Norwegen Testbericht

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Erfahrungsbericht von *sannah*

"Norway", not "No Way!"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Uni ist ja schön und gut, nur habe ich hier in Halle noch keinen Arzt meines Vertrauens gefunden. Und so schickte mich meine Mutter mit meinem Bonusheft kürzlich mal wieder zum Zahnarzt (ich gehöre zu den Leuten, die auf diese Treffen auch sehr gern verzichten könnten), aber was tut man nicht alles für die Gesundheit und Vorsorge, denn schließlich will ich ja auch im Alter „kraftvoll zubeißen können“ und die langen Jahre kieferorthopädischer Behandlung sollen ja auch nicht vergebens gewesen sein...
Wie immer durfte ich noch etwas warten und um mich von dem unheilvollen hohen Sirren des Bohrers im Behandlungszimmer ein wenig abzulenken, stöberte ich in den ausliegenden Zeitschriften. Um genau zu sein griff ich mir einfach das nächstbeste – im tollen „Lesezirkel“-Outfit sehen sich „Spiegel“ und „Das Neue Blatt“ ja täuschend ähnlich. In diesem Fall hatte ich Pech, ich ergriff letzteres. Über den Inhalt dieses Klatschblattes für die Frau ab 50 (tja, Zielgruppe knapp verfehlt... *g*) möchte ich hier nichts erzählen, nur so viel: es wurde grad ausführlich berichtet über die Märchenhochzeit von Kronprinz Hakon (mit Kringel über dem „a“) und Mette-Marit von Norwegen...

Da mich die Zeitschrift intellektuell nicht sonderlich stimulierte *g*, begann ich beim Stichwort Norwegen meinen Gedanken nachzuhängen...
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... Sommer 1998, sannah gerade 16 geworden und stolze Besitzerin eines nigelnagelneuen Personalausweises. Nun machte sie ihre zweite große Reise, wieder im Schutz einer (kirchlichen) Jugendgruppe. Vom 23. Juli bis 8. August verlagerten wir unseren Hauptaufenthaltsort in die „Adneram Turysthytt“, einem Holzhaus mit Grasbewuchs auf dem Flachdach (das muss so, haben wir festgestellt), dem man von außen gar nicht ansah, dass es 40 Leute beherbergen konnte. Aber das klappte wunderbar: Duschen und Toiletten im Keller, Zimmer mit normalerweise 5 Betten und eine Jumboküche mit Esssaal (da war auch ein echter Kamin drin...). Nach nur 18 Stunden Busfahrt (nach der Fahrt nach Irland im Jahr davor kam es mir beinahe lächerlich vor... :o) ) waren wir angekommen in Adneram – was wir zunächst fast nicht bemerkt hätten („Warum hält der Bus hier?“), denn außer zwei weiteren Häusern und einem Campingplatz war im weiteren Umkreis nichts zu sehen. Geographisch betrachtet lag unser zeitweiliges Domizil auf Höhe Stavangers in der Mitte Norwegens. Von den bekannten Fjorden also weit und breit nichts zu sehen – Ersatz bot da ein „Bächlein“ direkt neben unserem Haus, das 300 m weiter in einen See mündete (das Bächlein, nicht das Haus...), aus dem wiederum ein etwas breiterer Flusslauf entstand.

Auch an sich war die Gegend, in der wir uns befanden, eher feucht... in diesem Jahr war weder der deutsche noch der norwegische Sommer mit sonderlich hohen Temperaturen gesegnet. Wobei man bezüglich der norwegischen Sommerdurchschnittstemperaturen ohnehin nicht besonders viel erwarten sollte – 17°C im Juli lassen mediterran orientierte Herzen nicht viel höher schlagen... Die Niederschlagsmengen entsprechen allerdings in etwa den deutschen.
Nur scheint sich das dort länger zu speichern, in unserer Höhenlage war der Boden schon eher felsig und da fließt das Wasser dann ja nicht mehr so gut ab. Auch wir selbst machten damit so unsere Erfahrungen. Zum Beispiel ragte jenseits des Bächleins ein Berg empor – Berg für unsere Verhältnisse (der „Wilseder Berg“, die höchste Erhebung in meiner Heimat, misst stolze 169 m...). Und den hatten wir uns vorgenommen zu bezwingen, felsig nur im oberen Teil, im unteren noch mit viel Gras und Sträuchern, das dürfte doch auch für unsereins als ungeübte Bergsteiger möglich sein... Und so machten wir uns eines Tages auf. Das Ergebnis: wir sind den Berg förmlich hochgerannt – anders war es nicht möglich, denn blieb man längere Zeit an einem Ort stehen (Wanderwege gab es nicht, war alles Natur pur), sackte man gaaanz langsam ein: der Untergrund war nicht grasig, sondern sumpfig. Alles Resultat des felsigen Bodens – aber wir sind problemlos hoch und runter gekommen, wie wir es uns vorgenommen hatten. Schuhe und Hose hatten danach eine gründliche Reinigung dringendst nötig.

