Stupid White Men (gebundene Ausgabe) / Moore Michael Testbericht
ab 12,33 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
Erfahrungsbericht von NoSoul
Stupid White Men- ein Versuch, die Welt zu verbessern
Pro:
unterhaltend, kritisch, intelligent
Kontra:
an wenigen Stellen zu satirisch
Empfehlung:
Ja
Stupid White Men
Dieses Buch wird ja hochgejubelt wie kaum ein anderes. Seit Wochen ist es auf Platz eins der Spiegel-Bestseller-Liste, praktisch alle politisch interessierten Menschen loben es, betrachten es schon fast als Pflichtlektüre. Auch auf dieser Website wird es ja sehr gelobt. Da möchte ich nicht außen vor stehen. Es ist verdammt gut, wie auch Moores Film „Bowling for Columbine“.
Auf dem Buchdeckel steht, dass es sich um „eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush“ handelt. Das stimmt nicht ganz, es geht etwas weiter. Es geht um Amerika allgemein. Das System, die beiden Parteien, der abstruse Lobbyismus... Moore stellt ein Gesamtbild der amerikanischen Politik und Gesellschaft dar, so wie er es sieht, mit Humor, Ironie, sogar Selbstironie. Er macht es sehr unterhaltend, mit viel Satire und ein wenig Polemik. Das Buch liest sich wirklich schnell.
Wie macht Moore das? Er macht es sehr einfach und übersichtlich. Das Buch besteht praktisch aus 11 unabhängig voneinander seienden Kapiteln. Jedes handelt von einem anderen Thema: Wahlbetrug in Florida, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Außenpolitik, Demokraten, Justiz, Wirtschaft... Ergebnis ist ein detailreiches Bild der amerikanischen Gesellschaft. Um dem Buch gerecht zu werden, müsste man eigentlich jedes Kapitel einzeln bewerten. Doch das würde diesen Bericht auf gute 3000 Worte anschwellen lassen. Daher versuche ich eine allgemeine Bewertung. Letztendlich lässt sich alles schon auf einige Worte zusammenfassen. Es geht Moore darum aufzuklären, auf die Schieflagen im System hinzuweisen, die verschwiegen werden. So prangert er z.B. die Clinton-Administration an. Diese habe genauso Umweltauflagen gelockert, Abtreibungen erschwert, in Alaska nach Öl gebohrt usw. wie nun Bush. Doch Clinton sah besser aus, hat lächelnd von dem Gegenteil geredet, das er tatsächlich gemacht hat. Moore weist auf die De-Facto-Rassentrennung in Amerika hin. Die Verfassung redet von Gleichheit aller, doch die Schwarzen leben in Armut in den Downtowns, während die Vororte und Wolkenkratzer nur von weißen bewohnt werden. Schwarze haben alle Rechte, aber keine Möglichkeit sie auszunutzen. Die republikanischen Politiker erzählen nur, dass es den so gut geht wie nie zuvor. Moore belegt all seine Kritik mit Statistiken und Erfahrungen und gibt im Anhang umfangreiche Auskunft über die Quellen aller genannten Fakten.
Vieles ist allgemein jeden bekannt, der sich ein wenig politisch interessiert. Vieles ist aber auch neu und oft unglaublich. So zum Beispiel der Wahlbetrug in Florida und die Reaktion der Demokraten. Diese haben fast gar nicht darauf reagiert. Bush ist nicht der gewählte Präsident der USA, ihm fehlten mehrere hundert Stimmen, die Bundesrichter ignorierten diese(alles Republikaner) Tatsache. Das ist alles noch bekannt, aber würde nicht jeder erwarten, dass die Demokraten Sturm liefen, nein das taten sie nicht. Im Gegenteil, viele Demokraten gaben noch jetzigen Kabinett-Mitgliedern Bushs ihre Stimme. Viele solcher Vorgänge, besonders in der Wirtschaft und der Justiz untersucht Moore sehr ausgiebig.
