Die Räuber (gebundene Ausgabe) / Friedrich Schiller Testbericht

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Erfahrungsbericht von SVoigt3000

SCHILLER-JAHR: Freiheit um jeden Preis...

Pro:

Interessantes Thema, gut dargestellte Charaktere, eindrucksvolle und nachdenkenswerte Sätze

Kontra:

Hat noch nicht die Wucht von Schillers späteren Dramen

Empfehlung:

Ja

Das Schiller-Jahr neigt sich allmählich dem Ende entgegen, aber ich möchte die verbleibende Zeit nutzen, um, in loser Folge, ein paar Werke Schillers vorzustellen. Los geht es mit seinem ersten Drama: „Die Räuber“.

-----HANDLUNG:-----
Maximilian, Graf von Moor, hat zwei Söhne – Franz und Karl. Karl war zwar immer sein Liebling, aber der hat sich vor Jahren davon gemacht und lebt nun im fernen Leipzig, wo er sich wohl nicht gerade standesgemäß gibt. Das nutzt Franz aus, um seinen Vater gegen den Bruder aufzubringen. Denn Franz möchte unbedingt das Erbe allein für sich haben – und die Macht.

Franz\' Plan geht auf. Maximilian lässt Franz an Karl schreiben, dieser wolle nie mehr nach Hause kommen. Als Karl den Brief liest, fühlt er sich allein gelassen, unverstanden und denkt, sein Vater würde ihn hassen. Dabei weiss er nicht, dass Franz all seine Briefe an den Vater unterschlagen hat. So beschließt Karl dann, der bürgerlichen Welt abzuschwören und sich einer Räuberbande anzuschließen, die auf nichts Rücksicht nimmt – in der also scheinbar große Freiheit herrscht.

Franz hingegen lebt auf dem väterlichen Anwesen und kann dann auch, nach Maximilians Tod, das Erbe antreten. Er hat nun die alleinige Macht und grenzenlose Freiheit. Nun muss er nur noch die schöne Amalia bekommen, die allerdings seit Jahren auf Karl wartet, den sie so sehr liebt.


-----FRIEDRICH SCHILLER:-----
Friedrich Schiller wurde 1759 in Marbach am Neckar geboren. 1773 musste er in die Militärakademie, wo er zunächst Rechtswissenschaften studierte. Später brach er das Studium allerdings ab und fing an Medizin zu studieren. 1780 schloss er das Studium ab und wurde Militärarzt.

Ein Jahr später schloss er die Arbeit an „Die Räuber“ ab. Das Stück sollte dann 1782 in Mannheim uraufgeführt werden. Schiller hatte allerdings vom Herzog keine Erlaubnis, Stuttgart zu verlassen. Er tat es trotzdem. Legendär floh er von Stuttgart nach Mannheim und bekam so persönlich den großen Erfolg seiner „Räuber“ mit. Das Publikum brach in lauten Jubel aus. Weniger gejubelt hat der Herzog, dem Schillers Flucht nicht gefiel und der ihn darum 14 Tage ins Gefängnis steckte und ihm bis auf Weiteres das Schreiben verbot.

Danach reiste Schiller wieder nach Mannheim und arbeitete dort als Theaterdichter. 1783 erkrankte er dann allerdings an Malaria. Dies sollte aber nicht seine einzige schwere Krankheit bleiben. 1791 erkrankte er an Tuberkulose. Diese Krankheit lies ihn danach nicht mehr los und vermutlich starb er auch daran.

1789 bekam Schiller eine Professur in Jena als Philosoph, lehrte dort aber als Historiker. Die Stelle bekam er wohl durch Goethe, der erstmal keine Konkurenz in Weimar dulden wollte. Später aber, das weiss wohl jedes Kind, freundeten Schiller und Goethe sich an und tauschten sich über ihre Werke aus. So ist zum Beispiel Schillers Drängen und Aufmuntern zu verdanken, dass Goethe den „Faust“ weiter schrieb. Vorher aber, 1790, heiratete Schiller Charlotte von Lengefeld, mit der er später mehrere Kinder hatte.

Wieder in Weimar arbeitete er an vielen großen Werken der deutschen Literatur und hatte, wie bereits gesagt, ein gutes Verhältnis zu Goethe. 1802 bekam Schiller das Adelsdiplom überreicht, wodurch er nun „von Schiller“ hieß. Am 9. Mai 1805 starb Schiller an einer Lungenentzündung, die wohl durch die Tuberkuloseerkrankung hervor gerufen wurde.

Weitere Werke: Die Räuber, Kabale und Liebe, Don Carlos, Wallenstein, Wilhelm Tell, Maria Stuart, Das Lied von der Glocke, Ode an die Freude...


-----ZAHLEN, DATEN, FAKTEN:-----
Titel: Die Räuber
Autor: Friedrich Schiller
Verlag: Reclam, Stuttgart
Erschienen: 2001
Seiten: 149


-----KOMMENTAR:-----
Schiller hat mit den „Räubern“ das geschafft, was Goethe mit dem „Werther“ gelang – über Nacht berühmt zu werden. Während die Selbstmorde aus unglücklicher Liebe nach dem „Werther“ drastisch zunahmen, schlossen sich immer mehr Jugendliche nach dem Erfolg von „Die Räuber“ zu Räuberbanden zusammen und Schiller wurde ein großer Spitzname verliehen, der so manchem deutlich zu groß gewesen wär – Schiller wurde der „deutsche Shakespeare“ genannt.

