Moulinex Illico Testbericht

Moulinex-illico
ab 41,58
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Summe aller Bewertungen
  • Handhabung & Komfort:  sehr gut
  • Design:  sehr gut

Erfahrungsbericht von theConsultant

Mein kleiner Motormatscher

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Wenn ich in der Küche stehe muss es schnell gehen. Nicht, weil ich es nicht erwarten könnte, bis ich das Essen fertig habe – nein, ich bin einfach ein Freund der frischen und schnellen Küche. Gut vorbereiten, zisch, umrühren - und dann sofort auf den Tisch. Das ewige Vorsichhinsimmernlassen, wie es in der Indogermanischen Küche (zumindest bei Indern und Germanen) Brauch ist, das ist nicht mein Ding.

Nun kann es natürlich vorkommen, das mir letzter Minute einfällt, das noch irgendetwas fehlt: Kräuter vielleicht, geriebener Käse, oder auch Zwiebeln. Hier, möchte man meinen, ist der Zerkleinerer aus dem Hause Moulinex mit dem hübschen Namen „Illico“ eine schnelle, unkomplizierte Hilfe. In der Tat ist das Gerät schnell gefüllt, bedient und auch wieder gereinigt. Warum ich mit dem Maschinchen dennoch nicht zufrieden bin, will ich im folgenden erläutern.

Alles fing damit an, dass ich schon seit längerer Zeit auf der Suche nach der ultimativen Käsereibe war. Meine beiden Töchter sind seit etwa 10 Jahren strikte Vegetarier, und da gibt es halt bei uns als Eiweißquelle viele Gerichte mit geriebenem Käse. Den Käse so zu schnippeln, dass er beim Überbacken schön gleichmäßig verläuft, fand ich doch recht fummelig.

Eines Tages sah ich im Tchiboregal bei real.- eine Käsereibe aus Edelstahl, Hausmarke TCM. Die vielen anderen nützlichen und qualitativ recht hochwertigen Küchenhelferlein aus dieser Quelle im Sinn zögerte ich nicht lange. Leider musste ich dann zuhause feststellen, dass sich der junge Gouda damit nur unter erheblichem Kraftaufwand zerreiben lässt und, noch schlimmer, die einzelnen Teile des Geräts so voll schmierten, dass die Reinigung mehr Zeit beanspruchte als die möglicherweise erzielte Zeitersparnis beim Käsereiben. Von dem nervigen Puzzlespiel, hinterher wieder alles richtig zusammenzusetzen, ganz zu schweigen.

Da erinnerte ich mich an den Moulinex Illico, der in den verschiedenen Meinungsforen in den höchsten Tönen gelobt wurde. Ein vielseitiges Gerät, nicht nur für Käse geeignet, elektrisch betrieben (also ohne Kraftaufwand zu bedienen) und dabei nicht viel größer als meine Handreibe von TCM. Der Preis von damals knapp 50 DM schien überall der gleiche zu sein, und eines Tages landete er dann bei Marktkauf in meinem Einkaufskorb.

Zuhause angekommen gab es dann mehr als den üblichen Protest meiner Frau. Nicht nur das gewohnte „dann steht ja noch ein Gerät bei uns in der Küche herum!“ sondern dazu auch noch ein „so was haben wir doch schon!“. In der Tat: unser Moulinex Mixer, vor etwa 13 Jahren im Jemen gekauft um damit Melonensaft zu produzieren und jetzt in Deutschland immer noch mehrmals wöchentlich als Bananenmilchmixer in Betrieb, hat als Zubehör einen Kaffeemühlenaufsatz. Der ist allerdings schon arg ramponiert, als hätte jemand damit versucht, Nüsse samt Schalen damit zu mahlen.

