Stupid White Men (gebundene Ausgabe) / Moore Michael Testbericht
ab 12,33 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
Erfahrungsbericht von vonFalkenberg
Shame on you, Mr. Bush!
Pro:
macht nachdenklich
Kontra:
Oftmals Gallenbitter
Empfehlung:
Ja
Mit diesem Buch liefert Michael Moore nicht nur seine Abrechnung mit der Regierung von George W. Bush ab, sondern holt in 12 Kapiteln gleich zu einem Rundumschlag gegen den dummen weißen Mann an sich aus. Im Klappentext wird Moore sicherheitshalber als Satiriker bezeichnet, aber Vieles (allzu vieles ?) ist in diesem Buch sicher ernst gemeint und gerät auch derartig gallenbitter, das einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Gerade in solchen Momenten kommt mir Moore wie ein Überzeugungstäter vor, aber er bleibt seinen Überzeugungen wenigstens treu.
One: Ein sehr amerikanischer Coup:
In diesem Kapitel weist er anhand von Indizien und scheinbar allgemein bekannten Ereignissen nach, das George W. Bush niemals zum US-Präsidenten gewählt worden ist. Das Gore insgesamt mehr Stimmen erhalten hat war mir bereits bekannt; das auch der entscheidende Staat Florida ohne die Schützenhilfe von Georges Bruder (zufälligerweise Gouverneur von Florida) nicht an Bush gegangen wäre hatte ich vermutet. Aber Moore gelingt es auf durchaus glaubwürdige Weise, die Mechanismen des Wahlbetrugs offenkundig werden zu lassen. Wenn auch nur die Hälfte davon stimmt gehört die ganze Sippschaft statt ins Weiße Haus in den Knast. Und es spricht leider viel dafür, das Moore mit seiner Sicht der Dinge recht hat. Um nur ein Beispiel zu nennen: es wurden Briefwahlstimmen von US-Soldaten noch NACH der Auszählung der Wahl angenommen. Dies ist nach bestehenden Wahlgesetzen illegal, die Republikaner konnten aber auf diese Art und Weise noch genug Stimmen einsammeln, denn Soldaten Wählern erfahrungsgemäß hauptsächlich republikanisch. Gleichzeitig wurden tausende schwarze Wähler durch Manipulierung der Wählerlisten von ihrem Wahlrecht ausgeschlossen, und diese Wählerschicht gibt zumeist den Demokraten ihre Stimme.
Damit nun keiner glaubt, Moore habe dies alles nur erfunden, gibt er am Ende des Buches für jedes Kapitel ausführliche Quellenangaben und weitere Anmerkungen. Dies zwingt allerdings zu ständigem Herumblättern. Es wäre sicherlich leichter Handhabbar gewesen, wenn Moore die Angaben in Fußnoten direkt in die betreffenden Kapitel integriert hätte.
Nach der Darstellung des Wahlbetruges stellt Moore noch in Kurzbiographien die führenden Mitglieder der „Junta“ vor. Die Karrieren der Regierungsmitglieder mitsamt ihren Beziehungen zur Industrie werden aufgeführt und das Abstimmungsverhalten der aufrechten Republikaner durchleuchtet. (Vize-Präsident Cheney z. B. stimmte früher gegen einen Verfassungszusatz zur Gleichberechtigung der Frau, ist aber gleichzeitig selbst dann gegen Abtreibungen, wenn diese nach einer Vergewaltigung durchgeführt werden.) Die lange Verbundenheit der Regierung mit der Öl-Industrie ist jedenfalls auffällig.
Two: Lieber George
Dieses Kapitel ist ein offener Brief an Präsident Bush, in dem Moore ihm eine Liste seiner brutalen politischen Entscheidungen vor hält. (Der Irak-Krieg wird natürlich genauso wie der Afghanistan-Krieg nicht erwähnt, denn das Buch wurde VOR dem Anschlag auf die Twin-Towers fertiggestellt.)
