Psychologie Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Gesamteindruck:  gut
  • Betreuung durch Lehrstühle:  gut
  • Technische Ausstattung:  schlecht
  • Lehrniveau:  hoch
  • Qualität der Lehrkräfte:  gut
  • Mensa:  nicht wie bei Muttern, aber ok
  • Chancen für Auslandssemester:  gut
  • Hochschulleben:  Party-Campus
  • Jahr der Immatrikulation:  2003

Erfahrungsbericht von meridian_star

Psychologie als Naturwissenschaft - in Dresden!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

In Dresden ist die Psychologie an die Fakultät Mathematik und Naturwissenschaften angegliedert. Dies hat Tradition und äußert sich auch in der besonderen Ausbildung der Studenten.
Ich studiere zur Zeit im achten Semester und möchte Euch einiges über mein Studium erzählen.

Zugangsvoraussetzungen:

Psychologie ist ein numerus clausus Fach, das heißt, man muss einen Antrag an die Zentrale Vergabestelle für die Studienplätze (ZVS) schicken.
Hier werden über Abiturnoten oder Wartezeiten hin die limitierten Plätze vergeben. In Dresden werden nach meiner Information 120 Studenten jeweils zum Wintersemester aufgenommen. Der Numerus clausus betrug zu meinem Studienbeginn 1,6.

Studiendauer:

Für das Studium sind zunächst erst einmal 9 Semester vorgesehen: 4 Sem. Grundstudium, 4 Sem. Hauptstudium, 1 Sem. Diplomarbeit. Außerdem muss man 16 Wochen Praktikum nachweisen (egal ob in Ferien gesplittet oder in Urlaubssemester).
Die Vordiplomsprüfung muss nach spätestens 6 Sem. abgeschlossen sein, sonst wird man exmatrikuliert.

Grundstudium:

Hauptinhalte des Grundstudiums sind die 7 Vordiplomsfächer:
- Sozialpsychologie (Psychologie der Gruppe, Interaktion zwischen Menschen, Wahrnehmung der eigenen Person etc.)
- Entwicklungspsychologie (in Dresden EP der Lebensspanne mit Schwerpunkt Gerontopsychologie!)
- Allgemeine Psychologie 1 und AP 2 (u. a. Gedächtnispsy., Emotionspsy., Wahrnehmungspsy., Denkpsy., Sprachpsy. - 2 getrennte Fächer)
- Biopsychologie (Nervensystem, ZNS, Atmung, Kreislauf...)
- Persönlichkeitspsychologie (Intelligenztheorien, Persönlichkeitstheorien)
- Methodenlehre (Mathematik, Datenverarbeitung, wissenschaftliche Gütekriterien und Methoden)

Der Schwerpunkt liegt übrigens auf der Methodenausbildung, Mathematik ist also ein großer Bestandteil des Studiums, aber durchaus zu schaffen!
Außerdem besucht ihr 4 Seminare aus 4 verschiedenen Gebieten und belegt Praktika (Beobachtungs-, Interview-, Experimentales Praktikum)
Außerdem muß ein Englischkurs absolviert werden, da viel Literatur in Originalsprache vorkommt, ist das sehr nützlich. (man kommt zur Not aber ebenfalls mit geringeren Kenntnissen aus, auch wenn die Profs das anders sehen)

Hauptstudium:

Im Hauptstudium wird es dann so richtig interessant, denn hier geht es um die Anwendungsfächer:

Anwendungsfächer (2 von 3 sind vertiefend zu studieren):
- klinische Psy. (Klassifikation und Kriterien psychischer Störungen, klinische Diagnostik)
- Arbeits-,Betriebs-,Organisationspsy. (Arbeitsplatzgestaltung, Tätigkeitsabläufe, Personalauswahl, Gruppen- und Einzelarbeit ...)
- Pädagogische Psy. (Interaktion/Kommunikation/Beratung, Lehren und Lernen, Umgang mit Medien)

Ansonsten:
- Forschungs- und Evaluationsmethoden (Noch einmal Forschungsdesigns und Versuchsplanung, Durchführung von Evaluationsstudien)
- Diagnostik und Intervention (Anwendung und Begutachtung von standardisierten und halbstandardisierten Verfahren (Fragebögen und Interviews); Gutachten verfassen; entscheidungsorientierte Gesprächsführung)
- Forschungsorientierte Vertiefung (mit Belegarbeit, Auswahl an verschiedenen Themen in kleinen Gruppen)
- Nebenfach (zum Beispiel Informatik, Arbeits/Sozialmedizin, Neurologie/Psychiatrie/Innere Medizin, BWL, Personalwesen, Soziologie)
- Seminare

Prüfungen:

Bis auf einige Klausuren als Zugangsvoraussetzungen sind die Vordiploms/Diplomprüfungen mündlich und dauern 30 Minuten. Geprüft wird der gesamte Stoff des Grund/Hauptstudiums.