Und dennoch blieben wir von andauerndem Regenwetter verschont, Aktivitäten außerhalb des Hauses dienten vornehmlich der Erkundung des näheren Umfeldes, neben dem „Matschberg“ warteten noch andere Höhenzüge darauf, von uns erkundet zu werden.
Wasser und Felsen bieten noch ein anderes Naturschauspiel: Wasserfälle. Nun gut, wer schon die Niagarafälle besichtigt hat, für denen werden die norwegischen Rinnsäle sein, aber dafür sind sie in keinem Land so zahlreich: Norwegen – das Land der Wasserfälle.
Die ganz Mutigen von uns ließen es sich an einem sommerlicheren Tag nicht nehmen, unter einem eine Dusche zu nehmen – ich gehöre eher zu den Warmduschern, mir wurde schon beim Gedanken daran fröstelig.

Apropos Warmduscher: einen Nachmittag nutzten wir für eine Paddeltour auf dem oben erwähnten „breiteren Flusslauf“. Es war wirklich schön und ich war so begeistert, dass ich die zurückgelegten Kilometer flussabwärts unbedingt auch noch zurückpaddeln wollte. Allerdings habe ich nicht bedacht, dass es flussaufwärts ging und nach zwei Dritteln der Strecke war ich kaputt, müde, lustlos, nass und vollkommen nörgelig – ich rechne es dem zweiten „Kanuten“ im Boot bis heute hoch an, dass er mich nicht rausgeschmissen oder anderweitig mundtot gemacht hat... - Wieder am Haus angekommen, habe ich mich (verständlicherweise) tierisch auf eine warme Dusche gefreut, nur fiel diese leider aus, da das Warmwasser mal wieder aus war *grummel*, so musste eine warme Decke, heißer Tee und meine wärmsten Klamotten herhalten...

Neben der (auch ohne Fjorden) beeindruckenden norwegischen Landschaft haben wir auch noch eine Tagestour nach Stavanger gemacht und uns dort ins norwegische Stadtleben gestürzt. Stavanger ist übrigens mit knapp über 100 000 Einwohnern die viertgrößte Stadt Norwegens – ein weiteres Anzeichen für die geringe Bevölkerungsdichte in diesem Land, das gleichzeitig im weltweiten Vergleich einen der höchsten Lebensstandards hat.
Bei der Einfahrt nach Stavanger hielten meine Freundin und ich schon nach den großen blonden blauäugigen breitschultrigen Norwegern Ausschau *g*, mussten jedoch (leider) feststellen, dass diese dort äußerst rar gesät sind – Norwegen ist ein Einwanderungsland und dementsprechend auch eine Multikulti-Gesellschaft, so dass sich unser Lieblingsklischee leider nicht erfüllte... Bei einer Arbeitslosenquote von 3,5 % wird übrigens auch händeringend nach deutschen Ärzten und Krankenschwestern gesucht, um die Lücke im Gesundheitssystem zu schließen - ist hier jemand abwanderungswillig???