Das Buch hat aber seine Schwächen, diese sind paradoxerweise seine größten Stärke. Moore hat vielleicht mehr als jeder andere politische Filmemacher und Schreiber verstanden, dass jene die solche Bücher lesen, sowieso schon seiner Meinung sind. Doch was ist mit den Millionen von Unpolitischen, jenen die nur Boulevardpresse lesen und sich von Sitcoms berieseln lassen? Jene Sorte geistig verarmter Menschen, die auch hier in Europa immer zahlreicher werden. Moores Buch ist unterhaltend, lustig, jeder, dessen Hirn noch nicht ganz zu Brei geworden ist, kann es verstehen und vielleicht so einen Einstieg in die Politik finden, das nächste mal besser wählen, überhaupt wählen. So ist das Buch auch vollgespickt mit Aufforderungen, was man machen könnte, um jenes oder dieses mithelfen zu verbessern. Moores Buch ist ein Versuch den normalen Amerikaner anzusprechen, ihm zu sagen, es geht auch anders, aber dazu musst du mithelfen. Das gilt natürlich für alle Menschen.
Doch es sind gerade der Humor, die Satire und Polemik, die er braucht, um diese Leute bei der Stange zu halten, die das Buch an manchen Stellen schwächeln lassen. In einem Kapitel kommt das besonders heraus, in dem Kapitel über Männer und Frauen. Es ist für mich das schwächste Kapitel. Denn hier hat Moore es nicht geschafft, die Waage zwischen sachlicher Argumentation und Satire zu halten. Das Kapitel ist eine einzige Satire auf die Frauenfeindlichkeit. Von den Fakten und Statistiken kommt er in dem Kapitel schnell ab und zählt nur noch mehr oder weniger satirisch gemeinte Gründe dafür, dass man alle Männer entmachten sollte und Frauen alles entscheiden lassen sollte. Das würde dann alle Probleme lösen. Sicher ist das überspitzt und nicht ernst gemeint, aber es macht dieses Kapitel mehr zu einer Stand-Up-Comedy-Vorlage als zu einer ernsten Auseinandersetzung mit dem Thema Gleichberechtigung.
Doch das trübt das Gesamtwerk wenig. In den meisten Kapiteln schafft Moore die Gradwanderung zwischen Humor und Aufklärung. Besonders die Kapitel über Außenpolitik und Justiz sind großartig geworden. Das über die Schwarzen US-Bürger ist ebenfalls sehr gelungen, da der Humor und die Fakten hier sehr gut interagieren.
Moores Buch ist nicht nur sachlich und komisch, es ist auch sehr persönlich. Er redet von seinen Erfahrungen, seinen Freunden, seinem Leben, seiner Frau und seinen Kindern. Er hat keine Angst von seinen Schwächen zu erzählen (z.B. dass er bisher in Angesicht eines Bush immer den Kürzeren gezogen hat und ihnen nie schlagfertig antworten kann), ja, macht sogar selbstironische Witze daraus. Das alles macht Moore noch glaubwürdiger. Er ist nicht nur ein kritischer Geist, ein gute Journalist und ein Satiriker, er ist ein offener, freundlicher und guter Mensch. Das merkt man in jeder Zeile. Seine Kritik, seine Wut, seine Vorschläge. Alles ist ernst gemeint, alles was er anspricht ist ihm ein Herzensanliegen. Das macht ihn zusätzlich für alle Menschen symphatisch. Er argumentiert einfach, nicht mit irgendwelchen großen gesellschaftlichen Theorien. Sein ganzes Auftreten zeigt einen normalen Durchschnittsamerikaner, der nur an die materielle und geistige Sicherheit seiner Selbst, seiner Familie und seiner Freunde denkt. Und er hat verstanden, Sicherheit hat man, wenn es allen Menschen gut geht, wenn keiner Grund hat neidisch zu sein. Das ist seine Grundforderung. Das es allen gleich GUT geht. Hoffen wir, diese Forderung erreicht genug Leute in den USA und auch in Europa.
Dieses Buch wird ja hochgejubelt wie kaum ein anderes. Seit Wochen ist es auf Platz eins der Spiegel-Bestseller-Liste, praktisch alle politisch interessierten Menschen loben es, betrachten es schon fast als Pflichtlektüre. Auch auf dieser Website wird es ja sehr gelobt. Da möchte ich nicht außen vor stehen. Es ist verdammt gut, wie auch Moores Film „Bowling for Columbine“.
Auf dem Buchdeckel steht, dass es sich um „eine Abrechnung mit dem Amerika unter George W. Bush“ handelt. Das stimmt nicht ganz, es geht etwas weiter. Es geht um Amerika allgemein. Das System, die beiden Parteien, der abstruse Lobbyismus... Moore stellt ein Gesamtbild der amerikanischen Politik und Gesellschaft dar, so wie er es sieht, mit Humor, Ironie, sogar Selbstironie. Er macht es sehr unterhaltend, mit viel Satire und ein wenig Polemik. Das Buch liest sich wirklich schnell.
Wie macht Moore das? Er macht es sehr einfach und übersichtlich. Das Buch besteht praktisch aus 11 unabhängig voneinander seienden Kapiteln. Jedes handelt von einem anderen Thema: Wahlbetrug in Florida, Rassismus, Frauenfeindlichkeit, Außenpolitik, Demokraten, Justiz, Wirtschaft... Ergebnis ist ein detailreiches Bild der amerikanischen Gesellschaft. Um dem Buch gerecht zu werden, müsste man eigentlich jedes Kapitel einzeln bewerten. Doch das würde diesen Bericht auf gute 3000 Worte anschwellen lassen. Daher versuche ich eine allgemeine Bewertung. Letztendlich lässt sich alles schon auf einige Worte zusammenfassen. Es geht Moore darum aufzuklären, auf die Schieflagen im System hinzuweisen, die verschwiegen werden. So prangert er z.B. die Clinton-Administration an. Diese habe genauso Umweltauflagen gelockert, Abtreibungen erschwert, in Alaska nach Öl gebohrt usw. wie nun Bush. Doch Clinton sah besser aus, hat lächelnd von dem Gegenteil geredet, das er tatsächlich gemacht hat. Moore weist auf die De-Facto-Rassentrennung in Amerika hin. Die Verfassung redet von Gleichheit aller, doch die Schwarzen leben in Armut in den Downtowns, während die Vororte und Wolkenkratzer nur von weißen bewohnt werden. Schwarze haben alle Rechte, aber keine Möglichkeit sie auszunutzen. Die republikanischen Politiker erzählen nur, dass es den so gut geht wie nie zuvor. Moore belegt all seine Kritik mit Statistiken und Erfahrungen und gibt im Anhang umfangreiche Auskunft über die Quellen aller genannten Fakten.
Vieles ist allgemein jeden bekannt, der sich ein wenig politisch interessiert. Vieles ist aber auch neu und oft unglaublich. So zum Beispiel der Wahlbetrug in Florida und die Reaktion der Demokraten. Diese haben fast gar nicht darauf reagiert. Bush ist nicht der gewählte Präsident der USA, ihm fehlten mehrere hundert Stimmen, die Bundesrichter ignorierten diese(alles Republikaner) Tatsache. Das ist alles noch bekannt, aber würde nicht jeder erwarten, dass die Demokraten Sturm liefen, nein das taten sie nicht. Im Gegenteil, viele Demokraten gaben noch jetzigen Kabinett-Mitgliedern Bushs ihre Stimme. Viele solcher Vorgänge, besonders in der Wirtschaft und der Justiz untersucht Moore sehr ausgiebig.
