Stupid White Men (gebundene Ausgabe) / Moore Michael Testbericht

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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

ANTIAMERIKANISMUS??? – Nein, danke!!!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

***Einleitung***
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Der Name Michael Moore ist zur Zeit in aller Munde. Sein Kinofilm „Bowling for Columbine“ hält sich seit Ende November in den Charts, und das obwohl zuerst nur wenige Kinos den Film zeigten (mittlerweile sind es einige mehr) und sein Buch „Stupid white men“ hält sich ebenfalls schon über Wochen auf den Spitzenrängen der Bestsellerlisten. Doch wer ist dieser Michael Moore? Michael Moore sieht äußerst unscheinbar aus. Etwas dicker, unrasiert, meistens mit Baseballmütze bekleidet. Doch hinter diesen unscheinbaren Fassade, verbirgt sich ein heller kritischer Geist. Der 1954 geborene Moore arbeitete sowohl als Regisseur, Schriftsteller und Fernsehmoderator. Sein Film „Roger and me“ machte ihn in Amerika zu einem kleinen Star, doch auch seine weiteren 4 Filme, vor allem „Bowling for Columbine“ wurden große Erfolge. Auch 2 TV-Shows und mittlerweile 3 Bücher brachte er erfolgreich an den Mann. Bei allen Unternehmungen beschäftigt sich Moore immer wieder mit demselben: Nämlich mit Dingen, die seiner Ansicht nach in seinem Heimatland schief laufen. Moore unterstützt politisch die Grünen in Amerika.

***ONE – Ein sehr amerikanischer Coup***
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„Mit Dingen, die seiner Ansicht nach in seinem Heimatland schief laufen“, beschäftigt sich Moore habe ich eben geschrieben und genau dies tut er in dem Buch „Stupid white men“, die ganze Zeit. Nachdem er erst einmal in der Einleitung zu einem Buch mit einem kleinen Rundumschlag gegen alles, was schief läuft, schon einen kleinen Vorgeschmack auf das nun folgende liefert, setzt er im ersten Kapitel des Buches genauer an: Er nimmt die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000 aufs Korn. Erst kommt ein süffisanter Hilferuf an die Vereinten Nationen, denn in Amerika fand ein Putsch statt. Ein nichtgewählter Präsident namens George W. Bush ist unrechtmäßig an der Macht. Und Moore belässt es nicht bei diesem Hilferuf, er zeigt auf, warum Bush an der Macht ist, er zeigt wie Bush an die Macht kam, wie vielen Leuten das Wahlrecht entzogen wurde und wie schlussendlich die Stimmauszählung gestoppt wurde, als Bushs Sieg in Gefahr war. Und er stellt Bushs mafiöse Mitstreiter vor von Mr. Dick Cheney bis Condolezza Rice und listet bis ins kleinste ihr Vermögen und ihre Verbundenheit zu bestimmten Wirtschaftsunternehmen auf.

***TWO – Lieber George***
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Doch ein Hilferuf an die UN reicht nicht. Moore fragt den Gegner persönlich: Er schreibt einen offenen Brief an Bush Jr. mit 3 zentralen Fragen:
1. George, kannst Du lesen und schreiben wie ein normaler Erwachsener?
2. Bist Du Alkoholiker, und wenn ja welchen Einfluss hat das auf Dein Verhalten als Oberbefehlshaber
3. Bist Du ein Verbrecher?
Äußerst süffisant wählt Moore in diesem Kapitel seine Worte und geht dabei sehr hart mit Bush ins Gericht. Stellenweise vielleicht sogar zu hart, da jeder Mensch Fehler hat, aber insgesamt ist die Summe der Fehler für einen Mann in dieser Position natürlich klar zu hoch. Stark ist dabei vor allem, wie Moore mit höchst ironischem Unterton, Bush dafür „bewundert“, wie viel er den in den ersten Monaten seiner Amtszeit geleistet hat und dann auf über 4 Seiten diese zahlreichen Taten von Bush aufzählt (wie z.B. Mittel für Programme gegen den Missbrauch und die Vernachlässigung von Kindern und Mittel für Weiterbildungsmaßnahmen für Arbeitslose gekürzt etc.).
Richtig gut gefallen hat mir auch die Stelle, als er Bush fragt, ob dieser denn ein Verbrecher sei, da Bush schon dreimal verhaftet wurde und er persönlich niemanden (außer ein paar Friedensaktivisten) kennt, der schon dreimal verhaftet wurde. Vor allem wie er seine Sätze formuliert, ließ mich beim Lesen immer wieder schmunzeln.

