Felidae (Taschenbuch) / Akif Pirincci Testbericht
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Erfahrungsbericht von Daverigger
Ein inniger Gruß an alle Klugscheißer dieser Welt
Pro:
Geniale Story, tolle Charaktere, innovative Idee, packend von den ersten Seiten an
Kontra:
Könnte länger sein!
Empfehlung:
Ja
Was ist eigentlich ein Kriminalroman?
Meistens gibt es einen Protagonisten und einen (unbekannten!?) Antagonisten, die sich gegenseitig bekämpfen, oder aber der Protagonist versucht überhaupt erst herauszufinden, wer der geheimnisvolle Täter ist und seine Motive ans Licht zu bringen. Hierbei muss der Protagonist nicht mal ein Polizist sein, oft ist es auch ein Detektiv oder ein einfacher Typ von Nebenan.
In seinem Buch „Felidae“ schafft es Akif Pirincci, dieses Modell einerseits beizubehalten, andererseits total zu verändern.
Felidae ist der lateinische Oberbegriff für die gesamte Rasse "Katze", und der Held in seiner Geschichte ist Francis, ein Kater. Die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt, und dies mit einer Sprache so voller Rhetorik und gefühlvoller Bilder, die ihresgleichen sucht.
Francis ist mit seinem Herrchen Gustav in eine neue Wohngegend gezogen, in der Gustav ein altes und baufälliges Haus gekauft hat. Sofort nach den ersten Seiten des Buches wird dem Leser unzweifelhaft klar, dass das Verhältnis zwischen Gustav und seinem samtpfotigen Kameraden einzigartig ist, und sich auf einer Art Hassliebe gründet, wobei die Liebe und Zuneigung der beiden glücklicherweise immer das letzte Wort hat.
Als Francis nun sein neues Revier begutachtet, geschehen zwei Dinge. Zum einen freundet er sich mit Blaubart an, einer alten und verkrüppelten Katze, die mit ihrem Charme und ihrer versteckten Weisheit Francis und den Leser immer wieder in Erstaunen versetzt und des öfteren ein Schmunzeln verursacht. Zum anderen findet Francis kurz nach Blaubart eine Leiche. Nein, keinen Menschen, wie sicher viele nun geneigt sind zu vermuten, sondern eine Katze, einen Artgenossen, getötet durch einen kräftigen Nackenbiss und neben einem großen Baum einfach in einer Lache aus Blut liegen gelassen.
Dieser Schock kurz nach seinem Einzug lässt Francis in eine tiefe Depression fallen, aus der er nur durch Gustavs kleine Zärtlichkeiten und Blaubarts Hilfe wieder herausfindet. Doch nach und nach geschehen immer mehr Morde, und für Francis steht fest, dass es so nicht weitergehen kann! Menschen sind zwar dumm und ignorant genug sich selbst andauernd gegenseitig zu töten, aber doch nicht Katzen ... oder?
Kurzerhand mutiert Francis vom einfachen, intelligenten Kater von nebenan zum Meisterdetektiv mit dem einen Ziel: Den Mörder finden und seine Motive aufdecken.
Doch dies gestaltet sich im laufe der Geschichte trotz einiger neuer Indizien und Freunde immer schwieriger. Nach und nach werden wie gewohnt Katzen ausgeschaltet, und wie Francis bald herausfindet, waren alle Opfer männlich und auf dem Höhepunkt ihrer Rolligkeit. Nachdem er Bekanntschaft mit der Claudandus – Sekte (Natürlich auch bestehend aus Katzen) und einem hochintelligenten Kater namens Pascal gemacht hat, spitzen sich die Ereignisse langsam zu, denn auch Francis neue Freundin Felicitas, eine wunderschöne aber leider blinde Katze mit beinahe schon philosophischem Gemüt wird auch getötet, noch brutaler und bestialischer als alle anderen vorher.
Natürlich soll hier nicht die ganze Geschichte verraten werden, aber so viel sei vorausgeschickt: Es gibt noch weit mehr Rätsel und Wirrungen als ich angedeutet habe, und alles hat mit grausamen biologischen Experimenten an Katzen in der Vergangenheit zu tun, die im Haus von Francis und Gustav stattgefunden haben, und Pascal, die Katze die einen PC bedienen kann, spielt auch eine nicht gerade kleine Rolle im ganzen Wirrwarr um tote Katzen und Sex. Und natürlich muss auch ein Bezug zum Titel des Buches hergestellt werden, „Felidae“. Lasst Euch von der Geschichte überraschen und fesseln.
Als ich das erste Mal von diesem Buch gehört habe dachte ich bei mir: "Mannomann, bestimmt ein Kinderbuch mit netten Kätzchen und einer kleinen Kriminalgeschichte."
Ich konnte falscher nicht denken, denn Felidae ist kein Buch für Kinder. Ich weiß nicht, ob ein Kind die Story verstehen, sich in die Charaktere hineinversetzen und die grausamen Experimente und anderen Szenen in den Bedeutungszusammenhang einordnen könnte. Überhaupt war ich überrascht, wie interessant und lustig es sein kann, die Welt aus der Sicht einer Katze zu erleben.
Akif Pirincci hat in seinem Buch mit zahlreichen Klischeevorstellungen aufgeräumt und spielt gekonnt mit der Arroganz der Menschen, ihrer Dummheit und dem schon immer total unterschätzten Intellekt der Tiere.
Am besten haben mir allerdings die Schilderungen der Umwelt und aller möglichen Dinge aus Francis Sicht gefallen. In einer wunderbaren Detailverliebtheit und einer bezaubernden und gleichzeitig auch angsteinflößenden Bildersprache fühlt man sich als Leser in ein Wesen hineinversetzt, das Intelligenz, Anmut und Weltgewandtheit verkörpert und dennoch sehr emotional ist. Besonders Francis Alpträume haben es mir angetan. Sie sind so surrealistisch wie Träume nur sein können, und doch passen sie perfekt in die Geschichte und Francis Umwelt, so dass sie schon fast beängstigend realistisch erscheinen.
Eine nette Eigenart in dieser Geschichte ist auch die Art, wie die Katzen über uns Menschen reden und denken. So werden wir oft als dumm und ignorant bezeichnet, was ja in über 99% aller Fälle auch zutrifft (Ich bin da sicherlich keine Ausnahme). Das Beste ist allerdings die Bezeichnung der Katzen für unsere Art. Wir werden passend als "Dosenöffner" bezeichnet, und mal ehrlich, für mehr als das brauchen uns Katzen doch nun wirklich nicht, oder?
Ein tolles Schmankerl ist der Anhang. Hier gibt Pirincci Ein paar sehr ausführliche Erläuterungen zu Katzenrassen, katzenspezifischen Begriffen die im Roman vorkommen und zu einigen Klischees die vierbeinigen Kerle betreffend.
Man merkt, dass der Autor Katzen über alles liebt und ihre Art schlicht und ergreifend bewundert. In einem Interview hat er einmal gesagt, dass es für ihn kein Lebewesen auf der Welt gibt, das schöner ist als eine Katze.
Ich kann Euch diesen außergewöhnlichen Roman nur empfehlen, er ist spannend, lustig, und für Katzenliebhaber sowieso ein Muss. Und wer glaubt, das ein Buch mit nur knapp 290 Seiten nicht genug Spannung und Unterhaltung bieten kann, der wird nach der Lektüre dieses Kriminalromans eines besseren belehrt sein.
Zum Schluss noch ein kleiner Auszug um das kaufen schmackhaft zu machen. Und wie gesagt, die ganze Geschichte wird aus der sicht von Francis, einer Katze, erzählt.
"Wenn Sie meine Geschichte tatsächlich hören wollen - und ich empfehle Ihnen eindringlich, sie zu hören -, so müssen Sie sich zunächst mit dem Gedanken vertraut machen, dass Sie keine angenehme Geschichte hören werden. Im Gegenteil, die mysteriösen Geschehnisse, durch die ich mich im vorigen Herbst und Winter hindurchquälen musste, ließen mir endgültig bewusst werden, dass Harmonie und ein geruhsames Leben selbst für meinesgleichen eine Angelegenheit von kurzer Dauer sind. Heute weiß ich, dass vor dem allgegenwärtigen Horror niemand verschont bleibt und dass das Chaos jeden Augenblick über uns alle hereinbrechen kann. Doch bevor ich Gefahr laufe, einen langweiligen Vortrag über die finsteren Abgründe unseres Daseins zu halten, erzähle ich sie besser, die Geschichte - eine traurige und eine böse Geschichte."