Professoren:

Dresden hat einige kleine \"Berühmtheiten\" zu bieten. Im klinischen Bereich war das bis vor einem Jahr Prof. Markgraf, jetzt der ebenfalls recht bekannte Prof. Wittchen. Die Ausbildung im klinischen Bereich ist sehr umfangreich und umfasst neben den relevanten Störungsbildern auch ein Seminar zur Gesprächsführung und klinischen Diagnostik (eine Diagnose an einem Patienten mittels Fragebogen erstellen).
Die Arbeitspsychologie hat hier einen sehr guten Ruf und wird von 2* Prof Richter und Prof. Velichkovsky vertreten.
Die Pädagogische Psychologie wird von gleich drei Professoren vertreten, was manchmal etwas nachteilig ist, da ihre Themengebiete sich zum Teil überschneiden (die Zahl ist ungewöhnlich, da häufig nur einer).
Die Diagnostikausbildung des Hauptstudiums wird von Prof. Westhoff geleitet. Hier hat man als Student viel zu tun, aber auch viel zu lernen. So müssen eigenständig Fragebögen eingesetzt und bewertet werden und Gutachten geschrieben werden.
Auch im Grundstudiumsbereich gibt es einige nennenswerte Professoren (z. B. Prof Hacker), allerdings werdet ihr das bald selbst herausfinden.
(mir sagten all diese Namen bis vor kurzem gar nichts, deswegen ist es vielleicht auch nicht sooo wichtig)
Die Betreuung ist aber insgesamt recht gut, Sprechzeiten und Möglichkeiten für persönliche Fragen gibt es in gutem Rahmen.

Arbeitsplätze/Bibliothekenangebot

Die Dresdner Psychologie-Bibliothek ist relativ klein und nicht mit genügend Exemplaren ausgestattet. Für die 120 Studenten eines Jahres stehen von manchen Büchern nicht einmal 2-3 Exemplare zur Verfügung. Leider gehen Bücher auch durch Diebstahl verloren und können aufgrund des Geldmangels nicht ersetzt werden. Die Standardwerke sind jedoch i. d. R. zumindest im Lesesaal verfügbar.
Die Computerarbeitsplätze hingegen ist top. Circa 40 neu angeschaffte Plätze mit großen LCD-Schirmen stehen zur Verfügung. Nur über eine Chipkarte erhält man zu den Räumen Zugang - man kann also sicher sein, dass keine fachfremden Studenten Plätze belegen.

Mensa

Es gibt mehrere Mensen in Dresden, um die zahlreichen Studenten zu versorgen (~24000). Bezahlt wird mit einem Chip, der vorher aufgeladen wird. So gibt es an den Kassen keine größeren Wartezeiten. Das Essen ist gut und meist stehen mehrere Speisen zur Auswahl. Preis: ~ ? 1,60 (je nach Angebot)

Fazit:

Ich bereue meine Entscheidung, in Dresden Psychologie zu studieren überhaupt nicht. Das Grundstudium ist zwar noch etwas \"fachfern\", hat mit Menschen an sich noch nicht allzu viel zu tun, aber das ändert sich spätestens im Hauptstudium. Wir haben einen relativ geringen Stundenumfang, mehr als 20 bis maximal 25 Stunden braucht ihr nicht zu erwarten. Die Stundenpläne sind am Anfang vorbereitet, erst im Hauptstudium muss man sich um alles selbst kümmern.
Außerdem muss man hier in Dresden ein sogenanntes studium generale absolvieren - also Lehrveranstaltungen auch in anderen, studienfremden Fächern besuchen. Dies ist eine schöne Ergänzung und man kann auch mal über seinen Tellerrand hinausschauen.

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