Hier an diese Stelle schiebe ich mal ganz unaufdringlich ein paar Infos über Norwegen ein, damit die Auswanderungsinteressierten auch wissen, was sie erwartet...
Norwegen ist eine Monarchie (wie auch eingangs angedeutet), der momentane König ist Harald V.. Insgesamt hat Norwegen ungefähr so viele Einwohner wie Berlin, nur eben auf 323 877 Quadratkilometer verteilt. Mit knapp einer halben Million Einwohnern (noch einmal so viele wohnen in der Peripherie) ist Oslo die größte Stadt und gleichzeitig auch Hauptstadt. Weitere bekannte Städte sind Bergen mit 220 000 und Trondheim mit 150 000 Einwohnern.
Wer schon einmal einen Blick auf die Landkarte geworfen hat, kennt Norwegens seltsame Grundrisse. Eigentlich (wenn man mit einem Faden auf der Karte die Küste grob nachlegt...) kommt Norwegen auf 2700 km Küste, durch die viele Fjorde (übrigens sind die Gletscher daran schuld, wenn man nicht grad Douglas Adams Glauben schenken will ;-) ) erhöht sich die tatsächliche Länge jedoch auf 22 000 km!
Von Norden nach Süden misst Norwegen etwa 1750 km, von West nach Ost an der breitesten Stelle etwa 350 km, das verschmälert sich aber zum Teil auf nur 7 km!

Ansonsten gibt es über Stavanger nicht vieles zu berichten – die Touristen zieht es eher nach Bergen oder Oslo. Dennoch fanden wir auch hier die üblichen Souvenirläden mit allerhand Tand... vor allem über Wikinger oder Rentiere, den Sachen, die Norwegen zu internationaler Berühmtheit verholfen haben. Interessant war eigentlich nur die Fahrt im Bus – die Straßen, die wir befuhren, befanden sich allesamt auf dem schmalen Grat zwischen Felswand auf der einen und Flusslauf auf der anderen Seite und waren deshalb sehr kurvenreich. Die Nachfrage nach Anti-Reisekrankheits-Tabletten oder Plastiktüten stieg enorm...

Ach ja, die Rentiere. Getroffen habe ich keins persönlich, auf unserem Grundstück liefen nur Nachbars Schafe (wie die irischen) frei rum und markierten dieses auch ausgiebig mir den bekannten dunklen Köddeln... – wenigstens hatten sie Angst vor uns, so dass man sich rächen konnte (Erschrecken durch lautloses Anschleichen und dann Rumbrüllen, bis die Schafe zur Höchstgeschwindigkeit auflaufen...), wenn man mal wieder voll ins Schwarzbraune getroffen hatte... *g*

Aber was wäre eine Norwegen-Freizeit ohne die Andeutung eines Probierens eines Nationalgerichtes? Rentier sollte es sein, Frischfleisch wäre für die Größe unserer Gruppe allerdings unbezahlbar gewesen, also wurde es Dosenfutter. Und das weckte nicht nur von der Verpackung her Assoziationen mit Hundefutter. Ohne dieses jemals probiert zu haben, es muss sich im Geschmack nicht wesentlich unterscheiden... „Rentiergulasch“ sah aus, roch und (wahrscheinlich) schmeckte wie Hundefutter – einfach... *pfui*! Auch wenn ich bisher schon viel durchgemacht habe, essenstechnisch – dieses graubraune „Rentiergulasch“ mit schön viel Soße hat bisher noch nicht einmal die spanische Paella an Perversion übertroffen... *schüttel*
Näher möchte ich darauf jetzt nicht mehr eingehen...

Ich war schon froh, dass ich im Rahmen einer all-inclusive Gruppenreise (sozusagen) in Norwegen war - die Lebenshaltungskosten sind relativ bis sehr hoch. Bei uns schmissen einige ihre letzten Kronen zusammen, gaben für ein Sixpack "öl" (=Bier) umgerechnet 20 DM aus. Und wenn ich mich recht entsinne, kostete eine solche Dose "Rentiergulasch" 25 Kronen, grob geschätzt 6 DM.

Die Zeit in Norwegen war schon schön, wenn auch nicht so unvergleichlich wie die zwei Wochen in Irland. Das mag vielleicht zum größten Teil daran liegen, dass wir kaum bis keinen Kontakt zu den Einheimischen hatten und ich bin nun mal eine „Land-und-Leute“- Bereisende. Und dennoch möchte ich noch einmal zurück, um als typische Touristin auch die Fjorde zu sehen... Die Mitternachtssonne wäre auch schön...
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Und bei diesen Erinnerungen war auch der Zahnarztbesuch gar nicht mehr so schlimm – „er hat auch nicht gebohrt!“ - *g*

Auch wenn ich mich nach wie vor frage, warum mein Zahnarzt mir immer dann ein Gespräch aufzwingen will, wenn ich mich hilflos, mit weit geöffnetem Mund und artikulationsunfähig an den Behandlungsstuhl klammere – aber das ist ein anderes Thema!!! *g*