***THREE – Ab zum Abschwung***
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Aber Bush ist nicht das einzige Ziel von Moores Buch. Im 3. Kapitel behandelt er die derzeitige miserable wirtschaftliche Lage in Amerika und dabei vor allem, die immer größer werdende Kluft zwischen Arm und Reich.

***FOUR – Los, killt die Weißen!***
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Aber auch da ist noch nicht Schluss beim großen Rundumschlag des Michael Moore. Moore greift auch die immer noch vorhandene Rassenproblematik auf. Er stellt die Frage, warum denn die Schwarzen immer noch als Verbrecher hingestellt werden, und dabei sind doch eigentlich die Weißen die Verbrecher („Oder wurden Sie schon einmal von einem Schwarzen entlassen?“) Bei diesem kritischen Thema gleitet er aber an wenigen Stellen zu stark ins Polemische ab, was mich teilweise etwas stört.
Gegen Ende des Kapitels wird er dann aber wieder deutlich stärker, vor allem seine „Überlebenstipps für das weiße Amerika“ finde ich sehr gut geschrieben und auch seine „Überlebenstipps für Schwarze“ sind, so erschütternd dies auch ist, ein Highlight des Buches in meinen Augen.

***FIVE – Nation der Dummköpfe***

Doch auch eins darf in diesem Buch natürlich nicht fehlen: Der Rundumschlag gegen die miserable Bildungspolitik in den USA. An zahlreichen Beispielen zeigt er warum die Amerikaner so dumm sind, wobei sie gar nichts dafür können. Denn wer aus 20 Jahre alten Bücher lernen muss, kann schlecht was über die deutsche Einheit wissen. Und wenn die Schulen sich dann auch noch mehr Sorgen um den nächsten Coca-Cola-Werbevertrag machen, als um die Bildung ihrer Schüler, dann kann das ganze ja nur schief laufen.

***SIX - Netter Planet, aber keiner da***
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Als Unterstützer der Grünen muss sich Moore bei seiner Abrechnung mit den Regierenden in Amerika natürlich auch dem Thema Umwelt widmen, fehlt doch immer noch die Unterschrift der Amerikaner unter das Kyoto-Protokoll. Dieses Kapitel gehört sicher zu den stärksten des Buches. Erschütternd ist es, was Moore alles aufzählt. Trotzdem behält er seinen sarkastischen und spaßigen Schreibstil bei, der es so einfach macht dieses Buch zu lesen und mit dem Inhalt auch stark zum Erfolg und zum Gefallen des Buches beiträgt.

***SEVEN – Das Ende des Mannes***
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Doch auch bei diesem Thema macht Moore nicht halt, denn sein Rundumschlag soll wohl wirklich rundum gehen und umfassend sein, und er geht auf die immer noch in weiten Teilen der Gesellschaft vorhandenen Benachteiligung von Frauen ein verknüpft mit der Frage, warum es denn immer weniger Männer gibt, und ob diese vielleicht für ihre Verbrechen nun bezahlen müssen. Und hier dachte ich zum ersten Mal: Michael, es reicht! Bisher ist das ja jetzt alles ganz super, aber musst Du denn wirklich zu allem, was schreiben. Du hast Recht, ja natürlich, aber dieses Kapitel geht mir gerade am Anfang zu stark in die Breite und er wiederkäut ein bissel immer wieder das gleiche. Aber gegen Ende des Kapitels, als ich als Leser schon ein bisschen verärgert war, trumpft Moore wieder auf und kehrt zu gewohnter Stärke zurück.