Insbesondere im Umweltschutzbereich hat Bush ja ziemliche Grausamkeiten begangen, wobei die fehlende Unterschrift unter den Vertrag von Kyoto nur ein Punkt unter vielen ist. Fragwürdiger als diese umfangreiche Aufzählung finde ich allerdings die ins Private zielenden Fragen nach Bushs angeblicher Legasthenie oder seinem ehemaligen Alkoholproblem. Dies hat schließlich nicht mehr politische Substanz als Clintons Frauengeschichten...
Three: Ab zum Abschwung
Hier vertritt Moore die These, das es trotz anderslautender Berichte noch keinen Abschwung in der US-Wirtschaft gibt (Stand 2001). Die Firmen würden zwar sicherlich weniger verdienen als in den neunziger Jahren, dies wäre aber auch eine Dekade des Goldrausches gewesen, in denen die Firmen durch unrealistisch hohe Börsenkurse satte Gewinne einfuhren. So sind General Motors Gewinne inzwischen zwar um 73 Prozent geschrumpft, trotzdem gäbe es immer noch einen Reingewinn von 835 Millionen Dollar zu bejubeln.
Die Panikmache in den Medien diene vor allem dazu, den ärmeren Schichten Angst vor einem Jobverlust zu machen. Sonst kämen die Arbeiter vielleicht auf den Gedanken, ein größeres Stück vom Kuchen für sich selbst einzufordern. Das Ganze „belegt“ Moore mit ein paar Statistiken zur Wirtschaftsentwicklung und zu den Steuertricks großer Konzerne.
Seit meiner Schulzeit ist mir allerdings bekannt, das Statistiken Alles beweisen können was man gerade beweisen will, also bin ich keineswegs überzeugt. In Deutschland jedenfalls scheint die Gefahr der Arbeitslosigkeit durchaus real zu sein.
Four: Los, killt die Weißen!
„Ich habe einen Mann in Reno erschossen, nur um ihn sterben zu sehen.“
„Ich tötete alles was meinen Weg kreuzte, ich kann nicht sagen, das mir das was wir taten leid tut.“
Diese Zeilen stammen aus Songs amerikanischer Sänger. Sicherlich handelt es sich dabei um schwarze Gangsta-Rapper mit Drogenerfahrung und einer Knarre im Hosenbund?
Das vermuten jetzt die Meisten, aber in Wahrheit stammen die Texte von solidem weißem Urgestein wie Johnny Cash und Bruce Springsteen. Trotzdem würde Niemand diesen Sängern vorwerfen, damit der Gewalt Vorschub zu leisten. Bei schwarzen Musikern sieht dies schon anders aus, denn ihnen unterstellt man schon gewohnheitsmäßig Kontakt zu Verbrechern. Das Klischee des schwarzen Kriminellen wird von den Medien aufrecht erhalten, laut Moore werden aber die wirklichen Verbrechen von Weißen begangen.
In diesem Kapitel geht Moore auf die immer noch wirksame Rassendiskriminierung ein, welche die Afroamerikaner auch 140 Jahre nach dem Ende der Sklaverei immer noch auf der untersten sozialen Stufe hält. Schwarze sind im Durchschnitt ärmer als Weiße, werden doppelt so häufig arbeitslos und erhalten eine schlechtere medizinische Versorgung.
Moore macht einige mehr oder weniger praktikable Vorschläge zur Überwindung der sozialen Ungerechtigkeit. So hat er angeblich inzwischen 5 Schwarze in seiner Produktionsfirma eingestellt. Das ist schön für die Betroffenen, ändert aber Nichts an der Gesamtsituation.
Ansonsten gibt er noch Überlebenstipps für Schwarze in einer weißen Gesellschaft. Diese Tipps sind von einem wenig aufbauendem Sarkasmus erfüllt. Trotzdem ist dieses Kapitel längst nicht so platt geschrieben wie man nach der Überschrift hätte meinen können.