Meistens gibt es einen Protagonisten und einen (unbekannten!?) Antagonisten, die sich gegenseitig bekämpfen, oder aber der Protagonist versucht überhaupt erst herauszufinden, wer der geheimnisvolle Täter ist und seine Motive ans Licht zu bringen. Hierbei muss der Protagonist nicht mal ein Polizist sein, oft ist es auch ein Detektiv oder ein einfacher Typ von Nebenan.
In seinem Buch „Felidae“ schafft es Akif Pirincci, dieses Modell einerseits beizubehalten, andererseits total zu verändern.
Felidae ist der lateinische Oberbegriff für die gesamte Rasse "Katze", und der Held in seiner Geschichte ist Francis, ein Kater. Die Geschichte wird aus seiner Perspektive erzählt, und dies mit einer Sprache so voller Rhetorik und gefühlvoller Bilder, die ihresgleichen sucht.
Francis ist mit seinem Herrchen Gustav in eine neue Wohngegend gezogen, in der Gustav ein altes und baufälliges Haus gekauft hat. Sofort nach den ersten Seiten des Buches wird dem Leser unzweifelhaft klar, dass das Verhältnis zwischen Gustav und seinem samtpfotigen Kameraden einzigartig ist, und sich auf einer Art Hassliebe gründet, wobei die Liebe und Zuneigung der beiden glücklicherweise immer das letzte Wort hat.
Als Francis nun sein neues Revier begutachtet, geschehen zwei Dinge. Zum einen freundet er sich mit Blaubart an, einer alten und verkrüppelten Katze, die mit ihrem Charme und ihrer versteckten Weisheit Francis und den Leser immer wieder in Erstaunen versetzt und des öfteren ein Schmunzeln verursacht. Zum anderen findet Francis kurz nach Blaubart eine Leiche. Nein, keinen Menschen, wie sicher viele nun geneigt sind zu vermuten, sondern eine Katze, einen Artgenossen, getötet durch einen kräftigen Nackenbiss und neben einem großen Baum einfach in einer Lache aus Blut liegen gelassen.
Dieser Schock kurz nach seinem Einzug lässt Francis in eine tiefe Depression fallen, aus der er nur durch Gustavs kleine Zärtlichkeiten und Blaubarts Hilfe wieder herausfindet. Doch nach und nach geschehen immer mehr Morde, und für Francis steht fest, dass es so nicht weitergehen kann! Menschen sind zwar dumm und ignorant genug sich selbst andauernd gegenseitig zu töten, aber doch nicht Katzen ... oder?
Kurzerhand mutiert Francis vom einfachen, intelligenten Kater von nebenan zum Meisterdetektiv mit dem einen Ziel: Den Mörder finden und seine Motive aufdecken.
Doch dies gestaltet sich im laufe der Geschichte trotz einiger neuer Indizien und Freunde immer schwieriger. Nach und nach werden wie gewohnt Katzen ausgeschaltet, und wie Francis bald herausfindet, waren alle Opfer männlich und auf dem Höhepunkt ihrer Rolligkeit. Nachdem er Bekanntschaft mit der Claudandus – Sekte (Natürlich auch bestehend aus Katzen) und einem hochintelligenten Kater namens Pascal gemacht hat, spitzen sich die Ereignisse langsam zu, denn auch Francis neue Freundin Felicitas, eine wunderschöne aber leider blinde Katze mit beinahe schon philosophischem Gemüt wird auch getötet, noch brutaler und bestialischer als alle anderen vorher.
Natürlich soll hier nicht die ganze Geschichte verraten werden, aber so viel sei vorausgeschickt: Es gibt noch weit mehr Rätsel und Wirrungen als ich angedeutet habe, und alles hat mit grausamen biologischen Experimenten an Katzen in der Vergangenheit zu tun, die im Haus von Francis und Gustav stattgefunden haben, und Pascal, die Katze die einen PC bedienen kann, spielt auch eine nicht gerade kleine Rolle im ganzen Wirrwarr um tote Katzen und Sex. Und natürlich muss auch ein Bezug zum Titel des Buches hergestellt werden, „Felidae“. Lasst Euch von der Geschichte überraschen und fesseln.