***EIGHT – Wir sind die Nummer Eins!***
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Aber Moore findet schnell wieder zu gewohnter Stärke zurück (vielleicht liegt das auch daran, dass ich ein Mann bin und es nicht so gut fand, als er mir meine Schwächen verdeutlicht hat und ich jetzt lieber wieder lese, wie er auf die Amis haut). Im 8. Kapitel schreibt er über das doch so starke Nr.1-Gefühl der Amerikaner und zeigt, wo man wirklich die Nr. 1 ist, nämlich beim Ölverbrauch, bei geringer Wahlbeteiligung, ...
Ja sagt man sich, jetzt haut Moore doch mal so richtig drauf auf die verhassten Amis – Aber STOPP!!! Moores Buch ist – auch in diesem Kapitel - nicht antiamerikanisch. Zu keinem einzigen Punkt. Moores schreibt nur über diejenigen, die er wirklich kennt und das sind seine Landsleute. Wäre Moore ein Deutscher, würde er bei uns auch genug finden, um ein Buch über uns zu schreiben. Natürlich sind einige der aufgezählten Punkten typisch amerikanische Eigenheiten, aber alle gehen auf eins zurück: Die miserable Politik der Regierung!!! Bei genauem Lesen zeigt Moore damit auch eins: Man kann nicht gegen Amerika sein, also antiamerikanisch, man kann gegen die amerikanische Regierung sein, das sollte man sogar, aber nicht gegen ein ganzes Land und gegen die kompletten Einwohner dieses Landes.
Aber Moore widmet sich in diesem Kapitel nicht nur den amerikanischen Problemen, sondern geht auf die wichtigsten Brennpunkte der Welt ein. Ob Israel-Palästina oder Nordirland, Moore hat eine einleuchtende Lösung zu jedem Problem, die leider aber, so vernünftig sie teilweise ist (gerade sein offener Brief an Arafat ist sehr vernünftig), so unrealistisch ist es leider, dass die Dinge sich so entwickeln werden, wie Moore es sich wünscht.

***NINE – Ein großes glückliches Gefängnis***
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In einem Buch über Amerika darf natürlich ein Punkt nicht fehlen: Die Todesstrafe und so widmet sich Moore auch dieser in einem Kapitel. Er belässt es aber nicht bei seiner Meinung zur Ungerechtigkeit und Überflüssigkeit der Todesstrafe, er holt weiter aus, und dabei geht er natürlich auch zu seinem Lieblingskonflikt Arm – Reich. Warum werden die Verbrechen der Reichen geringer bestraft als die Armen? Warum wird ein Unterschied zwischen Crack (der Droge der Armen) und Kokain (der Droge der Reichen) gemacht? Warum schieß die Polizei bei der Verhaftung eines armen Schwarzen auch mal vorschnell? (und erwischt den falschen) Fragen über Fragen und für manche hat selbst Moore keine Antwort!

***TEN – Demokraten – ein hoffnungsloser Fall***
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Also jetzt muss es doch kommen. Weg mit Bush und den Republikanern, die Demokraten müssen Amerika retten, aber weit gefehlt. Denn im 10. Kapitel rechnet Moore auch gnadenlos mit den Demokraten und vor allem mit der teilweise miserablen Innen- und Außenpolitik von Bill Clinton. Er zeigt auf, dass die Demokraten keine richtige Alternative sind, sondern eigentlich nur eine 2. republikanische Partei. Er ruft deswegen die Leute auf, welche die Demokraten unterstützen, weil sie denken, dass diese eine bessere Politik als die Republikaner machen werden, selbst politisch aktiv zu werden und für die richtigen demokratischen Ziele zu kämpfen.