Five: Nation der Dummköpfe
Hier geht es um Amerikas Schulsystem, welches wohl allerlei Defizite aufweist. Dies gilt allerdings auch für das deutsche System (ich sage nur „Pisa“), also konnte ich mich hier nicht so recht erregen. Immerhin schlägt Moore einen Fragebogen für Politiker vor, damit man den verantwortlichen für die Misere mal auf den Zahn fühlen kann.
Six: Netter Planet, aber keiner da
Hier kommt Moore auf das Umweltverhalten der Amerikaner zu sprechen, welche ja erheblich mehr Umweltressourcen zerstören als jeder andere Staat auf der Welt. Seltsamer Weise hat Bush sich zuhause ein ökologisch völlig korrektes Haus gebaut, während er als Präsident alles dafür tut das die Öko-Katastrophe immer noch ein wenig schlimmer wird. (Habe ich bereits „Kyoto“ erwähnt?)
Eigentlich ein ziemlich trauriges Kapitel, denn auch wir tragen noch genügend zur Umweltzerstörung bei.
Seven: Das Ende des Mannes
Hier behauptet Moore, das die Natur den Mann auf Dauer ausrotten will. In seiner Familie würden weniger Jungen als Mädchen geboren und auch statistisch würde der Männeranteil in der Gesellschaft sinken. Frauen haben sowieso schon eine höhere Lebenserwartung usw. und so fort. Dies ist sicherlich die fragwürdigste Thesensammlung des ganzen Buches, aber durchaus auch ein Kapitel, welches man wirklich als Satire bezeichnen kann.
Eight: Wir sind die Nummer Eins!
Hier geht es um das amerikanische Machtstreben und Bushs ungeschickte Außenpolitik. Schon vor dem Irak-Krieg hat Bush ja eine sichere Hand darin gehabt, den Rest der Welt gegen Amerika aufzubringen. Moore wirft der US-Politik besonders das Versäumnis vor, nach Ende des kalten Krieges nicht auch für eine vollständige Abrüstung der Atomwaffen gesorgt zu haben.
Danach macht Moore uns mit einer Liste vertraut, in welchen Bereichen die USA wirklich die Nummer 1 in der Welt sind. Da sind so nützliche Dinge wie das stärkste Militär und die meisten Milliardäre dabei, aber leider auch eher abträgliche Spitzenplätze wie dem Haushaltsdefizit Todesopfer durch Feuerwaffen, Hinrichtungen von Jugendlichen sowie Verkehrstoten.
Ansonsten bietet Moore in diesem Kapitel die Lösung für verschiedene internationale Probleme wie Israel und Nordirland an. Manche Vorschläge klingen durchaus praktikabel, andere sind wiederum eher als Satire zu werten.
Nine: Ein großes glückliches Gefängnis
Hier geht es zunächst um die Ungleichbehandlung armer und reicher Gesetzesbrecher sowie die überbordende Gefängnis-Industrie. Zwei Millionen Menschen befinden sich derzeit in den USA im Gefängnis, und die meisten sitzen wegen des Besitzes von Rauschgift ein. Während Kleinkriminelle nach der dritten Verurteilung in einigen Staaten lebenslänglich erhalten können, werden reiche Wirtschaftsverbrecher natürlich etwas freundlicher behandelt und können auf eine schnelle Niederschlagung des Prozesses hoffen; wozu hat man schließlich Beziehungen zu Politikern und bezahlt deren Wiederwahl? Da ist eine Amnestie doch selbstverständlich...
Nachdem Moore einige Beispiele für die Einflussnahme von Politikern auf die Strafverfolgung von Wirtschaftsbossen gebracht hat wendet er sich dann der Todesstrafe zu. Da 70 Prozent von überprüften Todesurteilen schwere Verfahrensfehler aufwiesen hält Moore deren Abschaffung für notwendig.
Ten: Demokraten – ein hoffnungsloser Fall
Hier geht Moore nun nicht nur der Ausgewogenheit wegen auf die Demokraten los und wirft ihnen vor, nicht für eine echte Alternative zu den Republikanern gesorgt zu haben. Im Parteiensystem der USA werden sich die beiden großen Parteien immer ähnlicher, und auch unter der Clinton-Regierung gab es genügend politische Grausamkeiten, welche die Bush-Regierung nun einfach fortsetzt. (Das Syndrom des „geringeren Übels“ gibt es auch bei deutschen Wahlen zu „bewundern“.)
