Noch einmal meine Mutter sehen (Taschenbuch) / Zana Muhsen Testbericht

ab 6,89
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Erfahrungsbericht von campimo

arabischer Menschenhandel

Pro:

s.u.

Kontra:

s.u.

Empfehlung:

Ja

Vorwort
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Heute möchte ich euch mal wieder ein Buch vorstellen, und zwar eine etwas ungewöhnliche Biographie; nämlich die von Zana Muhsen, einer britischen Jemenitin. Mir ist das Buch angetragen worden; von alleine wäre ich nie auf die Idee gekommen, zu diesem Werk zu greifen.

Daten & Fakten zum Buch
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Muhsen, Zana (und Andrew Crofts).: Noch einmal meine Mutter sehen – vom eigenen Vater in die Sklaverei verkauft. (1991) 2003. 2. Auflage. München. Heyne Verlag. ISBN 3-453-86935-4. 272 Seiten. 8,95 Euro.

Die Story / Eine wahre Geschichte
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Zana Muhsen wuchs, mit ihren Eltern und vielen Geschwistern in England auf. Die Eltern haben den Kindern immer von Jemen vorgeschwärmt – es sei ein paradiesisches Land. Eines Tages, kurz vor Zanas 16. Geburtstag stand eine Reise nach Jemen an, und das Mädchen war überaus erfreut. Was Zana zu diesem Zeitpunkt noch nicht wußte: Sie war verkauft worden. Die Väter der beiden zwangszuverheiratenden Jugendlichen hatten die Ehepapiere bereits unterschrieben. Zana reiste nicht mit ihren Eltern, sondern mit Bekannten ihres Vaters nach Jemen, und die überaus beschwerliche Reise endete in einem kleinen Dorf in den Bergen. Dieses Dörfchen war infrastrukturtechnisch nicht an die Zivilisation angeschlossen, das Dorf nur mit einem Geländewagen erreichbar, und das Haus selbst sogar nur zu Fuß über einen schmalen Weg zu erreichen.
Fortan befand Zana sich faktisch in der Sklaverei. Sie mußte mit der Großfamilie des ihr zwangsanverheirateten Mannes, der ein 14jähriger Junge war zusammenleben, und wurde von den Schwiegereltern, aber vor allem von der Schwiegermutter sehr schlecht behandelt. Täglich mußte sie, unter der heißen Sonne, mehrfach Wasser aus dem Dorfbrunnen holen und andere schwere Arbeiten verrichten, die Ernährung war sehr ärmlich und einseiteig, und so etwas wie Post und Telefon existert dort nicht.
Wir erfahren nebenbei, daß vor Zana zwei ältere Geschwister ebenfalls nach Jemen verkauft wurden, und die jüngere Schwester Nadia folgte ein Jahr später, in das selbe Dorf.
Erst nach acht Jahren trifft Zana in einer Stadt, bei einem Arztbesuch auf einen Mediziner, der in Europa studiert hat, und bereit ist, ihr zu helfen. So kann sie erstmals einen ehrlichen Brief an ihre Mutter nach England schicken. Die Mutter reiste daraufhin nach Jemen, und sieht in welchen Zuständen ihre unglücklichen Töchter leben müssen. Sie beginnt für ihre Töchter zu kämpfen, und kann mit Hilfe jemenitischen Politikers und der Presse erstmal bewirken, daß die jungen Frauen in die Stadt Ta'izz umziehen dürfen.
Das Ergebnis eines weiteren Kampfes der Mutter, mit Hilfe der Presse, war die Ausreise Zanas nach England, als geschiedene Frau. Allerdings mußte sie ihren Sohn zurücklassen. Aufgrund des jemenitischen Gesetzes, daß die Kinder im Scheidungsfall bei dem Vater verbleiben, entschied sich Zanas Schwester, Nadia im Jemen zu bleiben, weil sie sich nicht von ihren Kindern, vor allem den Töchtern trennen wollte.

Mein Leseerlebnis
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Das Buch kann man schnell durchlesen; es ist sehr ergreifend und spannend.
Über die orientalisch-arabisch-muslimischen Zustände hat man ja schon viel gehört und gelesen, aber es ist dennoch immer wieder erschütternd, wozu diese Menschen fähig sind. Auch erschreckend ist, daß es in unserer Modernen Welt, derart unerschlossene Dörfer gibt, wo die Menschen sich seit Jahrhunderten nicht weiterentwickelt haben, und in babarischen Manieren vor sich hin leben, als wäre die Uhr stehengeblieben.