Als ich das erste Mal von diesem Buch gehört habe dachte ich bei mir: "Mannomann, bestimmt ein Kinderbuch mit netten Kätzchen und einer kleinen Kriminalgeschichte."
Ich konnte falscher nicht denken, denn Felidae ist kein Buch für Kinder. Ich weiß nicht, ob ein Kind die Story verstehen, sich in die Charaktere hineinversetzen und die grausamen Experimente und anderen Szenen in den Bedeutungszusammenhang einordnen könnte. Überhaupt war ich überrascht, wie interessant und lustig es sein kann, die Welt aus der Sicht einer Katze zu erleben.
Akif Pirincci hat in seinem Buch mit zahlreichen Klischeevorstellungen aufgeräumt und spielt gekonnt mit der Arroganz der Menschen, ihrer Dummheit und dem schon immer total unterschätzten Intellekt der Tiere.
Am besten haben mir allerdings die Schilderungen der Umwelt und aller möglichen Dinge aus Francis Sicht gefallen. In einer wunderbaren Detailverliebtheit und einer bezaubernden und gleichzeitig auch angsteinflößenden Bildersprache fühlt man sich als Leser in ein Wesen hineinversetzt, das Intelligenz, Anmut und Weltgewandtheit verkörpert und dennoch sehr emotional ist. Besonders Francis Alpträume haben es mir angetan. Sie sind so surrealistisch wie Träume nur sein können, und doch passen sie perfekt in die Geschichte und Francis Umwelt, so dass sie schon fast beängstigend realistisch erscheinen.
Eine nette Eigenart in dieser Geschichte ist auch die Art, wie die Katzen über uns Menschen reden und denken. So werden wir oft als dumm und ignorant bezeichnet, was ja in über 99% aller Fälle auch zutrifft (Ich bin da sicherlich keine Ausnahme). Das Beste ist allerdings die Bezeichnung der Katzen für unsere Art. Wir werden passend als "Dosenöffner" bezeichnet, und mal ehrlich, für mehr als das brauchen uns Katzen doch nun wirklich nicht, oder?
Ein tolles Schmankerl ist der Anhang. Hier gibt Pirincci Ein paar sehr ausführliche Erläuterungen zu Katzenrassen, katzenspezifischen Begriffen die im Roman vorkommen und zu einigen Klischees die vierbeinigen Kerle betreffend.
Man merkt, dass der Autor Katzen über alles liebt und ihre Art schlicht und ergreifend bewundert. In einem Interview hat er einmal gesagt, dass es für ihn kein Lebewesen auf der Welt gibt, das schöner ist als eine Katze.
Ich kann Euch diesen außergewöhnlichen Roman nur empfehlen, er ist spannend, lustig, und für Katzenliebhaber sowieso ein Muss. Und wer glaubt, das ein Buch mit nur knapp 290 Seiten nicht genug Spannung und Unterhaltung bieten kann, der wird nach der Lektüre dieses Kriminalromans eines besseren belehrt sein.
Zum Schluss noch ein kleiner Auszug um das kaufen schmackhaft zu machen. Und wie gesagt, die ganze Geschichte wird aus der sicht von Francis, einer Katze, erzählt.
"Wenn Sie meine Geschichte tatsächlich hören wollen - und ich empfehle Ihnen eindringlich, sie zu hören -, so müssen Sie sich zunächst mit dem Gedanken vertraut machen, dass Sie keine angenehme Geschichte hören werden. Im Gegenteil, die mysteriösen Geschehnisse, durch die ich mich im vorigen Herbst und Winter hindurchquälen musste, ließen mir endgültig bewusst werden, dass Harmonie und ein geruhsames Leben selbst für meinesgleichen eine Angelegenheit von kurzer Dauer sind. Heute weiß ich, dass vor dem allgegenwärtigen Horror niemand verschont bleibt und dass das Chaos jeden Augenblick über uns alle hereinbrechen kann. Doch bevor ich Gefahr laufe, einen langweiligen Vortrag über die finsteren Abgründe unseres Daseins zu halten, erzähle ich sie besser, die Geschichte - eine traurige und eine böse Geschichte."
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