Moore fordert dazu auf, die Demokraten zu einer besseren Oppositionsarbeit zu zwingen: etwa durch Übernahme von Ortsvereinen und der Abwahl besonders konservativer Parteimitglieder. Sicherheitshalber liefert Moore gleich eine Liste von besonders willfährigen Abgeordneten mit (so stimmte der texanische Abgeordnete Hall zu 80 Prozent mit den Republikanern ab).
Eleven: Das Gebet für die Menschheit
Dieses Gebet kommt eher wenig freundlich daher, denn Moore wünscht den Politikern und Machteliten so ziemlich jedes Gebrechen der Welt auf den Hals. Nicht so sehr aus Hass, sondern weil die beispielsweise die AIDS-Forschung in dem Moment besser finanziert wird, wenn auch die Familien der regierenden mit einem solchen Schicksal konfrontiert werden. Seitdem Ronald Reagan an Alzheimer leidet stimmen die Republikaner plötzlich für die Stammzellenforschung, und viele Geiseln der Menschheit könnten auf diese Art und Weise besser bekämpft werden.
Auch wenn ich diese Einstellung ziemlich hartherzig finde muss ich zugeben, das dieser Mechanismus vermutlich tatsächlich funktionieren würde.
Epilog: Talahassee Hi-Ho
Im Epilog berichtet Moore über seine Tätigkeit für die amerikanischen Grünen-Partei von Nader. Es waren die Stimmen für diese Partei, welche Gore vermutlich den Wahlsieg gekostet haben. Moore gibt die Schuld aber eher Gore selber, welcher sich wie ein halber Republikaner aufgeführt habe und zu sehr auf Schmusekurs mit den Konservativen ging.
Fazit: Moore ist ein wirklich gutes Buch gelungen, auch wenn nicht jedes Kapitel überzeugen kann und er sich nicht immer zwischen politischer Streitschrift und satirischen Witzeleien entscheiden kann. Ich würde nicht Alles unbesehen schlucken was er schreibt, aber zum Nachdenken lädt das Buch sicherlich ein. Und Vieles was er über Amerika schreibt würde auch auf Deutschland und deren Eliten zutreffen.
One: Ein sehr amerikanischer Coup:
In diesem Kapitel weist er anhand von Indizien und scheinbar allgemein bekannten Ereignissen nach, das George W. Bush niemals zum US-Präsidenten gewählt worden ist. Das Gore insgesamt mehr Stimmen erhalten hat war mir bereits bekannt; das auch der entscheidende Staat Florida ohne die Schützenhilfe von Georges Bruder (zufälligerweise Gouverneur von Florida) nicht an Bush gegangen wäre hatte ich vermutet. Aber Moore gelingt es auf durchaus glaubwürdige Weise, die Mechanismen des Wahlbetrugs offenkundig werden zu lassen. Wenn auch nur die Hälfte davon stimmt gehört die ganze Sippschaft statt ins Weiße Haus in den Knast. Und es spricht leider viel dafür, das Moore mit seiner Sicht der Dinge recht hat. Um nur ein Beispiel zu nennen: es wurden Briefwahlstimmen von US-Soldaten noch NACH der Auszählung der Wahl angenommen. Dies ist nach bestehenden Wahlgesetzen illegal, die Republikaner konnten aber auf diese Art und Weise noch genug Stimmen einsammeln, denn Soldaten Wählern erfahrungsgemäß hauptsächlich republikanisch. Gleichzeitig wurden tausende schwarze Wähler durch Manipulierung der Wählerlisten von ihrem Wahlrecht ausgeschlossen, und diese Wählerschicht gibt zumeist den Demokraten ihre Stimme.
Damit nun keiner glaubt, Moore habe dies alles nur erfunden, gibt er am Ende des Buches für jedes Kapitel ausführliche Quellenangaben und weitere Anmerkungen. Dies zwingt allerdings zu ständigem Herumblättern. Es wäre sicherlich leichter Handhabbar gewesen, wenn Moore die Angaben in Fußnoten direkt in die betreffenden Kapitel integriert hätte.
Nach der Darstellung des Wahlbetruges stellt Moore noch in Kurzbiographien die führenden Mitglieder der „Junta“ vor. Die Karrieren der Regierungsmitglieder mitsamt ihren Beziehungen zur Industrie werden aufgeführt und das Abstimmungsverhalten der aufrechten Republikaner durchleuchtet. (Vize-Präsident Cheney z. B. stimmte früher gegen einen Verfassungszusatz zur Gleichberechtigung der Frau, ist aber gleichzeitig selbst dann gegen Abtreibungen, wenn diese nach einer Vergewaltigung durchgeführt werden.) Die lange Verbundenheit der Regierung mit der Öl-Industrie ist jedenfalls auffällig.
Two: Lieber George
Dieses Kapitel ist ein offener Brief an Präsident Bush, in dem Moore ihm eine Liste seiner brutalen politischen Entscheidungen vor hält. (Der Irak-Krieg wird natürlich genauso wie der Afghanistan-Krieg nicht erwähnt, denn das Buch wurde VOR dem Anschlag auf die Twin-Towers fertiggestellt.)
Insbesondere im Umweltschutzbereich hat Bush ja ziemliche Grausamkeiten begangen, wobei die fehlende Unterschrift unter den Vertrag von Kyoto nur ein Punkt unter vielen ist. Fragwürdiger als diese umfangreiche Aufzählung finde ich allerdings die ins Private zielenden Fragen nach Bushs angeblicher Legasthenie oder seinem ehemaligen Alkoholproblem. Dies hat schließlich nicht mehr politische Substanz als Clintons Frauengeschichten...
Three: Ab zum Abschwung
Hier vertritt Moore die These, das es trotz anderslautender Berichte noch keinen Abschwung in der US-Wirtschaft gibt (Stand 2001). Die Firmen würden zwar sicherlich weniger verdienen als in den neunziger Jahren, dies wäre aber auch eine Dekade des Goldrausches gewesen, in denen die Firmen durch unrealistisch hohe Börsenkurse satte Gewinne einfuhren. So sind General Motors Gewinne inzwischen zwar um 73 Prozent geschrumpft, trotzdem gäbe es immer noch einen Reingewinn von 835 Millionen Dollar zu bejubeln.
Die Panikmache in den Medien diene vor allem dazu, den ärmeren Schichten Angst vor einem Jobverlust zu machen. Sonst kämen die Arbeiter vielleicht auf den Gedanken, ein größeres Stück vom Kuchen für sich selbst einzufordern. Das Ganze „belegt“ Moore mit ein paar Statistiken zur Wirtschaftsentwicklung und zu den Steuertricks großer Konzerne.
Seit meiner Schulzeit ist mir allerdings bekannt, das Statistiken Alles beweisen können was man gerade beweisen will, also bin ich keineswegs überzeugt. In Deutschland jedenfalls scheint die Gefahr der Arbeitslosigkeit durchaus real zu sein.
Four: Los, killt die Weißen!
„Ich habe einen Mann in Reno erschossen, nur um ihn sterben zu sehen.“
„Ich tötete alles was meinen Weg kreuzte, ich kann nicht sagen, das mir das was wir taten leid tut.“
Diese Zeilen stammen aus Songs amerikanischer Sänger. Sicherlich handelt es sich dabei um schwarze Gangsta-Rapper mit Drogenerfahrung und einer Knarre im Hosenbund?