Die Autorin
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Da dieses Buch eine wahre Begebenheit erzählt, und somit autobiographischer Natur ist, brauche ich über die Autorin nicht viel zu schreiben.
Nachdem sie aus Jemen ausreisen durfte, hatte sie zeitweilig den Kontakt zu ihrer Schwester Nadia verloren, und hat noch ein zweites Buch, eine Art Nachwort zu diesem, namens „Verschleppt nach Jemen“ geschrieben. In diesem Buch beschreibt sie den Kampf, um ihre Schwester und ihren Sohn, denen sie versprochen hat, nicht aufzugeben, bevor diese auch in Freiheit leben werden.
Das Werk „Hinter dem Schleier“ hat Zana Muhsen zusammen mit zwei anderen Frauen geschrieben. In diesem Buch steht ihre Geschichte, aus „Noch einmal meine Mutter sehen“ gekürzt neben zwei ähnlichen Schicksalen anderer Frauen.

Fazit
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Für mich war das Buch spannend, obwohl ich es mir von allein nicht ausgesucht hätte. Ich denke, es liegt nicht Jedem, problembeladene Literatur zu lesen. Dieses Buch ist sehr traurig bis depressiv, so daß man sich vorher überlegen sollte, ob man während des Lesens in eine Gefühlslage dieser Richtung geraten möchte. Ich weiß, daß es Leute gibt, die der Meinung sind, so etwas muß man mal gelesen haben / Damit muß man sich mal auseinandersetzen. Aber genauso gibt es andere Meinungen, die sagen, warum sollte ich mich damit auseinandersetzen?/ Ich habe genug eigene Probleme. Auf jeden Fall hilft dieses Buch den Horizont zu erweitern, und zu begreifen, daß es auch andere Arten zu leben gibt, als die eigene. Auch wird hoffentlich das Verständnis und die Toleranz gebenüber Frauen entstehen oder wachsen, aus den orientalisch-arabisch-muslimischen Gebieten, die bei uns in Europa leben. Als Lehrbücher sind solche Biographien sicher sehr geeignet, wenn man ein bestimmtes Klientel / Schüler / Teilnehmer vor sich hat, z.B. deren Verhalten zu Ausländern es zu beeinflussen gilt.
Insgesamt würde ich jetzt nicht unbedingt sagen: Jeder sollte mal dieses Buch gelesen haben, sondern eher: Für die Leute, die ein solches Leseerlebnis möchten oder dieses Werk als Sachbuch verwenden wollen, ist es mit Sicherheit ein sehr geeignetes Werk.

06.09.2005

42 Bewertungen, 7 Kommentare

  • anonym

    04.10.2006, 10:29 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh :o)

  • Rym2210

    16.09.2006, 14:43 Uhr von Rym2210
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich habe es auch gelesen und fand es ziemlich krass. Aber sowas gibt es nicht in allen arabischen Ländern und sind Einzelfälle. Das Leben ist zwar ganz anders,aber die Frauen leiden nicht, so wie hier im Buch. lg Rym

  • Placebo26

    26.08.2005, 17:14 Uhr von Placebo26
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wäre auch ein Buch für mich. Habe ich aber leider noch nicht gelesen. Werde mir gleich den Titel merken...;-) LG Placebo26

  • anonym

    25.08.2005, 01:23 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Traurig, dass es soetwas gibt

  • topfmops

    24.08.2005, 14:26 Uhr von topfmops
    Bewertung: sehr hilfreich

    über ein tragisches schicksal, aber 'infrastrukturtechnisch nicht an die zivilisation angeschlossenn'? ab und zu mal mit dem bügeleisen über die schreibe gehen, bitte.

  • Nicoleoprz

    24.08.2005, 13:50 Uhr von Nicoleoprz
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich finde das hört sich sehr interessant an, sollte ich auch mal lesen! GLG Nici

  • bolmsoe

    24.08.2005, 13:04 Uhr von bolmsoe
    Bewertung: sehr hilfreich

    ..., habe aber schon einige andere Bücher über Frauen aus islamischen Ländern gelesen. Das ist schon alles sehr schlimm.