Nun, ein bisschen anders als eine Kaffeemühle sieht der Illico schon aus. Ganz stark vereinfacht: wie eine UMGEDREHTE elektrische Kaffeemühle. Denn der Motor ist oben und der Behälter mit den zu zerkleinernden Lebensmittel unten. Genauer lässt sich das so beschreiben: Das Unterteil des Illico ist ein kleiner dosenförmiger Behälter aus durchsichtigem Kunststoff; in der Mitte seines Bodens ist eine kleine Achse aus Edelstahl fest eingelassen. Auf diese Achse wird das zweiflügelige Schneidwerk aufgesteckt. Das zweite Widerlager dieses Schneidwerks befindet sich in dem Deckel aus weißem Kunststoff, mit der die „Dose“ (nachdem man sie mit den zu zerkleinernden Lebensmitteln locker gefüllt hat) nun FEST verschlossen wird. Auf diesen Deckel setzt man nun den kunststoffummantelten Motorblock auf, er ist in verschiedenen Pastellfarben erhältlich. Der Motorblock liegt nur ganz locker auf dem Deckel auf, aber, wenn man ihn fester runterdrückt, fängt er an (so denn das Kabel in der Steckdose steckt) loszulärmen und das Schneidwerk rotieren zu lassen. Es braucht nur ein paar Sekunden, und alles ist kleingehackt (oder klebt am Rand der Dose, doch dazu später). Man nimmt den Motorblock wieder herunter, zieht den „Arbeitsdeckel“ ab, tauscht ihn gegen einen Deckel mit großen Streuöffnungen aus, und hat nun eine praktische Tischstreudose.

Die besondere Anordnung des Illico hat gegen über einer normalen elektrischen Kaffeemühle Vor- aber auch Nachteile. Die Vorteile:

+ Hygiene: die Trennung von Dose und Schneidwerk erleichtert die Reinigung sehr.
+ Betriebssicherheit: weil das Gerät keinen Schalter hat, sondern wie eine Zitruspresse nur auf Druck angeht, kann es nicht versehendlich losgehen.
+ Weniger Abwasch: weil der Illico als Streudose eingesetzt werden kann, brauche ich nicht noch einmal ein Schälchen samt Löffel, um meine Petersilie (oder was auch immer) zu servieren.

Und die Nachteile:
- Bedienungsunfreundlichkeit: Der Deckel sitzt reichlich fest, gerade mit feuchten Händen lässt er sich nach dem Zerkleinern nur mit Mühe von der Dose lösen.
- Instabilität: der relativ schwere Motoraufsatz sitzt nur ganz locker auf dem leichten Unterbau aus Kunststoff. Es ist daher riskant, beides zusammengesteckt im Küchenschrank zu lagern – falls man beim Herausholen des Geräts nicht BEIDE Teile gleichzeitig greift, kann einem schon mal das schwere Oberteil entgegenfallen.

Die bauartbedingten Vor- und Nachteile halten sich somit etwa die Waage. Meine Unzufriedenheit mit dem Gerät beruht mehr auf der fehlenden Nützlichkeit für mich. Schauen wir uns also einmal an, wie der Illico Petersilie, Zwiebeln und Käse bewältigt.

PETERSILIE:

Ich unterscheide hier vier verschiedene Sorten: krause, glatte, türkische und Koriander. Die krause ist hübsch anzusehen aber eher aromaarm. Wir lassen sie also unversehrt wie sie ist und verwenden sie statt dessen stielchenweise zur Dekoration.

Die glatte Petersilie ist dagegen auch als Würzkraut ok. Ich wasche sie, schüttele sie ab, schneide sie ganz grob, und fülle meinen Illico damit. Deckel drauf, ein kurzes Aufheulen des Motors, mehr geht nicht. Aus dem veränderten Geräusch entnehme ich, dass das Schneidwerk nun im Leeren rotiert. Ich ziehe den Deckel ab - etwas fummelig, aber irgendwann gelingt es doch. Was muss ich da sehen? Die Petersilie, kleinste wie auch recht grobe Blattstückchen, klebt am Dosenrand, vom Schneidwerk dort hin geschleudert, und dann von ihm nicht mehr erreichbar. Liegt es daran, dass die Petersilie nach dem Abwaschen zu viel Feuchtigkeit enthielt? Also mit einem Teelöffel alles herunterschoben, Deckel drauf, und noch einmal wiederholt. Erst nach den dritten Durchgang sind keine ungebührlich großen Blattstückchen mehr zu sehen. Und das mit der Streudose funktioniert so auch nicht richtig, dazu ist der Inhalt zu feucht und klebrig.