Das vermuten jetzt die Meisten, aber in Wahrheit stammen die Texte von solidem weißem Urgestein wie Johnny Cash und Bruce Springsteen. Trotzdem würde Niemand diesen Sängern vorwerfen, damit der Gewalt Vorschub zu leisten. Bei schwarzen Musikern sieht dies schon anders aus, denn ihnen unterstellt man schon gewohnheitsmäßig Kontakt zu Verbrechern. Das Klischee des schwarzen Kriminellen wird von den Medien aufrecht erhalten, laut Moore werden aber die wirklichen Verbrechen von Weißen begangen.
In diesem Kapitel geht Moore auf die immer noch wirksame Rassendiskriminierung ein, welche die Afroamerikaner auch 140 Jahre nach dem Ende der Sklaverei immer noch auf der untersten sozialen Stufe hält. Schwarze sind im Durchschnitt ärmer als Weiße, werden doppelt so häufig arbeitslos und erhalten eine schlechtere medizinische Versorgung.
Moore macht einige mehr oder weniger praktikable Vorschläge zur Überwindung der sozialen Ungerechtigkeit. So hat er angeblich inzwischen 5 Schwarze in seiner Produktionsfirma eingestellt. Das ist schön für die Betroffenen, ändert aber Nichts an der Gesamtsituation.
Ansonsten gibt er noch Überlebenstipps für Schwarze in einer weißen Gesellschaft. Diese Tipps sind von einem wenig aufbauendem Sarkasmus erfüllt. Trotzdem ist dieses Kapitel längst nicht so platt geschrieben wie man nach der Überschrift hätte meinen können.
Five: Nation der Dummköpfe
Hier geht es um Amerikas Schulsystem, welches wohl allerlei Defizite aufweist. Dies gilt allerdings auch für das deutsche System (ich sage nur „Pisa“), also konnte ich mich hier nicht so recht erregen. Immerhin schlägt Moore einen Fragebogen für Politiker vor, damit man den verantwortlichen für die Misere mal auf den Zahn fühlen kann.
Six: Netter Planet, aber keiner da
Hier kommt Moore auf das Umweltverhalten der Amerikaner zu sprechen, welche ja erheblich mehr Umweltressourcen zerstören als jeder andere Staat auf der Welt. Seltsamer Weise hat Bush sich zuhause ein ökologisch völlig korrektes Haus gebaut, während er als Präsident alles dafür tut das die Öko-Katastrophe immer noch ein wenig schlimmer wird. (Habe ich bereits „Kyoto“ erwähnt?)
Eigentlich ein ziemlich trauriges Kapitel, denn auch wir tragen noch genügend zur Umweltzerstörung bei.
Seven: Das Ende des Mannes
Hier behauptet Moore, das die Natur den Mann auf Dauer ausrotten will. In seiner Familie würden weniger Jungen als Mädchen geboren und auch statistisch würde der Männeranteil in der Gesellschaft sinken. Frauen haben sowieso schon eine höhere Lebenserwartung usw. und so fort. Dies ist sicherlich die fragwürdigste Thesensammlung des ganzen Buches, aber durchaus auch ein Kapitel, welches man wirklich als Satire bezeichnen kann.
Eight: Wir sind die Nummer Eins!
Hier geht es um das amerikanische Machtstreben und Bushs ungeschickte Außenpolitik. Schon vor dem Irak-Krieg hat Bush ja eine sichere Hand darin gehabt, den Rest der Welt gegen Amerika aufzubringen. Moore wirft der US-Politik besonders das Versäumnis vor, nach Ende des kalten Krieges nicht auch für eine vollständige Abrüstung der Atomwaffen gesorgt zu haben.
Danach macht Moore uns mit einer Liste vertraut, in welchen Bereichen die USA wirklich die Nummer 1 in der Welt sind. Da sind so nützliche Dinge wie das stärkste Militär und die meisten Milliardäre dabei, aber leider auch eher abträgliche Spitzenplätze wie dem Haushaltsdefizit Todesopfer durch Feuerwaffen, Hinrichtungen von Jugendlichen sowie Verkehrstoten.
Ansonsten bietet Moore in diesem Kapitel die Lösung für verschiedene internationale Probleme wie Israel und Nordirland an. Manche Vorschläge klingen durchaus praktikabel, andere sind wiederum eher als Satire zu werten.
