisschen zu viel. Amerikaner sind nicht blöd und verstehen, was Moore ihnen sagen möchte. Dazu brauchen sie keine Anweisungen mehr.

Empfehlenswert? Auf jeden Fall. Wenn man es richtig liest. Wenn man versteht, dass es nicht darum geht und gehen kann, Amerika und seine Menschen in einem besonders schlechten Licht darzustellen. Es geht vielmehr darum, aufzuzeigen, was in den USA schief läuft und welchen Anteil jeder Bürger an diesen Missständen hat. Die Lösungen sind vielleicht ganz nett, müssen aber letztendlich nicht von Michael Moore, sondern von der amerikanischen Politik und den Bürgern des Landes gefunden werden.

liebe grüße,

marenmoon

----- Zusammengeführt, Beitrag vom 2003-08-30 13:32:00 mit dem Titel A book that made me think

Ich habe ja schon viele Bücher gelesen, die mich gefesselt, schockiert oder nachdenklich gemacht haben. Das waren allerdings Romane, Geschichten. „Stupid White Men“ ist alles andere als ein Roman und hat es trotzdem geschafft, bei mir genau diese Gefühle hervorzurufen.

Warum also habe ich mich entschlossen, dieses Buch zu lesen? Es war zunächst einmal pure Neugier. Ich hatte ein paar Berichte bei Ciao dazu gelesen, hatten Rezensionen oder Verweise gesehen und wollte mir endlich selbst ein Bild machen, was Michael Moore, den ich bis dato gar nicht kannte, über sein Heimatland verfasst hat. Dann stand besagter Mann plötzlich auf der Bühne der diesjährigen Oscar-Verleihung und rief ins Mikrofon: „Shame on you, Mr. Bush!“. Genug Gründe, sich einmal sein Werk zu Gemüte zu führen.

Das Buch „Stupid White Men – Eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush“ lässt sich nur schwer einem Genre zuordnen. Satire? Sachbuch? Irgendwie ist von allem ein bisschen vorhanden.

Moore, seines Zeichens Autor und Regisseur, gliedert seine Abrechnung in elf Kapitel. Sofern man sich denn dazu durchringen kann, die Einleitung zu lesen, wird einem eines ganz deutlich klar: Moore will provozieren. Und das mit Fakten, die sogar am Ende des Buches durch diverse Quellenangaben belegt sind. Bereits in der Einleitung erfährt man so, dass Moore ein klarer Gegner der momentanen Regierung ist (wie könnte es bei diesem Buchtitel auch anders sein...) und dass er den Politikern seines Landes mehr als kritisch gegenüber steht.

Sein erstes Kapitel beschäftigt sich so auch gleich mit den leicht wirren Umständen, unter denen George W. Bush überhaupt Präsident werden konnte. Von Wahlbetrug an schwarzen Bürgern ist ebenso die Rede wie von Fehlern beim Stimmen auszählen. Fazit: George W. Bush IST NICHT der gewählte Präsident der Vereinigten Staaten, sondern Al Gore. Ein Faktum, welches zwar schon länger immer mal wieder auftaucht, jedoch nie in dieser Art und Weise bewiesen wurde. Durch diverse Statistiken und Informationen aus Republikaner- und Wahlhelferkreisen belegt er, dass die Wahl zum Präsidenten nicht gültig ist und die Amerikaner nicht von dem Mann regiert werden, den die meisten gewählt haben. Außerdem stellt Moore hier auch die Mitglieder der Bush-Junta, wie er es nennt, vor. Viele – Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Condoleeza Rice – sind mittlerweile auch in Europa jedem bekannt, der in den letzten Wochen die Nachrichten verfolgt hat. Wenn man jetzt über diese Personen erfährt, dass sie neben ihrer politischen Tätigkeit auch noch in diversen Aufsichtsräten von Firmen sitzen, von diesen großzügige Wahlkampfspenden entgegennehmen und so auch schon mal ihre eigentliche Überzeugung vergessen, sieht man diese Menschen doch in einem anderen Licht. Leider ist diese Vermischung von Politik und Wirtschaft wohl auch in Deutschland nicht viel anders.

Mit Bush selbst ist Michael Moore nach diesem Kapitel noch lange nicht fertig. Sein Brief „Dear George“ ist noch einmal direkt an den „Präsidenten“ (immer schön in Anführungsstrichen) gerichtet. Moore zählt hier noch einmal alles auf, was ihn an Bush stört. Sein lascher Umgang mit der Umweltschutzmaßnahmen (sofern er dieses Wort überhaupt schon einmal gehört hat), das Aufrüsten gegen sämtliche Verträge und die Besetzung von Regierungsposten durch Firmenchefs oder –mitarbeiter, durch deren Wahlkampfspenden sich die Partei finanziert hatte.

Diese Aufzählung zeigt noch einmal in detaillierter Form, was Moore uns schon in der Einleitung hat mitteilen wollen: Bush ist seiner Meinung nach völlig unfähig, das Land zu führen. Unter seiner Präsidentschaft scheint es besonders mit der Demokratie total bergab zu gehen. Und das war eigentlich das, was mich so geschockt hat. „Amerika, Wiege der Demokratie“. Mit einem Präsidenten, der nicht gewählt ist. Mit einem Parlament, das mit Politikern besetzt ist, deren Handlungen nie dem eigenen Gewissen unterliegen, sondern den Interessen ihrer Förderer. Und nicht zuletzt mit Menschen, die aufgrund ihrer Hautfarbe auch jetzt noch nicht die gleichen Chancen haben wie ihre Mitbürger.