Nun kaufe ich ja gerne beim Türken, um so mehr, als der „Hasrici Market“ in der Buerschen Straße in Osnabrück auch libanesische Spezialitäten führt. Petersilie wird dort nicht bündchenweise sondern nach Gewicht verkauft. Ich ziehe mir ein paar der etwa 40 cm langen saftigen Stiele heraus und lasse sie auf die Waage legen. 200 g, das ist schon eine Menge Stoff. Mengen, für die unser Illico nicht ausgelegt ist. Bevor ich mir die Mühe machen, das Gerät fünf mal hintereinander zu beschicken, greife ich gleich zu Schneidebrett und Wiegemesser. Das geht letztendlich schneller, und erzielt ein gleichmäßigeres Ergebnis.

Und Koriander? Ein tropischer Verwandter der Petersilie, sieht auch ganz ähnlich aus. Neben den Samenkörnern (für’s Weihnachtsgebäck) kann man auch das Grün essen, in Asienläden ist dieses das ganze Jahr über erhältlich. Der Geschmack wird von Mitteleuropäern oft als seifig empfunden, aber bei uns zuhause ist Koriander recht beliebt. Der Tradition entsprechend wird Koriandergrün nicht fein gehackt sondern nur grob geschnitten – also wieder kein Anlass, den Illico zu bemühen.

Kommen wir zu meinem Hauptkaufgrund, dem KÄSE:

Für mittelalten Gouda mag der Illico ja geeignet sein – für jungen, wie ihn meine Kinder mögen, leider nicht. Während ich mit der Handreibe noch ein leidliches Ergebnis erzielte, produziert der Illico aus dem jungen Gouda eine zähe Creme. Die ließe sich zwar aufs Brot streichen, fürs Gratin ist sie absolut ungeeignet.

Der Käse darf also nicht zu frisch sein, hätte ich mir ja denken können. Nun kenne ich auf den Osnabrücker Markt einen Käsehändler, der als Spezialität spanische Käse führt. Diese Käsesorten wären zum Überbacken wohl zu schade – 100 g kosten jeweils so um 2 Euro oder mehr. Aber einmal hatte ich eine Sorte, die sich als derartig hart erwies, dass ich weder mit dem Käsemesser noch mit dem -hobel eine Scheibe abbekam (ich hätte ein kleines, scharfes Küchenmesser benutzen sollen, erfuhr ich später). Womit ich nicht gerechnet hatte: auch der Illico war nicht in der Lage, diesen Hartkäse klein zu kriegen. Unter ohrenbetäubendem Geräusch wurde die vorgeschnittenen Käsestückchen herumgeschleudert, ohne dabei wesentlich kleiner zu werden. Lediglich die Ecken wurden etwas abgerundet, was dann zu einer geringfügige Ausbeute an Käsemehl führte.

Zum Abschluss gibt’s Tränen? Nein, ZWIEBELN:

Ich persönlich bevorzuge ja Schalotten. Gar nicht mal wegen des besonderen Aromas, sondern weil sie sich so wunderbar fein schneiden lassen. Außerdem haben sie genau die richtige Größe, eine ganze Zwiebel ist für unsere Essgewohnheiten meist zu viel, und dann stinkt die angeschnittene Zwiebel vor sich hin.

Nun kann es natürlich vorkommen, dass nur Zwiebeln im Haus sind, und ich denen zu Leibe rücken soll. Beim Schneiden glitschen mir die einzelnen Schalen immer leicht weg, so dass ich nur reichlich große Würfel zustande bringe. Kann das der Illico besser? Ja, kann er, aber wieder ist das Ergebnis recht ungleichmäßig. Wenn ich möchte, dass ich keine größeren Stückchen mehr habe, dann produziere ich auch eine unvermeidliche Menge Zwiebelmatsch.

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