Nine: Ein großes glückliches Gefängnis
Hier geht es zunächst um die Ungleichbehandlung armer und reicher Gesetzesbrecher sowie die überbordende Gefängnis-Industrie. Zwei Millionen Menschen befinden sich derzeit in den USA im Gefängnis, und die meisten sitzen wegen des Besitzes von Rauschgift ein. Während Kleinkriminelle nach der dritten Verurteilung in einigen Staaten lebenslänglich erhalten können, werden reiche Wirtschaftsverbrecher natürlich etwas freundlicher behandelt und können auf eine schnelle Niederschlagung des Prozesses hoffen; wozu hat man schließlich Beziehungen zu Politikern und bezahlt deren Wiederwahl? Da ist eine Amnestie doch selbstverständlich...
Nachdem Moore einige Beispiele für die Einflussnahme von Politikern auf die Strafverfolgung von Wirtschaftsbossen gebracht hat wendet er sich dann der Todesstrafe zu. Da 70 Prozent von überprüften Todesurteilen schwere Verfahrensfehler aufwiesen hält Moore deren Abschaffung für notwendig.
Ten: Demokraten – ein hoffnungsloser Fall
Hier geht Moore nun nicht nur der Ausgewogenheit wegen auf die Demokraten los und wirft ihnen vor, nicht für eine echte Alternative zu den Republikanern gesorgt zu haben. Im Parteiensystem der USA werden sich die beiden großen Parteien immer ähnlicher, und auch unter der Clinton-Regierung gab es genügend politische Grausamkeiten, welche die Bush-Regierung nun einfach fortsetzt. (Das Syndrom des „geringeren Übels“ gibt es auch bei deutschen Wahlen zu „bewundern“.)
Moore fordert dazu auf, die Demokraten zu einer besseren Oppositionsarbeit zu zwingen: etwa durch Übernahme von Ortsvereinen und der Abwahl besonders konservativer Parteimitglieder. Sicherheitshalber liefert Moore gleich eine Liste von besonders willfährigen Abgeordneten mit (so stimmte der texanische Abgeordnete Hall zu 80 Prozent mit den Republikanern ab).
Eleven: Das Gebet für die Menschheit
Dieses Gebet kommt eher wenig freundlich daher, denn Moore wünscht den Politikern und Machteliten so ziemlich jedes Gebrechen der Welt auf den Hals. Nicht so sehr aus Hass, sondern weil die beispielsweise die AIDS-Forschung in dem Moment besser finanziert wird, wenn auch die Familien der regierenden mit einem solchen Schicksal konfrontiert werden. Seitdem Ronald Reagan an Alzheimer leidet stimmen die Republikaner plötzlich für die Stammzellenforschung, und viele Geiseln der Menschheit könnten auf diese Art und Weise besser bekämpft werden.
Auch wenn ich diese Einstellung ziemlich hartherzig finde muss ich zugeben, das dieser Mechanismus vermutlich tatsächlich funktionieren würde.
Epilog: Talahassee Hi-Ho
Im Epilog berichtet Moore über seine Tätigkeit für die amerikanischen Grünen-Partei von Nader. Es waren die Stimmen für diese Partei, welche Gore vermutlich den Wahlsieg gekostet haben. Moore gibt die Schuld aber eher Gore selber, welcher sich wie ein halber Republikaner aufgeführt habe und zu sehr auf Schmusekurs mit den Konservativen ging.
Fazit: Moore ist ein wirklich gutes Buch gelungen, auch wenn nicht jedes Kapitel überzeugen kann und er sich nicht immer zwischen politischer Streitschrift und satirischen Witzeleien entscheiden kann. Ich würde nicht Alles unbesehen schlucken was er schreibt, aber zum Nachdenken lädt das Buch sicherlich ein. Und Vieles was er über Amerika schreibt würde auch auf Deutschland und deren Eliten zutreffen.
Bewerten / Kommentar schreiben