Der Hahn ist tot (Taschenbuch) / Ingrid Noll Testbericht

ab 6,17
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Summe aller Bewertungen
  • Niveau:  durchschnittlich
  • Unterhaltungswert:  sehr gering
  • Spannung:  durchschnittlich
  • Humor:  sehr humorvoll
  • Stil:  ausschmückend

Erfahrungsbericht von Locke1771

Wenn alte Scheunen brennen...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Der Hahn ist tot, in dem ersten Roman der deutschen Krimi-Autorin Ingrid Noll geht es – in einem Satz gesagt – darum, wie man sich am schnellsten und einfachsten lästige Zeitgenossen vom Hals schafft. Die in dem Buch beschriebenen Handlungen sind aber keinesfalls zur Nachahmung empfohlen.:-)

Die Geschichte

Rosemarie Hirte, 52 Jahre alt, führt ein Leben, in dem es bisher keine besonderen Vorkommnisse gab. Sie lebt zurückgezogen in einer kleinen Wohnung in Mannheim und arbeitet als Versicherungsangestellte. Diese Frau ist der Inbegriff von Langeweile: Sie kleidet sich altmodisch und scheint auch sonst keinen großen Wert auf ihr Äußeres zu legen. Interessen oder Hobbys? Hat sie überhaupt irgendwelche? Sie kennt nur wenige Leute, hat eine einzige Freundin, die aber sowohl rein äußerlich als auch charakterlich das glatte Gegenteil von Rosemarie ist. Männer spielen in Rosis Leben ebenfalls keine Rolle. Sie ist 52 und hat es immerhin schon auf zwei eher unbedeutende Affären gebracht, Wow! Aber das ist lange her...

Doch eines Tages soll sich ihr Leben schlagartig ändern. Sie besucht an der Volkshochschule einen Literatur-Vortrag. (Selbstverständlich hat ihre Freundin sie dazu überredet.) Der Referent hat es ihr angetan, sein Aussehen und seine Stimme faszinieren sie derart, dass Rosi buchstäblich den Verstand verliert.

Die „alte Scheune“, wie sie sich selbst bezeichnet, beginnt sich zu verändern. Sie kleidet sich neu ein, etwas sportlicher und jugendlicher, tut endlich mal etwas für ihr Aussehen. Doch schnell merkt sie, dass ihr das allein nicht mehr ausreicht. Sie versucht, so viel wie möglich über ihren Traummann in Erfahrung zu bringen, findet schließlich seine Adresse heraus. Nicht nur einmal fährt sie nach der Arbeit dort hin, versteckt sich im Garten und beobachtet die Geschehnisse im Haus. So geht das wochenlang.

Dann eines Abends, Rosi ist mal wieder auf Schnüffel-Tour, wird sie Zeugin eines heftigen Streits zwischen „ihm“ und seiner Frau, bei dem auch ein Revolver im Spiel ist. Rosi wittert eine günstige Gelegenheit und schon ist er passiert, der erste Mord.

Ab diesem Zeitpunkt entwickelt Rosemarie eine unfassbare kriminelle Energie und schreckt vor nichts mehr zurück. Frei nach dem Motto: „Wenn ich ihn nicht kriegen kann, dann soll ihn keine haben“, räumt sie alle aus dem Weg, die ihr in die Quere kommen. Egal ob es sich in ihren Augen um eine Konkurrentin handelt oder ob jemand ihr mörderisches Treiben durchschaut, in diesem Roman müssen einige Leute ihr Leben lassen.

Und da wäre doch auch noch Rosis Auserwählter. Erwidert er ihre Gefühle überhaupt? Geht am Ende etwa doch noch alles gut aus? – Dazu sage ich jetzt nichts, denn sonst bräuchte niemand mehr dieses Buch lesen.

Das denke ich darüber

Was mich an diesem Buch sofort angesprochen hat, ist nicht die Geschichte als solche, die finde ich nicht unbedingt so außergewöhnlich. Vielmehr ist es der durchweg ironisch-sarkastische Schreibstil der Autorin. Ingrid Noll schildert aus Rosis Sicht die Dinge, Ereignisse und deren Gedanken und das in einer Selbstverständlichkeit, als ob Mord die normalste Sache der Welt ist. Dem Leser wird dadurch nur all zu deutlich gezeigt, wie erschreckend gleichgültig der Hauptfigur, Rosemarie Hirte, andere Menschen sind. Andererseits kann man sich schon an einigen Stellen das Lachen nicht verkneifen und man bringt sogar ein Fünkchen Verständnis für Rosi auf. Hat sie sich doch endlich, nach so langer Zeit, noch mal verliebt und da werden ihr doch von allen Seiten nur Steine in den Weg gelegt. Ja - das Leben kann manchmal ganz schön hart sein...!

Ich finde diesen Roman alles in allem etwas schrill, aber so was mag ich ja...
Das Buch ist 1993 im Diogenes-Verlag als Taschenbuch erschienen und kostet 8,90 €. Es ist sehr leicht zu lesen und mit seinen 266 Seiten nicht so umfangreich, das schafft man locker nebenbei.

Die Autorin

Ingrid Noll wurde 1935 in Shanghai geboren. Sie studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Nach dem Großziehen dreier Kinder begann sie Kriminalromane zu schreiben. Die Hauptfiguren sind meistens Frauen, die sich als Benachteiligte sehen und ihrer Meinung nach ungerecht behandelt werden. Irgendwann begehen diese dann ihren ersten Mord und meistens bleibt es nicht bei einem.

Weitere Romane von Ingrid Noll:

- Die Häupter meiner Lieben
- Die Apothekerin
- Kalt ist der Abendhauch
- Selige Witwen
- Röslein rot

Ich habe inzwischen fast mehrere Bücher von Ingrid Noll gelesen und finde sie bisher alle ganz gut.

16 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Clarinetta2

    04.05.2008, 18:30 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr gut geschrieben