Das Buch hat aber seine Schwächen, diese sind paradoxerweise seine größten Stärke. Moore hat vielleicht mehr als jeder andere politische Filmemacher und Schreiber verstanden, dass jene die solche Bücher lesen, sowieso schon seiner Meinung sind. Doch was ist mit den Millionen von Unpolitischen, jenen die nur Boulevardpresse lesen und sich von Sitcoms berieseln lassen? Jene Sorte geistig verarmter Menschen, die auch hier in Europa immer zahlreicher werden. Moores Buch ist unterhaltend, lustig, jeder, dessen Hirn noch nicht ganz zu Brei geworden ist, kann es verstehen und vielleicht so einen Einstieg in die Politik finden, das nächste mal besser wählen, überhaupt wählen. So ist das Buch auch vollgespickt mit Aufforderungen, was man machen könnte, um jenes oder dieses mithelfen zu verbessern. Moores Buch ist ein Versuch den normalen Amerikaner anzusprechen, ihm zu sagen, es geht auch anders, aber dazu musst du mithelfen. Das gilt natürlich für alle Menschen.
Doch es sind gerade der Humor, die Satire und Polemik, die er braucht, um diese Leute bei der Stange zu halten, die das Buch an manchen Stellen schwächeln lassen. In einem Kapitel kommt das besonders heraus, in dem Kapitel über Männer und Frauen. Es ist für mich das schwächste Kapitel. Denn hier hat Moore es nicht geschafft, die Waage zwischen sachlicher Argumentation und Satire zu halten. Das Kapitel ist eine einzige Satire auf die Frauenfeindlichkeit. Von den Fakten und Statistiken kommt er in dem Kapitel schnell ab und zählt nur noch mehr oder weniger satirisch gemeinte Gründe dafür, dass man alle Männer entmachten sollte und Frauen alles entscheiden lassen sollte. Das würde dann alle Probleme lösen. Sicher ist das überspitzt und nicht ernst gemeint, aber es macht dieses Kapitel mehr zu einer Stand-Up-Comedy-Vorlage als zu einer ernsten Auseinandersetzung mit dem Thema Gleichberechtigung.
Doch das trübt das Gesamtwerk wenig. In den meisten Kapiteln schafft Moore die Gradwanderung zwischen Humor und Aufklärung. Besonders die Kapitel über Außenpolitik und Justiz sind großartig geworden. Das über die Schwarzen US-Bürger ist ebenfalls sehr gelungen, da der Humor und die Fakten hier sehr gut interagieren.
Moores Buch ist nicht nur sachlich und komisch, es ist auch sehr persönlich. Er redet von seinen Erfahrungen, seinen Freunden, seinem Leben, seiner Frau und seinen Kindern. Er hat keine Angst von seinen Schwächen zu erzählen (z.B. dass er bisher in Angesicht eines Bush immer den Kürzeren gezogen hat und ihnen nie schlagfertig antworten kann), ja, macht sogar selbstironische Witze daraus. Das alles macht Moore noch glaubwürdiger. Er ist nicht nur ein kritischer Geist, ein gute Journalist und ein Satiriker, er ist ein offener, freundlicher und guter Mensch. Das merkt man in jeder Zeile. Seine Kritik, seine Wut, seine Vorschläge. Alles ist ernst gemeint, alles was er anspricht ist ihm ein Herzensanliegen. Das macht ihn zusätzlich für alle Menschen symphatisch. Er argumentiert einfach, nicht mit irgendwelchen großen gesellschaftlichen Theorien. Sein ganzes Auftreten zeigt einen normalen Durchschnittsamerikaner, der nur an die materielle und geistige Sicherheit seiner Selbst, seiner Familie und seiner Freunde denkt. Und er hat verstanden, Sicherheit hat man, wenn es allen Menschen gut geht, wenn keiner Grund hat neidisch zu sein. Das ist seine Grundforderung. Das es allen gleich GUT geht. Hoffen wir, diese Forderung erreicht genug Leute in den USA und auch in Europa.
Bewerten / Kommentar schreiben