Diese Ungleichheit ist ein weiterer Punkt, den Moore aufgreift. Im Kapitel „Los, killt die Weißen!“, spricht er die Tatsache an, dass „der Schwarze“ immer noch Synonym für das Böse und Bedrohliche ist. Wenn in der Schule ein Kind ein anderes erschießt, war es ein Schwarzer. Wenn ein Laden ausgeraubt wird, war es ein Schwarzer. Wenn ein Drogendealer geschnappt wird, war es auf jeden Fall ein Schwarzer. Moore versucht, dieses starke Klischeedenken der amerikanischen Bevölkerung anhand diverser Beispiele deutlich zu machen. Besonders die soziale Benachteiligung zeigt er anhand verschiedener Statistiken auf.
Was bleibt? Man wird sehr, sehr nachdenklich. Ist es wirklich so, wie Michael Moore es beschrieben hat? War uns das wirklich so bewusst? Mir nicht.

Ein Kapitel, das mich ebenfalls ziemlich nachdenklich gemacht hat, war „Nation der Dummköpfe“. Hierbei geht es besonders um die Tatsache, dass der Staat sein Geld an den falschen Stellen ausgibt...soll heißen: statt für Bildung, werden Millionen von Dollar für die Rüstung ausgegeben. Folge: Heruntergekommene Schulen, Lehrermangel, demotivierte Schüler. Einige Schulen haben allerdings einen eher zweifelhaften Weg aus der Misere gefunden: Sponsoring durch große Firmen. So kann es durchaus sein, dass sich eine Schule ihre neues Dach durch eine große Spende von Pepsi finanziert. Dieses ist natürlich nicht ganz im Sinne der unabhängigen Erziehung der Kinder zu mündigen Bürgern. Aber auch verständlich, denn schließlich haben die Schulen die Wahl zwischen Werbung und kaputten Tischen und Stühlen.

Bei all diesen Argumenten kommt irgendwann der Punkt, an dem man sich fragt, was Michael Moore für ein Mensch ist und was ihn bewogen hat, dieses Buch zu schreiben. Ich denke, er ist einfach verbittert. Ist wütend über die Zustände in einem Land, das eigentlich das Vorbild an Demokratie für viele andere Staaten sein sollte. Er selbst lebt in diesem Land und kann nicht mehr ertragen, was er täglich mitbekommt. Die Frage ist, was er mit seinem Buch bezwecken möchte. Sicherlich ist es einmal dazu da, seine eigenen Landsleute aufzuklären. In vielen Teilen richtet es sich direkt an die amerikanische Bevölkerung, fordert sie auf, dies und jenes zu tun. Aber ist das wirklich richtig? Ist es richtig, den Menschen die Lösung ihrer Probleme gleich auf dem Präsentierteller aufzuzeigen? Wäre es nicht besser, sie nur mit den Fakten zu konfrontieren und ihnen die Lösung selbst zu überlassen? Dieses ist ein Problem, das ich bei „Stupid White Men“ sehe. Natürlich ist es sinnig, den Menschen zu zeigen, was täglich in ihrem Land geschieht. Allerdings weiß ich nicht, ob Michael Moore entscheiden kann, wie diese Probleme am besten zu lösen sind. Eher nicht.

Ein weitere Kritikpunkt, den ich schon des öfteren gehört habe, ist der Vorwurf des Antiamerikanismus, durch den dieses Buch a) geprägt sein soll und den es b) angeblich schürt. Hierzu kann man zunächst einmal sagen, dass Moore ja selbst Amerikaner ist und somit seinen Zorn in diesem Buch auch gegen sich selbst richtet. Nicht umsonst schreibt er „wir Amerikaner“, „wir Weiße“. Das Recht, sich selbst und seine Landsleute zu kritisieren, wird man ihm nicht nehmen wollen. Allerdings ist natürlich die Frage, wie europäische Leser sein Buch interpretieren. Wäre es von einem Nicht-Amerikaner verfasst worden, wäre der Vorwurf wohl noch lauter gewesen. Meiner Meinung nach ist er allerdings nicht gerechtfertigt. Denn: Moore ist zwar sehr kritisch und schreibt mehr oder weniger wütend über sein Land, allerdings hat er für sämtliche von ihm aufgestellten Thesen eine Begründung. Sei es eine Statistik, seien es Informationen aus dem Weißen Haus. Das, was er über Amerika schreibt, ist belegt und kann somit nicht als Antiamerikanismus bezeichnet werden. Es sind Zustandsbeschreibungen, die einfach wahr sind. Auch wenn es weh tut. Ein bisschen kritisch sind die von ihm verfassten Ratschläge an seine Mitbürger. Ironie ist ja gut und schön, aber teilweise wird es schon ein bisschen zu viel. Amerikaner sind nicht blöd und verstehen, was Moore ihnen sagen möchte. Dazu brauchen sie keine Anweisungen mehr.

Empfehlenswert? Auf jeden Fall. Wenn man es richtig liest. Wenn man versteht, dass es nicht darum geht und gehen kann, Amerika und seine Menschen in einem besonders schlechten Licht darzustellen. Es geht vielmehr darum, aufzuzeigen, was in den USA schief läuft und welchen Anteil jeder Bürger an diesen Missständen hat. Die Lösungen sind vielleicht ganz nett, müssen aber letztendlich nicht von Michael Moore, sondern von der amerikanischen Politik und den Bürgern des Landes gefunden werden.



marenmoon, 30.8.o3

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