***ELEVEN – Das Gebet für die Menschheit***
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Im letzten richtigen Kapitel des Buches schwenkt Moore dann noch einmal kurz auf ein weiteres Thema über, nämlich wie wandlungsfähig die reichen Politiker doch sind, wenn sie selbst betroffen sind, so war Cheneys Abneigung gegen Homosexuelle in seinen Handlungen nicht mehr zu spüren, als sich seine Tochter als lesbisch outete. Anhand dieser Tatsache, die Moore noch mit weiteren Beispielen unterlegt, kommt Moore die Idee an alle Götter der Welt zu beten und sich von ihnen zu wünschen, dass er die Politiker mit „Leiden“ überzieht, damit sie auch bereit sind Geld zur Verfügung zu stellen um diese „Leiden (von Analphabetismus bis Krebs) zu besiegen.

***EPILOG – Tallahassee Hi-Ho***
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Zum Fast-Abschluss des Buches schildert Moore noch einmal seine persönlichen Erfahrungen in den letzten Wahlkampfwochen, als er nämlich auf Wahlkampftour für den grünen Kandidaten Nader in Florida unterwegs war. Er kritisiert dabei auch, dass gerade Nader von vielen Leuten die Schuld am Sieg von Bush gegeben wird, da mit den Stimmen von Nader Gore sicher gewonnen hätte (so klar, dass niemand mehr hätte tricksen können).

***Dank***
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Ich möchte hiermit schon einmal allen danken, die es bis hierher geschafft haben (ihr habt es bald ganz geschafft, maximal noch eine Word-Seite) den Bericht zu lesen und nicht gescrollt haben. Wer das jetzt nicht liest, dem wünsche ich, dass er morgen als arbeitsloser Schwarzer in einem Slum von Chicago aufwacht (nein, natürlich nicht, dass würde ich keinem wünschen). Aber jetzt weiter!

***Anmerkungen***
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Die Frage, die sich einem als Leser stellt ist natürlich die ganze Zeit, woher weiß Moore diese ganzen Sachen mit denen man teilweise regelrecht bombardiert wird. Die Antwort ist nicht schwer, denn im letzten Abschnitt des Buches mit dem Titel „Anmerkungen“ (aha, daher die Überschrift hier), zeigt Moore noch einmal für jedes Kapitel haarklein woher er seine Informationen hat. Es ist gut, dass dies erläutert wird, da man Moore sonst nicht glaubhaft genug wäre, aber ich hätte es trotzdem etwas besser gefunden, wenn dies direkt in Form von Fußnoten auf der jeweiligen Seite gestanden hätte.

Trotz einiger erläuterter Kritikpunkte ist Moores Buch aber in meinen Augen klare 5 Sterne wert. Dies liegt vor allem, an dem mich sehr ansprechenden Schreibstil, der mich oft zum Schmunzeln brachte und an dem sehr interessanten (und teilweise erschütternden) Thema, welches einen zum Nachdenken bringt. Gerade dies macht das Buch sehr gut. Es regt zum weiteren Nachdenken an und vor allem sollte man sich eins vor Augen halten. Vieles was Moore in diesem Buch schildert passiert nicht nur in Amerika und vieles kann auch in naher Zukunft in Deutschland passieren. Nicht umsonst sollte man immer skeptisch dreinschauen (und sich den Inhalt von Moores Buch vor Augen führen) wenn ein deutscher Politiker z.B. im hessischen Wahlkampf von amerikanischen Verhältnissen für Hessen als sein Traum spricht (und dies vor allem auf die ach so dolle Bildungspolitik in Amerika bezieht). Aber auch in anderen Bereichen zeigt sich ja, dass wir in Deutschland nicht unbedingt auf dem besten Weg sind (Stichpunkt: Abbau des Sozialsystems).

Moores Buch ist in keiner Weise antiamerikanisch. Es zeigt, was alles schief läuft in dem mächtigsten Land der Welt. Dieses Buch hätte aber mit größtenteils ähnlichen Inhalt (Ausnahme natürlich die Kapitel über Bush) jedes andere Land der Welt zum Thema haben können.


Das Buch kostet in der deutschen Fassung 12,- €. Es ist in jedem Internet-Versandhandel erhältlich. Ich persönlich habe es bei booxtra.de bestellt. Aber auch fast jede Buchhandlungen vor Ort dürfte dieses Buch zur Zeit führen!

© Björn Becher 2003

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