Für mich steht außer Frage, dass Schiller der größte Dramatiker in Deutschland war und ist. Schillers Dramen übertreffen jene von Goethe meiner Meinung nach klar. Aber ist er wirklich ein deutscher Shakespeare? Shakespeares Dramen haben etwas Großes und haben eine außergewöhnliche Wucht, die schwer zu beschreiben ist. Irgendwann kommt bei Shakespeare immer der ganz große Knall, das große und tiefe Loch, in das die Charaktere fallen. Diese Wucht ist auch bei Schiller zu spüren, allerdings noch nicht so sehr bei den „Räubern“, wie ich finde. In der Szene, in der Franz unbedingt zur Religion zurück finden möchte, da ist diese Wucht schon zu spüren. Aber ansonsten nicht so stark. Das wird bei seinen späteren Dramen deutlicher, wie ich finde.

Trotzdem sind „Die Räuber“ beeindruckend und auf jeden Fall zu empfehlen. Sie beinhalten einige Szenen, die ganz stark und nachdenkenswert sind. So sagt Karl, der irgendwann merkt, dass sein Freiheitsdrang unmoralische Nebenwirkungen hat: „Außendinge sind der Anstrich des Manns – I c h bin mein Himmel und meine Hölle“ (4. Akt, 5. Szene / S. 119 bei oben genannter Reclam-Ausgabe). Wenn das nicht ein Satz ist, der zu Karl von Moor genauso passt, wie in die heutige Zeit, in der jeder glaubt, seinen Himmel in einem teuren Auto oder einem schicken Designer-Kleid finden zu können.

Vor all diesen Einsichten des Fehlverhaltens beschreibt Schiller aber zwei gegensätzliche Brüder, die beide nach einer Sache suchen – Freiheit.

Franz, der in der Vorrede als ein Mann charakterisiert wird, der weder den Menschen, noch der Religion zugewandt ist, glaubt seine Freiheit persönliche Freiheit zu erlangen, wenn er seinen Vater beerbt („Herr muss ich sein, dass ich das mit Gewalt ertrotze, wozu mir die Liebenswürdigkeit gebricht.“ - 1. Akt, 2. Szene / S. 21). Dann kann er allein herrschen und braucht auf nichts und niemanden mehr Rücksicht nehmen. So glaubt er auch, einfach so von der schönen Amalia Besitz ergreifen zu können – Widerspruch von ihr duldet er nicht.

Karl hingegen sucht seine Freiheit jenseits des Bürgertums und glaubt, dafür sei die Räuberbande, die er dann ja auch noch anführt, der richtige Platz. Als Räuber gibt es natürlich keine Gesetze und bei seinen Taten steht eines im Vordergrund: Deren Größe, die Kraft, die man für sie braucht und die Gefahr, in der man schwebt. Dabei erkennt er zu spät, dass seine Taten für andere Menschen großes Unglück und sogar den Tod bringen. Am Ende erkennt er aber, dass er unmoralisch gehandelt hat und zieht daraus seine Konsequenzen – er übergibt sich selbst der Justiz.

Wichtig ist aber, dass Schiller die Charaktere von Franz und Karl nicht einseitig darstellt. Beide haben böse und gute Seiten und die Verhaltensweisen Beider sind erklärbar. So hatte Franz zum Beispiel seit seiner Kindheit damit zu kämpfen, dass Karl scheinbar der Lieblingssohn seines Vaters war. Außerdem beschreibt er sich selbst als hässlich, während Karl sehr gut aussieht. Beides führte dann mit Sicherheit zu einem Liebesdefizit – einmal durch seinen Vater und dann auch durch den Mangel an Liebschaften – das dazu führte, dass auch er die Menschen nicht lieben kann.

Bei Karl sieht es ähnlich aus. Er ist zwar der Räuber, der schlimmste Verbrechen begeht, hat aber ein Gewissen und eine Moral – beides meldet sich aber bloß meistens recht spät. Außerdem beweist er immer wieder Mut und Geschick. Auch er ist also nicht eindimensional als Charakter.

Zum Schluss nun noch die Frage, ob „Die Räuber“ denn schwer zu lesen wären. Ich studiere Germanistik und wenn ich erzähle, was ich dafür so lese, dann kommt immer die Entgegnung: „Das ist aber alles unglaublich schwer zu lesen.“ Anfangs ist das auch so, aber wenn man immer mehr Goethe, Schiller und deren Zeitgenossen liest, dann bekommt man Übung darin und wird auch noch mit großartiger Literatur belohnt. Einige der großen Sätze habe ich hier ja schon genannt und davon gibt es in „Die Räuber“ noch viele mehr. Außerdem kann man immer wieder seine Gedanken schweifen lassen und stundenlang über das Gelesene grübeln. Also: Für Ungeübte sicher nicht gerade leichte Kost – aber es lohnt sich. Im Übrigen sind Schillers „Räuber“ ja nun auch Allgemeinbildung, die man einfach gelesen haben muss.


-----FAZIT:-----
Der Erstling des „deutschen Shakespeare“ ist gleich ganz große Literatur und zeigt, warum Schiller auch der Freiheits-Dichter geworden ist. Ein Muss – nicht nur für Schiller-Freunde, sondern für jeden. „Die Räuber“ sind zu Recht Allgemeinbildung.

2 Bewertungen, 1 Kommentar

  • morla

    11.07.2006, 00:58 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich